Mut braucht keine Wüste. Aber eine Entscheidung.
Sechs Tage durch die Namib zu gehen, war für Sandra Manich der Höhepunkt eines Jahres des Ausprobierens. Die Potenzialentwicklerin und Mentalcoach erzählt, was sie durch Hitze, Zweifel und Gemeinschaft gelernt hat – und warum Selbstentwicklung nicht erst mit einer großen Auszeit beginnt.
Mittag in der Namib, vor ihr eine scheinbar endlose Ebene, die Temperatur laut ihrer Erinnerung bei 47 Grad. Sandra Manich konzentriert sich nicht auf die verbleibende Strecke. Sie denkt nur an den nächsten Schritt, an ihre Atmung und daran, regelmäßig zu trinken. Aufhören und zu lange nachdenken, sagt sie im Podcast, hätte ihr in diesem Moment Kraft genommen.
Diese Szene klingt nach einem Ausnahmezustand. Doch die Frage dahinter gehört zum Alltag: Was hilft, wenn Zweifel groß und der nächste Schritt anstrengend wird? Für Manich liegt die Antwort weder in furchtlosem Draufgängertum noch in einem spektakulären Ortswechsel. Es geht darum, Angst wahrzunehmen, sich vorzubereiten und trotzdem zu handeln.
Ein Jahr, in dem Ausprobieren wichtiger war als Perfektion
Manich hatte das Jahr zu ihrem „Jahr des Ausprobierens“ erklärt. Jeden Monat nahm sie sich etwas vor, das außerhalb ihrer gewohnten Komfortzone lag: Eisbaden im Jänner, eine besonders steile Skipiste im Februar, eine dreiwöchige Meditationsroutine im März. Im November folgte der Höhepunkt – eine Expedition zu Fuß durch die Namib.
Sechs Tage war sie mit einer internationalen Frauengruppe unterwegs. Die Route führte vom ausgetrockneten Flussbett durch die Wüste bis zum Atlantik. Rund 120 Kilometer legte die Gruppe laut Manich zurück, an manchen Tagen war sie bis zu zehn Stunden auf den Beinen. Ein Support-Team transportierte Wasser, Verpflegung und Zelte. Ohne diese Begleitung, betont sie, wäre die Tour nicht möglich gewesen.
Die Entscheidung dafür fiel ihr dennoch nicht leicht. Manich hat zwei Kinder im schulpflichtigen Alter, und in einer Familie gibt es fast immer vernünftige Gründe, eine solche Reise aufzuschieben. Ausschlaggebend war schließlich ihre Tochter. Sie ermutigte die Mutter sinngemäß: Wenn du das machen willst, dann mach es – wir schaffen das schon.
Damit war die Angst nicht verschwunden. Manich zweifelte an ihrer Kondition, dachte über die Nächte im Zelt nach und fragte sich, ob ihre Vorbereitung reichen würde. Gerade darin liegt eine erste brauchbare Lehre aus der Expedition: Eine mutige Entscheidung fühlt sich nicht automatisch sicher an.
Vorbereitung macht aus Angst eine konkrete Aufgabe
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst“, sagt Manich. Entscheidend sei, etwas trotz dieser Angst zu tun und zu sehen, wie weit man kommt. Bei ihr begann das Monate vor der Abreise. Sie stellte Bewegung und Ernährung auf die Belastung ein und arbeitete auch mental auf das Ziel hin. In ihrer Vorstellung sah sie sich bereits an der Küste stehen – mit dem Wissen, die Strecke geschafft zu haben.
In der Wüste wurde aus dieser Vorstellung tägliche Praxis. Als die Hitze besonders belastend war, reduzierte sie den Horizont auf kontrollierbare Dinge: weitergehen, atmen, trinken, bei sich bleiben. Jeden Tag widmete sie außerdem einem Menschen, der ihr wichtig ist. Der Gedanke an ihre Kinder, ihren Mann oder ihre verstorbenen Eltern wurde für sie zur persönlichen Ressource.
Die Expedition zeigt zugleich die Grenze eines allzu einfachen Durchhalte-Appells. Eine Teilnehmerin erlitt an einem der heißen Tage einen Hitzschlag. Das Support-Team und mehrere Ärztinnen in der Gruppe konnten sofort helfen. Weitergehen war daher nie eine Frage blinden Ehrgeizes. Es brauchte professionelle Unterstützung, genug Versorgung und die Bereitschaft, eine gefährliche Situation ernst zu nehmen.
Selbstverantwortung bedeutet in diesem Verständnis nicht, alles allein bewältigen zu müssen. Sie bedeutet auch, die eigenen Voraussetzungen realistisch einzuschätzen und Hilfe anzunehmen.
Gemeinschaft trägt, ohne den eigenen Schritt abzunehmen
Die Gruppe hatte sich zu Beginn eine klare Regel gegeben: Alle gehen gemeinsam in die Wüste hinein und gemeinsam wieder hinaus. Je zwei Teilnehmerinnen übernahmen zeitweise die Navigation per GPS. Wer Ruhe brauchte, konnte sich zurückfallen lassen und eine Weile allein gehen. Wer Unterstützung benötigte, sollte nicht allein bleiben.
Manich beschreibt, wie rasch in dieser Situation Nähe entstand. Die Frauen waren körperlich und mental gefordert, achteten aufeinander und teilten Verantwortung. Als Mentalcoach konnte sie ihre berufliche Rolle nicht einfach ablegen. Wenn es jemandem schlecht ging, bot sie ein Gespräch an, hörte zu oder hielt eine Hand. Manchmal bestand Hilfe nur in der Zusicherung, den nächsten Abschnitt gemeinsam zu gehen.
Gleichzeitig achtete sie darauf, zuerst selbst stabil zu bleiben. Ihr Vergleich ist jener mit der Sicherheitsanweisung im Flugzeug: Wer anderen helfen will, muss zunächst dafür sorgen, nicht selbst zusammenzubrechen. Das ist kein Plädoyer für Rücksichtslosigkeit, sondern für eine Form von Fürsorge, die die eigenen Grenzen einschließt.
Der gemeinsame Einmarsch an der Atlantikküste wurde schließlich zum emotionalen Abschluss. Auch jene, die unterwegs stark gekämpft hatten, gingen die letzten Meter mit. Das Erfolgserlebnis gehörte jeder Einzelnen und zugleich der Gruppe.
Potenziale zeigen sich oft näher am Alltag
Nicht jeder Mensch kann sechs Tage durch eine Wüste gehen – und nicht jeder muss es wollen. Manich bezeichnet ihre Auszeit selbst als Privileg. Es war ihre erste dieser Art, seit sie 15 Jahre zuvor Mutter geworden war. Für persönliche Entwicklung, sagt sie, sei eine lange Reise aber keineswegs Voraussetzung.
Der Anfang kann eine einzelne Stunde sein, in der man ehrlich auf das eigene Leben schaut: Was passt noch? Was kostet ständig Kraft? Welche Werte sind mir wichtig? Welche Fähigkeiten nutze ich zu wenig? Manich empfiehlt einen schrittweisen Prozess, bei dem Werte, Stärken, berufliche Bedingungen und private Rahmenbedingungen gemeinsam betrachtet werden. Begleitung kann helfen, blinde Flecken zu erkennen und eine Perspektive von außen einzunehmen.
Das Ziel muss nicht automatisch der große Jobwechsel sein. Im Podcast erzählt sie von einem Arzt, der in einer anderen medizinischen Tätigkeit mehr direkten Kontakt mit Menschen fand. In einem weiteren Fall veränderte eine Klientin vor allem ihr Auftreten und ihre Sichtbarkeit im bestehenden beruflichen Umfeld. Die passende Lösung sei individuell: Manchmal fehlt eine andere Aufgabe, manchmal mehr Autonomie, manchmal der Mut, vorhandene Fähigkeiten tatsächlich einzusetzen.
Auch Führungskräfte sieht Manich in der Verantwortung. Wer Potenziale fördern will, muss zuhören, Menschen wahrnehmen und Aufgaben stärker nach ihren Fähigkeiten verteilen. Kontrolle allein ersetzt weder Kommunikation noch Vertrauen.
Der nächste mutige Schritt darf klein sein
Gegen Ende des Gesprächs wird aus der Wüstenfrage eine alltagstaugliche Übung. Manich rät zu Reduktion: weniger vermeintliches Müssen, weniger überhöhte Erwartungen, mehr Klarheit darüber, was tatsächlich Freude macht. Gerade vor Weihnachten könne es entlasten, Ansprüche herunterzuschrauben, Nein zu sagen oder bewusst Zeit zu verschenken.
Die Namib bleibt ein außergewöhnliches Erlebnis. Ihre wichtigste Erkenntnis lässt sich aber nicht an Kilometer, Temperatur oder Reiseziel binden. Entwicklung beginnt dort, wo ein Mensch aus einem diffusen Unbehagen eine konkrete Frage macht – und daraus einen machbaren nächsten Schritt.
Mut kann bedeuten, eine Expedition anzutreten. Er kann ebenso bedeuten, eine Stunde für Selbstreflexion freizuhalten, ein Gespräch zu suchen oder eine alte Erwartung nicht länger zu erfüllen. Die Angst muss dafür nicht weg sein. Entscheidend ist, dass sie nicht allein bestimmt, wohin der nächste Schritt führt.
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[00:00] Hallo und gratuliere dir. Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Für Menschen, die neue Wege gehen. Herzlich willkommen, liebe Seherinnen und Seher von Forerunners Network. Heute wieder mal ein Video-Podcast. Natürlich auch als Tonspur erhältlich, aber eigentlich ist es wurscht. Ihr seht heute ein wunderschöner Weihnachtsbaum. Ich werde doch gleich eine wunderschöne Frau sehen. Das darf ich sagen, ich kenne sie schon lange und sie hat sich überhaupt nicht verändert. Ich freue mich auf unseren Weihnachtspodcast mit der Sandra Manich. Ich kenne sie seit vielen Jahren. Ihr wahrscheinlich auch. Ihr habt schon ihren Podcast über Positive Leadership bei uns gehört. Wenn nicht, auf die Homepage gehen oder überall dorthin gehen, wo es Podcasts gibt.
[01:23] Wir sprechen heute mit Sandra Manich über viele Dinge, die uns möglicherweise zu Weihnachten bewegen. Was werde ich gleich sagen. Und ich heiße dich herzlich willkommen, liebe Sandra. Danke, lieber Christoph. Ich freue mich sehr, dass ich heute bei dir zu Gast sein darf in deinem Podcast. Ja, gehen wir gleich so in die Gegend rund um Weihnachten. Du siehst bei mir meine Versprecher und ich bin, obwohl ich nie aufgeregt bin beim Sprechen, doch ein bisschen unrund, weil ich weiß, ich habe heute noch zwei, drei Termine. Und muss Rechnungen schreiben. Schlimmer noch, ich muss Rechnungen zahlen. Also man ist um die Zeit eigentlich ganz schön mitgenommen. Daheim treut auch schon das Weihnachtsessen entgegen. Aufgeregte Verwandte, Ehepartner und so weiter. Also durchaus keine leichte Zeit. Aber bevor wir darüber sprechen, wie man vielleicht Weihnachten ein bisschen easier machen kann, sprechen wir vielleicht einmal über das abgelaufene Jahr.
[02:27] Auf der Welt war es nicht fad, bei dir war es aber auch nicht fad, weil du hast diesem Jahr ein besonderes Motto gegeben. Genau. Ich habe dieses Jahr zu meinem Jahr des Ausprobierens auserwählt. Das heißt, ich habe jeden Monat irgendwas gemacht, was mich aus meiner Komfortzone heraus katapultiert, mehr oder weniger. Und in meine Entwicklungszone bringt, die ja nach der bekannten Komfortzone kommt. Und da habe ich begonnen im Jänner mit Eisbaden. Das ist ja eh schon fast ein Breitensport geworden mittlerweile. Und im Februar bin ich eine der zehn steilsten Skipisten der Welt gefahren. Wo ist die, wo ist die? Das möchte ich wissen. Das ist der Lange Zug in Lech, genau, also am Adlberg. Und ja, das ist ganz spannend, weil da geht so ein kleiner Tellerlift rauf. Und wenn man da mal oben ist, dann kann man auch nirgends mehr anders hin, als diese steile Skipiste auf der anderen Seite.
[03:21] Ja, und im März war es dann eine dreiwöchige Meditationschallenge. Habe ich auch noch nie gemacht, so wirklich so jeden Tag stetig zu meditieren. Aber, Julie, das hast du da in Österreich gemacht? Genau. Oder bist du da okay? Genau. Das habe ich hier gemacht. Also ich habe schon versucht, das auch irgendwie in meinen Alltag einzubauen. Und der Höhepunkt war jetzt im November eine Expedition, und zwar zu Fuß durch die Namibwüste, durch die älteste Sandwüste der Welt, mit einer Gruppe von Frauen auch aus der ganzen Welt. Von der Busch-Doktor aus Los Angeles bis zur Fischhändlerin aus Hamburg waren wirklich ganz tolle Frauen dabei. Und ja, sechs Tage lang waren wir mitten in der Namibwüste. Für die Nicht-Geografen und Geografinnen unter uns, wo ist die Namibwüste? Im Namibia, das heißt im Süden Afrikas. Okay. Genau. Also ich bin zuerst nach Äthiopien geflogen, von dort weiter nach Windhöke,
[04:20] und dann von dort ging es dann an den Rand der Wüste, an das ausgetrocknete Flussbett des Hoesep River. Und von dort sind wir wegmarschiert 120 Kilometer, quer durch bis zum Atlantischen Ozean. Wie war es innerhalb deiner Familie? Wurde das kritisch gesehen? Was haben deine Freunde, Freundinnen dazu gesagt? Die haben es toll gefunden. Und ich habe, wie ich begonnen habe, darüber nachzudenken, ob ich das machen werde oder nicht, ich habe ja lange überlegt. Ich habe zwei Kinder, die sind beide noch im schulpflichtigen Alter. Mein Sohn ist gerade ins Gymnasium gekommen im Herbst. Meine Tochter hat auch, der hat eine Zahnopie gehabt. Also es ist ja immer irgendetwas, was dagegen spricht. Und ich habe lange überlegt, aber ich habe gewusst, das zieht mich so sehr. Ich möchte dorthin. Ich habe diese Bilder gesehen, diese Landschaft, diese Unglaubliche, die so unterschiedlich ist zu dem, was wir hier kennen.
[05:12] Und einfach diese Challenge anzunehmen, das hat mich irrsinnig gereizt. Und im Endeffekt war meine Tochter dann der Ausschlag, weil sie hat gesagt, Mami, wenn du das machen willst, dann mach das, wir schaffen das schon. Und dann dachte ich, okay, super, wunderbar. Und ich habe mich dann angemeldet, war schwer nervös vorher auch, weil ich mir dachte, boah, ich weiß nicht, ob das mit der Vorbereitung, ob ich das alles so hinkriege, ob meine Kondition ausreicht, wie wird das werden da im Zelt schlafen in der Wüste. Und ja, also da tut sich ja einiges im Kopf, im Vorfeld. Ich habe natürlich auch meine Ängste und Zweifel gehabt. Und im Nachhinein muss ich sagen, es war eine großartige Idee, da teilzunehmen und da mitzumachen. Es hat mir so viel gebracht an Erfahrungen dort, an wunderschönen Eindrücken, an Gemeinschaftserlebnissen auch mit den Frauen, die da mit waren.
[06:04] Wir haben uns innerhalb kürzester Zeit ja in einer Tiefe kennengelernt. Das gelingt dir ja nicht im normalen Leben. Kannst du dich noch an den allerersten Schritt erinnern? Ja, kann ich mich erinnern. Wir waren, also wir sind von dieser Lodge, wo wir ganz am Anfang waren, ungefähr sechs, sieben Stunden reingefahren, wirklich schon Richtung Nami-Wüste und haben dann noch die erste Nacht dort am Rand übernachtet, schon im Camp in einem Ein-Mann-Zelt, Ein-Frau-Zelt in dem Fall. Und dann ging es los, noch relativ easy, noch relativ flach. Und das war schon sehr, ja, das war einfach ein prägendes Erlebnis irgendwo. Jetzt geht es wirklich los. Schaffe ich das? Noch viele Fragezeichen im Kopf und zugleich so ein Hochgefühl auch, weil du einfach, ja, gerade dabei bist, etwas ganz, ganz Tolles in deinem Leben zu machen. So ein Wons in a Lifetime-Erlebnis einfach, ja. Also ein wirklich, das macht man ja nicht jeden Tag, ja.
[07:07] Aber ihr seid dann mehr oder weniger mit einem weiblichen Guide da gegangen und habt ihr nicht irgendwie einen Verpflegungswagen oder sonstigen damit gehabt? Doch, wir hatten ein Support-Team dabei, weil ohne dem wäre es auch gar nicht möglich. Die Nami-Büste im Vergleich zu anderen Wüsten wirklich empty. Es gibt dort nichts, es gibt dort keine Oasen, es gibt dort keine Karawannen, keine Menschen, die dort leben. Genau, und schon unterschiedliche Oberflächen, das ist manchmal sehr gepresst, dann ist es wie so ein Sonntagnachmittagsspaziergang und dann gibt es Dünne, die sind wirklich böse, die gehen so rauf, das heißt, drei Schritte vor und zwei zurück. Okay. Und das ist sehr anstrengend. Und dann gibt es Salzpfannen, wo du einsinken könntest, also wo es richtig auch so matschig wird darunter, wenn es dann schon näher zum Atlantik geht, wo es ja auch sehr kühl wird, da kommt dieser Benguela-Strom rein, da sind dann auch Robben plötzlich,
[08:00] also das ist dann schon sehr kühl. Da hörst du dann die Taunen ja gerne am Abend, wenn du am Lagerfeuer sitzt. Okay. Und dieses Support-Team, um das noch kurz zu erklären, dieses Support-Team hat Tonnen von Wasser natürlich mit, weil es gibt ja dort keins und wenn du dort sechs Tage bist, du brauchst für die Gruppe an Frauen, brauchten wir ziemlich viel, also wie gesagt, wir haben jeden Tag so an die sechs, sieben Liter Elektrolyte getrunken, plus Wasser noch zusätzlich. Du brauchst Essen, du brauchst etwas, wo du schlafen kannst und wir haben das nicht selber geschleppt, muss ich sagen. Wir hatten den großen Luxus, dass diese Support-Offroad-Autos das mitgenommen haben und wir hatten am Körper das, was wir brauchten zum Trinken, Müsliriegel, was auch immer du baust, bis zum nächsten Pitstop, wo du wieder Wasser auffüllst und weitergehen kannst dann. Genau, wie sollst du 50 Kilo Wasser mittragen?
[08:50] Ja, es funktioniert nicht wirklich. Wir sind teilweise an die zehn Stunden pro Tag gegangen. Und es gibt auch Ultra-Runners, also es gibt schon alle möglichen Leute, die auf ihre Art versuchen, diese Wüste zu bewältigen, aber die haben Support-Teams mit. Ah, genau das habe ich. Ich habe mal einen Podcast gehört von einem Wüstenrunner, Überlebt heißt diese Serie, eine deutsche. Genau. Höchst empfehlenswert, also der zweitbeste Podcast der Welt in etwa. Ja, Wüste, da denkt jeder an Temperaturen. War es warm genug? Es war sehr warm, weil wir hatten absurderweise eine Hitzewelle in der Wüste. Das heißt, es gab wirklich Tage, da hatten wir 47 Grad. Und das war doch um einiges mehr als erwartet. Und ich kann mich erinnern, am zweiten Tag, da gab es so eine Etappe, wir mussten wirklich so stundenlang über so einen Desert Strait marschieren. Das heißt, es ist so eine wirklich elendslange Fläche,
[09:48] wo du das Gefühl hast, es hört einfach nicht auf. Und es war Mittag und es hatte eben besagte 47 Grad an diesem Tag. Und ich habe immer nur gedacht, einen Schritt nach dem anderen, nicht aufhören jetzt zu gehen, weil sobald du dann aufhörst zu gehen, dann fängst du an zu denken und dann geht die Kraft weg und dann ist es irgendwann vorbei. Also das heißt, es ist wirklich wichtig, da weiterzugehen. Es war auch ein sehr dramatischer Tag. Für eine war es wirklich zu viel. Also wir hatten auch wirklich eine Dame dabei, die hat einen Hitzschlag bekommen. Und Gott sei Dank hatten wir ein Support-Team dabei, weil ohne Medical Support wäre das dort wahrscheinlich tragisch ausgegangen. Also das war nicht ohne. In so einer Situation, wo man sagt, ein Schritt vor den anderen, Disziplin, Disziplin, nicht wegkippen und so weiter, ist es da gut, wenn man jemanden zum Reden hat, lenkt das ab
[10:39] oder ist man da sowieso in seinem Tunnel und will gar nicht sprechen? Für mich, also ich glaube nicht, dass es da die generelle Lösung dafür gibt, sondern für mich war es dann in dem Fall schon wichtig, auch für mich zu sein, mich zu konzentrieren. Ich bin ja auch Mentalcoach und ich habe mich dann sehr auf mich selber fokussiert. Natürlich hast du, weil du gehst ja meistens nicht allein, sondern zu zweit oder in kleinen Gruppen, natürlich schaust du auch auf die neben dir, aber ich wusste in dem Fall, das ist wie im Flugzeug, du musst zuerst einmal schauen, dass du weiterkommst, dass du gut beieinander bist, weil wenn du jemand anderem hilft und kippst selber zusammen, bringt das niemand was. Also das heißt, ich habe dann schon versucht, mich auf mich zu fokussieren und bei mir zu bleiben und wirklich einen Schritt vor den anderen zu setzen,
[11:28] nicht aufzuhören, auf meine Atmung weiter zu achten, stetig zu trinken. Wir hatten so Hipbags mit so Schläuchen dran, wo du permanent trinken kannst und das nicht aufzuhören, auf diese Dinge zu denken. Und was ich auch gemacht habe, ich habe jeden Tag jemanden gewidmet. Also das heißt, ich habe meinen Kindern zum Beispiel einen Tag gewidmet, meinem Mann, meinen Eltern, die beide leider verstorben sind in den letzten fünf Jahren. Keile Minogue. Für die ist es leider nicht mehr ausgegangen, aber ich habe kurz dran gedacht, na, Scherz beiseite. Also das war für mich schon eine Ressource auf der einen Seite, wenn ich an diese Person gedacht habe. Und auf der anderen Seite war es einfach für mich so eine Geste, diese Menschen sind mir wichtig und denen möchte ich das auch widmen, diesen Tag dann. Und auch das hat mir geholfen, muss ich sagen.
[12:15] Ich bin früher in kleinem Maße gern so drei Tage durchs kalte Waldviertel gegangen und da spielt sie sehr geistig. In manchen, manchmal kulminiert sie irgendwo, oder? Es geht den Großteil gut, aber irgendwann kommen dann, das beschreibt auch Coelho, auf seinem Jakobsweg-Roman, kommen halt die Dämonen. Sind die bei dir auch gekommen, wo du dann nicht jetzt Angst vor der Wüste hattest oder wo das halt die Angst vor dem Leben da war oder war das alles so ein Rausch? Oder geht man da nicht automatisch auch, wenn man sagt, ich gönne mir die Zeit, muss man denn nicht auch durch ein tieferes Tal emotional, um sich dem einmal zu stellen? Passiert so etwas? Ich glaube, das kommt darauf an, was du dir vornimmst für diese Zeit. Ich habe für mich festgestellt, es ist oft die Angst vor der Angst, die wir haben im Leben.
[13:10] Klaro, ja. Und wenn du dann drin bist in dieser Situation, dann funktioniert es für mich gut. Also ich kann sagen, ich bin dann wirklich so, ich habe mich ja schon sehr gefreut darauf. Ich habe das ja schon Monate im Voraus geplant, da teilzunehmen. Und ich war dann wirklich so in einem, es ist ja, also man muss sich ja vorstellen, das ist eine Umgebung dort, die ist so unglaublich. Das sind Farbschattierungen, die gibt es bei uns einfach nicht. Afrika ist ja prinzipiell vom Licht her ganz anders, als wir das in Europa kennen, in Mitteleuropa kennen. Und also allein diese Erlebnisse dann, ab dem dritten Tag sind wir schon um fünf in der Früh wegmarschiert, eben damit wir nicht so in diese ganz heißen Phasen zu Mittag kommen. Und so ein Sonnenaufgang über dieser Landschaft, also da kriege ich, wenn ich jetzt nur daran denke,
[13:59] kriege ich Gänsehaut, weil es einfach so unglaublich schön ist. Das ist so berührend. Und das ist, also du kannst gar nicht, man kann es mit Worten eigentlich kaum beschreiben. Ich tue mir wirklich schwer, das zu beschreiben, weil es so beeindruckend und so wunderschön ist. Das ist wirklich etwas, das werde ich nie wieder vergessen. Das wird mir auch wirklich mein Leben lang bleiben, das weiß ich. Und für mich war das einfach etwas, worauf ich mich schon sehr gefreut habe, worauf ich mich einlassen wollte. Ich hätte die Dämonen zugelassen, wenn sie in dem Fall gekommen wären. Für manche war das auch ein Weg, um wirklich vielleicht nicht so schöne Erlebnisse zu verarbeiten. Für mich war es in erster Linie schon etwas, um auch mich wieder mal zu fordern, körperlich und mental, um so ein bisschen zu schauen, kann ich das oder nicht?
[14:47] Wie gut komme ich damit zurecht, mit dieser Herausforderung? Und es hat super funktioniert. Ich habe mich gut vorbereitet. Ich war sehr happy mit dem, was ich gemacht habe davor. Also ich habe wirklich so angefangen, schon ab dem Sommer, September, Oktober, mich auch von der Ernährung her, von der Bewegung her, da wirklich darauf einzustellen und auch mental. Ich habe mich auch wirklich mental darauf programmiert. Ich habe mich schon gesehen, dort an der Küste stehend. und ich habe es geschafft. Das war meine mentale Vorbereitung unter anderem. Und das hilft extrem. Jetzt bist du ja Mentalcoach, Coaching. Und dann ist dort eine ganze Reihe von Frauen, für die man sich dann vielleicht auch, könnte ja sein, mental verantwortlich fühlt. Genau das selber. Wenn ein Arzt jetzt bei einer Schlachtbootfahrt am Colorado River dabei ist, trägt er auch mehr Verantwortung. Hast du da gedacht,
[15:42] so jetzt kümmere ich mich um die? Sind die zu dir gekommen? Oder wolltest du von dem Allner Ruhe haben und eigentlich nur dich um dich selber kümmern? Es ist gar nicht so leicht, das abzulegen. Also selbst wenn ich das ablegen würde wollen, wäre es wahrscheinlich nicht so leicht. Dort ist es einfach so, du gehst erst hin. Und unsere erste Prämisse war, wir gehen gemeinsam in die Wüste rein und wir gehen gemeinsam dort raus. Dieser Teamzusammenhalt, das war eine ganz wichtige Regel, mehr oder weniger, die wir aufgestellt hatten. Und das heißt, egal ob du dort als Coach unterwegs bist, wir hatten auch vier Ärztinnen dabei, Gott sei Dank, weil die haben in dieser dramatischen Situation, die ich zuerst beschrieben habe, mit der Kollegin, da wirklich ganz Tolles geleistet. Die haben sofort mitgeholfen natürlich und haben dort mit Infusionen und allem, was es heute gebraucht hat,
[16:30] versucht, die Temperatur wieder runterzubringen. Und so war es auch bei mir natürlich teilweise. Das heißt, wenn ich gesehen habe, jemand geht es mental nicht gut, dann habe ich halt schon versucht, wenn ich nicht daneben stand, habe gesagt, schau mal, schau mal, wie du zurechtkommst, sondern habe schon natürlich versucht, da auch mit einfach Tools, dich anzubieten. Ja, genau. Einfach zu sprechen auch. Es geht ja oft einfach auch darum, da zu sein, zuzuhören, die Hand zu halten, im wahrsten Sinn des Wortes und zu sagen, du bist nicht allein, wir gehen gemeinsam weiter. Und wir hatten ganz tolle Teamkolleginnen, wir hatten auch immer zwei von uns, die navigiert haben. Also es waren wirklich Leute aus dem Team, die vorne navigiert haben, mit einer App. Also wir hatten schon Handys mit, allerdings natürlich ohne WLAN. Wir haben sechs Tage überhaupt keinen WLAN gehabt. Das war herrlich.
[17:21] Und die haben mit GPS navigiert vorne. Das heißt, wenn die einen Fehler gemacht haben, bist du auch unter Umständen mal eine Stunde weitergegangen, als geplant. Aber ja, nein, es war okay. Also es war auch Teil der ganzen Übung. Ich sage es jetzt nicht chemisch, aber als Maderli kann man sich in gewissen Schmähneid verkneifen, wenn da eine ganze Gruppe von Frauen ist, die möglicherweise, nur möglicherweise, mehr sprechen als Männer. Kommt man da auch dazu, die berühmte Stille der Wüste zu genießen? Ich habe das einmal, eine Stunde lang erlebt. Und das war schon beeindruckend. Das war so still, dass du glaubst, dass du keine Ohren mehr hast. Mhm. Ging das? Das ist eine gute Frage. Das hing von dir selber ab, weil wir waren ja nicht gezwungen, dort allein oder zu zweit oder in der Gruppe zu gehen, sondern jeder konnte das so für sich halten,
[18:20] wie er gerne wollte. Das heißt, wenn du dich ausklinken wolltest, dann hast du dich einfach mal ein bisschen zurückfallen lassen und bist einfach mal allein marschiert ein paar Stunden. Auch das war möglich. Du konntest auch natürlich, wenn du gesagt hast, nach dem Abendessen, so wie das selten geht, hast du dich zurückgezogen und fertig? Oder bist du noch eine Runde ums Camp gegangen oder hast dich in dein Zelt zurückgezogen, was auch immer? Schlangen, Skorpione, Tiere? Relativ wenige. Ich hatte mit mehr gerechnet, muss ich sagen. Wir haben relativ wenige, selbst denen ist es, glaube ich, zu heiß in der Navi. Es gibt diese lustigen Gekos, die dann immer so mit zwei Beinen in der Höhe sind, damit sie nicht zu lange in den heißen Sand stehen. Das schaut recht lustig aus. Also solche haben wir natürlich gesehen, so kleinere Echsen, also ein bisschen größere Spinnen,
[19:11] kleinere Schlangen, so diese Sidewinders, die aber, sobald die eine Erschütterung spüren, eh schon wieder weg sind. Und du lernst einfach damit umzugehen. Es ist wichtig, das Zelt zuzumachen, also wirklich die Zips fest zu verschließen. Ich habe auch gelernt, was man tun muss, damit man nicht im Schuh einen Skorpion findet oder irgendwas, was man dort nicht haben möchte. Nämlich man gibt am Ende des Tages seinen Socken verkehrt über den Schuh drüber. Damit kann nichts reinkommen und du findest deine Socken. Und also wirklich einfache Tricks, die man da machen kann. Wobei man muss dazu sagen, das Support-Team läuft dort mit Flipflops herum und fragt sich, wieso wir mit schweren Schuhen gehen. Aber das war mir schon wichtig. Ja, das Richtige. Ja, aber es war schon gut so, auf die Ausrüstung auch zu achten. Du hast vorher schon gesagt, du hast darüber nachgedacht,
[20:05] schon vorher, wie das sein wird, wenn du dann am Atlantik stehst. Lass uns da kurz miterleben, wie das war. Ja. Wir sind wirklich dann alle gemeinsam, das heißt auch alle, die ein bisschen gekämpft haben zwischendurch, diese letzten Stunden und letzten Meter dann gegangen und wir sind dort bei der Edward Wollen gelandet. Das ist eines dieser vielen Wracks an der Skeleton Coast. Also wenn du dort schiffbrüchig warst, dann hast du wirklich ein Problem gehabt, weil vor dir die Namib und hinter dir der Atlantik, der Dosende, der ist wirklich dort sehr beeindruckend, sehr laut, sehr wild. Also außer Baroppen und Schakali gibt es dort recht wenig, an Land zumindest. Und also wir sind dann wirklich dort gemeinsam einmarschiert, die ganze Gruppe nebeneinander und das war ein sehr, sehr, sehr schönes Erlebnis, auch ein Moment, den ich nie vergessen werde, weil wir sehr viel erlebt haben
[21:03] in diesen Tagen gemeinsam, weil wir alle sehr nahe an unseren Grenzen waren, körperlich und auch mental teilweise. Und dann dieses Gefühl, ich habe es jetzt wirklich geschafft, das, was du so mit dieser Siegerpose verbindest und dort gemeinsam durchzugehen und zu wissen, ich habe es jetzt geschafft, das war ein unbeschreibliches Gefühl. Das war so schön. Du fließt auch wahrscheinlich bei der Hamburger Fischhändlerin einmal ein Kränchen, obwohl ja die relativ kaltschneuzig und zurückhaltend sind. War sie überhaupt nicht. War sie überhaupt nicht? Nein. Und ja, wir waren alle sehr berührt. Natürlich ist das etwas, das geht einem nahe. Du hast viel erlebt in diesen Tagen und jetzt irgendwie so diesen positiven Abschluss zu haben und einfach dieses Erfolgserlebnis auch für dich. Und zu wissen, du hast es jetzt geschafft, was soll jetzt noch kommen? Das war schon so etwas für mich und ich bin ja enthusiastische Potenzialentwicklerin.
[22:05] Ich finde es ja so schön, wenn wir aus uns herauskommen und wenn wir wirklich alles rausholen, was da ist, damit wir mit 80 echt einmal sagen können, ja, hell of a ride, cool war es. Ich habe wirklich das gemacht in meinem Leben, was möglich war. Und ich bin nicht in der Lage, jetzt sagen wir es, boah, hätte ich doch und hätte die Ware, sondern wow. Und das kann ich wirklich, kann ich jedem nur empfehlen, das auch ab und zu zu tun und sich zu trauen. Ich habe auch meine Ängste gehabt vorher, natürlich. Ich sage ja immer, Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Die habe ich genauso. Aber es trotzdem zu tun und zu sagen, ich gehe da jetzt, ich mache das jetzt einfach und ich schaue. Und wenn es nicht funktioniert, ja, mein Gott. Du hast dir eine gute Rutsche gegeben.
[22:50] Verlassen wir einmal Namibia, gehen wir zurück nach Wien. Und Potenzialentwicklerin hat mir gut gefallen als Rutsche. Entschuldige, aber wir kommen beide aus der Werbung und oft sind wir doch noch ein bisschen von der Sprache verseucht, die da ist. Gibt es jetzt, du hast sehr viele Kundinnen, Mehrzahl Kundinnen als Kunden, wenn ich das richtig verstanden habe. und das schon seit Jahren. Du bist ja Gott sei Dank sehr, sehr früh ausgestiegen. Und gibt es da so immer wieder Trends der Belastungen oder der Probleme, mit denen die Leute sich an dich wenden, einmal als Mentalcoach und dann als Potenzialentwicklerin. Ändert sich das von Jahr zu Jahr oder sind die Probleme, die Menschen haben, so großem Modus eh immer dieselben? Gute Frage. Ich würde so dem ganzen Übertitel mehr Gelassenheit und mehr Leichtigkeit geben. Das ist etwas, was jeder gerne hätte. Wir machen uns nämlich das Leben
[24:11] oft auch recht schwer. Oft sind es ja wir selber, die dafür verantwortlich sind, dass wir in so einen Stress kommen. Weil auch die Termine, die du heute noch hast, wir haben die ausgemacht. Nächste Frage. Genau, er tappt. Genau, aber das ist es ja. Das heißt, viel von dem Stress ist ja selbst gemacht. Und für mich ist es wichtig, dieses Bewusstsein zu schaffen, dass wir an und für sich selbstbestimmt sind und eigenermächtigt sind und dich wieder dorthin zu bringen, zu sagen, ja, es liegt ja an mir, wie ich das gestalte. Und das ist meckern, aufzuhören, weil ich kann es manchmal schon nicht mehr hören. Das ist alles so schlimm und tragisch. Es ist immer erstens einmal die Frage, wo ist mein Fokus? Lege ich meinen Fokus dorthin, wo es gerade mühsam ist und wo es anstrengend ist und rede dann auch viel darüber
[25:09] und rede mir in so eine Trance hinein. Es sind so eine Jammer-Trance. Alles ist furchtbar. Es ist ja recht leicht, darauf einzusteigen, sich an die Kaffeemaschine zu stellen. Und ja, es ist wirklich alles so schlimm und so schrecklich. Die Medien spielen da natürlich auch viel mit, muss man auch dazu sagen. Wir kriegen ja ganz viele Bad News jeden Tag. Vorgebetet, ich tendiere mittlerweile schon dazu, wenn meine Kinder dabei sind, das Radio abzudrehen, weil ich ihnen nicht nur dieses ständige negative Bild spiegeln möchte, sondern weil ich ihnen mitgeben möchte, dass sie selber etwas tun können und dass sie nicht nur Opfer sind und die Flipperkugel, die da bewegt wird im Flipper. Und ja, deswegen ist das für mich so eine wichtige Aufgabe auch als Coach und als Potenzialentwicklerin eben, die Menschen wieder dorthin zu bringen, dass sie sagen, ja, ich kann etwas tun dagegen
[26:03] und ich kann mich weiterentwickeln. Und es gibt Luft nach oben, was mein Potenzial betrifft. Und ich finde das so etwas Schönes, dass wir uns eben weiterentwickeln können, bis ins hohe Alter. Unser Gehirn ist neuroplastisch. Das heißt, wir können immer wieder uns weiterentwickeln, neue Gedanken bilden, neue Verbindungen im Gehirn bilden. Und das ist für eine meiner Lebensaufgaben, Menschen dazu zu bewegen, in die Selbstbestimmung zu gehen, nicht zu jammern, sich auszuprobieren, zu sagen, ja, was könnte ich denn noch machen? Und das ist oft alleine sehr schwer. Deswegen mache ich das in einem Prozess, auch verbunden mit Profiling. Teilweise, ich bin auch Persönlichkeitsprofilerin, das hat jetzt eben nichts mit CSI zu tun, sondern etwas mit deiner Persönlichkeitsstruktur und auch mit den blinden Flecken, die Menschen haben. Manchmal wissen wir gar nicht, welche Kompetenzen in uns schlummern und welche Möglichkeiten. Und vielleicht schlummern dir ganz das Leben so dahin,
[27:00] ohne dass wir sie leben. Wir haben nur das Gefühl, wir sind nicht wirklich angekommen in unserem Job. Und das sind ganz viele. Also gerade so mit 40 plus kommen viele zu mir und stellen fest, ich mag das nicht mehr machen bis zur Pension. und das macht mir Wahnsinnig jeden Tag. Aber ich weiß halt nicht, was ich sonst tun könnte. Und dann steigen wir ein. Das ist ein großes Problem, kann ich mir vorstellen. Dann geht es um Werte. Welche Werte, wie schaut mein Wertesystem aus? Weil wenn sich das spießt mit dem Unternehmen, in dem du arbeitest oder mit deiner Tätigkeit, auch wenn du selbstständig bist, wenn das nicht zusammenpasst, dann wirst du auch nie glücklich sein am Abend nach der Arbeit. Wirst du auch denken, pff, was mache ich da eigentlich? Gibt es da, bevor man sich so wie ich seinerzeit,
[27:42] zehn Jahre her, am Burnout gönnt, gibt es da vielleicht bessere Möglichkeiten, um zu sagen, okay, bin jetzt plus 40, mag das nicht mehr ewig machen, gleichzeitig habe ich einen Kredit laufen, gleichzeitig bumm,. Das heißt, du fährst so in eine Höhle hinein, ist dann die Lösung, da bin ich wieder bei der Namib, Auszeit, oder gibt es auch andere Triggerpoints, wie man sich da rausholen kann, weil nicht jeder kann Auszeit machen. Stell dir vor, es sind zwei Kinder, die nicht 14, 16, 18 sind, sondern die zwei und drei sind. Da ist dann schwer, bei den Belastungen, die wir gerade haben, zu sagen, jetzt mache ich mal eine Auszeit. Da muss es dann andere Möglichkeiten geben. Die gibt es auch, weil natürlich ist das ein ziemlicher Luxus, so eine Auszeit zu nehmen. Das war mir auch klar, das war das erste Mal seit 15 Jahren,
[28:43] seit ich Mama bin. Seit ihr alles verkündet, ich hoffe das war. Nein, überhaupt nicht. Das sage ich nur einfach, damit andere auch den Vergleich haben. Mir ist das schon völlig klar, dass das ein ziemliches Privileg war, dass ich das machen habe können. Es ist gar nicht notwendig, dass ich mir so eine lange Auszeit nehme. Also wenn ich in einen Potenzialentwicklungsprozess reingehe, dann machen wir das Step by Step. Das heißt, das kann auch passieren, indem du dir immer wieder mal eine Stunde dazwischen Zeit nimmst. Einmal anfängst mit Selbstreflexion, das heißt, einmal dir bewusst wirst, wie läuft es denn so in meinem Leben? Also das finde ich einen sehr wichtigen Punkt, dieses Selbstbewusstsein, Selbstreflexion. Damit startet es einmal los. Und dann kann man gemeinsam, eben am einfachsten, indem du dir Begleitung suchst, weil alleine ist es recht schwierig, das auch von außen einmal zu betrachten
[29:36] und eine andere Perspektive einzunehmen. Und dann kann man gemeinsam in einem Prozess eben sich verschiedene Dinge anschauen, die wichtig sind dafür, dass das wieder stimmig ist für dich, dass deine Tätigkeit, das, was du tust in deinem Leben, um Geld zu verdienen, einfach wieder für dich passt. Und das startet eben mit den Werten, dass dann geht es darum, welche Stärken hast du, welche Signaturstärken. Das heißt, was drängt wirklich aus dir heraus? Jetzt nicht das, was jeder so kennt, aus dem Jobinterview, das Übliche, was du halt dir überlegst, naja, wo bin ich gut, wo weniger? Sondern da gehen wir sehr in die Tiefe und schauen einmal, was fehlt dir richtig, wenn du es nicht machst? Wovon machst du manchmal zu viel? Also das heißt, es ist ein Deep Dive in Stärken und in Erfolgsmuster hinein, die du in der Tiefe wahrscheinlich allein gar nicht hinkriegst.
[30:24] Das heißt, es ist nicht notwendig, dich unter den Ölbaum zu setzen und zu meditieren, sondern es ist notwendig, in die Tiefe zu gehen und das geht am leichtesten, indem man sich jemanden sucht, der einen dabei begleitet und dann Step by Step versucht, das zu ergründen und auch zu schauen, welche Möglichkeiten habe ich denn eigentlich? Und das ist nicht immer ein Jobwechsel. Also ich hatte auch schon Klienten, wo es einfach nur darum ging, den Job anders aufzustellen. Sei es ein Radiologe, der in einem Krankenhaus gearbeitet hat und dort tot unglücklich war und der jetzt Arbeitsmediziner ist. Das ist für einen anderen Arzt vielleicht, der denkt, um Gottes willen, das wäre gar nicht meins. Aber für den ist das der Himmel auf Erden gewesen. Der ist jetzt happy. Dem taugt das irrsinnig. Du hast mir wieder einen Punkt gegeben. Das heißt, du hast es so ausgedrückt,
[31:20] wir suchen danach, was jemand vielleicht nicht macht und ihm abgeht. Was sind denn das aus dem Nähkästchen geplaudert für Dinge, die deine Gesprächspartner und Partnerinnen dann nennen oder auf die er draufkommt, was er zu wenig macht? Ist das so oft Fischen? Oder ist das ein Vorteil? Nein, das kann oft, zum Beispiel, jetzt was mir gerade einfällt, ist, das kann oft sein, mehr direkter Kontakt mit anderen Menschen. Also wenn wir es jetzt zum Beispiel, dieses Radiologen-Beispiel hernehmen, da sitzt du halt oft im stillen Kämmerlein und schreibst Befunde. Und für den war es aber wichtiger, mit den Menschen zu sprechen und wirklich auch so das Gefühl zu haben, ich bewege etwas vielleicht für jemanden, den ich aufgesucht habe in seinem Jobumfeld und wir haben dann daran gearbeitet oder etwas verbessert für den. Das kann sowas zum Beispiel sein. Oder auch, manchmal braucht es auch mehr
[32:20] Selbstbewusstsein, mehr Sichtbarkeit, um in die Rolle schlüpfen zu können im Job, die dich dann im Endeffekt wirklich dort glücklich macht. Auch letztens ein Beispiel, jemand, der in einer Kanzlei gearbeitet hat, aber dort noch nie so wirklich angekommen war. Wir haben dann an vielen Dingen gearbeitet, auch an dem, wie ist meine Außenwirkung, wie trete ich auf dort? Und dann war es gar nicht notwendig, dort zu wechseln oder einen anderen Job zu ergreifen, sondern da sitzt plötzlich ein neuer Mensch, die kann einen Raum jetzt ganz anders halten zum Beispiel, weil wir gearbeitet haben an einem souveränen Auftreten an solchen Sachen. Also das ist so individuell, ich kann jetzt gar nicht sagen, es gibt die Schablone oder das, was jetzt notwendig wäre, sondern das ergibt sich in der Zusammenarbeit und da spüre ich mich einmal hinein, da höre ich genau zu, was kommt denn da zwischen
[33:17] den Zeilen so durch, was sind denn die Bedürfnisse und wir sprechen dann ohnehin drüber, was sind private Rahmenbedingungen für diesen Menschen, was darf hier nicht vergessen werden, was sind berufliche Bedingungen unter denen, der so richtig in den Flow kommt und super arbeiten kann. Ich entwickle da jetzt wieder eine Marderlücktheorie, kann natürlich wahnsinnig falsch sein, aber eigentlich solltest du ja nicht nur mit diesen Menschen reden, sondern auch, wenn wir jetzt in der Arbeitswelt bleiben, mit deren Vorgesetzten, weil die sollten ja eigentlich, die Aufgabe jedes Chefs ist es ja, Potenziale zu entwickeln. Ich nehme aber an, dass 80 Prozent der Chefs, Vorgesetzten, eher Kontrolle als das oberste Mittel zum Erfolg sehen. Aber könnten wir jetzt sagen, lasst die Menschen ein bisschen mehr fliegen? Ja, auf jeden Fall. Da bin ich ganz bei dir. Das ist auch etwas, was wieder zum Positive Leadership
[34:23] auch gehört. Ich bin ja auch eine Vertreterin von diesem Führungsstil und mehr Autonomie zu geben, den Menschen, ihnen zu erlauben, es auf ihre Weise zu tun, aber auch vor allem, und Positive Leadership ist ja vor allem ein potenzial förderndes Leadership. Mal zu schauen, was kann denn wer besonders gut und die Menschen auch dem entsprechend einzusetzen, stärkenorientiert einzusetzen. Das impliziert aber auch, dass ich zuhören kann, dass ich den Menschen wahrnehme, so wie er ist. Und dann kann ich es auch schaffen, dass ich wirklich mein Team so aufstelle, dass die Aufgaben, die von Person XY gut gemacht werden können, auch von der gemacht werden, und dann klappt das auch, dann funktioniert, auch diese Zusammenarbeit im Team wunderbar. Aber das heißt eigentlich, dass mit so eitelwohne Waschtrock Politik wenig zu erholen ist und dass eigentlich auch eine eher nicht so strahlende, empathische Chefin
[35:29] trotzdem eine positive Leaderin sein kann, oder? Ja, natürlich. Ja, auf jeden Fall. Wenn uns jetzt welche zuhören, werden sie sagen, naja, ich bin halt eher so so ein bisschen eine Strenge und die Leute brauchen einige Zeit oder finden nie zu meiner Person, na, ich bleib dabei. Reden wir einmal mit denen, die glauben immer nur, mit eben Kontrolle, Strenge, ihren Erfolg zu finden, wiederum in ihrem Getriebe, in ihrem Radl, in dem sie halt sind, in den Hierarchien. Was würdest du so jemandem sagen, damit er ein bisschen mehr easier, relaxter, positiver wird? Wir zum Beispiel. Ich würde mit dir arbeiten, lieber Christoph, ich würde mit dir dran arbeiten, weil ich weiß, also das ist ja jetzt nicht etwas, was mir einfach so gerade eingefallen ist, sondern wir wissen ja aus Studien, was es macht mit den Teams, wenn wir Menschlichkeit in die Führung reinbringen,
[36:39] wenn wir Empathie reinbringen. Das ist etwas, da bin ich fest davon überzeugt, dass es heutzutage einfach braucht, damit die Menschen noch motiviert sind. Jeder Fünfte hat innerlich gekündigt. Zähl einmal durch in den Firmen. Und was das vor allem auch die Menschen, also die Unternehmen kostet, das wird immer unterschätzt. Und ich weiß, es gibt viele, die hängen noch immer sehr diesem autoritären Führungsstil an und die sagen, nein, ohne Kontrolle und ohne Härte tun die Menschen nichts. Bullshit, würde ich mal sagen. Ist nicht so. Wenn du Menschen motivieren willst, dann musst du ihnen zeigen, dass du sie als Menschen wahrnimmst und dann tust du auch gut daran, sie eben gemäß ihren Stärken einzusetzen und einmal zu fragen, was machst du denn gerne und gut, wenn du das bis dahin noch nicht irgendwie feststellen konntest, einmal zu reden mit den Leuten. Und ein Chef, der nicht reden kann
[37:32] oder eine Chefin, die nicht reden kann mit ihren Leuten, da muss ich sagen, da ist leider sowieso ein Job verfehlt. Job verfehlt. Kommunikation ist ganz wichtig, damit geht es los. Miteinander zu reden. Ein Coach, der nicht mit seinen, wenn ich jetzt von einem Sportcoach ausgehe, der nicht mit seinen Teamleuten spricht und mit seiner Mannschaft spricht, dann wird nichts weitergehen, würde ich mal sagen. Und so ähnlich ist es auch in der Wirtschaft. Wenn ein Fußballtrainer nicht mit seiner Mannschaft spricht oder eine Fußballtrainerin, schwierig. Nein, ich gebe dir recht, es gibt viel zu viele geschlossene Chefzimmer in Österreich, leider immer noch. Ja, genau. Ja, das haben wir die Arbeitswelt so durchgemacht, dass ich gerne einmal von uns Menschen zu Weihnachten sprechen würde. Ja. Gehen wir es doch jetzt einmal, jetzt haben wir ja gelernt auch von dir, ja, und jetzt sage ich nicht,
[38:31] jössas, ich muss halt auf die Kärntnerstraßen, da werde ich mich wieder scheiben und mit meinen 105 Kilo inzwischen die Leitdurchkummer, jössas. Drehen wir jetzt alles um, hauen wir das Konzept weg und sagen wir, wie gehen wir jetzt positiv in die nächsten Tage, ja, eine gute Nachricht, ja, in einer Woche ist das alles schon wieder vorbei. Aber, eigentlich sollten wir es ja jetzt genießen. Wie tun wir das? Reduktion, würde ich sagen, steht für mich da drüber. Reduzieren. Und vor allem dieses, ich muss weglassen. Ja, wir haben zuerst schon spaßhalber vor unserer Aufnahme hier festgestellt, wir müssen sehr wenig im Leben sterben, müssen wir irgendwann atmen, müssen wir essen, solche Dinge. Aber ganz viel von dem, wovon wir glauben, dass wir es müssen, müssen wir nicht. Sondern wir erzählen uns, dass wir das müssen. Das heißt, wir können einmal darüber nachdenken, was muss ich wirklich
[39:32] und was mache ich gerne und vielleicht auch den Fokus ein bisschen darauf zu legen, was mache ich denn gern und wenn ich nicht gern eine Woche vor Weihnachten auf die Kärntner Straße gehe, wie könnte ich es denn dann anlegen? Vielleicht ist es für heuer schon spät, aber vielleicht für nächstes Jahr. und einfach mit ein bisschen mehr Vorlauf und eben mit Reduktion. Runter mit den Ansprüchen, es ist ja ganz oft ein Problem der Erwartungshaltungen. Die Erwartungshaltung von der Verwandtschaft, die eigene Erwartungshaltung. Wieso erwarten wir uns so viel von dem Fest? Reduzieren wir unsere Erwartungen und überlegen wir uns, was würde mir denn Freude machen? Und was würde den anderen vielleicht Freude machen? Und wir wissen ja, dass uns das gut tut, jemand anderem eine Freude zu bereiten. Das heißt, vielleicht überlegen wir uns einfach einmal, was könnten wir denn tun, damit wir einen richtig
[40:26] netten, schönen 24., 25. Dezember haben? Das wäre eine gute Idee. Man kann ja einander schenken, zehnmal Nein als Guthaben, statt ein Thermengutschein zum Beispiel. Ja, zehnmal darfst du Nein sagen. Ja. So, fürs nächste Jahr. Das wäre gar nicht so schlecht, oder? Ich würde ein bisschen Druck nehmen von den Menschen. Ja. Oder zehnmal Ja sagen zu irgendetwas, was dir gut tut. Genau. Auch gut. Zeit. Und ich bin auch immer dafür, Zeit zu schenken. Ja. Unternehmungen zu machen. Das, wofür wir uns sonst nicht Zeit nehmen, wie zum Beispiel ins Theater gehen, Zeit zu schenken, zu sagen, okay, gehen wir ins Theater. Ich buche jetzt einfach eine Vorstellung. Fertig. Ein guter Tipp an euch. Ich habe jetzt Theater gehen und so weiter und ich weiß, uns schauen auch Menschen zu, für die Theater möglicherweise nicht immer leistbar ist. Wir leben in einer super, super Stadt.
[41:25] Schaut es euch bitte an, das Programm zum Straußjahr nächstes Jahr. Da gibt es auch etliche Dinge, die kostenlos für alle Wienerinnen und Wiener zu besichtigen sind. und Kultur, da gebe ich dir recht, ist Balsam für die Seele und muss nicht unbedingt etwas kosten. Genau. Ja. Schöne Zeit. Mhm. Ja, ich weiß nicht, wie viele Minuten wir jetzt gesprochen haben, aber ich glaube, wir haben uns alles erzählt, was wir erzählen wollten. Also mir hast du jetzt schon wunderbar geholfen. Schön. Du sagst, ich will weiter machen. Ich sage, nein. Das freut mich. Ich sage, willst du gehen? Du sagst, ich komme wieder. Das ist hundertprozentig fix. Wir treffen uns im Sommer. Ich bin dabei. Und ja, somit kann ich nur sagen, danke an euch, wenn ihr jetzt noch vor diesem Videocast sitzt, den es auch als Podcast gibt. Hört gut zu, was die Sandra erzählt hat.
[42:34] Mir hat sie jetzt schon geholfen, während ich hier arbeite. Und ja, schöne Weihnachten, ein glückliches neues Jahr und die letzten Worte gehören der Sandra. Ich wünsche allen ein entspanntes Weihnachtsfest mit viel Freude, viel Gelassenheit, viel Leichtigkeit und ja, und alles Gute auch für das neue Jahr. Möge es ein besonders schönes, glückliches werden. Merry Christmas.
