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Die urbane Farm beginnt dort, wo die Stadt bereits gebaut ist

Vertical Farming wird gern als Landwirtschaft im gläsernen Hochhaus inszeniert. Für Daniel Podmirseg beginnt die entscheidende Arbeit jedoch viel früher: bei der Wahl des richtigen Produkts, einer ehrlichen Energiebilanz und der Frage, welche Garagen, Gewerbeflächen und anderen versiegelten Räume eine Stadt bereits nutzen könnte.

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Podcast25.07.2024

Ein leerer Garagenplatz ist kein besonders spektakuläres Zukunftsbild. Gerade deshalb eignet er sich gut, um über urbane Lebensmittelproduktion zu sprechen. Wo heute Stellflächen ungenutzt bleiben, könnten morgen Pilze wachsen. Für den Architekten Daniel Podmirseg ist das mitunter sinnvoller als ein neuer Turm, in dem unter hohem Energieaufwand Tomaten gezogen werden.

Podmirseg, Gründer des Vertical Farming Instituts, beschäftigt sich mit der Frage, wie Städte ihre Ernährung widerstandsfähiger organisieren können. Im Gespräch warnt er davor, Vertical Farming auf Salat unter Kunstlicht oder auf futuristische Hochhäuser zu reduzieren. Die eigentliche Aufgabe lautet: Was lässt sich in Innenräumen produzieren, wo stehen geeignete Flächen bereit und unter welchen Bedingungen ergibt das ökologisch wie wirtschaftlich Sinn?

Nicht die Höhe ist entscheidend, sondern die versiegelte Fläche

Die Idee hinter Vertical Farming klingt zunächst einfach: Lebensmittel sollen näher an jenen Orten entstehen, an denen viele Menschen sie konsumieren. Der entscheidende Raum dafür muss laut Podmirseg nicht zwingend ein Hochhaus sein. Er kann sich ebenso unter der Erde, in einer leer stehenden Gewerbehalle oder in einem bestehenden Gebäude befinden.

Das verändert den Blick auf die Stadt. Sie ist nicht nur Absatzmarkt, sondern verfügt bereits über eine große Menge bebauter und versiegelter Fläche. Jeder geeignete Kubikmeter, der dort für Lebensmittelproduktion aktiviert wird, kann aus Podmirsegs Sicht den Druck auf landwirtschaftliche Flächen anderswo verringern. Vertical Farming wird damit weniger zu einer einzelnen Gebäudetypologie als zu einer Strategie für den Umgang mit vorhandenen Räumen.

Dass urbane Produktion kein fernes Zukunftsszenario ist, zeigt er an Wiener Betrieben, die bereits mit Pilzen, Kräutern oder hydroponisch erzeugtem Gemüse arbeiten. Solche Beispiele sind für ihn der Ausgangspunkt. Die Frage ist nicht, ob Produktion in der Stadt grundsätzlich möglich ist, sondern welche Formen sich sinnvoll intensivieren und in bestehende Stoff- und Energieströme einbinden lassen.

Eine Tomate kann die schöne Vision energetisch ruinieren

So klar Podmirseg die Potenziale beschreibt, so deutlich benennt er den Schwachpunkt: Indoor-Produktion hat eine energetische Herausforderung. In seiner Dissertation untersuchte er, was es bedeuten würde, Tomaten in einem Wiener Hochhaus zu produzieren. Sein Urteil über dieses konkrete Szenario fällt unmissverständlich aus: energetisch wäre es ein Desaster.

Das ist keine Absage an Vertical Farming, sondern eine Aufforderung zur Differenzierung. Pflanzen, Pilze, Fische und zellbasierte Produktionsformen stellen unterschiedliche Anforderungen an Licht, Temperatur, Wasser und Nährstoffe. Ein Projekt muss daher beim Produkt beginnen – nicht beim Wunsch nach einer möglichst auffälligen Architektur.

Pilze nennt Podmirseg als vergleichsweise einfachen Einstieg, sofern geeignetes Substrat und das nötige Wissen vorhanden sind. Lichtabhängige Pflanzen können deutlich anspruchsvoller sein. Für Tomaten würde er eine urbane Indoor-Produktion nur bei einer verlässlich erneuerbaren Energieversorgung empfehlen. Ein Gebäude, das technisch machbar ist, ist eben noch lange kein gutes Ernährungssystem.

Gleichzeitig verweist er auf Vorteile kontrollierter Systeme: Wasser und Nährstoffe lassen sich sparsam einsetzen, die Abhängigkeit von Wetterbedingungen sinkt. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann in der abgeschlossenen Umgebung vermieden werden. Diese Stärken wiegen aber nur dann, wenn Energiebedarf, Ertrag und Betrieb gemeinsam betrachtet werden.

Leerstände können zu einer produktiven Reserve werden

Das größte kurzfristige Potenzial sieht Podmirseg nicht unbedingt im Neubau. Nach den von ihm im Podcast genannten Berechnungen gibt es allein in Österreich rund 400 Quadratkilometer ungenutzte Räume, vor allem in Industrie- und Gewerbegebäuden. Selbst wenn nicht jede Fläche geeignet ist, steckt darin eine beachtliche Reserve für Zwischennutzungen und langfristige Produktionskonzepte.

Einkaufszentren mit Leerständen könnten etwa prüfen, ob sich dort Lebensmittel erzeugen lassen, statt die nächste Verkaufsfläche nur vorübergehend zu bespielen. Besonders interessant sind Garagen. Viele davon wurden nach einem Stellplatzraster errichtet, das Wohn- und Büroprojekte bis heute mitbestimmt. Gleichzeitig berichtet Podmirseg von Bauträgern, deren Garagen bereits jetzt nicht voll werden.

Gemeinsam mit Partnern untersuchte sein Institut deshalb ein modulares System zur Pilzproduktion in solchen Flächen. Die Garage wird dabei nicht zum Notbehelf, sondern zur vorhandenen Infrastruktur, die eine neue Aufgabe erhält. Für künftige Gebäude folgt daraus eine praktische Planungsfrage: Können Raumhöhen, Raster, Haustechnik und Zugänge so ausgelegt werden, dass sich eine heute benötigte Garage später ohne unverhältnismäßigen Aufwand umnutzen lässt?

Ähnlich arbeitet das Institut in einem großen Berliner Stadtentwicklungsgebiet. Dort geht es nicht um einen spektakulären Solitär, sondern um einen Mix verschiedener Produktionsformen und um ihre Position im Gebäude. Politik, Verwaltung, Investoren und Projektentwicklung bringen unterschiedliche Anforderungen ein. Am Ende müssen Flächenprogramm, Betrieb und Miete trotzdem zusammenpassen. Hält die Rechnung nicht, bleibt die Vision Papier.

Eine Farm kann auch öffentlicher Raum und Arbeitsplatz sein

Urbane Produktion verändert nicht nur Stoffströme. Podmirseg verweist auf Vertical Harvest in Jackson im US-Bundesstaat Wyoming. Das Projekt verbindet den Betrieb einer vertikalen Farm mit Arbeitsplätzen für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Das Gebäude sei dort zugleich zu einem identitätsstiftenden Ort und öffentlichen Raum geworden. Eine größere Anlage in Portland befand sich zum Zeitpunkt des Gesprächs im Ausbau.

Solche Modelle erweitern die übliche Kalkulation. Eine Farm produziert dann nicht nur Lebensmittel, sondern schafft Beschäftigung, vermittelt Wissen und macht sichtbar, wie Nahrung entsteht. Genau diese Nähe bekam während der Corona-Pandemie eine neue Bedeutung: Partner aus Podmirsegs Umfeld verzeichneten laut seiner Schilderung mehr Nachfrage, obwohl die Supermarktregale gefüllt waren. Menschen wollten wissen, woher ihre Lebensmittel kamen, und fanden Sicherheit in erreichbaren Produzenten.

Damit entstehen auch neue Berufsbilder. In heutigen Betrieben arbeiten Menschen aus IT, Unternehmensführung, Pflanzenphysiologie, Landwirtschaft und Technik zusammen. Vieles werde noch durch praktische Erfahrung gelernt, sagt Podmirseg. Auf europäischer Ebene werde deshalb bereits darüber diskutiert, wie passende Qualifikationen und Berufsbezeichnungen aussehen könnten. Für bestehende landwirtschaftliche Betriebe kann Indoor-Produktion wiederum eine Möglichkeit sein, das eigene Geschäftsmodell um eine ganzjährige Erzeugung zu ergänzen.

Die Stadt braucht ein zusätzliches Standbein, keinen Ersatz für Felder

Podmirseg grenzt seine Vision bewusst von einem Totalumbau der Landwirtschaft ab. Vertical Farming könne konventionelle Landwirtschaft, Biolandbau, Permakultur oder Agroforstwirtschaft nicht ersetzen. Es soll ein zusätzliches Standbein sein – besonders dort, wo versiegelte Flächen, lokale Nachfrage und passende Energiequellen zusammenkommen.

Die wichtigste Entscheidung fällt daher nicht zwischen Feld und Hochhaus. Sie fällt zwischen pauschaler Begeisterung und genauer Planung. Welche Produkte passen zum Raum? Woher kommt die Energie? Wer betreibt die Anlage, wer kauft ihre Erzeugnisse und welche weiteren Funktionen kann sie für das Quartier erfüllen?

So verstanden beginnt die urbane Farm nicht mit einer glänzenden Fassade. Sie beginnt mit einem realen Gebäude, einem belastbaren Betriebskonzept und der Bereitschaft, Lebensmittelversorgung als Teil der Stadtplanung zu behandeln. Der leere Garagenplatz ist dafür vielleicht das unscheinbarste Bild – aber eines der brauchbarsten.


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[00:00] Hallo und gratuliere dir. Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Für Menschen, die neue Wege gehen. Herzlich Willkommen, liebe Seherinnen und Seher von Forerunners Network. Herzlich Willkommen auch alle Hörer und Hörerinnen, denn das ist ein Videocast gleichermaßen wie ein Podcast. Und wir beschäftigen uns heute mit Salat aus dem 12. Stock. Vertical Farming heute und morgen. Die Vorgeschichte. Das letzte Mal saß Daniel Podmirsek bei mir und wir sprachen über einen wahren Forerunner, nämlich Ottmar Rutner, dem Erfinder, dem Ideenspender des Vertical Farmings, von dem heute die gesamte Welt spricht. Heute reden wir über das, was von Rutner übergeblieben ist und sich weiterentwickelt hat, nämlich Vertical Farming auf der ganzen Welt.

[01:33] Ja, und es sitzt wieder bei mir, Daniel Podmirsek. Er betreibt das interdisziplinäre Vertical Farming Institut. Daniel, herzlich Willkommen bei mir. Freut mich, dass du da bist und stell dich kurz einmal vor für alle jene, die den Teil 1 nicht gesehen haben und wie es dich zu der Faszination Vertical Farming verschlagen hat. Sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Daniel Podmirsek. Wo fange ich an, wenn ich es jetzt in a nutshell mache? Wir machen es einfach. Ich bin bei der Ausbildung Architekt. Eines der großen Interessen, die ich habe und die mich beschäftigt, ist die Energiefrage. Und die zweite Frage ist eigentlich, wie wollen wir in Zukunft leben bzw. wie gehen wir mit den Herausforderungen um, die uns eigentlich seit über einem halben Jahrhundert spätestens beschäftigen. Und eines der wesentlichen Dinge ist natürlich, wie sieht eine resiliente Stadt der Zukunft aus bzw. bevor wir uns große Gedanken über die Zukunft der Stadt machen, braucht jeder von uns zwischen 2000 und 2500 Kilokalorien.

[02:54] Das sind ungefähr drei Kilowattstunden an Energie, damit wir überhaupt die Energie haben, um uns so schöne Gedanken zu machen. Das heißt, wie produzieren wir in Zukunft die Lebensmittel bzw. hängt davon ab, wie garantieren wir Ernährungssicherheit? In dieser Gedankenwelt befinde ich mich. Du hast vorher auch im ersten Podcast eine schöne Faktenzahl genannt, nämlich wie viel Energieverbrauch global alleine durch die Ernährung zustande kommt. Genau. Also wir können jetzt sagen, ich vergleiche das jetzt eigentlich ganz gern mit dem Beginn, also im Jahr 2010, da habe ich mit der Dissertation begonnen, eben mit der Energiefrage zum Thema urbane Lebensmittelproduktion auseinanderzusetzen. Da haben wir 500 Exaschul an Energieverbrauch weltweit. Muss niemand wissen, was eine Exaschul ist, ich kann nur sagen, es ist eine brutal große Zahl, es sind 18 Nullen. Das sind die Dinge, die mich einfach bewegen. Und der absolut größte Teil ist einfach Erdöl, das dürfen wir nicht vergessen, also Erdöl und Erdgas.

[04:18] Dann habe ich meine Dissertation fertig gemacht, waren wir bei 550 und mittlerweile sind wir bei 608. Das heißt, alles geht in die falsche Richtung. Ich sage das bewusst so klar, weil wir einfach auch verzerrte Bilder haben, beispielsweise, ja, wir werden immer besser mit erneuerbaren Energien, es tut sich so viel, jeder ärgert sich jetzt schon um die paar Windräder, die wir haben und so weiter. Wir müssen anerkennen, dass ungefähr 2,2 Prozent der gesamten Energie weltweit erneuerbar produziert ist. Und ein Drittel von dem ganzen Irrsinn wird dem Lebensmittelsektor zugeschrieben. Das heißt, unsere Landwirtschaft, beziehungsweise unser Lebensmittelversorgungssystem, das wir in den letzten 60, 70, 80 Jahren aufgebaut und professionalisiert haben, ist direkt abhängig von, auf Dat Liquid, ja, von der Flüssigkeit, der wir die CO2-Emissionen verdanken. Jetzt ist die Idee des Vertical Farmings, die, grob gesprochen, dort, wo viel Lebensmittel gebraucht werden, sie auch dort lokals produzieren,

[05:34] sprich in hohen, wenig Bodenverbraucherzeugenden Häusern in den großen Städten. Klingt einfach, muss aber schwer sein. Ist es auch. Ist es auch, ist es auch. Ja, natürlich. Gibt es so eine Blaupause, wo ich sagen kann, keine Ahnung, nehmen wir das schönste Hochhaus von Wien am Watzlensdorferplatz. Wäre das einfach, auf eine Vertical Farm umzubauen? Also ich sage natürlich immer ja. Die Frage ist, wie machen wir das? Für die Hörer, für die Hörerinnen würde ich es gerne etwas einfacher anfangen, sondern nämlich mit der Frage, welche Produkte, beziehungsweise was können wir indoor anbauen? Das ist einmal das Wichtigste. Ob es jetzt vertikalisiert nach oben, nach unten oder wie auch immer ist, spielt in erster Instanz einmal keine Rolle. Der Grund, warum wir uns mit dieser Frage auseinandersetzen, ist, jeder kennt die Naturzerstörung, die wir brauchen. Also wir brauchen bis 2075, wenn die UNO recht behält und wir mal 10 Milliarden Leute sind, eine zusätzliche landwirtschaftliche Fläche, vergleichbar mit Australien.

[06:42] Und da bewegen wir uns gerade hin. Jeder, der wieder Nachrichten liest, oh, Regenwälder werden gerodet und so weiter, ist ein ganz normaler Prozess. Wir müssen das tun. Ganz einfach. Das heißt, im Umkehrschluss, die Stadt ist bereits versiegelte Fläche, also weltweit kann man sagen, ungefähr 1,5 Prozent von der gesamten Landfläche ist bereits versiegelt. Das heißt, und das ist die schöne Botschaft dabei, jeden Kubikmeter, den ich in der Stadt aktiviere für die Lebensmittelproduktion, hat positive Externalitäten irgendwo anders auf der Welt. Das ist die Kernbotschaft. Ob das jetzt in einem Hochhaus ist oder nicht, ist mir in erster Instanz eigentlich relativ egal. Und hat es, wenn es in der Stadt steht, reden wir jetzt immer noch vom Hochhaus, da habe ich noch einen Nachfragen, hat es auch einen direkten Impact auf die Stadt, in der es sich befindet? Technisch, klimatisch zum Beispiel? Genau.

[07:40] Also, wenn man jetzt auch wieder auf zwei Ebenen, wo ich auch die Hörerinnen und Hörer, also eigentlich die Seherinnen und Seher in diesem Fall, das ist ein Videopodcast, macht es mal die Augen auf und schaut euch an, wer in der Stadt schon Lebensmittel produziert. Und da denke ich jetzt eben beispielsweise auch wieder an Hut und Stiel oder an Blühen. Also es gibt so viele, Herbius Greens fällt mir ein, es gibt so viele, die in Wien eigentlich schon Lebensmittel produzieren. Ich habe noch eine witzige Zahl. Über 30 Prozent, ich glaube es sind 37 Prozent aller in Österreich produzierten Tomaten kommen aus Wien, aus einem Gewächshaus, aus einem hydroponischen System. Wir machen das bereits. Wir können diese Dinge, beziehungsweise, das ist unsere These, wir müssen diese Dinge intensivieren. Jetzt habe ich vor lauter Feuer deine Frage vergessen. Na ja, gibt es da eine Blaupause, das heißt, ich kann nicht das überall hinstellen und sagen, so, da ist jetzt das Haus, das baue ich oder baue ich um.

[08:42] Unten ist, keine Ahnung, ein großes Lagerfeuer, das das Wasser erwärmt. Oder passiert das eben auch schon unter Einbindung von einer Erneuerbaren, nämlich der Betrieb, der technische Betrieb eines solchen Hauses. Was brauche ich da dazu? Viele, viele Leitungen. Wasser nehme ich an. Brauche ich so viel Wasser wie in der klassischen Landwirtschaft? Woher nehme ich die Energie, um die Temperatur herzustellen, damit ich auch im Winter produzieren kann? Das würde mich jetzt einmal interessieren, die Technik dahin. Genau, da muss ich auch wieder differenzieren. Das heißt, die erste Frage stellt sich immer und das machen wir beispielsweise in unseren Machbarkeitsstudien oder bei Forschungsprojekten. Wir arbeiten viel mit der FFG, mit der Forschungs- und Förderungsgesellschaft zusammen. Es ist immer die Frage, was produzieren wir? Und mein Lieblingsbeispiel, und falls mich jemand schon gehört hat, tut mir leid, wenn ich mit der Zahl wiederkomme. Ich habe mich in der Dissertation mit Tomaten auseinandergesetzt, die ich im Hochhaus produziert habe, aber bis dahin gab es diese Daten noch nicht.

[09:44] Was bedeutet das als Energy Impact, wenn ich sage, ich baue jetzt meinen DC Tower um und produziere dort Tomaten für Wien? Es ist ein energetisches Desaster, das muss ich sagen. Und das ist wichtig. Das heißt, falls sich jemand mit Vertical Farming bereits auseinandergesetzt hat, es gibt eine energetische Challenge, sorry, that's it. Das müssen wir mal ernst nehmen. Jetzt kommt aber das große Aber. Die Frage ist, was bauen wir denn an? Und es gibt sehr viele Dinge, Produkte, die wir Indoor anbauen können. Und jedes Bedarf hat seine eigenen Wachstumsbedingungen, damit das irgendwie funktioniert. Und jetzt wird es interessanter, wenn wir anfangen, die Sachen zu differenzieren. Bei uns im Büro gibt es drei Blöcke. Eines sind die PAs, also die photosynthetisch aktiven Pflanzen. Da fallen beispielsweise die Tomaten rein oder Kräuter, Basilikum, was auch immer. Das zweite sind die Protein Deliverers, das sind die Sekten, das sind Pilze, das sind Fische etc.

[10:41] Funktioniert auch. Und das dritte ist die Laborgeschichte, also genau diese Cell-Based Culture. Das heißt, diesen Emerging Market, der jetzt seit zehn Jahren jetzt wirklich explodiert. Und diese drei Gruppen haben ein ganz anderes Anforderungsprofil, wenn es um den Energiebedarf und den Ressourcenbedarf geht. Und in dem Moment, wenn ich das verstanden habe, dann kann ich auch Entscheidungen treffen, in einem frühen Stadium beispielsweise der Projektentwicklung, was wäre denn denkbar. Und jetzt denke ich gar nicht so sehr an den Neubau. Wir haben das jetzt gerade untersucht für ein Stadtentwicklungsgebiet in Berlin, die ziemlich Gas geben, wo wir selbst für einen Neubau einfach Vorschläge gemacht haben, basierend auf der neuen Gebäudetypologie, wo was hinkommen kann, damit das energetisch vertretbar ist. Da gibt es genau diesen Mix von diesen drei Gruppen, von denen ich geredet habe. Aber, und auf der anderen Seite, und das ist auch eine fantastische Zahl, weil die mir auch kein Mensch glaubt, aber die halt stimmt,

[11:38] wir haben in Österreich allein 400 Quadratkilometer ungenutzte Räume. Okay. Das ist Industriegebäude, Gewerbe, das wenigste sind Büros und Wohnungen von dieser absurden Zahl. Und hier ist ein ökonomisches Potenzial drin für Zwischennutzungen, für Drittverwendungsmöglichkeiten, aber eben auch für ein langfristiges Konzept, wo ich einfach sage, ich mache jetzt einfach Foodhub rein und produziere dort NDI in einer bereits bestehenden Infrastruktur. Vielleicht kurz an alle Einkaufszentrumbetreiber mit Leerstehungen, das ist ein großes Problem, ich kriege die Zweierkamera, das wäre doch eine Idee. Nicht Pop-Up-Store Nummer 247, der dann eh verzweifelt dort ist, sondern versuchen Sie einmal dort zum Beispiel Salat anzubauen. Entschuldige, ich habe dich unterbrochen. Du hast vorher schon erzählt, du kommst gerade zurück aus Berlin, du entwickelst dort etwas für eine Kommune. Gleichzeitig weiß ich durch die vielen Gespräche mit dir, dass Vertical Farm Institute einerseits ein Projektmacher ist, ein Projektentwickler, allerdings eben auch einer ist, der versucht einmal Visionen zu entwickeln und voranzustellen.

[13:08] Erzähl vielleicht so zwei, drei Highlights, Milestones, an denen du und dein Team gerade arbeitet. Ja, also die zwei Highlights sind eigentlich die Klammern. Deswegen rede ich vielleicht jetzt gerade von diesen Geschichten. Am liebsten, ja, eines ist wirklich, wenn du, eben die Frage ist, wie können wir etwas wirtschaftlich abbilden, in einem Grund, das ist eines, keine Kommune, ist eines der größten Stadtentwicklungsgebiete in Berlin, damit jeder versteht, was sind die Herausforderungen und was sind die Potenziale. Es gibt einen unglaublichen Druck, das muss man auch verstehen bei Projekten mit den ganzen ESGs und der X-U-Taxe und es blickt kein Mensch mehr durch. Aber der Druck ist trotzdem da. Das heißt, all das, was jetzt wirklich, wenn du etwas Konventionelles baust, kannst du es adaptieren. Wenn du mit etwas Neuem kommst, dann musst du eigentlich eine eierlegende Wollmilchsau machen, das muss man sagen. Man muss die Komplexität verstehen, man muss sich dem Schritt für Schritt annähern, damit man einfach die ganzen, die wichtigsten KPIs wirklich abbilden kann.

[14:13] Und das war für uns ein unglaublicher, spannender Prozess, weil du einfach ganz andere Anforderungen hast. Und das leider und glücklicherweise, ja, du hast Politik, Verwaltung und du hast den wirtschaftlichen Druck der Investoren und der Projektentwickler da. Und mittendrin muss eigentlich ein Vorschlag bestehen, wo du einfach die offensichtlichen Geschichten, weil das ist eigentlich die Kernbotschaft von dieser ganzen Sache. Du kannst wirklich Farming nicht so falsch machen, dass es nicht einen positiven Impact irgendwo hat. Aber es muss halt am Ende stimmen. Das heißt, du hast deine städtebaulichen und architektonischen Herausforderungen. Das heißt, das Funktions- und Traumprogramm muss klug entwickelt werden, dass du wirklich alle Funktionen, die eigentlich vor und nach der Produktion eigentlich entstehen, abbilden können. Und am Ende des Tages kommt eine Bruttogeschossfläche raus und der gewünschte Mietpreis und der muss stehen. Ganz einfach. Sonst ist das Projekt sowieso schon tot.

[15:09] Und die andere Geschichte ist, und das ist auch die gleiche Herzensangelegenheit, obwohl das die kleinste Sache der Welt ist, gibt es beauftragt über das Technische Museum, das war eine Wanderausstellung, wo wir einen Demonstrator entwickelt haben. Der ist drei Meter hoch, den ich hier über mein Handy remote kontrolliere. Und in dem haben wir unterschiedliche Produkte laufen, produziert werden in der Ausstellung. Das Tolle bei der Skulptur ist, dass du im Kern der Ausstellung eigentlich, vor allem die Kids haben eine irrsinnige Gaudi damit, aber eben auch interessierten Erwachsenen, eben erklären kannst, wie funktioniert das eigentlich. Also du kannst anhand des Objekts im Überwasserkreuzlauf über Stoffströme, Energieströme eben reden. Du kannst Photosynthese erklären. Du kannst eben auch darauf aufmerksam machen, was die Kernvorteile eben sind von Vertical Farming, nämlich du hast einen minimalen Platzbedarf, du brauchst ganz wenig Wasser, du brauchst ganz wenig Nährstoffe und so weiter.

[16:11] Also wenn diese Dinge schon mal jemand gelesen hat im Internet auf irgendwelchen Marketingseiten, ja, das stimmt, die, nochmal so falsch kannst du es nicht machen, dass du eigentlich den Wasserverbrauch und eben die Abhängigkeit von Werten radikal reduzierst. Und aus dieser haben wir jetzt, also das eine ist die, ist so in Anlehnung an die italienische Fashionwelt, ja, eines ist die Alina Prima Linia und die, die wir jetzt im Büro haben, ist die Alina Selection, die kannst du organisieren, das ist eben, hat einen geringeren Designanspruch, obwohl sie super sexy ist. Und das ist jetzt unser Testobjekt, das ist jetzt auch schon eineinhalb Jahre im Laufen, da produzieren wir sechseinhalb Kilo Basilikum auf einem Quadratmeter. Und das ist eben die andere Seite unserer Tätigkeit, wo wir wirklich in die Tiefe gehen, wenn es um Pflanzenphysiologie, energetische Analysen und Optimierungen und so weiter geht.

[17:10] Ich habe mal eine interessante Studie von den Carlo Ratti Architekten aus Italien gesehen, die haben sich damit beschäftigt, was passiert denn mit den Garagen, wenn die Autos in der Stadt einmal tatsächlich weniger werden. Und ich glaube, es gibt auch ein Projekt in der Seestadt Aspern, wo ein Haus so gebaut wurde, als Garagenhaus konzeptioniert wurde, aber eben so adaptiv ist, dass es später auf Wohnungen, whatever, umgebaut werden könnte. Wäre das eben auch ein System für Vertical Farmings, das heißt, dass man Gebäude schon adaptiv plant, um Vertical Farming in 10, 20, 30 Jahren ganz logisch zu machen? Oder sind die Garagen der Jetztzeit die Felder von Hut und Stiel in der Zukunft? Ich finde es so witzig, dass du das sagst, also eben für die Zuseherinnen und Zuseher, das war nicht Teil unserer Vorbesprechung. Wir haben jetzt unlängst eben mit der Arwag eben eine Kurzstudie für einen Wettbewerb gemacht,

[18:23] den wir jetzt hoffentlich weiter vertiefen können, weil das ist wirklich ein Pain von Bauträgern, von Developern und was auch immer. Wir haben so eine total absurde Bauordnung, wo wir eben, man muss sich das einmal vorstellen, wir immer noch jetzt im 21. Jahrhundert unsere Büros und unsere Wohnungen bauen wir auf auf einen Raster von zweieinhalb mal fünf Metern. Wieso? Weil das ein Stellplatz ist. Wir müssen immer noch Garagenstellplätze herstellen. Das heißt, die Leute, die jetzt Wohngebäude eben entwickeln, in den Stadtentwicklungsgebieten, kriegen die Garagen nicht voll und die werden nochmal leerer in ein paar Jahren oder Jahrzehnten. Deswegen, wir haben den Raster jetzt einfach mal akzeptiert. Wenn wir sagen, es ist eh schon absurd, wenn wir sagen, Wohnungen und Büros werden und Fassadenraster abgelegt auf das, dann machen wir es halt mit der Lebensmittelproduktion auch, mit unseren Partnern eben MTA und Glückspilz neben Innsbruck, wo wir einfach sagen,

[19:16] ihr kriegt die Garage eh nicht voll, wir werden jetzt einmal ordentlich beginnen, Pilze zu produzieren mit einem modularen, skalierbaren System. Unbedingt. Es sind sowieso überdimensionierte Garagen, das heißt, du kannst Krustentiere, Fische, du kannst so viel produzieren da unten. Und dann, das ist halt natürlich eine Frage des Energieträgers, wo kommt die Energie her? Dann kommen ja wieder meinetwegen her ja dann halt auch Tomaten. Aber ich würde das nur vorschlagen, wenn ich weiß, das ist 100% erneuerbar. Welche Dinge gehen so richtig einfach, easy going in großen Mengen zu produzieren und wo muss ich mehr Hirnschmalz, Energie, Ressourcen aufwenden? Das ist eine gute Frage. Was ist das Einfachste, was man produzieren kann? Vielleicht sind es wirklich die Pilze, wenn du einen Partner hast, der einfach weiß, wie man Substrate herstellt, das heißt, wenn du einfach kein Problem in der Inkubationszeit, also du kaufst dir einfach die Säcke, die schneidest auf und dann musst du eigentlich

[20:21] nur mehr die Fruchtungszeit abwarten, dann kannst du schon ernten. Wahrscheinlich ist das das Einfachste. Das Schwierigste? Tomaten, weil du es gesagt hast? Ist auch einfach, ja, da haben wir auch schon 200 Jahre Erfahrungen über hydroponische Systeme. Es sind so die Grenzgänger, wo du eigentlich aber auch die größte Marge drauf hast. Also wenn ich jetzt an Vasavi denke oder Krokose, Krokose spinne ich jetzt, Safran. Es gibt schon so Cutting-Edge-Science-Produkte. Aber nochmal, das Bewusstsein zu schaffen, ja, das ist etwas, wo wir eben auf, nicht nur jetzt auf theoretisch, sondern eben auch auf R&D-Ebene, unglaubliche Explosion erfahren. Das heißt, dieser Produktkorb oder dieser Warenkorb an Indoor-Produkten wächst gerade echt exponentiell. Jetzt, falls wir etwas Lustiges ein, ja, auch nicht in der Vorbesprechung, aber fragt die hunderten Grasanbauern in ihren Wohnungen, ja, wie gut man eigentlich in einem ganzen normalen Wohnareal sich selber versorgen kann.

[21:34] In dem Fall halt mit Dingen, die nicht unbedingt erlaubt sind. Aber das Ganze ist ja auch auf Lebensmittel eigentlich umlegbar. Eigentlich könnte ja der Grasbauer in seinem Abstellraum dort auch Basilikum machen. Ganz genau, ja. Also eben einer unserer Partner oder der engste und längste, das ist der David Schmidmeier von Better Plants, der eben auch im Auftrag eben für Cannabis-Produzenten die Forschung vorantreibt, die Firma eben in Bludenz. Und da tut sich jetzt gerade eben sehr viel. Ich bin da nur ein bisschen in der Zwickmühle, weil eigentlich habe ich mein Leben verschwindet eben in der Entwicklung der Ernährung. Ja, aber es ist echt ein verlockendes Geschäftsmodell. Und jetzt dadurch, dass es Deutschland endlich einmal geschafft hat, eben Cannabis dem Rahmen zu geben, den er auch verdient, kann ich mir auch vorstellen, jetzt von österreichischer Perspektive, wenn das der große Bruder macht, dann wird das wahrscheinlich hier auch einmal passieren.

[22:34] Und jetzt für die Entwicklung von einem Geschäftsmodell in einem größeren Maßstab zu denken, bietet sich da schon das Potenzial der Querfinanzierung an, sage ich es mal so. Weil Tomaten um 3.000 Euro zu verkaufen im Kilo ist etwas schwierig. Obwohl ich kenne einen Kartoffelbauer in Dänemark, der verkauft seine Frühchen um 500 Euro das Kilo. Es ist immer die Frage, wer ist der Kunde, wer nimmt ihr das ab? Ja. Wir haben uns jetzt geistig doch sehr stark in Wien aufgehalten und haben Beispiele hier genannt, respektive in Österreich. Du bist ein Reisender in Sachen Vertical Farming und Ernährung. Welche Kommunen auf der Welt oder in Europa tun sich in der Forschung und im Experiment mit dem Vertical Farming im Augenblick hervor? Ich fange vielleicht gleich auf der anderen Seite an, weil eben für viele ist das jetzt wahrscheinlich immer noch, also wenn ich vom Vertical Farming rede, löst das einfach,

[23:37] das merke ich immer in den Gesprächen, sehr viele visionäre oder utopische Bilder aus. Es ist gängige Praxis und das ist auch eine exponentielle Wachstumskurve. Man muss sich einfach überlegen, was bedeutet das für uns? Und die, die einfach begonnen haben, die fahren einfach sehr gut damit. Das heißt, du findest sehr viele Beispiele in Japan, in Singapur, Ost- und Westküste in Amerika. Ich komme eben beispielsweise eben auch gerade von Jackson, Wyoming und Portland in Maine. Da gibt es eine Firma, die hat auch seit acht oder neun Jahren, Vertical Harvest, sollte sich auch jeder anschauen, weil die ja so eine schöne soziale Agenda dazu haben, was den Betrieb angeht. Das heißt, die arbeiten stark mit körperlichen und geistig beeinträchtigen Leuten, die einfach davor irgendwelche Tätigkeiten gehabt haben. Und ich war bei diesem Treffen dort dabei. Das ist so ein schönes, identitätsstiftendes Gebäude geworden.

[24:38] Das ist ein Public Space geworden eigentlich. Und die expandieren jetzt gerade ganz stark. Ich habe mir eben die Baustelle angeschaut. Haustechnik ist gerade eingebaut worden in Portland. Das heißt, das Gebäude ist ungefähr zehnmal so groß wie das ursprüngliche in Jackson, Wyoming. Und die nächste Adresse ist jetzt eben in Detroit. Also Augen aufmachen, weltweit tut sich da unglaublich viel. Vielleicht eines noch am Rande, weil ich immer für die Vorstellung, damit das leichter verdaulich ist, nochmal wiederholen möchte. Es geht hauptsächlich darum, was können wir indoor auf bereits versiegelten Flächen produzieren. Jeder kennt Italien. Italien hat eine Küstenlänge von 8400 Kilometer oder so. Italien produziert. Importiert mittlerweile 70 Prozent vom Fisch. Das heißt, alle Aquakulturen, Aquaponik-Geschichten, das ist der stärkste, am stärksten wachsende Wirtschaftszweig gerade in Italien. Na ja, ich weiß, also die, wie heißen diese gebackenen Gummiringerln? Kalamari Fritti, ja, die du in Kroatien liest,

[25:49] sind da meistens aus Norwegen. Ah ja, ja, irgendwo hat jeden etwas geprägt. Was ich gerne habe, ist die griechische Küche. Die Pinkenwischringerl, so auserbrochen. Wenn wir schon beim Essen sind, wie bio ist denn Vertical Farming oder wie bio kann es sein oder wie bio muss es sein? Da bin ich jetzt radikal, das interessiert mich überhaupt nicht. Du kannst bio produzieren. Das ist eine Frage des Substrats und der Definition und der Verordnungen. Prinzipiell geht das. Aber es ist wurscht. Du bist faktisch Pestizid, Herbizid, Fugizid frei. Also all die Geschichten, die im Mast eingesetzt werden, die du in der Biolandwirtschaft natürlich auch einsetzen darfst. Anders, ja. Brauchst nicht. Ja, vielleicht ist dann das Biozeichen der Zukunft das Zeichen, dass das, was du gerade genießt, nur einen Kilometer weit weg gedient ist. Könnte ja sein. Seidenkasse 37, dort gibt es das beste Basilikum.

[26:57] Why not? Ist ein Zukunftsbild. Nein, ich habe nichts dagegen. Aber ich entziehe mich da gerne. Also außer, ich bin mit Alfred Krant bei einer Podiumsdiskussion, da mache ich das sehr gerne. Aber im Grundverständnis bringt die Diskussion einfach nichts, weil die meistens eigentlich ja so ein Derivate ist. In dem Moment, wenn du dich beginnst, mit diesem System auseinanderzusetzen und versuchst, die Komplexität zu verstehen, dann wächst in ihrer Sehnsucht wieder, also das merkt man eben nicht nur in anderen politischen Diskussionen, sondern auch in der Lebensmittelindustrie. Du kriegst da so einen Romantizismus, so eine Sehnsucht nach der guten alten Zeit, nach einer einfachen Zeit, die nie besser war. Das muss man auch sagen. Und jetzt zurück zur Natur. Es gibt unglaublich viele Konzepte, die alle wichtig sind. Also die Agroforstwirtschaft oder die Permakultur oder Biolandwirtschaft, das sind alles Dinge. Und nochmal fürs Grundverständnis,

[28:00] Vertical Farming ist kein Substitut für die konventionelle Landwirtschaft. Das ist vollkommen absurd anzunehmen. Aber wir brauchen ein zusätzliches Standbein. Das ist unumstößlich. Du hast vorher den Lebensmittelhandel angeschnitten. Der hat natürlich auch immer etwas mit Preisen zu tun. Billiger, billiger, billiger, whatever. Das heißt, jeder, der das hört oder sieht, wird sich fragen, was könnten das kosten? Und ich schließe dem eine Frage an. Tut das Vertical Farming nicht auch ein bisschen das Einkaufsverhalten revolutionieren? Weil es könnte ja sein, dass ich dann wie zum Abhofbauern in die Seidenklasse 47 gehe, wo es das gute Basilikum geht und das dort im Haustor bei jemandem, der das betreibt, kaufe. Also könnte das auch ein bisschen das Einkaufsverhalten beeinflussen? Ich erzähle eine Geschichte, die ist ewig her. Es gab eine Pandemie in Österreich. Covid. Und was ich weiß von unseren ursprünglichen Vereinsmitgliedern und unseren Partnern, die haben alle einen Umsatzzuwachs gehabt

[29:15] in der Zeit, wo wir alle so isoliert leben haben, weil sich so viele Leute plötzlich die Frage gestellt haben, obwohl die Regale voll waren im Supermarkt, wo kommt denn eigentlich das ganze Zeug her? Und das war auf psychologischer Ebene so entlastend, oder so befriedigend, dass die einfach wussten, wir haben vor der Haustür einen Blumen, wo wir einen Fisch und Paprika herkriegen. Das macht was. Das sind wirklich Dinge, die das urbane System verkomplizieren, aber dadurch, dass ich weiß, ich produziere vor Ort, ist das natürlich unglaublich entspannend. Vor vielen Jahren habe ich mal immer wieder, also wo ich begangen habe, mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, habe ich immer, zumindest von politischer Seite, eben auch von grüner Seite, immer mitgekriegt, ja, das finde ich eine super Idee, was du da im Kopf hast, ja, aber das brauchen wir nicht, weil wir haben das Marschfeld vor uns.

[30:09] Und da war ich aber schon ziemlich tief drin, in meinen Analysen, dass ich dann irgendwann, das kann man im Internet beziehen, kann man sie downloaden, ein kurzes Paper darüber geschrieben, über das Mythos Marschfeld. Wir müssen uns schon bewusst machen, dass wir sehr viel Fläche pro Kopf brauchen, um uns ein Jahr lang mit Lebensmitteln zu versorgen. Und das Marschfeld reicht für den sechsten Wiener Gemeindepezirk. Sorry, da fährt die Eisenbahn drüber, ja. Ich habe sogar mal eine Aufforderung gekriegt von der Landwirtschaftskammer, diese Zahl zurückzunehmen, weil sie einfach falsch ist und nicht stimmt. Aber sie sagen, ich habe ihnen dann mein Rechenmodell geschickt und dann doch eine Ruhe. Okay. Weil du gerade die Landwirtschaftskammer erwähnt hast, ja, und jedes Mal, wenn ich solche Visionen oder Realitäten mit einer großen Zukunftschance höre, dann denke ich nach, was erzeugt denn das soziologisch? Wie wird rund um eine Farm gelebt?

[31:12] Wer wird sie betreiben? Aber könnte es nicht sein, weil wir alle, sage ich mal, aus Romantizismus oder aus Bewunderung, lieben ja auch die Arbeit, die sich die Bauern antun, könnte es auch sein, dass dann Bauern in die Stadt ziehen und uns zeigen, wie man das tut und macht oder vielleicht, also uns nicht zeigen müssen, sagen, das ist jetzt eine neue Form der Landwirtschaft, da möchte ich einsteigen. Es gibt ja die modernen Landwirte, so eine Zahl in Österreich, so eine Einserfrage. Und wie könnte dann eben, wie schauen dann überhaupt die Berufe rund ums Vertical Farming aus? Wer tut es? Das ist eine unglaublich gute Frage und da muss ich gleich Gegenfrage stellen, wie viel Zeit haben wir? Aber das ist… Wir sind jetzt 30 Minuten unterwegs und ich glaube, jetzt wären wir es richtig gut. Genau. Es ist ein unglaublich… Also,

[32:12] es gibt drei Antworten oder drei Sichtweisen, die ich dazu habe. Das eine ist auf jeden Fall für… ist die entspannende Geschichte. Ich möchte das nochmal wiederholen und vielleicht klarstellen. Vertical Farming oder Urban Farming ist kein Substitut für das landwirtschaftliche System, das wir haben. Das landwirtschaftliche System hat ganz einfach, ganz andere Herausforderungen. Wir kennen das Bauernsterben, die Bauernhöfe werden immer größer, etc., etc. Auflagen, Diskussionen, was auch immer. Aber es ist die eine Sache. Das heißt, das würde ich gerne in der Schublade lassen. Die zweite Geschichte ist, und das weiß ich auch, über die Firma Andersfahren. Es gibt immer mehr Bauern, die einfach sagen, okay, mit dieser Indroproduktion kann ich natürlich mein Geschäftsmodellieren wie erweitern. Ich kann über das ganze Jahr produzieren. Das darf man nicht vergessen. Das ist eines der wesentlichen Unterschiede in dem Moment, wenn ich in der Stadt produziere,

[33:07] muss ich mir was überlegen, wie ich 365 Tage produziere. Das kann es in der Konventionellen eigentlich nicht. Du bist zationalabhängig, da gibt es Stichwort Temperatur und solare Strahlung. Das heißt, ich weiß, dass diese Firma Bauern eben unterstützt und baut eben in unterschiedlichen Größen einfach Aquaponik-Anlagen auf. Und die dritte Frage ist etwas, wo wir einfach mit den Partnern, die sind in Brüssel, das ist die Farmtech Society, eben auch auf EU-Ebene darüber diskutieren, wie wir diese gewissen Dinge beschleunigen, weil es auch neue Berufsbilder und Berufsbezeichnungen eben braucht dafür. Jetzt, die, die jetzt Farmen betreiben, das sind alles, ich nenne sie immer Rockstars, weil die einfach an die Sache glauben. Die kommen aus unterschiedlichen, sagen wir mal, Expertisen her, wirfen sich zusammen, machen Learning by Doing und geben Gas. Und damit meine ich auch die großen Plant Factories. Teilweise hast du in den Gründern

[34:10] siehst einen IT-Spezialisten, was da ein Business Guide, der ein CEO macht, aber du hast keinen Bauern oder Pflanzenphysiologen oder was auch immer, die werden dann zugekauft. Da tut sich sehr viel. Und vielleicht auf Vertical Harvest noch zurückzukommen, eben, und da muss man sich freimachen im Kopf. Es gibt tausend Antworten auf diese Geschichten, aber die Integration von Personen in der Stadt, eben beispielsweise in dem Fall mit geistigen und körperlich beeinträchtigten Leuten, erzeugen wieder ein vollkommen neues Betreibermodell und du hast einfach diese, ich nenne sie immer, fällt wieder in die Kategorie der Positive Externalities, schaffst eine Bindung, eine Verbindung mit der Stadt hin. Nochmal, und wenn du jetzt in Jackson oder in Wyoming oder in Amerika in den USA abwirst, wenn ich da sage, ein Gebäude wird so einen öffentlichen Raum, dann hat das eine ganz andere Dimension als bei uns. Wir sind das relativ,

[35:09] obwohl es ein starkes Sterben von den öffentlichen Räumen oder Schrumpfen gibt, aber wir wissen, ob es ein öffentlicher Raum ist. Also da tun sich sehr viele Möglichkeiten auf, long story short, aber es wird neue Urban Farmers brauchen und geben und die werden definiert werden. Ja, höchstens. Dann komme ich jetzt am Schluss auf dich zurück. Ich bin jetzt gerade sehr beseelt von dem, was du gesagt hast, weil das wirklich eine gesellschaftliche Dimensionen aufmacht, die alle eines hinter dem Doppelpunkt haben, eigentlich ein schöneres Stadtleben in der Zukunft, als es jetzt ist. Und gibt es da eine Idee, ein Projekt, wo du jetzt den Seherinnen, Seherinnen, Hörern, Hörerinnen sagen möchtest, geht bitte auf die Homepage vom Vertical Farm Institute, das du mit deinen Mitstreitern und Mitstreiterinnen betreibst und schaut euch das an. Welches wäre das? Eines darfst du nur nennen. Ich werde dich

[36:27] jetzt nicht glücklich machen mit meiner Antwort. Geht ins Internet und sucht ein paar Bilder, die meisten, glaube ich, sind eh von uns, hochgeladen und schaut euch den Ruthner-Turm an, der vor einem halben Jahrhundert gebaut wurde. Warum sage ich das jetzt? Die Herausforderungen, die der Herr Ruthner thematisiert hat und untersucht hat bzw. vorgeschlagen hat, die Stadt als Metabolismus, das ist vor einem halben Jahrhundert gewesen. Wenn wir gewisse Dinge in die Stadtplanung, in politische Entscheidungsfindungen mit integriert hätten, wären wir heute in einer ganz anderen Situation mit viel weniger Stress. Man darf das ja nicht vergessen, es kommen so viele Leute, die jetzt auf der Uni sind bzw. jetzt arbeiten und ihr Leben umstellen, damit wir aus den Städten, die wir jetzt nun mal haben, resiliente Städte machen, weil wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Und Klimawandel ist nur ein Teil davon.

[37:25] Wenn wir diese Dinge berücksichtigt hätten und wenn man sich das vor das geistige Auge ruft, dann glaube ich, tun wir uns erleichtern, die nötige Energie und die nötige Courage zu finden, um jetzt wirklich Entscheidungen zu treffen, die uns in die richtige Richtung bringen. Und die andere Geschichte sind einfach Referenzprojekte und da fällt mir jetzt schon Vertical Harvest ein, einfach damit man auch sieht, es gibt die Buden eh schon, das ist weltweit da, wir sind zögerlich, wir haben Angst, was auch immer, oder wir sind überreguliert, oder was auch immer. Es gibt so viele einfache Gründe einfach zu sagen, warum wir sagen, nein, passt eh so. Ich muss jetzt den Dorf zitieren, das ist nicht so, das war nie so, da könnte jeder kommen. Davon müssen wir weg. Das war jetzt ein ziemlich lässiger Schluss. Ich lege dir die Rutsche für eine Werbung,

[38:16] für das Wörter- und Farm-Institut und du empfiehlst Internet, Ottmar Ruttner und andere Firmen. In diesem Sinn, glaub, du bist am richtigen Platz gesessen, weil da sitzen die Forerunner, Menschen, die neue Wege gehen. Lieber Daniel, liebe Hörerinnen und Hörer, das war ein echt starker Video-Podcast. Ich danke dir. Vielen Dank nochmal. Cool. Cool. Ja, ich bin…

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