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Kreislaufwirtschaft rechnet sich erst, wenn Design und Finanzierung mitziehen

Eine Matratze, die nach ihrer Nutzung nicht zum Sperrmüll wird, macht Kreislaufwirtschaft greifbar. Im Wiener Stadtlabor zeigt sich: Der ökologische Umbau kann neue Geschäfte schaffen. Dafür müssen Produktdesign, Finanzierung, städtische Beschaffung und Rücknahme jedoch von Anfang an zusammenspielen.

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Podcast16.02.2026

Im Müllraum steht wieder eine alte Matratze. Die naheliegende Frage lautet: Wohin damit? In der linearen Wirtschaft endet die Geschichte meist beim Sperrmüll. Im Stadtlabor beginnt sie dort erst. Verena Juttmeier von MATR präsentiert eine Matratze, deren Materialien getrennt, zurückgeholt und erneut verarbeitet werden können. Das unscheinbare Alltagsprodukt wird damit zum Prüfstein für eine größere Frage: Wann ist Nachhaltigkeit nicht bloß ein Zusatz, sondern ein tragfähiges Geschäftsmodell?

Darüber diskutieren der Wiener Stadtrat für Klimaschutz, Umwelt und Demokratie Jürgen Czernohorski, Andreas Dillinger von der Wirtschaftskammer Wien und Unternehmerin Juttmeier. Weitere Stimmen aus Finanzwirtschaft, Mode und einem Wiener Traditionsbetrieb erweitern die Perspektive. Bei allen Unterschieden geht es um dieselbe praktische Arbeit: Produkte planen, Gebäude nutzen, Investitionen bewerten und Leistungen verkaufen. Green Economy entsteht nicht durch ein grünes Etikett.

Aus weniger Ressourcen muss mehr Wert entstehen

Czernohorski beschreibt Kreislaufwirtschaft mit einem einfachen Bild: Wenn die Zutaten knapp werden, hilft es nicht, immer größere Kuchen backen zu wollen. Es geht darum, bessere zu backen. Dazu gehört auch Wissen, das frühere Generationen selbstverständlich angewandt haben – Lebensmittel nicht verderben lassen, einen Socken stopfen, Dinge wertschätzen und weiterverwenden.

Nostalgie allein reicht allerdings nicht. Die Wiener Strategie „Zirkuläres Wien – eine runde Sache“ umfasst laut Diskussion 33 Hebel. Sie reicht von Reparatur, Teilen und Tauschen über Lebensmittel bis zur Baubranche und zum Einsatz moderner Technologie. Für Betriebe eröffnet das neue Felder: Wer Material spart, Produkte länger nutzbar macht oder Rücknahmesysteme organisiert, senkt nicht nur Verschwendung. Er kann eine Leistung anbieten, für die es Kundinnen und Kunden gibt.

Die Stadt beeinflusst diesen Markt selbst. Sie kauft in großem Umfang ein, schreibt Wettbewerbe aus und setzt damit Anforderungen. Kreislauffähige Lösungen bekommen so die Chance, vom Pilotprojekt zum Standard zu werden. Der ökologische Anspruch wird zur wirtschaftlichen Nachfrage.

Ein Gebäude kann zum Materiallager werden

Besonders deutlich wird das beim Bauen. Gebäude verbrauchen viele Ressourcen und bleiben lange Teil der Stadt. Der energiesparende Betrieb eines Neubaus ist deshalb nur ein Teil der Aufgabe. Er sollte später auch anders genutzt, umgebaut und in seine Bestandteile zerlegt werden können.

In der Sendung berichtet Czernohorski von einem Wiener Zirkularitätsfaktor. Damit soll beurteilt werden können, wie zukunftsfähig ein Gebäude ist: Sind Materialien trennbar? Lassen sie sich erneut verwenden? Kann das Haus andere Nutzungen aufnehmen, ohne abgerissen zu werden? Beim Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof sollen solche Kriterien zur Grundlage von Wettbewerben werden.

Die zweite große Aufgabe liegt im Altbau. In der Diskussion wird ein klassischer Zielkonflikt sichtbar: Eine Sanierung senkt den Energieverbrauch und die Kosten für Mieterinnen und Mieter. Die Investition trägt aber häufig die Eigentümerseite, ohne sie ausreichend refinanzieren zu können. Vertreter aus Finanzwirtschaft, Wirtschaftskammer und Stadt sprechen deshalb über Förderungen sowie mögliche Bonus-Malus-Modelle. Die konkrete Ausgestaltung bleibt offen. Klar ist nur: Bleibt dieser Interessenkonflikt ungelöst, wird vorhandenes Sanierungspotenzial nicht genutzt.

Banken steuern mit, wohin Geld fließt

Auch die Rolle von Banken wird im Stadtlabor neu gerahmt. Für ihre ökologische Wirkung ist nicht entscheidend, ob auf dem eigenen Dach Bienenstöcke stehen. Es zählt, was sie finanzieren und wohin sie Kundengelder lenken.

Aus Sicht des Bankvertreters kommen dabei mehrere Interessen zusammen. Kundinnen und Kunden fragen nachhaltige Veranlagungen und Finanzierungen nach. Nicht nachhaltige Geschäftsmodelle können wirtschaftliche Risiken verursachen. Gleichzeitig entstehen neue Investitionsmöglichkeiten. Kreislaufwirtschaft wird damit weder zur reinen Gewissensfrage noch zum Selbstläufer. Sie muss Risiken verringern, Erträge ermöglichen und in ein belastbares Finanzierungskonzept passen.

Gerade bei langfristigen Gütern wie Immobilien zeigt sich, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen sind. Förderungen können einen Teil tragen. Für die große Umstellung braucht es aber Modelle, bei denen ökologische Verbesserungen nicht dauerhaft gegen soziale Leistbarkeit oder wirtschaftliche Vernunft ausgespielt werden.

Die Matratze zeigt, was gutes Design leisten muss

Das Beispiel von MATR setzt früher an: beim Produktdesign. Juttmeier erklärt, dass bereits zu Beginn festgelegt wird, ob sich ein Produkt zerlegen, reparieren und wiederverwerten lässt. Die gezeigte Hotelmatratze besteht im Wesentlichen aus Stahl und Polyester. Auch der Klebstoff ist so gewählt, dass die Schichten getrennt und die Materialien wieder in die Produktion zurückgeführt werden können.

Damit ist der Kreislauf noch nicht geschlossen. MATR bietet Hotels deshalb auch die Rückholung an. Die Matratzen werden zerlegt, die einzelnen Stoffe gehen an Recyclingpartner und von dort wieder in die Produktion. Das klingt einfach, erfordert laut Juttmeier aber mehrere Organisationen entlang der Wertschöpfungskette. Zum kreislauffähigen Produkt kommen also Logistik, Partnerschaften und eine über Jahre verlässliche Zusage.

Die Unternehmerin spricht ebenso offen über die wirtschaftliche Seite. Das Produkt soll bei den Investitionskosten mit anderen hochwertigen, in Europa produzierten Matratzen mithalten. Das Unternehmen befindet sich laut Gespräch noch in der Entwicklungsphase. Bis Hotels den Vorteil eines kreislauffähigen Produkts verstehen und ihre Kaufentscheidung treffen, braucht es Zeit. Ihre offene Antwort ist aufschlussreich: Eine gute Idee ist erst dann ein Geschäftsmodell, wenn Preis, Qualität, Rücknahme und Absatz zusammenpassen.

Langlebigkeit ist kein Gegensatz zu Innovation

Ein Wiener Modeunternehmen zeigt eine weitere Seite. Fanny Abrari setzt mit fabrari auf lokale Produktion, kurze Wege und die Zusammenarbeit mit einer integrativen Werkstätte. Gleichzeitig schildert sie den Druck kleiner Labels: hohe Mieten, finanzstarke Konkurrenz und viel Erklärungsarbeit gegenüber Kundinnen und Kunden. Nachhaltige Qualität muss ihren höheren Wert sichtbar machen, ohne sich allein auf Überzeugung zu verlassen.

Die Stadt kann dafür Infrastruktur schaffen. Genannt werden ein Reparaturnetzwerk, Reparaturcafés, Leihläden und Plattformen, über die Angebote bekannter werden. Solche Leistungen sind nicht das Gegenteil von Wirtschaft. Sie sichern Arbeit in Handwerks- und Reparaturbetrieben und verschieben Wertschöpfung vom schnellen Neukauf zur längeren Nutzung.

Dass dies kein neuer Gedanke sein muss, zeigt der Traditionsbetrieb am Ende der Runde. Dort gehören Reparatur und Restaurierung seit Langem zum Geschäft. Produkte werden als Erbstücke verstanden, nicht als Ware für eine Saison. Innovation bedeutet in diesem Modell, neue Technik aufzunehmen, ohne Langlebigkeit aufzugeben.

Wiens Wirtschaft wird daher nicht klimafit, indem jedes Unternehmen dasselbe tut. Kreislauffähiges Handeln muss in den Kern des Betriebs rücken: in Design und Materialwahl, Finanzierung und Beschaffung, Wartung und Rücknahme. Wo diese Teile zusammenfinden, wird aus weniger Ressourcen nicht weniger Wirtschaft – sondern ein anderes, belastbareres Geschäft.


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[00:00] Hallo und gratuliere dir. Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Herzlich Willkommen bei Forerunners Network und herzlich Willkommen bei unserer vierteiligen Serie Das Stadtlabor. Vielleicht kommen noch einige andere, aber wir haben einmal einen interessanten Anfang gemacht. Das Stadtlabor ist ein besonderes Veranstaltungs- und TV-Format und natürlich auch Podcast-Format von Forerunners Network, wo die Zukunft der urbanen Nachhaltigkeitsprogramme erörtert wird. Hier treffen sich Meinungsmacherinnen, Vordenkerinnen, Vordenkerinnen, Forscherinnen, Stadtmacherinnen, um die wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen der Stadt auf den Punkt zu bringen. Das Besondere daran, wir sind nicht in einem Palais oder sonst irgendwo, sondern dort, wo Arbeit, Laborer tatsächlich passiert, in den Jägerwaldstudios im Wirtschaftspark Breitensee.

[01:21] Ein modernisiertes Fabriksareal, wo Start-ups und Kreativunternehmen gemeinsam mit Handwerksbetrieben inklusiv und gemeinsam die Zukunft gestalten. Folge 2 Green Economy – Wie klimafit ist Wiens Wirtschaft? Zirkuläres Wirtschaften bietet Chancen auf mehreren Ebenen. Im Fokus, wie können Wiener Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil generieren, weil ihnen der Übergang zu einem ökologisch und sozial nachhaltigen Wirtschaften gelungen ist. Neue Ideen und erfolgreiche Lösungen für zirkuläre Lösungen – Made in Vienna. Das ist spannend und wen erleben wir an Pendel. Jürgen Schenachorski, Stadtrat für Klima und Umwelt. Andreas Dillinger, Standortanwalt der Wirtschaftskammer Wien. Und Verena Juppmeier, die Geschäftsführerin von METREL – Kreislauffähige Matratzen. Gemeinsames Gestalten, Nutzen und Teilen als neuer Mainstream. Das ist Green Economy in Wiens neuer Wirtschaft. Wir wünschen viel Vergnügen. Hallo und herzlich willkommen im Stadtlabor. Schön, dass Sie eingeschalten haben. Wir stellen uns heute diese Fragen. Wie klimafit ist Wiens Wirtschaft? Was bringt denn die Kreislaufwirtschaft unseren Betrieben wirklich?

[02:39] Und wie kann die neue Strategie Wiens, nämlich mit dem lautenden Titel »Zirkuläres Wien – eine runde Sache« den Unternehmern dabei helfen, eine grüne Zukunft anzusteuern und auch durchzusetzen? Mein Name ist Conny Kreuter und ich freue mich sehr auf die heutige Podiumsdiskussion mit folgenden Gästen. Wir haben den Wiener Stadtrat für Klima und Umwelt zu Gast Jürgen Schenachorski. Die Wiener Unternehmerin für nachhaltige Matratzen, Verena Juttmeier. Und den Standortanwalt der Wiener Wirtschaftskammer, Andreas Dillinger. Schön, dass Sie da sind. Und Sie hören es auch schon am Applaus. Wir haben auch Publikum eingeladen. Denn hier bei uns im Stadtlabor geht es uns ums Aug und Aug. Wir wollen auf Augenhöhe miteinander diskutieren, miteinander sprechen. Und auch im Publikum sitzen Expertinnen und Experten. Und es geht hier um den direkten Austausch. Also schön, dass Sie, dass ihr heute auch da seid. Und wir starten gleich mit der neuen Strategie Wiens.

[03:49] Tirkuläres Wien, eine runde Sache. Ein schöner Titel, finde ich. Was steckt denn dahinter, Herr Stadtrat? Warum braucht es eine Strategie? Und was genau beinhaltet sie? Ja, jedenfalls steckt einmal zuallererst ziemlich viel Arbeit dahinter von allen unterschiedlichen Expertinnen und Experten innerhalb der Stadt. Mit dem Ziel, große Schwerpunkte in den nächsten Jahren so richtig, richtig intensiv anzugehen. Warum? Im Wesentlichen geht es uns um eine zentrale Sache. Auch für die nächsten Jahre und Jahrzehnte ein gutes Leben in unserer Stadt zu ermöglichen. Wir sind in der Stadt stolz drauf auf die Lebensqualität, die wir haben. Aber wir möchten das auch in 10, in 20, in 30 Jahren so haben. Und da braucht es gerade, was die Bedingungen für das Wirtschaften, was den Umgang mit den Ressourcen, die wir in einer Stadt zur Verfügung haben, betrifft, auch neue Zugänge. Und das ist eigentlich die Kreislaufwirtschaft.

[04:39] Wir können als Menschen generell, aber das betrifft natürlich auch uns Wienerinnen und Wiener, nicht mehr länger davon ausgehen, dass man immer noch größere Kuchen bäckt. Wenn man jetzt schon sieht, dass die Zutaten für diese Kuchen langsam ausgehen. Ich glaube, es macht Sinn, darüber nachzudenken, wie man bessere Kuchen bäckt. Und das lernt man im Idealfall von der Oma. Und so ist es auch bei Kreislaufwirtschaft. Sparsames Umgehen, Lebensmittel nicht kaputt werden lassen, einen Socken stopfen. Das können unsere Großeltern meistens besser als wir selber. Und ein bisschen hat es auch mit Kreislaufwirtschaft damit zu tun, Dinge wiederzulernen. Nämlich Wertschätzung für die Dinge um uns herum. Aber auch Dinge völlig neu auszuprobieren, weil das ganz viel Innovation birgt und damit Chancen für den Wirtschaftsstandort in der Stadt. Eineinhalb Jahre haben Sie gearbeitet an der Strategie mit Expertinnen und Experten. Am 22. Oktober 2025 wurde auch im Gemeinderat beschlossen.

[05:31] Das heißt, jetzt geht es erst so richtig los, oder? Genau, jetzt gilt es. Jetzt gibt es eine Rahmenbedingung, an die wir uns auch halten müssen, die auch die Grundlage sein wird für alle weiteren Schritte der Stadt, für den nächsten Klimafahrplan und so weiter. Im Wesentlichen geht es um ein sehr umfassendes Papier. Also wirklich um alle Bereiche, die Kreislaufwirtschaft meinen könnte und damit auch meint. Unterschiedliche Hebel, 33 an der Zahl. Beispielsweise eben, was die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Wirtschaft betrifft, Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Weil ja der sparsame Umgang mit Ressourcen, das Wiederverwenden von Dingen, das dafür sorgen, dass es keine Verschwendung in der Stadt gibt. Das ist ja auch ein Standortvorteil. Das macht uns als Stadt auch unabhängig, auch international unabhängig und gibt irrsinnig viele Chancen für Betriebe, die jetzt in Wien schon wirkliche Vorreiterinnen sind. Dann geht es natürlich um das ganze Leben der Wienerinnen und Wiener.

[06:27] Rahmenbedingungen schaffen beispielsweise, dass man Dinge gemeinsam nutzen kann, teilen kann, sich ausborgen kann, dass Dinge repariert werden können. Tauschen zum Beispiel auch. Das ist total wichtig fürs Geldbörsel der Wienerinnen und Wiener. Übrigens ein ganz wichtiger Punkt bei Kreislaufwirtschaft. Im Wesentlichen macht es das Leben leistbarer. Und das ist damit schon einmal der Grund dafür, dass man sagen kann, haben alle was davon. Und dann gibt es den riesengroßen Bereich der Wiener Baubranche. Gerade im Baubereich ist, wie es technisch heißt, der Materialfußabdruck besonders groß. Das heißt, da werden total viele Ressourcen gebraucht. Da sind wir als Stadt schwer und müssen uns daher auch überlegen, wie kann man so bauen, dass nicht nur unsere Kleidung beispielsweise, unsere technischen Produkte, sondern auch die Gebäude, in denen wir wohnen, möglichst lang halten. Dass die auch so gedacht sind, dass sie das auch einmal gut mittragen können, wenn sie einmal anders genutzt werden.

[07:18] Dass sie selber Materiallager für die Zukunft sind. Und in allen diesen Bereichen gibt es ganz viele Unterpunkte. Von der Lebensmittelverschwendung bis hin zum Einsatz von moderner Technologie. Das im Wesentlichen ist die runde Sache. Und was das wirklich Schönste daran ist, überall gibt es großartige Beispiele von wirklich tollen Unternehmerinnen und Unternehmern, von Initiativen innerhalb der Stadt. Also wir können sagen, wir starten da nicht. Wir sind da mittendrin. Wir fangen vielleicht vom schnellen Gehen weg, startend jetzt zum Laufen an. Das ist sehr gut. Und das Leben ist ja ein Marathon und kein Sprint. Also man kann ja auch einmal langsam starten, dafür länger durchhalten. Sie haben die Baubranche schon erwähnt. Das ist ja in der Kreislaufwirtschaft generell ein Bereich, eine Branche, wo irrsinnig viel Potenzial liegt. Da denke ich zum Beispiel an den Beton, der immer neu geschaffen werden muss. Oder das wären so einige Beispiele, die man nennen kann.

[08:08] Genau, Beton ist ein super Beispiel. Wir haben gerade in den letzten Jahren, was die Baubranche betrifft, innerhalb der Stadt unglaublich viel gearbeitet. Mit den Expertinnen und Experten aus der Baubranche, internationalen Beispielen und eben den wirklichen Profis in der Stadt. Haben einen eigenen Zirkularitätsfaktor entwickelt. Also wenn man so will, eine Möglichkeit, die man sehen kann, wie man auch messen kann, wie man bewerten kann, wie sehr eben ein Gebäude zukunftsfit ist. Also wie sehr es auch in Zukunft vielleicht anders nutzbar ist. Wie sehr die Materialien innerhalb eines Gebäudes trennbar sind und daher neu nutzbar sind. Wie sehr beispielsweise Ausrufmaterialien weiter genutzt werden können am Standort. Und alle diese Dinge können damit zugrunde gelegt werden. Beispielsweise, wenn man einen Bauträgerwettbewerb macht. Oder beispielsweise, wenn man einen Architektinnen- und Architektenwettbewerb macht. Und das machen wir jetzt sehr schwerpunktmäßig beim Nordwestbahnhof, einem riesengroßen Stadtentwicklungsgebiet, wo das eben die Grundlage wird für die Wettbewerbe.

[09:13] Und damit sicherstellen soll, wir haben einen ersten Stadtteil, der ist für sich genommen. Ein Beispiel dafür, wie die Kreislaufwirtschaft in der Zukunft im Idealfall in allen Stadtteilen ausschauen kann. Großartig. Vielen Dank schon mal für die Einblicke. Wir kommen vom Bau zu den Immobilien. Und da darf ich Ihnen auch gleich verraten, wir haben unsere Expertinnen und Experten auch im Publikum sitzen. Nicht nur im Podium. Und ich darf jetzt gleich Richtung Immobilien schwenken. Nämlich zu Stefan Selden. Er ist Vorstand der Wiener Privatbank. Und da stelle ich mir natürlich sofort die Frage, Herr Selden, was hat denn eine Privatbank mit Immobilien zu tun? Oder mit der Kreislaufwirtschaft? Ist ja noch ferner. Banken haben mit allem zu tun. Danke für die Einladung. Also ich glaube, man muss Banken ein bisschen von dem wegsehen, woran man sofort denkt. Wenn ich eine Bank sehe, denke ich an die Filiale.

[10:03] Und das stimmt, da sind Banken lang genug gespielt. Sie haben eben Bienenstöcke aufs Haus gestellt und gesagt, die sind grün. Darum geht es bei Banken nicht, sondern bei Banken geht es darum, was sie finanzieren. Und der CO2-Fußabdruck, den Banken haben, hängt zu 90 Prozent davon ab, was sie finanzieren. Blödes Beispiel. Ob eine Bank ein Kohlekraftwerk finanziert oder eine Wiedergewinnungsanlage, macht einen großen Unterschied. Also Banken haben vor allem dort, wo sie finanzieren oder wo sie ihre Kunden beraten, wohin die ihr Geld stecken. Da haben Banken einen Impact sozusagen. Also wir steuern irgendwo oder steuern mit Finanzströmen. Die machen meistens einen gewissen Unterschied, wo sie hinfließen. Wie sieht denn ihr Gewissen aus, ihre Motivation in Richtung grüne Zukunft? Schaut das bei euren Finanzierungen aus? Legt ihr da Wert drauf oder kommen Kundinnen und Kunden auch lieber zu euch, zu wie einer Privatbank,

[10:58] weil sie wissen, ihr seid mit dem grünen Auge unterwegs, mit dem Nachhaltigkeitsauge? Also es kommt von drei Seiten, würde ich sagen, der Wunsch, nachhaltig zu sein. Erstens, also vier eigentlich, mir ist es persönlich auch ein Anliegen, das reicht aber nicht. Erstens, die Kunden fragen es nach, das ist eindeutig so. Auf der Veranlagungsseite, aber auch auf der Kreditseite. Das ist ein toller Trend. Jetzt ist es ein bisschen gebrochen. Er war schon mal größer, aber ich glaube, er kommt dann wieder. Aber ich hoffe, es bleibt ein Trend. Das zweite ist, wenn sie etwas sehr Unnachhaltiges finanzieren, kann es sein, dass sie große Verluste erleiden. Wenn sie etwas finanzieren, das kein nachhaltiges Modell hat, kann die Bank Geld verlieren, will sie auch nicht. Das interessiert uns Bänker durchaus. Und ein ganz dritter wesentlicher Punkt ist, da entstehen auch Geschäftsmöglichkeiten. Es gibt neue Dinge zu finanzieren und das interessiert jeden Geschäftsmann eine Bank genauso,

[11:49] wenn es neue Trends gibt, dass ich da mit dabei sein kann. Jetzt habt ihr als Wiener Privatbank, aber vor allem in der Immobilienbranche, gerade im Altbau, viel zu tun. Wie schaut das da aus? Wie viele Altbauten habt ihr? Was sind eure Herausforderungen aktuell? Also wir sind eine kleine, feine Bank in Wien mit einem großen Fokus auf, wie Sie gesagt haben, Wiener Altbauten. Wir selber halten ungefähr 300 Wohnungen zeitweise für unsere Kunden, zeitweise machen wir daraus Produkte. Also wir verstehen das von der Seite der Eigentümer und wir finanzieren viel im Bereich Immobilien. Also ich würde uns eine gewisse Expertise zumuten, zutrauen, was den Wiener Altbau betrifft. Absolut. Und die Kunden fragen das schon nach. Die wollen eine nachhaltige Immobilie haben. Manche wollen auch ein gutes Gewissen. Sie wollen aber dabei auch manchmal Geld verdienen. Altbauwohnungen und Sanierung ist dann wahrscheinlich das Stichwort.

[12:41] Wenn wir in eine grüne Zukunft schauen, wie schaut es da bei euch aus? Wo hängt da der Haken? Ja, das ist eine spannende Frage. Also wir haben 300 Wohnungen, damit werden wir die Stadt nicht lösen. Aber ich habe es mir mal angeschaut, laut Zahlen der Wienenergie, und es gibt sicher viele verschiedene Zahlen, aber es gibt 420.000 Wohnungen in Wien, die in Altbauten sind. Wobei ich glaube, das ist eine Definition von 1945. Es gibt auch andere Definitionen, aber um den Dreh. Die Wienenergie sagt, dass der Großteil davon mit Öl und Gas geheizt wird. Bekanntermaßen keine sehr nachhaltigen, keine sehr kreislaufbeständigen Rohstoffe. Und schwache 20 Prozent davon halbwegs saniert sind. Sprich 80 Prozent der Altbauten oder der Altbauwohnungen, da sprechen wir also von 340.000 Wohnungen, haben ganz schlechte Energieeffizienzklassen. Die brauchen 150 bis 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr. Nur um ein Gefühl zu geben, eine Topwohnung braucht unter 25.

[13:37] Also sie brauchen das Achtfache von dem, wo ich eigentlich hin will. Und ich glaube, es ist ein Riesentreiber. Das wäre für die Stadt wichtig, das wäre für die Mieter wichtig, das wäre für die Eigentümer wichtig. Aber ganz vor allem könnten auch ganz viele Handwerksbetriebe damit gutes Geld verdienen, wie man das saniert bekommt. Und die Stadt allein wird es, glaube ich, auch wenn sie viel macht, das nicht alleine schaffen. Warum wird dann nicht saniert? Ganz saloppe Frage. Wenn ich mir das jetzt anschaue, das ist ein super Potenzial. Sanieren wir doch. Also ich habe selber probiert, dass wir für unsere Wohnungen einen Weg finden, die nachhaltig zu machen und das auch so zu machen, dass ich da ein Geschäftsmodell daraus machen kann. Aber ein ganz plumpes Beispiel. Wenn Sie eine 100 Quadratmeter Wohnung haben, dann kostet das. Ich rede nicht von kompletter thermischer Sanierung.

[14:27] Das ist ein großes Projekt. Da müsste man alle Altbauten mit 40 Zentimeter Styropor. Das ist eine Frage, ob man das will. Ich glaube, das ist keine gute Idee. Aber neue Fenster, ordentliche Türen, Dämmungen, andere Heizsysteme, eventuell Fernwärme. Ich glaube, das sind die Wege, die Sinn machen. Und ich bin ein großer Fan des Mietpreisdeckels. Ich halte das für wichtig. Es ist nicht überall in der Immobilienwirtschaft so, dass alle Fans sind. Ich bin davon schon Fan, weil ich glaube, das ist sozial wichtig. Aber wenn Sie jetzt als Beispiel eine 100 Quadratmeter Wohnung haben, die Sie vermieten und Sie müssten 25.000 Euro investieren, um das zu dämmen, dann spart sich Ihr Mieter ungefähr 1.000 Euro, 1.100 Euro Wohnkosten im Jahr. Sie können aber weder die Miete erhöhen, noch können Sie Betriebskosten erhöhen. Sie zahlen es alleine, haben keinen Vorteil. Und das machen Menschen üblicherweise nicht, egal wie nachhaltig getrieben sie sind.

[15:14] Also ich glaube, man hat da ein Problem, dass man die Investitionskosten, die Investition rechnet sich nicht. Und wenn sie nicht selber drin wohnen, werden sie es nicht machen. Also da muss man, glaube ich, einen Weg finden, dass die Wirtschaft sich das selber finanziert, weil die Stadt fördert zwar viel, aber kann, wie muss man mal ausgerechnet, muss man fast 8,5 Milliarden Euro investieren. Da wird auch die Privatwirtschaft einen Teil tragen müssen, glaube ich. Was wäre denn so eine Lösung, wenn Sie sagen, die Wirtschaft sollte das finanzieren? Wie könnte da ein Beispiel einer Lösung sein? Also es ist sicher auch spannend, wie das am Panel gesehen wird, die Wirtschaftskammer und auch von der Stadt, auch wenn einiges natürlich Bundesmaterien sind. Aber ich weiß, ein heikles Thema. Aber hilfreich wäre, wenn man eine Möglichkeit hätte, dass ich sehr klar genormt und begrenzt, wenn ich nachhaltig investiere, eine Wärmepumpe baue,

[16:00] Solaranlage, neue Fenster einbaue, dass ich die Möglichkeit habe, in Deutschland geht das zum Beispiel, bis zu einem gewissen Grad gedeckelt, Betriebskosten zu erhöhen. Dann würde es sich zumindest rechnen oder es wäre kein Verlust für den Eigentümer. Das würden die Leute auch dann machen, hätten sie sanierte Häuser, die Mieter hätten billigere Heizkosten und die Stadt würde sich hunderttausende Tonnen CO2 ersparen. Wie gut, dass wir hier beim Stadtlabor sind. Hier haben wir nämlich die Menschen direkt am Podium sitzen. Da schwenke ich gleich rüber zu unserem nächsten Gast, der Andreas Dallinger von der Wirtschaftskammer. Wollen Sie da vielleicht gleich Bezug nehmen auf die Frage, wie man das abwenden kann, umwenden kann? Gibt es da Ideen? Weil das klingt nach einem Riesenpotenzial. Das ist definitiv ein Riesenpotenzial. Als Bestandssanierung, da steckt viel drinnen. Das ist auch der Bereich, wo, glaube ich, in der Stadt Wien am wenigsten weitergeht.

[16:52] Im Neubau sehen wir da sehr gute Fortschritte. Da ist auch die Stadt Wien sehr, sehr stark da drinnen. Aber gerade im beschriebenen Altbau haben wir eben das Problem, dass die Investitionskosten, um das Gebäude nachhaltig zu gestalten, einfach deutlich höher sind, als zum Beispiel im Neubau. Und dass man diese Mehrleistungen, diese Investitionen eigentlich nicht mehr zurückgewinnen kann. Das ist natürlich ein sehr heikles Thema, weil die Stadt Wien ist ja nicht nur umsonst lebenswerteste Stadt, weil sie sehr schön ist, weil sie sehr sicher ist, sondern weil auch Mieten leistbar sind. Das heißt, hier muss man sehr genau hinsehen. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass es vielleicht Rabatte auf Steuern, Erleichterung bei Gebühren, bekanntlich handelt es sich bei Immobilien um sehr langfristige Güter. Also hier könnte die Stadt in ihren eigenen Wirkungsbereich durchaus, sage ich mal, kleine Goodies, den Eigentümern, die investieren, zukommen lassen,

[17:46] so dass es sich über den Lebenszyklus einfach dann mal rechnet, hier wirklich zu investieren. Wäre das denkbar, Herr Stadtrat? Grundsätzlich ist es ein Weg, den wir bereits gehen und ganz erfolgreich gehen. Von 2 bis 2,17 oder so. In einem 15-Jahr-Zeitraum ist der Endenergieverbrauch im Wohnbereich in Wien um mehr als 20 Prozent gesunken, nur über die Sanierungsleistung. Das heißt, irgendwas machen wir da in Wien generell richtig, also die Eigentümerinnen und Eigentümer und die Stadt, weil wir im Sanierungsbereich große Summen ausgeben in der Förderung. Das sind über 200 Millionen Euro, die da auch ganz gut abgegriffen werden. Also sich diese Förderungen holen, macht einmal auf jeden Fall Sinn. Aber dann auch was davon haben, auch auf Eigentümerinnen- und Eigentümerseite, wenn man es vermietet, das kann ich wirklich gut nachvollziehen. Es wird, wie ich finde, richtig diskutiert, dass man möglicherweise den Mietpreisdeckel, der vorher angesprochen worden ist,

[18:42] vielleicht versieht mit Bonus und Malus. Wenn ich in mein Haus nicht investiere und damit auslöse, dass die Mieterinnen und Mieter richtig viel Geld zahlen für die Energie, weil wenn es nicht saniert ist, dann kostet das Heizen mehr, dann kann ich weniger verlangen. Wenn ich aber schon investiere und dafür sorge, dass diese Wohnung gut gedämmt ist, dann mehr, so könnte ich mir das vorstellen. Aber das ist natürlich etwas, das wir da auch gemeinsam diskutieren müssen mit der Bundesebene. Die das aber angehen, das finde ich eigentlich wichtig, weil hier gerade im Wohnbereich viele Themen zum Heben haben. Wenn es um die Energiewende geht, gibt es einen mietrechtlichen Aspekt, wenn es um das Einbauen von neuen Heizsystemen geht und so weiter und so fort. Aber Sinn, dort hinzuschauen, macht es auf jeden Fall, weil jede Wohnung, die nicht, oder jedes Haus, das nicht abgerissen wird,

[19:28] sondern saniert wird, ist ein wichtiger Beitrag für die Zukunft von uns allen. Kommen wir jetzt zum Standort. Sie sind ja Standortanwalt der Wiener Wirtschaftskammer. Was bedeutet das? Worum kümmern Sie sich denn täglich? Was kann man sich darunter vorstellen? Ja, das sind eigentlich die großen Zukunftsfragen, die mich treiben, vor allem natürlich aus dem Blick der Wirtschaft. Ähnliche Diskussionen wie heute, wie schaffen wir es, kreislauffähig zu werden? Wie schaffen wir es mit der Politik, mit der Verwaltung und der Wirtschaft, den 150.000 Unternehmerinnen und Unternehmern in Wien, diese Zukunftsherausforderungen gemeinsam zu meistern? Es wurden Förderungen angesprochen, es wurden nur ein Bonus-Malus-System angesprochen. Es gibt hier sehr viele Zielkonflikte und da gibt es natürlich sehr viele, gerade in einer Großstadt, die noch dazu weiterhin wächst, die in einem sehr wirtschaftlich impulsiven, sehr dynamischen Umfeld sich bewegt, dass man hier am Ball bleibt. Es gibt viele andere Themen,

[20:30] technologischer Wandel, Stichwort KI ist ein großes Thema, Flächenverfügbarkeit, wie gehen wir mit den noch verbleibenden Freiflächen in Wien um? Ganz wichtige Diskussion. Wie gehen wir mit der Weiterentwicklung der Infrastruktur um? Wo setzen wir Prioritäten? Hier darf ich ein Stück weit mitgestalten. Ich würde mich als Brückenbauer bezeichnen, als Brückenbauer der Wirtschaft, hin zur Verwaltung, hin zur Politik, aber natürlich auch hin zu Universitäten, wo Wissen entsteht, wo Ideen für die Zukunft stehen und versuchen, hier sehr auf Augenhöhe mit den einzelnen Partnerinnen umzugehen und wirklich Zukunftslösungen zu entwickeln. Jetzt haben wir hier heute sehr viele Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer sitzen im Podium, aber auch im Publikum. Würden Sie sagen, Wien ist eine attraktive Stadt für Unternehmerinnen und Unternehmer? Den Ball würde ich dann gerne zurückspielen. Es gibt dazu ja sicher Zahlen, mit denen man das unterfragen kann. Dass wir in Wien sehr gut aufgestellt sind

[21:32] und das auch in Krisenzeiten, glaube ich, sieht man daran, dass wir in Wien ein Viertel der Wertschöpfung in Österreich erwirtschaften. Wir sind extrem stark im Dienstleistungssektor aufgestellt, was gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten, wie wir sie jetzt erleben, sicherlich eine Stärke ist. Wir haben am Wirtschaftsstandard Wien eine sehr junge Bevölkerung, anders als der Trend in Restösterreich. Das ist ein massives Potenzial, weil diese jungen Leute drängen dann in ein paar Jahre auf den Zukunftsmarkt, haben die Ausbildung, die die Wirtschaft dann hoffentlich zu dem Zeitpunkt braucht. Wir sind eine sehr sichere Stadt. Das ist eine sehr stabile Stadt. Ich glaube, das ist für Unternehmerinnen und Unternehmer, vor allem, wenn sie im internationalen Kontext unterwegs sind, ein sehr wichtiger Aspekt. Und wir haben sehr robuste Infrastrukturen. Ja, es ist sehr viel zu sanieren in den nächsten Jahren, angefangen von den Brücken, Wasser, Leitung, Gas.

[22:31] Das alles muss man natürlich immer am Laufen halten. Aber wir haben eine sehr hohe Versorgungssicherheit mit den wichtigsten Sachen. Und ich denke, das macht Wien durchaus auch sehr interessant, um hier zu wirtschaften. Eine, die hier wirtschaftet, ist die Designerin und Labelinhaberin des Wiener Labels Fabrari. Sie heißt Fanny Abrrari. Also zusammengesetzt aus ihrem Namen ist die Ausstatterin meines T-Shirts heute, das auch grün ist. Also nachhaltig. Und da bin ich natürlich schon sehr gespannt, warum sie in Wien ihr Label gegründet hat, warum sie auf nachhaltige Mode setzt und was ihre Mode mit Kreislaufwirtschaft zu tun hat. Frau Abrrari, schön, dass Sie da sind. Danke auch für die Ausstattung. Es ist wunderschön. Sehr gerne, passt Ihnen sehr gut. Auch wahnsinnig angenehm. Und jetzt natürlich die Frage, was genau heißt nachhaltig? Im Zeitalter des Greenwashing kann da schnell einmal jemand sagen, ich bin grün,

[23:24] aber Sie haben es wirklich ganz genau unter die Lupe genommen. Wie läuft Ihr Prozess ab bei Ihrer Mode? Ja, man muss dazu sagen, die Textilbranche ist eine der dreckigsten Branchen. die sehr viele Ressourcen verbraucht und auch viele Giftstoffe in die Umwelt bringt. Als ich mein Label vor zwölf Jahren gegründet habe, war es mir einerseits wichtig, ein Produkt zu schaffen, das einen Sinn macht, einen Mehrwert hat, unter ethisch korrekten Produktionsbedingungen hergestellt wird. Also alles gegen Ausbeutung, weder von Ressourcen noch von Menschen. Wenn man sich anschaut, wie viele Fast Fashion Labels, aber auch viele Luxus Labels produzieren lassen, nämlich genauso unethisch mit Dumpinglöhnen, obwohl der Endpreis dann so hoch ist. Obwohl der Endpreis, man zahlt halt für den Namen, aber im Grunde zahlen sie Dumpingpreise und beuten Menschen eigentlich Ressourcen aus. Mir war es wichtig, dass ich den Wirtschaftsstandort Wien auf jeden Fall habe.

[24:17] Ich wollte kurze Transportwege, ich wollte auch soziale Organisationen unterstützen und bin damals eben durch meine Recherche eben auf die integrative Werkstätte WienWork gekommen, die mit Menschen mit Benachteiligung arbeitet und somit diese Menschen die Möglichkeit haben, an den Wirtschaftsprozessen teilzunehmen. Somit also einerseits ein individuelles Gegenmode, Diktate und more of the same Produkt als Kleidungsstück und hin zu sozial und ethisch korrekt produziert. Und gesund vor allem. Man darf nicht vergessen, wir haben Backstage auch uns schon ein bisschen ausgetauscht, dass die Kleidung sehr häufig auch mit Pestiziden… Richtig, ja. Die Kleidungsstücke, die natürlich die meisten per Containerware ins Land kommen, müssen natürlich mit Pestiziden erarbeitet werden, damit sie quasi keine Ungeziffer verursachen. Und diese Pestizide lassen sich aber auch nicht auswaschen. Also das geht nicht mit ein-, zweimal und das kommt auch alles in die Abwässer. Also das sind so Dinge, die sind einem gar nicht bewusst.

[25:24] Und zusätzlich trägt man mit diesen Stoffen stundenlang auf der Haut, also unserem größten Organ, Giftstoffe. Und im Grunde Allergien und Krankheiten und so weiter. Es ist alles, was wir jetzt sehen, an Problemen, die wir haben, sind eigentlich komplett logisch erklärbar. Aufgrund dieser Faktoren der Produktion und der Ausbeutung. Ein wunderschönes Label mit wunderschönen Sachen. Aber ich kann mir vorstellen, es ist nicht ganz so einfach, da durchzukommen. Gerade neben diesen riesen Modediktaturen, die es ja hier schon gibt. Wie sieht es aktuell mit den Herausforderungen aus? Wie kämpfst du dich durch? Es sind vielseitige Herausforderungen. Zum einen, ja, als kleines Label. Neben diesen großen Marken, einerseits Fast Fashion wiederum, als auch die teuren Labels, die Millionen in Marketingkampagnen stecken können, prominente Menschen für sich gewinnen. Auch wiederum, wenn man wiederum weiß, was die Näherinnen eigentlich dazu bezahlt bekommen. Zu existieren ist schwierig, zumal auch jetzt, was Raummieten betrifft.

[26:29] Also als Einzelunternehmer hätte man niemals die Möglichkeit, in einer guten Einkaufsstraße, sage ich einmal, sich die Miete leisten zu können. Und es muss jetzt nicht einmal der Kohlmarkt sein? Es muss nicht, nein, absolut nicht. Und wenn man aber wiederum schaut, mittlerweile ähneln sich alle Einkaufsstraßen in Europa, ähneln sich einander, weil nur mehr überall diese Ketten quasi sich leisten können, in schöne Gebäude, quasi in großen Räumlichkeiten, quasi ihre Sachen verkaufen zu können. Ja, das ist eine Herausforderung. Und die andere ist auch nachhaltige Mode, bedarf sehr viel Ausdauer und Geduld, um Menschen darüber aufzuklären, was es eigentlich bedeutet, lokal zu produzieren. Nämlich, dass einerseits auch die Wertschöpfung im Land bleibt, man hier die Steuern zahlt, die Transportwege kurz sind, die Lebensdauer der Textilien, aufgrund der Hochwertigkeit einfach langlebiger sind und nicht sofort wieder quasi am Mist landen, wenn man sie zwei-, dreimal wäscht.

[27:30] Das sind halt so Sachen, wo ich mich dann frage, na ja, was darf es denn wert sein, ja, so einen Unterschied zu bringen. Braucht es vermutlich auch eine Veränderung des Mindsets, Herr Stadratz. Sehen Sie das ähnlich? Wie kriegen wir denn die Wienerinnen und Wiener, aber natürlich auch die Österreicherinnen und Österreicher, dazu Labels wie Fabrari mehr zu unterstützen, damit wir eben auch die Wertschöpfung im Land lassen, damit auch die Strategie, die wir jetzt eineinhalb Jahre, oder die Sie jetzt eineinhalb Jahre erarbeitet haben, auch Früchte tragen kann, weil es braucht ein Miteinander. Es kann nicht nur gute Geschäfte geben, es braucht natürlich auch die Leute, die da einkaufen gehen. Gibt es da was im Plan? Ich sehe, dass ich gerade was nachhaltiger Konsum, aber vielleicht auch Konsumkritik, man muss nicht immer alles gleich kaufen, was man schön findet, was das betrifft, dass sich schon sehr viel verändert hat,

[28:16] gerade in den letzten Jahren. Also ganz besonders, wenn es um Mode geht, dann sehe ich immer mehr die Entwicklung, dass es einfach cool ist, Dinge vielleicht auch zu tauschen mit Freunden, eigene Tauschpartys zu organisieren, Sachen reparieren zu lassen, teilweise auch so zu reparieren, dass man sieht, dass es repariert ist. Also Visible Mending ist eine richtig coole Sache geworden. Und das kann man natürlich als Stadt auch fördern. Wir machen das einmal mit unserem Reparaturnetzwerk. Das sind mittlerweile 160 Betriebe. Das hat mit sehr wenigen angefangen. Das Reparaturcafé zum Beispiel, eine ganz tolle Sache. Das ist der Maumang. Und diese Betriebe haben ja alle wirklich großartige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die man damit auch, also das ist auch Wirtschaft, auch wenn man an etwas arbeitet, das dazu führt, dass die Leute nicht immer gleich was Neues kaufen. Wir haben mit Reparaturmessen dafür gesorgt, dass man eben zusammenkommt,

[29:00] Reparaturcafés besucht, dass man Dinge auch leiht. Es gibt die Leihläden, da gibt es die Gebietsbetreuung beispielsweise. Und alles zusammen hat das, finde ich, schon auch eine Entwicklung mit sich gebracht, dass es eben weniger verzopft wirkt, sondern nicht nur sinnvoll, sondern auch cool. Und ich glaube, das macht dann besonders Freude generell. Das gute Leben ist ja was Schönes und nichts, was man mit dem erhobenen Zeigefinger erreichen kann. Auf gar keine Rolle. Das bringt nie besonders was. Und deshalb glaube ich auch, das ist ein Weg, den wir auch in unserer Strategie so als wirklichen Weg beschritten haben, den man gemeinsam gehen kann. Mit großartigen Unternehmen, wie dem, von dem wir gerade gehört haben, aber eben auch mit der Möglichkeit, dass man als Stadt immer wieder Plattformen schafft, wo man einfach davon erfährt, was es alles gibt. Frau Brari, Sie haben auch gesagt,

[29:49] Sie nehmen auch die Kleidung zurück. Sollte etwas neu genäht werden müssen oder sollte es Probleme dabei geben? Ist ja auch ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Das heißt, es muss nicht ein neues T-Shirt gekauft werden, sondern Sie bringen es dann zurück und Sie reparieren es. Ich muss sagen, es passiert so gut wie nie, aber selbstverständlich. Ist doch schön. Aber natürlich. Also es hat schon mal den Fall gegeben, wo ein Zipp zum Beispiel nicht hundertprozentig gut gepasst hat. Natürlich zurückbringen und es wird repariert und es ist überhaupt kein Thema. Ist doch schön, dass es solche Unternehmen auch gibt. Schön. Wir schauen auch gleich zur Dame im Podium. Sie haben eindrucksvolle Dinge mitgebracht, nämlich eine Matratze. Und das ist etwas, was ich mir gedacht habe, um Gottes Willen. Ich bin letztens erst wieder bei meinem Müllraum vorbeigegangen und da stand wieder eine Matratze.

[30:36] Ich meine, abgesehen davon, dass sie dort nichts verloren hat, denke ich mir jedes Mal, was machen wir mit diesem Sperrmüll? Jetzt sollen wir aus gesundheitlichen Gründen alle fünf bis zehn Jahre oder so die Matratzen wechseln. Das sind, ich habe es natürlich auf Ihrer Homepage nachgeschaut, 30 Millionen Matratzen jährlich, die in der EU entsorgt sind oder werden und auch werden sollten. Und Sie haben dafür eine Lösung gefunden. Das finde ich großartig, weil ich habe mir gedacht, Sperrmüll, da bin ich raus. Ich glaube, da wird es nie eine Lösung dafür geben. Aber junge Unternehmerinnen haben es geschafft. Seit 2022 gibt es Matter. Was ist euer Konzept und wie seid ihr da drauf gekommen? Ja, erst mal vielen Dank für die Einladung. Es ist großartig, hier sein zu dürfen. Ich hätte mir als kleines Mädchen in der Steuermarkt nie gedacht, dass ich jemals

[31:17] in einem Fernsehpodium sitzen darf. Ich hatte das große Vergnügen, dass ich vor mittlerweile sechs Jahren meine großartige Co-Founderin, die auch hier im Publikum sitzt, kennengelernt habe. Und wir haben uns vor fünf Jahren mittlerweile irgendwie mit dem Thema Matratzen plötzlich beschäftigt. Wir waren beide in der Innovationsberatung, also in ganz einem anderen Feld. Wir haben eigentlich großen Unternehmen dabei geholfen, innovativer zu sein, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, Probleme zu lösen und sind dabei auf das Problem des Matratzenabfalls gestoßen. Weil, wie du eben schon gesagt hast, sind 30 Millionen Matratzen, die jedes Jahr entsorgt werden, europaweit. Die meisten davon gehen entweder auf Mülldeponien oder in Müllverbrennungsanlagen. Auf Österreich runtergebrochen sind so viel wie 1200 Mal der Wiener Donauturm. Also schon einfach eine brutale Menge an Abfall, mit denen wir es hier zu tun haben. Wahnsinn. Und wir haben uns dann die Frage gestellt, wieso ist das so

[32:09] auf der einen Seite und was können wir daran ändern, damit das in Zukunft besser ist. Und zwei große Hebel, die wir dabei identifiziert haben, ist zum einen das Produktdesign, weil beim Produktdesign tatsächlich 80 Prozent der CO2-Emissionen und generell der Umweltauswirkungen bestimmt werden. Beim Design? Beim Design, genau. Spannend. Weil am Anfang greffe ich ja die Entscheidungen, die dann wesentlich sind, ob ich das Produkt zerlegen kann, reparieren kann, wiederverwerten kann, welche Materialien werden verwendet, etc. Also das Produktdesign spielt da eine riesengroße Rolle. Und ich kann es mal kurz herzeigen, Ja, sehr gerne. Wir haben da uns, ich habe da so einen kleinen Würfel, also normalerweise Macht sie schon große Matratzen? Normalerweise machen wir schon große Matratzen. Das ist jetzt nur die reisetaugliche Version der Matratze. Es ist eine Hotelmatratze, daher ist sie auch so dick. Wir arbeiten primär mit Hotels zusammen. Und hier sehen wir

[33:02] verschiedene Schichten drinnen, wie bei anderen Matratzen auch. Aber im Wesentlichen sehen wir hier drinnen Stahlfederkerne, die in Polyester-Taschen verpackt sind. Dann haben wir hier oben ein tolles Komfort, eine tolle Komfortschicht ebenfalls aus Polyester und der ganze Bezug ist auch aus Polyester. Wichtig dabei ist, der Klebstoff ist auch aus Polyester und dadurch ist es dann auch möglich, dass diese Materialien und diese ganzen Schichten, die ich gerade erklärt habe, wieder sauber getrennt werden und ich beide Materialien wieder komplett zurückholen und in neue Matratzen verarbeiten kann. Weil ihr zwei Materialien verwendet, also Stahl und Polyester, ist das richtig? Genau. Aber ist nicht Polyester eigentlich gar nicht so grün? Ja, das ist tatsächlich ein sehr, sehr guter Punkt. Polyester ist immer ein kritisches Material, vor allem in der Bekleidungsindustrie und das ist absolut richtig so, weil Polyester gerade bei Kleidungsstücken ja sehr oft gewaschen wird,

[33:51] dann entsteht Mikroplastik etc. In diesem Fall bei Matratzen, die werden nicht täglich gewaschen. Also das ist einfach ein Aspekt. Polyester ist in dem Fall für den Anwendungsfall Matratzen ein sehr gut geeignetes Material. Vor allem, wenn man zu 100% mit Polyester arbeitet, weil dadurch, wenn das Material sehr rein ist und sehr hochwertig ist, kann ich es dann wieder komplett wieder recyceln und am Ende des Tages wird ein neuer Bezug für eine neue Matratze draus. Und das ist eben der ganz große Knackpunkt, wo gerade in der Bekleidungsindustrie oft Polyester und Baumwolle zum Beispiel gemischt wird und dann kann ich aber beide Materialien nicht mehr recyceln. Also ein ganz wichtiger Punkt beim Design ist eben der Klebstoff, die Materialien und eben die Recyclbarkeit der Materialien. Wahnsinn. Und Klebstoff zum Beispiel, der kann wieder gelöst werden und dadurch sind die einzelnen Schichten recycelbar. Und ihr liefert die Matratzen

[34:36] und holt sie auch zurück, ihr refurbischt das auch. Das heißt, ihr erneuert das oder wie genau funktioniert das? Wie ist eure Kreislaufwirtschaft? Genau, das bringt mich tatsächlich zum zweiten Punkt. Die zweite Lücke, die wir identifiziert haben, ist der Aspekt der Rückholung und der sortierten Trennung sozusagen. Weil aktuell werden ja Matratzen gemeinsam mit anderen Sperrmüll de facto in Müllzentren gesammelt. Und dort ist dann das Spannende, dass alles zusammenkommt und man halt sich schwer tut, dass man die guten Matratzen von den nicht so guten Matratzen raussortiert, weil das einfach alles sehr unhandlich ist. Und auch viele, die dann in den großen Container reinkommen, in einem sehr schlechten Zustand sind. Und deswegen bieten wir primär für Hotels auch das Service an, dass wir die Matratzen zurückholen und gemeinsam mit unseren Partnern sie dann zerlegen und die einzelnen Materialien zu den Recyclingpartnern bringen. Das ist ein mehrstufiger Prozess.

[35:28] Das hört sich relativ simpel an, aber es ist relativ komplex, weil man halt sehr viele Organisationen und Partnern da entlang der Wertschöpfungskette braucht, damit das Ganze funktioniert. Weil vom Recyclingpartner geht es dann wieder zurück in die Produktion und dann werden neue Federkerne hergestellt, die übrigens ungefähr so ausschauen. Also das ist das, was drinnen ist in den Matratzen. Aber sind die nicht irgendwann abgelegen? Die werden wir nicht immer wiederverwenden können, oder? Genau, also die haben natürlich, wie jedes Material zu einem gewissen Zeitpunkt nach zum Beispiel zehn Jahren erfährt ein Material, Materialermüdung sozusagen. Also nicht nur die Menschen, die auf den Matratzen schlafen, werden müde, sondern auch die Materialien. Auf mich werden sie dann wieder munter, die Menschen, die auf ihrer Matratzen sind. Ja, im Regelfall sind sie sehr gut ausgeschlafen, genau. Sehr gut. Aber zurück zu den Materialien, da ist es dann eben so,

[36:11] dass die halt wieder eingeschmolzen werden, dass der Stahl quasi und das Recycler Stahl wieder zu neuen Federkernen verarbeitet wird. Und dadurch hat man wieder einen schönen Kreislauf und im Endeffekt der Kreislauf ist geschlossen. Und das ist erstmalig mit dieser Matratze möglich. Die herkömmlichen Matratzen können das halt noch nicht, weil sie nicht von vorne herein, vom Design her so gedacht sind, dass kein Müll mehr entsteht. Das heißt, ich könnte euch jetzt nicht nur eine Matratze bringen und sagen, bitte… Refurbish das. Wir versuchen tatsächlich immer das Beste. Also wir haben auch schon Partnerprojekte gehabt mit Hotels, wo wir ihre alten Matratzen genommen haben und versucht haben, sie zu refurbischen und wiederzuverwenden. Da gab es mal eine Partnerschaft mit Wilhaben und The Student Hotel, also das größte Hotel in Wien. Eine ganz spannende Sache. Die Schwierigkeit ist halt, dass man trotzdem nicht weiß,

[36:58] so genau, was ist da jetzt drinnen in der Matratze. In dem Fall waren sie vier Jahre genutzt. Das war ein sehr kurzer Nutzungszeitraum. Aber was ist da genau drinnen und wie kann man die am besten eben so auch reinigen, dass das wieder in alle Richtungen gut passt. Jetzt natürlich die Frage, ist das wirtschaftlich? Könnt ihr davon leben? Schreibt ihr schwarze Zahlen? Darf ich das so sagen? Ja, das ist eine ganz, ganz gute Frage. Das ist natürlich interessant, weil viele haben natürlich auch Angst als Unternehmer, puh, jetzt muss ich da vielleicht grün werden oder grün denken und das kostet ja nur. Das sind ja nur Investments. Ist das so? Es ist eine ganz gute Frage. Für uns ist es ganz wichtig, dass diese Matratze eine ganzheitlich sinnvolle Matratze ist. Also auch für unsere Kunden zum Beispiel, die eben primär Hotels sind,

[37:43] ist es im Vergleich zu anderen hochwertigen Produkten, die in Europa produziert werden, gleichauf sozusagen vom Investmentbedarf. Und das ist ein großer Hebel, der uns jetzt auch hilft, schwarze Zahlen zu schreiben in Zukunft. Also momentan sind wir noch in der Entwicklungsphase des Unternehmens. Wir haben das große Glück gehabt, viele Förderpartner zu haben und auch Investoren, die an die Idee mit uns glauben. Und so konnten wir bisher in den letzten drei Jahren, seitdem wir gegründet haben, das Ganze weiterentwickeln. Das Schwierige natürlich in der Kreislaufwirtschaft ist halt, es braucht alles Zeit. Also es ist, es braucht Zeit, bis die Leute verstehen, was sind da die Vorteile an so einem Produkt und auch bis sie die Entscheidungen treffen, für ein kreislaffähigeres Produkt versus einen normalen. Wir arbeiten halt auch viel mit Hotels, die neu eröffnet werden und wie das halt oft so ist bei Neueröffnungen,

[38:34] dauert es halt auch mal ein bisschen länger wie geplant, gerade in den letzten Jahren, wo natürlich auch die wirtschaftliche Lage nicht immer so positiv war. Genau, also das ist eine große Herausforderung auch. Beharrlichkeit, Zeit und Qualität, das sind auch drei Eigenschaften, die unser nächster Experte nur allzu gut kennt. Von der Firma Lobmeier haben wir jetzt den Geschäftsführer Johannes Rath auch hier. Lieber Herr Rath, Sie haben wahrscheinlich auch jetzt einige Dinge wieder erkannt von Ihren Produkten seit über 200 Jahren am Markt, Familienunternehmen, Wiener Glaskunst, Wiener Beleuchtungskunst. Vielen Dank auch für die Ausstattung. Ich glaube, es hat das Stadtlabor noch nie so schick ausgesehen. In der Hofburg hängen Ihre Beleuchtungsmittel auch im Rathaus, haben wir gehört vom Herrn Stadtrat, wird es immer wieder bewundert. Wie läuft denn Kreislaufwirtschaft bei Ihnen ab? Weil lineare Wirtschaft, also dieses, die Wegwerfgesellschaft gibt es ja eigentlich

[39:32] laut Aufzeichnungen erst zuerst so richtig nach dem Zweiten Weltkrieg. Da hat es euch ja schon lange gegeben. Wie ist das bei euch? Hat sich bei euch in der Prozesse etwas verändert in den 200 Jahren? Vielen Dank für die Einladung hier. Schön, dass man da ein bisschen in den Austausch kommt. Und was ich da so bis jetzt höre, erinnert mich immer an etwas, was mein Vater gesagt hat. Die anderen kochen auch alle nur mit Wasser. Wir haben alle die gleiche Situation, wir teilen uns alle die gleiche Welt oder borgen uns die Welt von unseren Nachkommen. Da zahlt sich schon aus, dass man da ein bisschen darauf aufpasst. Auch wie Sie so schön gesagt haben, mit Zeit, Qualität, Beharrlichkeit. Beharrlichkeit braucht man wegen der Zeit. Vor allem Beharrlichkeit, aber die Zeit, ja. Für mich ist dieses Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft eigentlich ein emergentes,

[40:28] ein emergenter Teil der Art und Weise, wie wir immer schon gearbeitet haben, weil wir Sachen machen, die einfach im Rathaus seit jetzt 140 Jahren, in der Hofburg seit fast 200 Jahren, im Hotel Sacher seit 140 Jahren. Wir machen, ein Kunde sagte das mal so schön, ihr macht keine Produkte, ihr macht Erbstücke. Das sind Sachen, die den Kreislauf schon drinnen haben und ich freue mich auch immer, wenn ich in unserer Bilanz sehe, wie viel Prozent unseres Umsatzes, bitte nicht fragen, ich vergesse das dann immer, aber wie viel Prozent unseres Umsatzes wir mit Reparaturen und Restaurierungen machen und teilweise Dachbodenfunde, die, danke, im Dreck konserviert sind, wir dann in unseren Werkstatten fachmännisch reinigen und wieder zu fast neu ausschauenden, schön antik ausschauenden Antiquitäten machen. Das heißt, Tradition und Qualität plus modernes Leben sind eigentlich keine Widersprüche? Bei uns überhaupt nicht. Also wir waren

[41:40] über alle Generationen von uns immer ein Vorreiter in Sachen Design, Architektur, Stil, auch Technologien. Wir waren zum Beispiel die Ersten, die mit elektrischem Licht repräsentative Beleuchtungskörper gemacht haben, siehe Rathaus, Hofburg oder Sacher, zufällig genau die drei wieder. Das waren die weltweit ersten Luster für elektrisches Licht entworfen. Damals in Zusammenarbeit mit General Electrics, die Firma von Thomas Edison. Die ersten Luster mit Neonröhren, auch energiesparender, vielleicht jetzt von den Materialien drin, vielleicht nicht ganz unbedenklich, aber da waren wir immer vorne weg. LED haben wir uns ein bisschen Zeit gelassen, weil da die Entwicklung doch länger gedauert hat, bis LED-Licht auch in ein brauchbares Level gekommen ist. Aber so bei uns dreht sich das einfach eh immer im Kreis. Schön, dass es das auch noch gibt und jetzt wiedergeben wird. Vielleicht noch abschließend ein kurzes Statement. Was würden Sie sich für andere Unternehmen

[42:51] oder auch für die Stadt Wien wünschen, wo wir hinkommen können? Jetzt sind Sie Repräsentant eines Unternehmens, das 200 Jahre sehr gut überlebt hat mit Kreislaufwirtschaft. Vielleicht ein Abschlussstatement für die Zukunft. Für die Zukunft. Ja, das ist eigentlich das Stichwort ein bisschen Weitsicht beim Einkaufen, beim Shoppen, wie man so schön sagt. Kauft man etwas für die Zukunft? Etwas, das man lange hat oder etwas, das man in der nächsten Saison schon wieder wegschmeißen kann? Auch ein Zitat von meinem Vater oder von den Vätern von vielen von uns. Ich bin zum günstig einkaufen bin ich zu arm, weil die Sachen, die lang halten, kann ich mir halt nicht leisten. Vielen Dank für dieses Statement und ich finde damit mit diesem Weitblick und dem Blick in die Zukunft darf ich mich beim Podium bedanken, beim Publikum bedanken, bei Ihnen bedanken und uns allen eine schöne Zukunft

[43:51] wünschen und vielleicht beim nächsten Einkauf einmal länger darüber nachdenken und nachfühlen, ob das jetzt der richtige Einkauf ist. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal. Tschüss, Baba. So, ihr habt wieder eine Folge von Stadtlabor auf Forerunners Network in unserem Podcastkanal gehört. Die vier Podcasts sind zirkuläre Baustelle, Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt, Ressourcenschonung im Wiener Alltag, gemeinsames Gestalten, Nutzen und Teilen als neuer Mainstream, Green Economy, wie klimafit ist Wiens Wirtschaft und eine runde Sache, Wiens Weg zur Stadt ohne Verschwendung. Hört euch gerne alle vier Podcasts an, wenn sie online sind und wenn ihr wollt, einen unserer 34 anderen Podcasts, die Forerunners Network zu bieten hat. Good News, Good People und Nachhaltigkeit mit positiven Beispielen. Bis auf Wiederhören bei Forerunners Network.

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