Wiens Weg zu weniger Verschwendung beginnt lange vor der Mülltonne
Reparieren statt wegwerfen, Lebensmittel retten, Dinge teilen und Gebäude als Materiallager planen: Wiens Kreislaufwirtschaftsstrategie setzt nicht erst beim Abfall an. Das Stadtlabor zeigt, warum eine Stadt ohne Verschwendung nur gelingt, wenn Verwaltung, Betriebe und Bevölkerung ihre größten Handlungsspielräume gemeinsam nutzen.
Ein Produkt landet im Mist, sobald es für seine Besitzerin oder seinen Besitzer keinen Nutzen mehr hat. Sein Wert ist damit aber nicht verschwunden. In ihm stecken weiterhin Material, Arbeit, Energie und Wasser. Vielleicht kann es jemand anderer noch gebrauchen. Vielleicht lässt es sich reparieren, teilen oder in einen neuen Rohstoff verwandeln.
Dort setzt die Wiener Strategie „Zirkuläres Wien – eine runde Sache“ an. Im Stadtlabor diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Circular Economy mit Fachleuten aus Lebensmittelrettung, Design und Wirtschaft. Die Leitfrage reicht weit über Mülltrennung hinaus: Wie kann Wien mit weniger Verschwendung ein gutes und leistbares Leben ermöglichen?
Kreislaufwirtschaft beginnt beim Gebrauch
In der linearen Wirtschaft wird etwas hergestellt, gekauft, kurz verwendet und entsorgt. Die Diskussion hält diesem Ablauf ein anderes Verständnis entgegen: vom Verbrauchen zum Gebrauchen. Produkte sollen länger in Verwendung bleiben, reparierbar sein und ihren Wert möglichst behalten.
Die Wiener Strategie übersetzt diesen Anspruch laut Stadtlabor in 33 Hebel und mehr als 140 Aktivitäten. Sie betrifft nicht nur Umweltstellen. Kultur, Gesundheit, Wirtschaft, Bauen, Mobilität und Stadtplanung sind ebenso gefordert. Eine Stadt ohne Verschwendung entsteht nicht durch eine einzelne neue Sammeltonne, sondern durch viele Entscheidungen, die früher im Lebenszyklus eines Produkts fallen.
Im Alltag heißt das: Kaputte Dinge reparieren, selten benötigte Geräte ausborgen und gut erhaltene Gegenstände weitergeben. In der Wirtschaft geht es um kreislauffähige Produkte und neue Dienstleistungen. Beim Bauen sollen Gebäude länger nutzbar bleiben, verschiedene Zwecke aufnehmen können und am Ende selbst als Materiallager dienen.
Dahinter steht auch eine soziale Frage. Wenn eine Waschmaschine länger funktioniert oder eine Bohrmaschine nicht für einen einzigen Einsatz gekauft werden muss, entlastet das das Geldbörsel. Ressourcenschonung wird damit nicht zur Verzichtsübung, sondern kann Leistbarkeit erhöhen.
Die Stadt gestaltet Märkte durch ihren Einkauf
Die Stadtverwaltung verfügt über einen Handlungsspielraum, den einzelne Konsumentinnen und Konsumenten nicht haben: Sie beschafft in großem Maßstab. Was sie für Schulen, Krankenhäuser, Büros, Straßen oder Gebäude einkauft, beeinflusst den Markt.
Als Beispiel nennt die Runde eine Wiener Leuchte, die mit unterschiedlichen LED-Typen nachgerüstet werden kann. Im Bau kann die öffentliche Hand bewusst mit kreislauffähigen Materialien vorangehen und beispielsweise Recyclingbeton einsetzen. Solche Entscheidungen schaffen Nachfrage nach Lösungen, die sich für einen kleinen Betrieb allein noch nicht rechnen würden.
Die Strategie macht die Stadt damit zur Auftraggeberin und Entwicklungspartnerin. Sie kann Kriterien setzen, Pilotprojekte ermöglichen und Erfahrungen in spätere Ausschreibungen übernehmen. Das ist besonders wichtig, weil Kreislaufwirtschaft oft Zusammenarbeit braucht. Hersteller, Reparaturbetriebe, Logistik, Recycling und öffentliche Stellen müssen ineinandergreifen. Kein Betrieb und keine Person kann einen Kreislauf allein schließen.
Lebensmittelrettung verbindet Umwelt und soziale Sicherheit
Wie eng Verschwendung und Leistbarkeit zusammenhängen, zeigt das Thema Lebensmittel. Im Gespräch berichtet die Tafel Österreich, dass sie genussfähige Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette rettet: aus Landwirtschaft, Handel, Produktion und vom Wiener Großmarkt. Ehrenamtliche sortieren die Ware, bevor sie an soziale Einrichtungen weitergegeben wird.
Der Bedarf an dieser Unterstützung ist laut der Vertreterin der Tafel deutlich gestiegen. Lebensmittelrettung verhindert deshalb nicht nur Abfall. Sie versorgt Menschen, die von Armut betroffen sind. Ökologische und soziale Wirkung fallen hier unmittelbar zusammen.
Auch die Stadt kann an mehreren Stellen ansetzen. In Kindergärten, Schulen sowie Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen entscheidet sie mit, wie Verpflegung organisiert und mit Überschüssen umgegangen wird. Gerade Kantinen zeigen, worauf es bei der Strategie ankommt: Nicht erst den Abfall besser behandeln, sondern Mengen, Einkauf, Ausgabe und Weitergabe so planen, dass weniger Genießbares verloren geht.
Reparieren und Teilen brauchen kurze Wege
Die einfachste nachhaltige Entscheidung bleibt wirkungslos, wenn sie im Alltag zu umständlich ist. Eine Designerin aus dem Publikum bringt das sehr konkret auf den Punkt: Muss sie für eine kleine Reparatur quer durch Wien fahren, fehlt dafür oft die Zeit. Kreislaufangebote müssen daher erreichbar, verständlich und praktisch sein.
Wien verfügt laut Sendung über ein Reparaturnetzwerk mit 160 Betrieben. Dazu kommen Reparaturcafés, Förderungen für Reparaturen und Leihläden. Das erhält nicht nur Produkte, sondern schafft und sichert Arbeit. Wer Schuhe, Fahrräder, Elektrogeräte oder andere Gegenstände instand setzt, ist Teil der Kreislaufwirtschaft.
Auch Secondhand-Angebote und Tauschmöglichkeiten senken die Hürde. Sie lösen zugleich einen Einwand, der in der Diskussion offen angesprochen wird: Hochwertige Produkte sind oft teurer. Langlebigkeit allein hilft wenig, wenn sich Menschen den Einstiegspreis nicht leisten können. Gebrauchtkauf, Teilen und Reparieren können Qualität zugänglicher machen. Sie ersetzen aber nicht die Aufgabe, langlebige Produkte und Dienstleistungen grundsätzlich leistbar zu gestalten.
Damit verändert sich auch der Blick auf Konsum. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob etwas korrekt recycelt werden kann. Zuerst sollte geklärt werden, ob ein Neukauf nötig ist, ob ein vorhandenes Produkt länger genutzt oder ob es gemeinsam verwendet werden kann.
Der Handabdruck macht aus Vorsätzen Wirkung
Individuelles Verhalten ist wichtig, kann aber rasch in Ohnmacht führen: Der eigene Beitrag wirkt angesichts einer ganzen Stadt zu klein. Die Diskussion stellt deshalb dem ökologischen Fußabdruck den „Handabdruck“ gegenüber. Gemeint ist der Einfluss, den eine Person in ihrem Umfeld ausüben kann.
Wer bei einer Veranstaltung für ein überwiegend vegetarisches oder veganes Buffet sorgt, verändert nicht nur die eigene Mahlzeit, sondern jene vieler Gäste. Wer in der Familie vereinbart, zu Weihnachten weniger, dafür hochwertiger zu schenken, wirkt über den eigenen Einkauf hinaus. Beschäftigte der Stadt können ihre Entscheidungen in Beschaffung, Organisation und Planung einbringen.
Der Ansatz verschiebt die Frage von persönlicher Perfektion zu wirksamen Hebeln. Wo kann eine Entscheidung mehrere weitere auslösen? Welche Routine in einem Betrieb, einem Verein oder einer Familie lässt sich verändern? So wird Beteiligung konkret, ohne die Verantwortung allein bei Privathaushalten abzuladen.
Auch Komfort spielt eine Rolle. Ein Anbieter von Pfandautomaten erklärt in der Sendung, wie Rückgabe einfacher werden kann: wetterfeste Automaten im Freien, direkte Auszahlung und Standorte außerhalb der gewohnten Supermarktlogik. Der Komfort entscheidet mit, ob Menschen ein solches Angebot annehmen. Nachhaltiges Verhalten setzt sich leichter durch, wenn es logisch in den Alltag passt.
Null Verschwendung ist eine gemeinsame Infrastrukturaufgabe
Am Ende zeichnet das Stadtlabor keine Stadt, in der nichts mehr weggeworfen wird. Dafür sind die Wege vom heutigen Konsum zur geschlossenen Kreislaufwirtschaft zu komplex. Die Strategie schafft jedoch eine Richtung und verteilt die Arbeit auf konkrete Felder.
Die Bevölkerung kann Dinge länger verwenden, teilen und Reparatur nachfragen. Betriebe können Produkte kreislauffähig gestalten und Dienstleistungen für Rücknahme oder Instandhaltung anbieten. Die Stadt kann mit Beschaffung, Förderungen, Planung und leicht zugänglicher Infrastruktur die Bedingungen verändern.
Der entscheidende Perspektivwechsel passiert vor der Mülltonne. Sobald ein Gegenstand als Abfall endet, sind viele Möglichkeiten bereits vergeben. Wiens Weg zu weniger Verschwendung beginnt deshalb beim Design, beim Einkauf und bei der Frage, wie lange etwas nützlich bleiben kann. Erst wenn diese Entscheidungen zusammenspielen, wird aus gut gemeinten Einzelaktionen eine Stadt, die Ressourcen tatsächlich im Kreis führt.
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[00:00] Hallo und gratuliere dir! Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf Forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Herzlich Willkommen bei Forerunners Network und herzlich Willkommen bei unserer vierteiligen Serie Das Stadtlabor. Vielleicht kommen noch einige andere, aber wir haben einmal einen interessanten Anfang gemacht. Das Stadtlabor ist ein besonderes Veranstaltungs- und TV-Format und natürlich auch Podcast-Format von Forerunners Network, wo die Zukunft der urbanen Nachhaltigkeitsprogramme erörtert wird. Hier treffen sich Meinungsmacherinnen, Vordenker, Forscherinnen und Vordenker, um die wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen der Stadt auf den Punkt zu bringen. Das Besondere daran, wir sind nicht in einem Palais oder sonst irgendwo, sondern dort, wo Arbeit, Laborer tatsächlich passiert.
[01:18] In den Jägerwaldstudios im Wirtschaftspark Breitensee. Ein modernisiertes Fabriksareal, wo Startups und Kreativunternehmen gemeinsam mit Handwerksbetrieben inklusiv und gemeinsam die Zukunft gestalten. Die Folge 1 im Stadtlabor, eine runde Sache. Wiens Weg zur Stadt ohne Verschwendung. Der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft wurde erst vor kurzem präsentiert. Im Mittelpunkt stehen Ressourcenschonung, also der achtsame Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen. Im Fokus die 33 Hebel, wie Wien zur Stadt ohne Verschwendung werden soll, vom Alltagskonsum über Abfallbehandlung bis hin zum Thema Lebensmittel. Pendel hört ihr heute. Hallo und herzlich willkommen im Stadtlabor, wo Expertinnen und Experten, am Podium direkt und auf Augenhöhe mit dem Publikum, mit der Community diskutieren können. Heute dreht sich alles um die lebenswerteste Stadt der Welt oder eine der lebenswertesten Städte der Welt. Sie wissen bestimmt, von welcher ich spreche, nämlich Wien. Und das sage ich nicht nur als gebürtige und überzeugte Wienerin.
[02:52] Nein, es gibt ja auch weltweite und internationale Rankings, die das auch immer wieder beweisen. Damit das so bleibt, müssen wir uns im Heute natürlich auch ums Morgen kümmern. Und das macht die Stadt Wien ganz besonders gut. Denn es gibt jetzt, gerade wenn es ums Ressourcenmanagement und Kreislaufwirtschaft geht, einen neuen Plan. Was dieser Plan beinhaltet und wen das betrifft, das erfahren wir heute. Und deswegen freue ich mich, dass Sie mit dabei sind und vor allem auch mein Podium. Mein Name ist Conny Kreuter. Ich darf heute diese Sendung mit Ihnen gestalten. Ja, wer ist denn heute am Podium? Alleine diskutiert sich sehr recht schlecht. Wie wir wissen, der Stadtrat für Klima und Umwelt, Jürgen Czernohorske, ist da. Danke für die Einladung. Die Vorständin für Circular Economy Austria, Karin Huberheim. Und der Teamleiter in der Bereichsleitung Klimaangelegenheiten der Stadt Wien, Thomas Eberhardt. Und natürlich last but not least, ganz wichtig, unsere Community, unser Publikum, die uns ja auch wieder Fragen zuwerfen wird.
[04:02] Weil das, darum geht es genau hier im Stadtlabor auf Augenhöhe miteinander diskutieren. Also schön, dass Sie, schön, dass ihr alle da seid. Und dann starten wir direkt mal rein. Es gibt eine neue Strategie mit einem wunderschönen Titel, finde ich. Zirkuläres Wien, eine runde Sache. Was genau steckt denn da dahinter, Herr Stadtrat? Ja, Sie haben schon am Beginn erwähnt, dass Wien so ein wunderbarer Ort zum Leben ist. Absolut. Vermutlich die meisten unserer Zuseherinnen und Zuseher finden, so wie ich, den schönsten Ort zum Leben. Aber das hat sehr grundlegende Grundlagen, die ein gutes Leben heute ermöglichen für uns, aber eben auch in Zukunft ermöglichen sollen. Und das wiederum hat ganz viel mit Ressourcen zu tun. Also den Rohstoffen, den Dingen, den Sachen, die wir brauchen, um ein gutes Leben zu führen. Und die sind nicht unendlich verfügbar, auch wenn die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten manchmal so getan hat.
[04:56] Insofern müssen wir schauen, dass wir die nicht verschwenden und dass wir die sichern können, wiederverwenden können, bestmöglich für uns einsetzen, um eben dieses gute Leben zu ermöglichen. Und das ist der Hintergrund für unsere Kreislaufwirtschaftsstrategie. So schaut sie aus. Es ist ein sehr dickes Werk geworden. Und dahinter steckt die Arbeit von wirklich allen Expertinnen und Experten der Stadt mit einem Ziel, alle, wirklich alle Hebel auszumachen, an denen es zu drehen gilt, zu ziehen gilt, wenn es darum geht, eine Stadt mit Nullverschwendung zu werden. Das fängt beim Alltag an. Wie kann ich Dinge, die kaputt sind, reparieren lassen? Wie kann ich Produkte, die ich brauche, mit anderen gemeinsam nutzen? Wie kann ich Abfallwirtschaft zu organisieren, dass eben Mist kein Mist ist, sondern immer eine Ressource, um etwas Neues zu organisieren? Es geht über die Wirtschaft, wo wir enge Kooperationen mit Unternehmen als Stadt brauchen, die da unglaublich innovativ sind, aber selber auch einkaufen.
[05:52] Wir als Stadt Wien geben Milliarden Euro aus und können da ganz schön viel mit dem Markt tun, bei dem wir einkaufen. Und last but not least, geht es auch um die Gebäude. Die sind besonders schwer im wahrsten Sinne des Wortes und daher macht es auch Sinn zu überlegen, was braucht es eigentlich, dass man beim Bauen dafür sorgt, dass so ein Haus, so ein Gebäude nicht nach 20, nach 30 Jahren wieder abgerissen werden muss, sondern unterschiedlich verwendet werden kann für unterschiedliche Zwecke. Dass es selber ein Materiallager ist. Das alles ist die Kreislaufstrategie. Was mir aber wichtig ist, ist, dass es eigentlich im Kern eines ist. Eine Grundlage dafür, dass wir Wienerinnen und Wiener ein gutes Leben führen können. Ganz viel hat das mit Leistbarkeit zu tun. Das kann man sich eh selber ganz gut durchdenken. Wenn ich nicht alle zwei Jahre irgendwas Neues brauche, sondern die Dinge länger halten und gut sind, gut funktionieren, so wie eine gute alte Waschmaschine, dann ist es für mich natürlich auch ein großer Beitrag dazu, dass ich mir das Leben leisten kann.
[06:48] Also alles in allem eine runde Sache. Eine runde Sache. Ein schöner Titel. Viele Expertinnen und Experten sind und waren daran beteiligt. Ist ja auch im Gemeinderat beschlossen worden. Also jetzt geht es erst so richtig los. Frau Karin Huberheim, Sie sind ja Vorständin der Circular Economy Austria und waren auch bei der Strategie dabei. Was genau bedeutet jetzt diese Funktion? Was haben Sie zu tun? Wie waren Sie an der Strategie beteiligt, damit man diese komplizierte Funktion ein bisschen greifbarer macht? Also ich habe 2020 gemeinsam mit vier anderen Organisationen das Circular Economy Forum Austria gegründet als eine private Initiative. Also wir hatten damals keinerlei Anlass oder Förderungen von außen, sondern wir waren eine große Runde von Experten und Expertinnen, die gesagt haben, das Thema Nachhaltigkeit ist wichtig. Aber der Hebel eigentlich, um diese Nachhaltigkeit wirklich zu bewirken, den wir jetzt schon hätten, wäre die Kreislaufwirtschaft.
[07:45] Wir wussten, dass Unternehmen auch Unterstützung brauchen werden. Sowohl einerseits, was das Wissen anbelangt, andererseits auch die Umsetzung und haben uns daher zusammengetan und haben Österreichs größte unabhängige Multi-Stakeholder-Plattform bis heute, jetzt im sechsten Jahr, gegründet und aufgezogen. Und arbeiten jetzt in unterschiedlichen Projekten, eben auch auf der Bundesebene, aber auch in den Regionen, in Städten wie Wien, eben dürfen wir mitarbeiten und unsere Expertise einbringen. Und es gab bei der Erstellung der Kreislaufwirtschaftsstrategie, wurden eben sehr viele Experten, also ich war bei Gott nicht die Einzige, sehr viele Experten und Expertinnen mit einbezogen, die zu den unterschiedlichsten Bereichen Fachwissen einbringen konnten. Und das wurde dann gemeinsam diskutiert mit den vielen Vertretern und Vertreterinnen aus der Stadt Wien, aus den unterschiedlichen Magistraten. Und das war ein wirklich, ein längerer, aber ein wirklich spannender und interessanter und ich glaube auch sehr fruchtbarer Prozess, aus dem jetzt diese schöne Strategie herausgegangen ist, auf die wir wirklich, also ich bin sehr stolz darauf.
[08:56] Das ist schön. Wenn man eineinhalb Jahre lang hart gearbeitet hat, darf man auch, finde ich, auf so ein schönes Produkt stolz sein. Herr Eberhard, Sie sind Teamleiter in der Bereichsleitung Klimaangelegenheiten, das heißt, Sie sind in der Verwaltung tätig. Was genau hat jetzt Kreislaufwirtschaft mit der Verwaltung zu tun? Wie kann man sich das vorstellen als Wienerinnen und Wiener? Die Kreislaufwirtschaft ist eine Querschnittsmaterie und das kommt da bei der Strategie sehr gut raus, nämlich es geht wirklich, in jedem Ressort gibt es Themen, die mit der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft zu tun haben. Und wir als Bereichsleitung für Klimaangelegenheiten haben den Auftrag, über alle Ressorts hinweg die Klimaziele der Stadt Wien zu koordinieren. Und das ist eben Klimaschutz, das ist schon bekannt, da macht die Stadt Wien sehr viel Klimaanpassung, zum Beispiel mehr Parks, mehr Begrünung. Und eben jetzt das dritte K, wie man es im Wiener Sprech sagt, neben Klimaschutz, Klimaanpassung eben auch die Kreislaufwirtschaft stärker zu verankern.
[09:49] Das war der Auftrag in diesem Strategieprozess. Über eineinhalb Jahre ist der in etwa gegangen. Und was bei uns eben ein Thema war, dass wir es wirklich in jedem Ressort, also von Kultur über Gesundheit, über Wirtschaft, Bauen hin bis zu Umwelt, Klima natürlich, Mobilität, Stadtplanung, über alle Ressorts hinweg, haben wir Expertinnen der Stadt Wien eingeladen, mit ihnen gemeinsam diskutiert. Und ja, die Strategie mit 33 Hebeln und über 140 Aktivitäten ist dabei rausgekommen. Also Teile machen wir schon und Teile nehmen wir uns auch vor, in Zukunft noch verstärkt anzugehen. Und was ich bei Ihnen allen dreien so schön finde, ist, wir haben ja auch Vorgespräche geführt und bei allen dreien merke ich nicht nur die Funktion dahinter, also das ist mein Job, sondern auch dieses persönliche Interesse und die Freude an der Arbeit und die große Motivation, wirklich etwas Nahbares und auch Mögliches zu machen für Wienerinnen und Wiener.
[10:49] Wir haben auch geredet, was ist denn die Motivation in der Verwaltung zu arbeiten? Vielleicht können Sie das noch einmal wiedergeben. Also das ist meine persönliche Motivation, aber auch Überzeugung. Von Mensch zu Mensch. Nämlich, dass die öffentliche Hand die Rahmenbedingungen gestaltet, damit klimafreundliches Leben für alle in Wien möglich ist. Ich sage immer, das sind nicht nur die drei K, sondern die drei Ls. Es soll leicht sein, es soll leistbar sein und es soll logisch sein. Also es soll einfach sein, sich in Wien klimafreundlich zu verhalten und das ist die Aufgabe der öffentlichen Verwaltung. Einerseits der Politik Vorschläge zu machen, die Politik beschließt das natürlich, wenn sie das möchte, aber so quasi das gute Leben für alle und ein klimafreundliches Leben für alle zu ermöglichen. Da geht es um einen Werkzeugkoffer, da kann man natürlich schauen, wie man diesen Werkzeugkoffer gut einsetzt.
[11:38] Aber das ist auch so meine Motivation und Überzeugung, warum ich in der Verwaltung arbeite. Sehr schön. Und ich finde, das fasst das auch alles schön zusammen, warum wir heute hier sind. Heute sprechen wir auch ganz viel über Konsum, über Abfall und auch was damit alles noch zusammenhängt. Querschnitt haben Sie auch gesagt. Das bedeutet, viele Themen sind da mit drinnen. Und was mir auch ganz wichtig ist, ein absolut soziales Thema. Eine Stadt entsteht ja nur, weil es da drin Menschen gibt. Und deswegen sind wir Menschen und wir Wienerinnen und Wiener natürlich da auch beteiligt. Herr Stadtrat, das ist auch etwas, was Sie besonders hervorheben möchten. Es soll den Wienerinnen und Wienern gut gehen. Wie schaffen wir das? Ja, es ist eine total individuelle Frage. Es geht um unser gutes Leben. Und eigentlich ist es vielleicht sogar so, dass wir, die jetzt so die Erwachsenen-Generation sind,
[12:26] da auch ein bisschen was verlernt haben. Also wenn ich an Kreislaufwirtschaft denke, dann denke ich zum einen an meine Oma, die viel, viel besser drauf geschaut hat, dass nichts verschändet wird, dass man kein Essen wegschmeißt, dass ein Quantas kaputt ist, repariert werden kann. Und ich denke aber auch an meine Töchter, weil wir gerade zum Glück eine Generation an Jugendlichen und Kindern haben, die das cool findet, dass man sich Sachen gemeinsam repariert oder dass man Dinge tauscht, dass man Partys macht, um Gewand miteinander zu teilen. Und irgendwie dazwischen liegt die Möglichkeit, dass man sich selber so organisiert, wir als Stadtgemeinschaft, dass es einfach mehr Sinn macht. Weniger kostet, besser funktioniert. Und das ist eigentlich nichts mehr und nicht weniger als der Umgang mit Ressourcen. Weil keine Verschwendung braucht manchmal Fantasie, das stimmt. Aber genau, und in der Fantasie steckt eben auch Innovation.
[13:16] Deswegen sind ja auch so tolle Betriebe in Wien, die mit neuen Lösungen kommen. Deswegen macht das so viel Sinn, wenn die Stadt Wien als Beschafferin selber sagt, kommt bitte, liebe Unternehmen, mit einer Lösung, mit der wir mehr anfangen können. Beispielsweise mit einer Wiener Leuchte, die jetzt überall im ganzen Stadtbild ist, die so ist, dass man sie mit allen unterschiedlichen LED-Typen nachrüsten kann. Und damit spart man sich viel Geld. Und das viel Geld sparen, das ist natürlich auch eine sehr, sehr soziale Angelegenheit. Weil Wien soll ja ein Ort sein, wo man sich das Leben leisten kann. Das hat ganz viel mit Verschwendung zu tun. Momentan wird zum Beispiel irrsinnig viel an Lebensmittel verschwendet. Deswegen schauen wir da als Stadt auch bei den Kantinen drauf, in der Schule oder in Krankenhäusern. Aber generell, glaube ich, ist es eines der größten Themen. Ich habe sogar eine Zahl mitgenommen.
[14:01] 1.578 Tonnen genussfähige Lebensmittel wurden allein letztes Jahr gerettet von der Tafel Österreich. Wir haben auch eine Expertin hier im Publikum sitzen, Verena Scheidl von der Tafel Österreich. Armutsbekämpfung kennen wir eigentlich nicht aus Österreich und auch nicht aus Wien. Wenn wir armutsgefährdete Menschen sehen, sind die meistens in anderen Ländern zu Hause. Also wenn ich Werbungen sehe, die mich wirklich sehr traurig machen, habe ich eigentlich immer dritte Weltsländer im Kopf. Ist aber nicht so, oder, Frau Scheidl? Das ist leider auch in Österreich immer mehr und seit 2021 besonders dramatisch eigentlich geworden. Ja, das ist leider so. Armut hat viele Gesichter. In Österreich sind rund 1,5 Millionen Menschen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Und gerade die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, hat sich innerhalb von zwei Jahren fast verdoppelt. Bei Kindern und Jugendlichen hat sie sich verdoppelt. Das sind also wirklich dramatische Zahlen.
[15:09] Und wir versorgen eben seit 1999 armutsbetroffene Menschen in sozialen Einrichtungen, kostenfrei mit geretteten Lebensmitteln. Der Bedarf ist deutlich gestiegen. Also es waren letztes Jahr mehr als 75.000 armutsbetroffene Menschen in etwa 160 sozialen Einrichtungen. Und die Zahlen gehen weiter nach oben. Wie rettet ihr Lebensmittel? Das ist ja nicht nur Lebensmittelrettung, sondern auch das Zurverfügungstellen für diejenigen, die wenig oder gar nichts zu essen haben, was ganz schlimm ist, wenn Kinder in der Schule nichts zu essen haben. Finde ich großartig, dass es diese Initiative gibt und den Verein gibt. Wie rettet sie die Lebensmittel? Weil da hängt ja ganz viel Gewährleistung, Haftung auch mit rein. Sind die Lebensmittel gut? Da hängt ja auch ganz viel Rechtliches dran. Wie macht ihr das? Also wir retten Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette, weil auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette Lebensmittelabfälle passieren. Das heißt, wir retten Lebensmittel aus der Landwirtschaft.
[16:06] Das ist eine sehr tolle Erfolgsgeschichte, weil wir da sehr viele gesunde Lebensmittel bekommen, Frischware bekommen, dass anwurtsbetroffene Menschen besonders wichtig ist. Aus dem Handel, aus der Produktion. Wir sitzen am Großmarkt Wien und holen dort jeden Morgen auch direkt von den Händlern Lebensmittel ab. Die werden dann bei uns vor allem durch ehrenamtliche Mitarbeiter sortiert, weil wir eben sicherstellen müssen, dass wir nur gute Lebensmittel weitergeben. Also das ist unsere Verantwortung. Und da haben wir in mehr als 26 Jahren auch sehr viel Know-how aufgebaut. Und dann werden diese Lebensmittel entweder von uns ausgeliefert an die sozialen Einrichtungen oder auch direkt bei uns abgeholt. Wie schaut denn da die Zukunft aus? Also welche Richtung strebt ihr an? Einerseits, also wir haben ja 1999 als Wiener Tafel begonnen, haben mittlerweile Kooperationen in allen Bundesländern. Das ist ein Fokus, den wir setzen, dass wir einfach noch mit mehr sozialen Einrichtungen in allen Bundesländern kooperieren möchten.
[17:12] Wir haben eine digitale Tafeldrehscheibe entwickelt, die uns hier auch erlaubt, sehr zielgerichtet, sehr lokal die Lebensmittel direkt von den Warnspendern an die Empfänger weiterzugeben. Das ist etwas, woran wir weiter arbeiten. Wir möchten auch weiter in der Lebensmittelrettung in der Landwirtschaft Akzente setzen, weil wir da noch sehr viel Potenzial sehen, während die Lebensmittelrettung aus dem Handel eher stagniert. Und natürlich möchten wir gerne noch mehr armutsbetroffene Menschen versorgen, weil da noch viel Luft nach oben ist. Ist das nicht auch ein Punkt in der Strategie, Herr Eberhardt, dass wir da uns um die Lebensmittel, also um die Güter, um das Ressourcenmanagement kümmern, gerade wenn es um Lebensmittel geht? Generell bei der Strategie haben wir immer versucht, herauszuarbeiten, was kann die Stadt Wien, was können wir in der Verwaltung mit unseren Rahmenbedingungen tun? Und beim Thema Lebensmittel, Herr Stadtrat hat es schon angesprochen, ist es beispielsweise in den Kantinen,
[18:08] wo wir Möglichkeiten haben, einerseits bei Kindergärten, in Schulen, ist ja auch alles oder vieles von der Stadt Wien, auch in den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, alles was mit dem Thema Verpflegung, Kantinen zu tun hat. Aber eben zum Beispiel auch, Wien ist auch Land- und Forstbetrieb. Wir haben eine eigene Biomarke, Wien Augusto. Wien Augusto, haben wir auch im Publikum sitzen. Genau, und auch da haben wir, oder schaut die Stadt Wien darauf, was wir für Möglichkeiten haben, um einfach auch positiv in dieses Gesamtsystem einen Beitrag zu leisten. Jetzt können wir auch über den ökologischen Fußabdruck sprechen, Frau Huberheim. Wir haben im Vorgespräch auch darüber gesprochen. Wir haben einen ökologischen Fußabdruck. Das klingt jetzt so ein bisschen ungreifbar. Was genau bedeutet denn das? Vielleicht können Sie uns das ein bisschen erläutern. Man könnte vielleicht auch sagen, dass jedes Produkt oder jeder Mensch einen ökologischen Rucksack hat.
[19:04] Vielleicht ist das ein bisschen deutlicher als Fußabdruck. Alles, was wir verwenden, verbrauchen, ist irgendwann mal an- oder abgebaut worden. Irgendwann war das ein Material, das entweder gewachsen ist, ein biogenes Material, oder es war ein Material, das wir aus tiefen Löchern, die wir in den Bodengraben ausgegraben haben. Und daraus werden dann Kinderfahrräder, Lampenfüße, Gläser, halt so alles Zeugs, das wir sonst so gebrauchen. Und all diese Tätigkeiten, bis das dann ein Lampenfuß, eine Zeitung, ein Glas wird, brauchen Energie, brauchen Wasser, brauchen Land meistens. Und haben natürlich auch Arbeits- und Sozialbedingungen irgendwo am Weg, weil irgendwo immer noch Menschen beteiligt sind. Und dieser Rucksack sozusagen an einerseits Ressourcen, die hier verbraucht oder in den Kreislauf gebracht werden, andererseits aber auch die Emissionen oder der Landverbrauch, der dadurch passiert, summiert sich dann in einem Produkt. Und es ist elendschade, wenn wir dann eben dieses eine Produkt nur sehr kurz verwenden oder in Gebrauch halten,
[20:18] um es dann möglichst rasch zu ersetzen, weil es gibt was Neues. Und dann schmeißen wir dieses Produkt, in dem so viel Wert drinnen steckt, so viel Natur eigentlich drinnen steckt, egal ob es jetzt danach aussieht oder nicht. Aber da steckt Arbeit drinnen, da steckt Energie drinnen, da ist Wasser drinnen. Und all das nur kurz in Gebrauch zu halten, ist eigentlich unheimlich traurig. Und das ist eben diese Verschwendung von Material oder von Rohstoffen, die wir auf einem endlichen Planeten, da kommt nichts dazu, sondern das sind wir, die hier mit diesen Dingen arbeiten und mehr wird es nicht. Da müssen wir neue Lösungen finden und Wege finden, um ein gutes Leben zu haben, aber eben mit weniger Verschwendung, weil wir auch genau wissen, dass das alles, was wir nicht mehr brauchen und letztendlich ist Müll oder Abfall ja eine Definition, die relativ individuell ist,
[21:13] weil wenn ich etwas nicht mehr brauche, dann ist es für mich Müll, aber vielleicht für jemanden anderen immer noch ein Rohstoff. Aber ich gebe es halt, ich schmeiße es halt weg irgendwie. Und in Wien auf wunderbare Art und Weise verschwinden diese Dinge und lösen sich in gute Luft auf. Und das ist großartig, aber das macht uns bequem. Und das macht uns, das gibt uns halt in den letzten Generationen, die wir in diesem schönen, guten Abfallwirtschaftssystem gelebt haben, macht uns denkfaul, darüber nachzudenken, wo Dinge herkommen und wo sie hingehen und was dann eigentlich damit passiert. Und in der Zwischenzeit sollten wir von diesem Verbrauchen in ein Gebrauchen kommen. Das wäre eigentlich eine Möglichkeit, dieses Leben zu verlängern. weniger Emissionen, weniger von diesen sogenannten Primärmaterialien, also alles, was an- und abgebaut wird, zu entnehmen und am Ende weniger Abfall zu verbrauchen. Und die Stadt Wien macht auch schon ganz viele tolle Dinge.
[22:13] Auch, ich liebe ja diese Reparaturcafés. Weil da kommt die Wiener Seele gleich wieder zum Vorschein, da kann man gemütlich Kaffee trinken, parallel was reparieren lassen. Es gibt ganz viele Beispiele, Herr Stadtrat. Was gibt es denn da noch? Was haben Sie denn noch sich einfallen lassen? Ja, zum Thema Reparieren gibt es natürlich, wie die erwähnten, Reparaturcafés auf verschiedenste Standorte. Wir haben ja mit einem Reparaturbont als Stadt eben gefördert, dass man es sich eben leisten kann, Dinge reparieren zu lassen und damit unzählige Produkte gerettet, wenn man so will. und ein Netzwerk geschaffen an Unternehmen, die reparieren. Es sind mittlerweile 160 Betriebe in diesem Reparaturnetzwerkbetrieb. Da ist der Puppendoktor dabei, das Café Weingartner, der Billardköß repariert, Radgeschäfte und vieles, vieles mehr. Das ist wirklich super. Und damit aber auch sehr, sehr viele Arbeitsplätze. Eben Wienerinnen und Wiener, die reparieren und das ist ihr Job.
[23:04] Und darüber hinaus gibt es aber auch viele Möglichkeiten, Dinge gar nicht erst konsumieren zu müssen. Es gibt Leihläden, die Gebietsbetreuung macht sowas. Weil man braucht nicht selber eine Hilti für die eine Stahlbetonwand, die man einmal in zehn Jahren sozusagen traktieren will. Die kann man sich auch ausborgen als Beispiel. Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass das ganz viel mit unserer Alltagskultur zu tun hat. Aber natürlich ist die Stadt auch eine Partnerin für Unternehmen, die wahnsinnig viele innovative Produkte jeden Tag an den Markt bringen. Ob das Taschen aus ehemaligen Neoprenanzügen sind oder ob das eben die besagte Wiener Leuchte ist oder große Unternehmen, die ihre ganze Kühlung umstellen auf geschlossene Kreisläufe. Wien ist voll von dieser Fantasie. Und deshalb ist es schon uns auch ein Anliegen, da jetzt Partnerin zu sein als Stadt. Dass wir dort vorgehen, was auch teurer ist.
[24:00] Beispielsweise, wenn es im Bauen darum geht, Altzement zu verwenden. Das ist aktuell teurer. Wir können aber, wenn wir selber zum Beispiel eine Unterkunft für die 48er bauen, auf Recyclingbeton zurückgreifen, um jetzt ein Beispiel aus dem Hochbau zu nennen. Und das Ganze ist dann eben der Versuch, dass wir auf der einen Seite ermöglichen und aber eben auch als Partner da sind für die Wienerinnen und Wiener. Ich glaube, da haben wir jetzt zwei Dinge ganz wesentlich drin gehabt, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur ist. Sie haben das in Ihren Vorträgen auch immer so schön drinnen. Ich kaufe was, verwende es und recycle es und damit ist es getan. Sondern was kann ich damit noch machen? Kann ich das jemandem weitergeben, tauschen und so weiter? Das war mir ehrlicherweise auch gar nicht so bewusst, bevor ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Ich recycle schon brav, aber wem kann ich das dann noch geben?
[24:47] Zum Dandler. Zum Dandler zum Beispiel, ja. Ich gebe gerne Dinge auch an meine Nichte weiter. Die passt langsam auch in mein Gewand rein und finde das ganz toll, wenn sie die Sachen der Tante tragen kann. Aber auch dieses Tauschen, Sharen, das ist alles Kreislaufwirtschaft. Das kann man wirklich auch alles. Kann auch schön sein, wenn man miteinander im Reparaturcafé sitzt und dann einen Kaffee trinkt zum Beispiel. Ich glaube, es kann ganz leicht sein. Und das ist, glaube ich, auch Ihr Ansatz, Herr Eberhardt, dass es auch wirklich machbar ist für die Wienerinnen und Wiener. Und zum anderen ist das Schöne auch der Kreislaufwirtschaft, dass wir kleinere Unternehmen und Unternehmerinnen und Unternehmer nicht nur mit neuen Geschäftsmodellen und Betrieben unterstützen können, sondern auch diese Vielfalt wieder fördern. Und wir haben eine Designerin, die auch den Fokus auf Nachhaltigkeit sehr stark setzt, Irene Maria Ganser, auch bei uns im Publikum.
[25:33] Herzlich willkommen. Wir haben auch im Vorfeld schon gesprochen. Da ging es vor allem ganz stark auch um Konsum und auch die Kritik zum Konsum. Vielleicht einen Tipp aus Ihrer Expertise. Zunächst einmal vielen Dank für diese schönen Stehtische. Steht ganz groß bei mir. Danke für die Stehtische, weil die einfach hervorragend aussehen. Und die sind ganz speziell gemacht. Qualität ist Ihnen wichtig. Es ist Ihnen wichtig, dass es nachhaltig ist. Warum? Also ich bin generell ein Fan von Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Also ich mag die Qualität. Es ist egal, ob es ein Stoff ist, ob es ein Holz ist, das einfach gut ist, eine Qualität hat. Es ist völlig egal. Also ich mag dieses Billige eigentlich überhaupt nicht. Und ich möchte auch nichts designen, was jetzt nur kurzlebig ist. Das hat mich eigentlich noch nie in meinem Leben interessiert. Und ich persönlich setze mich auch ein quasi fürs Handwerk.
[26:38] Das gehört für mich auch genauso dazu. Es verschwindet leider immer mehr und mehr. Also es gibt immer weniger Schuster, die einen Reißverschluss einnehmen können. Da fängt es auch schon mal an. Also quasi und aber auch kurze Wege. Wo kann ich das machen, sozusagen? Wenn ich da quer durch Wien fahren muss, dann habe ich die Zeit schon wieder überhaupt nicht mehr. Ich persönlich schaue immer, egal wenn ich was kaufe, sozusagen brauche ich es jetzt wirklich. Und dann die Qualität. Also ganz wichtig ist bei, was weiß ich, wenn ich mir ein Gewand kaufe, wie sind die Nähte? Wie ist das vernäht? Fusselt es sofort? Ist es nach dreimal waschen fünf Größen größer? Ja, und da, das finde ich, ist schon einmal, also es sollte ja halten. Also mir macht ja das keinen Spaß, wenn ich da dreimal ein T-Shirt und dann muss ich es eigentlich als Putzfetzen verwenden.
[27:31] Das macht überhaupt keinen Sinn, wenn man dann auch noch weiß, dass das dreimal um die Welt gewandert ist, das T-Shirt. Das ist Wahnsinn. Also da ist für mich noch so viel zu tun, gerade in der Fashion, im Modebereich. Also Stichwort Fast Fashion, also ich halte es gar nicht aus. Also das wäre eine eigene Sendung, sozusagen. Also darüber könnte man ewig diskutieren. Und deswegen, also ich würde den meisten eigentlich raten, viel mehr noch auf die Qualität zu achten. Ja, also quasi lieber weniger kaufen, aber dann habe ich einfach viel länger auch eine Freude damit. Aber Leistbarkeit haben wir heute auch schon gesprochen. Dinge mit Qualität sind meistens teurer. Ja. Und kann man sich vielleicht auch nicht so gut leisten, gerade vielleicht als alleinerziehende Mutter zum Beispiel. Ja, oder als Familie mit vielen Kindern. Was raten Sie da? Das stimmt, aber es muss sich jeder selber hinterfragen, wie viel brauche ich und wie viel muss ich kaufen.
[28:24] Muss ich jetzt fünf Pullover kaufen, zehn Pullover oder reicht einer? Ja, der dann länger hält. Also das handelt, glaube ich, jeder anders. Ich kann nur raten, wirklich die Qualität und lieber weniger zu kaufen. Und dann gibt es aber mittlerweile auch schon tolle Plattformen, wo das quasi neu ist, wo Leute das verkaufen zu einem wesentlich günstigeren Preis. Gute Secondhand-Onlineshop. Ja, genau. Und das nimmt aber auch immer wieder zu, was eigentlich sehr freulich ist. Und man bekommt da wirklich tolle Sachen auch. Und das Gleiche ist eigentlich auch bei den Möbeln. Also man kann ja mittlerweile auch Möbel online kaufen, was ein Wahnsinn ist. Aber ich weiß ja dann auch überhaupt nicht, wie ist das gemacht. Hat da sehe ich zum Beispiel totale Problematik drin? Ich kaufe was online, weiß überhaupt nicht, woher das kommt. Quasi das Holz, wird das jetzt abgeholzt vom Amatronas-Gebiet, wo auch immer.
[29:20] Also da würde ich schon kritisch sein, wenn ich jetzt irgendwie online Möbel kaufe. Und ich würde mich da schon auch immer schauen beim Impressum, wo wird was gemacht? Wie wird was gemacht? Man kann das auch immer, oder wenn man Stücke sieht, man kann es auch wirklich gut ein bisschen kontrollieren. Bei Scharnieren sind die billig oder fällt das Ding gleich auseinander. Weil was bringt man das, wenn ich jetzt etwas kaufe und in einem Jahr ist es kaputt? Ja, wer billig kauft, kauft teuer. Kann man auch so sagen. Also ich meine, ich finde auch, man kann auch, wenn man halt am Anfang kein Geld hat, man kann auch super Möbel kaufen, abschleifen mit tollen, was weiß ich, wachsen mittlerweile, total coole Sachen machen. Also ich mache das auch. Also ich, mir taugt das dann total. Da kommt die Kreativität wieder ins Spiel.
[30:10] Und was wir jetzt gerade angesprochen haben, ist schon so ein bisschen auch das Mindset. Ich möchte mehr neue Sachen haben, vor allem mehr. Also die Quantität ist, glaube ich, ein Thema und zum anderen immer dieses, es muss was Neues sein. Oder, Frau Huberheim? Da schauen Sie mich jetzt an. Schau ich aus, als hätte ich lauter neue Sachen. Nein, überhaupt nicht. Ich wollte keine Unterstellung, nur weil wir darüber gesprochen haben, dass das ein Mindset-Thema ist. Ja, ja, absolut. Nachhaltigkeit darf auch leicht sein, aber das ist gar nicht so, ja, ein bisschen eine Herausforderung vielleicht auch. Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, weil uns ja die letzten 30, 40 Jahre Marketing erklärt haben, wir sind nur so viel, wie wir besitzen. Es wurde uns ja nicht beigebracht, dass wir so gut sind, wie die Dinge in der Qualität sind, die wir gebrauchen oder im Gebrauch haben.
[30:54] Oder wie gut unser Leben ist durch diese Dinge. Sondern es wurde uns erklärt, je mehr und je öfter du was Neues hast und je mehr du davon hast, desto besser bist du. Und das ist einfach etwas, was man in den Köpfen, also ich bin da ganz dabei, Qualität ist viel wichtiger als die Quantität. Das Wie gut ist etwas ist viel wichtiger als das Wie viel habe ich davon? Und das betrifft gerade jetzt in der Stadt auch unser Leben. Nämlich in Wirklichkeit geht es immer darum, wie gut ist das Leben der Bürger und Bürgerinnen hier und nicht, wie viele Häuser haben wir, wie viele Straßen, wie viele Geschäfte, wie viele, schlag mich tot, Straßenlaternen. Also es geht nicht ums Wie viel. Das Wie viel, das sind Zahlen, die kann man sehr gut messen. Es geht um das Wie gut. Eigentlich sind die Dinge, die wir bekommen, die wir haben, innerhalb derer wir uns bewegen können.
[31:44] Und in der Stadt, um das jetzt wieder auf die Stadt kurz zurückzubringen, wir leben deshalb heute in einer guten, gut ausgebauten Stadt, was öffentliche Verkehrsmitteln, Schulen, Infrastruktur etc. anbelangt. Weil unsere Eltern oder Großeltern, dass in den 70er, 80er Jahren für uns schon gedacht, die Entscheidungen getroffen haben und angefangen haben, das für uns zu machen. Und in der Zukunft, die die für uns gedacht haben, leben wir heute. Und das ist unsere ureigenste Aufgabe und deshalb engagiere ich mich in diesem Thema, weil ich möchte gerne, wenn mich mein Enkelkind fragt, sagen können, ich habe mich bemüht. Also ich habe versucht, deine Zukunft so gut wie möglich durch meine Entscheidungen zu gestalten und sie nicht zu beeinträchtigen, weil ich schnell und jetzt und gleich möglichst viel oder möglichst billig was haben möchte. Und ich verstehe Ihren Punkt mit billig und leistbar. Das ist sehr nah beieinander. Das brauchen wir unbedingt. Und das ist eben das Schöne eigentlich auch an dieser Strategie.
[32:49] Ich werde immer wieder gefragt von, sage ich mal, finanziell besser gestellten Entscheidungsträgern, die dann, wenn sie das Konzept erkennen, warte mal teilen, tauschen, Qualität statt Quantität, dann sind sie so, naja, aber was machen denn dann die armen Leute? Das wird ja alles teurer. In Wirklichkeit ist es so, dass Menschen, die nicht so gut finanziell gestellt sind, ohnehin weniger verbrauchen, öfter tauschen, mehr teilen, sich anders orientieren, eben zum Beispiel auf Plattformen, wo man gebrauchte, gute Gegenstände findet. Die können das. Die können das viel besser als Menschen, die sehr viel Besitz haben und unendliche finanzielle Möglichkeiten, weil die kommen nicht einmal auf die Idee, dass sie etwas da tauschen könnten. Also ich glaube, dass nämlich das eine Zielgruppe ist, über die wir, mit der wir viel eher reden sollten, weil die einen sehr hohen Materialverbrauch hat und wiederum einen sehr hohen Fußabdruck.
[33:43] Ich glaube, dass der Durchschnittsbürger dieses Konzept des Haushaltens mit dem, was ich habe, sehr viel besser zurechtkommt als sehr viele Menschen, die diese Überlegungen gar nicht anstellen müssen. Das Thema Bildung und Education ist auch in der Strategie mit verankert. Herr Eberhard, Sie haben gesagt, es gibt E-Learning-Möglichkeiten, also wo man sich nach und weiter bilden kann, wenn man das möchte, beziehungsweise haben wir auch über den Handabdruck gesprochen. Das fand ich nämlich auch eine ganz schöne Metapher. Vielleicht stelle ich Ihnen die nächste Frage. Sehr gern. Und mir fällt jetzt irgendwie gerade das Spider-Man-Zitat ein. Mit großer Macht folgt große Verantwortung. Und so hat man das, glaube ich, auch in der Stadt. Also wir haben große Hebel, die wir selber betätigen können. Und da geht es viel um Kompetenzen weitergeben, beispielsweise um diese Hebel noch stärker zu betätigen, zu drücken. Wir haben 68.000 Mitarbeiterinnen in der Stadt Wien.
[34:42] Da haben wir jetzt ein extra E-Learning entwickelt, ein Klima-E-Learning, wo es um Basiswissen geht, aber auch sehr viel darum, wie kann ich selbst stärker wirksam werden. Und das eine ist, man kann natürlich immer bei sich selbst anfangen. Und das ist gut, das ist wichtig. Es gibt zwei Beispiele. Man kann zum Beispiel schauen, dass man sich selbst vorwiegend vegetarisch ernährt. Okay, dann ist man aber immer in dieser Debatte. Oder man kann schauen, wo habe ich einen großen Hebel, wo habe ich einen großen Handabdruck. Vielleicht arbeite ich bei einem Unternehmen, wo oft Veranstaltungen stattfinden, mit 50 Personen, 100 Personen. Und ich kann mich dafür einsetzen, dass das Buffet vorwiegend vegetarisch und vegan ist. Dann habe ich entweder bei mir persönlich angefangen, eine Person in der Wirkung, oder bei 50 oder 100 Personen angefangen und 50, 100 Personen in der Wirkung. Ein Beispiel so quasi im Arbeitskontext.
[35:35] Und ein zweites Beispiel im privaten Kontext. Jetzt ist ja dann, oder einmal im Jahr ist Weihnachten. Bei Weihnachten geht es dann immer darum, was schenkt man, wie schenkt man. Man kann entweder sich selbst überlegen, ein nachhaltiges Produkt oder eine wiederverwendbare Verpackung zu verwenden. Auch das ist gut. Oder man kann sich in der Familie dafür einsetzen, dass zum Beispiel gewichtelt wird, nur eingeschenkt, dafür ein qualitativ hochwertiges gekauft wird, mit nachhaltigen Kriterien. Und man hat zum Beispiel vielleicht dann auf fünf oder zehn Personen in der Familie einen Einfluss, nicht nur auf sich selbst. Und dieses Konzept der Hebelbetätigung, Kompetenzen weitergeben in der Stadt, aber eben auch der Wirksamkeit, wo kann ich selbst als Person gut wirksam werden, haben wir auch versucht, in der Strategie herauszuarbeiten. Ich glaube, dass das auch ganz wichtig ist, weil gerade Menschen, die diese Verantwortung übernehmen und recyceln und nachhaltig leben wollen und ein grünes Auge haben,
[36:32] dann vielleicht auch ein bisschen in einen Frust geraten, in eine Ohnmacht geraten. Ich kann eh nichts dazu beitragen. Das, was ich mache, ist viel zu wenig. Oder, Frau Huberheim, das haben Sie auch schon festgestellt. Das ist so einer der Mythen, die so herumschwirren, jeder Einzel. Also ich bin alleine zu klein, aber in der Kreislaufwirtschaft geht es nie, egal ob ich jetzt als Mensch, also sozusagen über mich als Mensch nachdenke oder als Organisation oder als Stadt oder als Land oder als Kontinent. Kreislaufwirtschaft kann niemand alleine. Ich kann nicht meinen eigenen oder kaum meinen eigenen Kreislauf schließen. Das ist so gut wie unmöglich. Man braucht immer andere Partner, Partnerinnen dazu, mit denen man diese Kreisläufe gemeinsam sozusagen bearbeitet, denkt und dann auch entsprechend handelt. Und auch als Person, Weihnachten, gutes Beispiel, da denke ich ja nicht nur über mich und mein Geschenk nach,
[37:29] sondern über die anderen, die da auch noch daran beteiligt sind. Also dieses Zusammendenken, wenn ich das mache und jemand neben mir das macht und wenn das noch jemand hier im Publikum macht, dann haben wir damit schon eine viel größere Wirkung. Und für jeder, also wir wissen aus der Kommunikation, dass sich jede Person mal zehn rechnet, weil wir erzählen das, was wir denken, was wir gut finden. Und da rede ich jetzt noch nicht von Social Media und von Followern, sondern nur von persönlichen Kontakten mindestens mal zehn. Familie, Freunde, Kollegen, Menschen, mit denen man Begegnungen hat. Wenn einem was begeistert oder wenn man was gut findet, dann erzählt man das. Und das kostet nichts, aber das nimmt andere Menschen mit. Und wenn man entsprechend handelt, dann sind das tausend Tropfen, die einen Regensturm ausmachen können. Und das ist eigentlich das, wo wir hin müssen und hin wollen.
[38:22] Und ich glaube, das ist immer so ein bisschen eine Ausrede, dass man sagt, naja, ich kann eh nichts machen, ich bin zu klein. Jeder kann was machen. Und auch wenn es nur so klein ist, es ist wichtig. Und am Ende des Tages ist ja jeder Regentropfen, der in der Regentonne landet, macht am Ende dann die Tonne voll. Wir haben auch so schön gesprochen bei unserem Vorgespräch. Da haben Sie gesagt, nichts auf diesem Planeten produziert Müll, nur wir, die Spezies Mensch. Jetzt haben wir zumindest ab 01.01.2025 ein Pfandsystem wieder eingeführt, das wieder helfen soll, ein bisschen mehr Bewusstsein auch in die Köpfe zu bringen. Und das kann man auch auf coole Art und Weise machen, wie Pfanderbär zum Beispiel. Raphael Thier vom Pfanderbär ist da, seit 01.01.2025 seid ihr unterwegs. Was macht ihr mit Pfanderbär? Allein schon der Name, finde ich ja schon wieder cool.
[39:08] Ja, tatsächlich. Wir sind Hersteller und Betreiber von Pfandmaschinen, Pfandautomaten. Die Idee dahinter war, dass man nicht nur die klassischen schwarzen Kästen, wie man sie im Supermarkt kennt, hat, sondern etwas, was vielleicht ein bisschen mehr Charakter hat. Daher natürlich sehr prominente Name und auch das Logo, das man erkennt und sagt, hey, okay, das ist ein bisschen mehr als das, das auf einer anderen Ebene quasi mit den Menschen umgeht. Ja, dass es Spaß macht, Laune macht. Das ist ja toll, was wir hier machen. Das muss ja nicht so cool sein. Genau, genau. Und da haben wir uns auch überlegt, wie kann man das System angehen? Also was gab es bisher? Bis jetzt kennt jeder es aus dem Supermarkt. Man kriegt einen Bogen, stellt sich an. Das sind alle Systeme, die man kennt, die teilweise frustrierend sein können. Und wir haben uns überlegt, wie kann man da ein bisschen weitergehen?
[39:51] Was ist der nächste Schritt dazu? Was ist das 21. Jahrhundert? Naja, es ist möglichst digital, möglichst einfach zu machen. Ich mache eine Maschine, die erstens, wie gesagt, mich anspricht und zweitens, die mir das Geld gleich wiedergibt. Ich mache den Prozess komfortabel. Und das Zweite ist, dass wir im Outdoor-Bereich tätig sind, also vor allem im Outdoor-Settings sind. Das heißt, unsere Maschinen sind wetterfest bis minus 20 Grad getestet und sind damit in der Lage, überall draußen zu stehen. Wir haben viele Tankstellenketten, die jetzt schon auf unser System setzen, weil es einfach komfortabel ist. Man hat Plätze, die man bis jetzt nicht hatte, die nicht möglich waren bis jetzt, auf einmal zu Orten gemacht, wo jeder hingehen konnte, an öffentlichen Orten und Flaschen zurückgeben konnte und dabei sein Geld bekommen hat. Und Komfort hilft halt oft gewisser Gewohnheiten, vor allem neue zu entwickeln, zu verbessern.
[40:35] Absolut. Und damit einen Einfluss zu haben darauf. Und ja, wir versuchen das so gut wir können. Und das auch natürlich weit über der Österreich hinaus. Aber natürlich, das ist jetzt alles noch ein bisschen in der Zukunft stehend. Also Kreislaufwirtschaft kann cool sein, kann Spaß machen, muss aber leicht sein und leistbar sozusagen. Wobei die Leistbarkeit sich dann quasi eh wieder ergibt dadurch. Wenn wir zum Abschluss noch so ein bisschen in die Zukunft schauen, Herr Stadtrat, wenn Sie eine Wien von, sagen wir mal, in 30, 40 Jahren zeichnen. Welches Wien sehen Sie da? Vielleicht nehmen Sie uns kurz mal auf Ihre Reise mit. Ja, ich sehe ein Wien, das noch ein besserer Ort zum Leben ist. Und es hat ganz viel damit zu tun, dass wir Dinge miteinander nutzen, miteinander teilen, weil es einfach sich gut anfühlt, diese Stadt gemeinsam zu erleben.
[41:20] Irgendwie heißt das, dass wir den öffentlichen Raum gemeinsam nutzen, weil es mehr Parks gibt, weil es mehr Platz auf der Straße gibt, wenn man so will, als verlängertes Wohnzimmer. Und das ist schon ein bisschen der Schlüssel dazu, was Stadt eigentlich ist. Ein gemeinsamer Raum, der uns allen gehört. Und das hat ganz viel mit Ressourcen zu tun. Nicht nur in der bebauten Stadt, sondern eben auch in den Dingen, die wir im Leben brauchen. Und das führt mich zu dem einen Gedanken, den ich so schön finde. Das bringt uns näher zusammen. Insofern hat Kreislaufwirtschaft viel mit Wertschätzung für Dinge zu tun. Null Verschwendung, aber eigentlich auch für Wertschätzung füreinander. Also ist der Weg dorthin jedenfalls ein Weg, der sich gut anfühlt und der am Schluss gutes Leben für mehr Wienerinnen und Wiener, im Idealfall für uns alle, überhaupt erst ermöglicht. Was würden Sie unseren Zuschauerinnen und Zuschauern noch gerne mitgeben, Frau Huberheim,
[42:11] wenn Sie so eine Take-Home-Message geben dürften aus den vielen Dingen, die wir heute gesagt haben? Beteiligt euch. Beteiligt euch daran. Ich glaube oder ich weiß, ich glaube zu wissen, dass jeder von uns gute Ideen hat und genau wissen könnte oder wissen würde, wie das gut funktioniert, Dinge für ihn, für sich, für die Familie, für die Freunde in seinem Umfeld im Kreislauf zu halten. Also ich glaube, dass wir dann niemandem was erklären müssen oder zeigen müssen, hey, das musst du jetzt so oder so machen. Ich würde mich freuen, wenn jeder mit guten Ideen kommt und andere davon überzeugt, wie wir Werte in der Stadt hochhalten, eben sowohl auf materiellem Niveau als auch auf einem persönlichen, sozialen Niveau, weil das ist es, was das Leben in der Stadt dann tatsächlich ausmacht. Und die Stadt Wien geht ja mit bestem Beispiel voran. Also allein, dass sich so viele Köpfe eineinhalb Jahre lang so viele Gedanken machen
[43:13] und 33 Hebel, 140 Aktivitäten zusammengeschrieben haben, ist ja schon einmal Zeitzeuge sozusagen, dass da wirklich was weitergehen wird. Jetzt geht es quasi ans Umsetzen. Deswegen sind wir auch gefragt. Vielen lieben Dank ans Podium. Vielen lieben Dank ans Publikum. Und ich darf mit einem Zitat beenden, das ich heute gefunden habe und das mir sehr, sehr gut gefallen hat. Und damit möchte ich Sie gerne entlassen. Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Das Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Inneren kommt und überhaupt kein Geld kostet. Das Glück das Billigste ist, was es auf der Welt gibt. Das ist den Menschen noch nicht aufgegangen. Aber vielleicht geht uns das jetzt auf.
[44:03] In diesem Sinne, danke vom Stadtlabor und bis zum nächsten Mal. Tschüss, Baba. Ihr habt wieder eine Folge vom Stadtlabor auf Forerunners Network in unserem Podcastkanal gehört. Die vier Podcasts sind zirkuläre Baustelle, Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt, Ressourcenschonung im Wiener Alltag, gemeinsames Gestalten, Nutzen und Teilen als neuer Mainstream, Green Economy, wie Klimafit ist Wiens Wirtschaft und eine runde Sache, Wiens Weg zur Stadt ohne Verschwendung. Hört euch gerne alle vier Podcasts an, wenn sie online sind und wenn ihr wollt, einen unserer 34 anderen Podcasts, die Forerunners Network zu bieten hat. Good News, Good People und Nachhaltigkeit mit positiven Beispielen. Bis auf Wiederhören bei Forerunners Network. Good News,
