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Der Regenbogen ist nur die Spitze: Woran Unternehmen glaubwürdige Vielfalt messen müssen

Eine Pride-Kampagne kann Aufmerksamkeit schaffen. Glaubwürdig wird sie aber erst, wenn queere Mitarbeitende im Unternehmen das ganze Jahr über Sicherheit, Mitsprache und Respekt erleben. Julian Wiehl erklärt, warum interne Praxis vor öffentlicher Inszenierung kommt – und weshalb Werte gerade dann zählen, wenn sie nicht bequem sind.

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Podcast21.05.2024

Im Pride Month werden Produkte bunt, Logos tragen Regenbogenfarben und Unternehmen zeigen Haltung. Für Julian Wiehl ist solche Sichtbarkeit nicht grundsätzlich oberflächlich. Sie kann ein öffentliches Zeichen setzen und an die politischen Wurzeln von Pride erinnern. Problematisch wird sie dort, wo die Kommunikation größer ist als das, was innerhalb des Unternehmens tatsächlich passiert.

Wiehl, Herausgeber des Lifestyle-Magazins Vangardist und Gründer der auf queere Communities spezialisierten Vangardist Agency, beschreibt die Außenkommunikation deshalb als Spitze eines Eisbergs. Unter der sichtbaren Kampagne müssten Schulungen, interne Netzwerke und eine Kultur liegen, in der Menschen sich organisieren und als sie selbst arbeiten können. Im Forerunners-Podcast spricht er darüber, wie dieser Anspruch praktisch wird – und warum ein Unternehmen seine Haltung nicht allein am wirtschaftlichen Nutzen ausrichten darf.

Pride ist Sichtbarkeit und weiterhin eine Demonstration

Der festliche Charakter von Pride kann leicht verdecken, woher die Bewegung kommt. Wiehl betont, dass es weiterhin um Rechte, Gleichberechtigung, Toleranz und Inklusion geht. Unternehmen können Teil dieser Öffentlichkeit sein. Ihre Beteiligung ersetzt aber weder die politische Bedeutung noch die Erfahrungen jener Menschen, um die es geht.

Schon der Begriff „Community“ kann einen falschen Abstand erzeugen. Queere Menschen sind, wie Wiehl sagt, keine abgeschlossene Gruppe neben der Gesellschaft. Es sind Kinder, Eltern, Verwandte, Kolleginnen, Kollegen und Führungskräfte. Manche leben offen, andere haben sich in ihrem Umfeld nie sicher genug gefühlt, ihre Identität zu zeigen. Vielfalt ist daher kein Thema, das ein Unternehmen von außen hereinholt. Sie ist längst im Betrieb vorhanden – sichtbar oder unsichtbar.

Diese Perspektive verändert die zentrale Frage. Es geht nicht darum, ob eine Marke im Juni genügend Farbe zeigt. Entscheidend ist, ob Menschen im Arbeitsalltag ohne Angst vor Abwertung oder Nachteilen sein können, wer sie sind. Eine Kampagne kann diese Haltung nach außen tragen. Sie kann sie aber nicht herstellen.

Die interne Praxis muss größer sein als die Kampagne

Wiehl beobachtet, dass viele große Unternehmen diesen Zusammenhang inzwischen verstanden haben. Er nennt Schulungsprogramme für Mitarbeitende und interne Regenbogengruppen als Beispiele. Solche Gruppen ermöglichen queeren Beschäftigten, sich innerhalb des Unternehmens zu organisieren.

Sein Eisberg-Bild setzt eine klare Reihenfolge: Was nach außen sichtbar wird, darf nur der kleinere Teil sein. Schulungen und interne Gruppen müssen bereits im Unternehmen verankert sein, bevor eine Pride-Kampagne glaubwürdig zeigen kann, was innen gelebt wird.

Besonders aufschlussreich ist, wie ein Unternehmen unter Druck handelt. Wiehl verweist auf Betriebe, deren öffentlich sichtbare Diversitätsprogramme in Ländern mit restriktiver Politik eingeschränkt werden. Gerade solche Situationen legen offen, ob Vielfalt als saisonales Kommunikationsmotiv oder als Wert verstanden wird. Werte sind nicht nur Aussagen für jene Märkte, in denen Zustimmung sicher ist. Sie geben Orientierung, wenn Haltung unbequem wird.

Respekt beginnt nicht mit perfektem Vokabular

Viele Menschen schweigen aus Sorge, einen falschen Begriff zu verwenden. Wiehl hält diese Angst für wenig hilfreich, weil Unsicherheit neue Distanz und Konflikte erzeugen kann. Sein praktischer Maßstab ist Wohlwollen: Eine ehrlich gemeinte Frage darf auch einmal ungeschickt sein. Wer unsicher ist, kann nachfragen, statt über eine Person hinweg zu entscheiden.

Das ist kein Freibrief für verletzende Sprache. Begriffe, die innerhalb einer Gruppe vertraut oder scherzhaft verwendet werden, können von außen klar abwertend wirken. Zugleich beschreibt Wiehl Wörter wie schwul, lesbisch, homosexuell, queer und gay als grundsätzlich verwendbar. Ausschlaggebend sind Kontext, Ton und Respekt.

Bei Pronomen wird die persönliche Ansprache besonders konkret. Manche Menschen möchten nicht in die Kategorien Mann oder Frau eingeordnet werden und verwenden im Englischen etwa „they/them“. Im Deutschen fehlt dafür eine ebenso etablierte Lösung. Wiehl nennt die Ansprache mit dem Vornamen oder dem direkten „du“ als mögliche Wege. Für Unternehmen folgt daraus keine komplizierte Sprachprüfung, sondern eine einfache Praxis: nach der gewünschten Ansprache fragen, die Antwort respektieren und sie im Arbeitsalltag konsequent verwenden.

Authentische Vielfalt zeigt sich damit oft unspektakulär. Wiehl rät dazu, Unsicherheit nicht in Schweigen zu verwandeln, sondern wohlwollend nachzufragen. Bei der Ansprache können der Vorname oder das direkte „du“ eine Lösung sein. Ein Unternehmen, das solche Rückfragen ermöglicht und die Antwort respektiert, schafft mehr als ein perfekt gestaltetes Motiv.

Werte dürfen nicht nur gelten, wenn sie Umsatz bringen

Im Gespräch wird auch der wirtschaftliche Nutzen von Diversität angesprochen. Wiehl widerspricht einer rein finanziellen Begründung. Wenn ein Unternehmen etwas nur tut, weil es Geld bringt, könnte es dieselbe Haltung aufgeben, sobald eine gegenteilige Entscheidung profitabler erscheint. Geld darf daher nicht die Richtschnur dafür sein, welche menschlichen Werte gelten.

Gleichzeitig sieht Wiehl wirtschaftliche Folgen einer glaubwürdigen Haltung. Er verweist auf eine von seiner Agentur ausgewertete Arbeit zur jungen Generation und beschreibt diese als stark werteorientiert. Unternehmen, die diese Erwartungen nicht erfüllen, dürften es seiner Einschätzung nach schwerer haben, Kundschaft und Mitarbeitende zu gewinnen. Der geschäftliche Vorteil kann also eine Folge glaubwürdiger Werte sein. Er ist aber nicht deren moralische Begründung.

Diese Reihenfolge ist entscheidend. Wer zuerst fragt, welche Regenbogenaktion Reichweite bringt, landet schnell bei einer austauschbaren Oberfläche. Wer zuerst prüft, welchen Schutz, welche Beteiligung und welche Freiheit Beschäftigte brauchen, kann daraus eine Kommunikation entwickeln, die nicht vorgibt, mehr zu sein als die Organisation selbst.

Sichtbarkeit braucht Substanz – und Substanz darf sichtbar werden

Wiehls Position ist keine Absage an kreative Pride-Kommunikation. Er hat selbst Kampagnen und Magazinprojekte umgesetzt, die schwierige Themen öffentlich verhandelbar machen sollten. Gute Gestaltung kann Aufmerksamkeit bündeln und Menschen erreichen, die sich sonst nicht mit Diskriminierung oder queerer Geschichte beschäftigen würden. Die Alternative zu oberflächlicher Kommunikation ist daher nicht Stille, sondern eine belastbare Verbindung zwischen Aussage und Praxis.

Dafür können Unternehmen mit einer nüchternen Bestandsaufnahme beginnen. Gibt es Schulungsprogramme? Können sich Mitarbeitende in Regenbogengruppen organisieren? Wird nach der gewünschten Ansprache gefragt? Und bleibt die Haltung bestehen, wenn Gegenwind kommt? Erst danach stellt sich die Frage nach Farbe, Motiv und Kampagnenidee.

Am Ende weist Wiehl die Vorstellung zurück, queere Identitäten seien bloß ein Trend. Menschen setzen sich nicht mit der eigenen Identität auseinander und riskieren Ausgrenzung, um einer Mode zu folgen. Sichtbarer geworden ist vielmehr, dass mehr Menschen den Raum beanspruchen, ehrlich zu leben.

Für Unternehmen folgt daraus eine klare Aufgabe. Sie müssen nicht stellvertretend definieren, wer zur Community gehört oder wie jemand zu leben hat. Sie müssen Bedingungen schaffen, in denen Beschäftigte sich nicht verstecken müssen. Der Regenbogen im Juni kann dafür ein sichtbares Versprechen sein. Ob es glaubwürdig ist, entscheidet sich an den übrigen elf Monaten.


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[00:00] Hallo und gratuliere dir. Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf Forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Herzlich Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer des Forerunners Network. Heute, kurz vor dem Pride Month, eine Introduction in das LGBTQI+. Das mache ich auch, um selber zu lernen, muss ich ehrlich gesagt sagen. Was Companies über die Queer Diversity wissen sollten. Ja, jede bessere Firma feiert den Pride Month mit mehr oder weniger oberflächlichen oder vielleicht tiefer gehenden Aktionen. Man färbelt sein Produkt in Regenbogenfarben ein. Aber ist das tatsächlich genug? Ist das wirklich die prinzipielle Einstellung einer Firma zu liberalen Werten? Und vieles von dem, was passiert, ist das überhaupt im Sinne der Queer and Community?

[01:35] Inwieweit wissen Companies und Institutionen, die die bunte Fahne wehen lassen, worum es wirklich im Detail geht? Wir machen in dem Podcast für Sie da draußen eine Türe auf. Mit einem Mann, der das Ganze wirklich schon seit vielen, vielen Jahren kennt. Wahrscheinlich kennen Sie ihn zum guten Teil. Bei mir sitzt Julian Wiel. Er ist der Herausgeber des Lifestyle Magazins Vanguardist und Agenturchef der Vanguardist Agency, die sich eben auf queere Communities spezialisiert hat. Ja, wie gesagt, Julian, die erste Frage hasst jeder bei mir. Erkläre, wie du von der Wiege bis hierher in unsere Studios von 4Runners Network gekommen bist. Ja, herzlichen Dank für die tolle Einladung. Man sieht, der Pride Monat hat doch einen Sinn. Man wird dann doch was Mikrofon geholt. Wäre das ganze Jahr Pride, würde das wahrscheinlich nicht so regelmäßig passieren. Ja, meine Geschichte in a nutshell. Ich komme aus Vorarlberg, bin in Hörbrandsgeburten am Caf, zu einer Zeit, wo es noch kein Internet gab.

[02:43] Da gab es auch keine LGBTQI-Plus-Bewegung. Da gab es auch keine Dating-Plattformen oder andere Plattformen, wo ich austauschen konnte. Also eine ganz andere Welt eigentlich, wie man sie heute kennt. Kurz schulische Laufbahn natürlich mit einer Matura in einer Handelsakademie mit Fokus Kultur, Management Schwerpunkt. Auch damals ein Novum für die Handelsakademie. Dann Filmakademie. Also da war das Interesse für Medien immer schon stark da, für Kommunikation und komplexe Zusammenhänge einfach zu kommunizieren. Und dann hat sich im Rahmen des Studiums ergeben, ich möchte mich aber lieber an die Front begeben zum Publishing, wo man wirklich jeden Tag Nachrichten raushaut. Und haben ein Magazin gegründet und zwar mit dem Anspruch eben hier eine anspruchsvolle Plattform zu bieten für die LGBTQI-Plus-Community. Mit Anspruch von Informationen, mit hochwertiger Fotografie und haben das dann in diesem Wengitis-Magazin verwirklicht. Wie schaut dein Pride Month aus? Für dich ist ja eigentlich das ganze Jahr ein Pride Year.

[03:45] Ist dieser Monat für dich anders? Ich nehme an mehr Stress, weil viel mehr Kundinnen von dir in die richtigen Regenbogenfarben gesetzt werden wollen. Ja, irgendwie das Wort Gay schon sagt, das kommt ja vom Englischen vom Fröhlichsein. Das heißt, die Gay-Community feiert das ganze Jahr irgendwo auf dem Planeten. Aber natürlich öffentlich tut sie das im Pride Month, wo zum Glück jetzt auch sehr viele Unternehmen sich beteiligen. Und dieses Jahr hat ja die Wiener Werner Pride das Motto Pride is a Demonstration, was auch zeigt, okay, wir vergessen nicht unsere Wurzeln. Es geht ja immer noch um eine Demonstration, um Rechte, um Gleichberechtigung und Toleranz und Inklusion. Und die Themen haben sich eher verbreitet. Es gibt noch viel zu tun. Wir haben eben nicht nur vier Buchstaben wie früher LGBT, jetzt gibt es auch QEI+. Wir reden heute noch spät über Non-Wäre-Themen, Trans-Personen.

[04:36] Es gibt noch sehr viel Arbeit und dementsprechend haben auch wir sehr viel Arbeit im Pride Monat, weil wir auch sehr viele Unternehmen betreuen, diesen Auftritt zu diesem besonderen Zeitpunkt so ehrlich wie möglich zu machen. Du weißt natürlich, von welchen Zahlen du sprichst. Vielleicht Vorgeschichte, wie haben wir beide uns kennengelernt? Du hast bravoureus eine Mobility-Veranstaltung moderiert, aber unter anderem auch das Thema Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen. Und das sind erstaunlich große Zahlen, nämlich 1,3, 1,4 Millionen in Österreich. Vielleicht du hast das moderiert, du weißt das genauer als ich. Aber fassen wir einmal die LGBTQI-Plus-Bewegung in Zahlen zusammen, sofern du damit aufwarten kannst. Von wie vielen Menschen, Personen sprechen wir da? Ja, also das ist natürlich immer eine Frage auch des Umfelds, ob sich Menschen wirklich outen, ob sie sich zu sich bekennen. Vielleicht muss man davor noch etwas sagen, dass die Zahlen, also die hängen immer von der Gesetzgebung ab.

[05:43] Und wir sehen in Deutschland wurde das letzte homofeindliche Gesetz 1994 abgeschafft. Das heißt, die Menschen, die überhaupt mal in einem Umfeld aufwachsen können, wo sie das ohne Angst und Repressalien tun können, die Generation kommt jetzt überhaupt mal in ein Alter, wo sie mitbestimmen darf, wo sie wählen darf, wo sie sich überhaupt zeigen kann. Oder wo sie selbst bestimmen kann, wie sie leben möchte. Das heißt, die Zahlen nehmen wirklich zu. Wir haben vor 30 Jahren, sprach man von 4 Prozent Gay- und Lesbian-People. Dann hat die Uni irgendwann gesagt 10 Prozent. Und es gibt neueste Zahlen aus einer Gallup-Umfrage aus den USA, bei wirklich 13.000 Personen, wo es heißt, 21 Prozent der Gen Z, also die Generation, die jetzt kommt, 21 Prozent sehen sich als queer. Was immer das dann bedeutet. Das muss noch nicht lesbisch oder schwul bedeuten. Aber es heißt, man hat nicht mehr dieses klassisches, stereotypische oder auch CIS-Bild von sich selbst,

[06:37] sondern gibt sich mehr Freiheit im Ausleben seiner Identität. Es ist still a demonstration. Man kämpft immer noch um Gleichberechtigung. Und das nächste Thema ist so zwischen Hype und Diskriminierung. Man zelebriert, man ist game, man ist fröhlich, man zeigt das unheimlich kreativ nach außen. Die Companies überbieten sich auch in schönen Ideen. Das heißt, die Community, von der wir sprechen, ist sehr einflussreich, was ihre Stilgebung betrifft. Behaupte ich jetzt einmal. Und ist man jetzt, abgesehen von bierseligen Fußballplatzgesängen, die es geben wird, solange eben diese Menschen da keines Besseren belehrt werden, ist man in der Mitte der Gesellschaft angekommen oder braucht man still a demonstration, um kein Außenseiter oder Außenseiterin mehr zu sein? Ja, also prinzipiell gilt zu sagen, wenn man sagt Community, glaubt man oft, es gibt eine eigene Gruppe von Menschen. Das ist ja nicht so. Das sind ja die Kinder von irgendwelchen Eltern.

[07:51] Das können auch Onkel sein, Datten sein, die sich nie getraut haben, sich zu outen. Also es ist nicht eine Gruppe innerhalb der Gesellschaft, sondern es ist die Gesellschaft. Es ist ein Teil der Gesellschaft und sie muss es sich selbst erlauben, so zu sein, wie sie will. Ob Mann oder Frau oder Hetero oder Schwul, Lesbisch, Trans und so weiter. Und da gibt es Gesellschaften wie hier in unseren westlichen Demokratien, die das sehr stark erlauben, wo wir es geschafft haben, mit Demonstration Rechte zu erkämpfen. Aber wenn man sich den Demokratiereport ansieht, haben wir jetzt wieder weniger Demokratien als vor ein paar Jahren. Und in Autokratien ist das immer die erste Gesellschaftsgruppe, die leidet, die LGBT-Community. Und deswegen gibt es auch sehr viel zu tun. Wir sehen auch jetzt, es kommt sehr viel Gelder aus Russland und aus konservativen Thinktanks auf den USA,

[08:39] die in Europa Einfluss nehmen wollen. Hier reden wir von Hunderten von Millionen Euro, die da wirklich investieren. Dass eben die Gesellschaft wieder sich mehr spaltet. In ein schwarz-weiß. Reaktionärer wird. Reaktionärer wird, genau. Wahnsinn. Also das sind Zahlen, die erschreckend sind und die natürlich auch etwas bewirken. Das heißt aber auf der anderen Seite auch, wenn Gelder nach Europa kommen, um eben die Liberalität hier zu bekämpfen, dass Europa sehr, sehr weit fortgeschritten ist als wahrscheinlich liberalster Kontinent der Welt? Fragezeichen in Sachen. Ich sage jetzt einmal Gay-Community, damit ich mich nicht verwurschtle immer mit den Buchstaben. Ja, das muss ich mir genauer anschauen. Australien ist auch sehr weit vorne. Geht auch als eigener Kontinent. Lateinamerika ist sehr weit vorne. Und ich glaube, ohne die USA und Kanada wäre Europa noch lange nicht so liberal, wie es heute ist. Also ich glaube, die Amerikaner haben da uns eine Führungsrolle hier übernommen vor 40 Jahren.

[09:46] Europa ist gefolgt. Also ich würde mich jetzt nicht trauen, uns auf die Schulter zu klopfen. Wir haben noch sehr viel zu tun hier und viele Länder haben auch wieder Rückschritte. Man muss nur über die Grenze schon nach Ungarn, wo es Gesetze gibt, die das wieder auch verbieten. Und da merkt man ganz klar, dass die Unternehmen, die in diesen Ländern aktiv sind, die vielleicht Regenbogengruppen haben, also Gruppen, die innerhalb des Unternehmens, die LGBT, QI+, und Frauen und Menschen mit Disabilities fördern, die dann sofort wieder diese Programme einstellen müssen, zumindest alles, was public ist, weil diese Staaten das verbieten. Weil Orbán das verbietet zum Beispiel. Also das ist nicht vorbei und Europa ist nicht nur Österreich, Deutschland, Schweiz und Frankreich. Bleiben wir noch ein bisschen auf der dunklen Seite, bevor wir es ein bisschen freundlicher und farbenfroher machen. Umgekehrte Frage, weil du hast vorher so schön gesagt, das ist jetzt kein Teil der Gesellschaft,

[10:41] das ist die Gesellschaft mit allen ihren Höhen und Tiefen, mit allen, sagen wir einfach, mit allen menschlichen Schwächen, die jeder von uns hat. Manchmal sind wir stark, manchmal sind wir schwach, manchmal sind wir heilig, manchmal sind wir Punkt, Punkt, Punkt, Löcher. Es ist leider so. Aber für mich eine Frage, gibt es unter Schwulen auch Heterofeindlichkeit und Entgleisungen, so wie wir es jetzt einmal bei einer besoffenen Geschichte bei einem Fußballverein erlebt haben? Also Pauschalisieren ist immer schwierig. Ja. Aber ich glaube, der größte Erfolg der Gay-Community und der Gay-Bewegung ist, dass die Proteste immer friedlich waren. Wenn man sich eine Gay-Parade anschaut mit bis zu 300.000 Menschen und es gibt keine Übergriffe auf Andersdenkende von Seiten der Gay-Community, dann kann man sagen, ja, sie ist sicher friedlicher als der Durchschnitt. Auf jeder anderen Demonstration gibt es irgendwelche Ausschreitungen am Rande. Ich glaube, bei jedem Fußballspiel, bei jedem Derby braucht man gar nicht reden.

[11:43] Also anscheinend gibt es da schon einen friedlicheren Zugang, vielleicht eben, weil sie gerade sich selbst ausleben können und dadurch eben nicht diese Aggression und diesen angestauten Druck haben. Aber es kann natürlich immer was passieren. Wir reden immer noch von Menschen. Wir reden nicht von einem Regenbogenroboter. Gehen wir vielleicht ein bisschen zurück zu den Firmenchefs und Chefinnen, zu den HR-Abteilungen, denen jetzt der Kopf raucht, die vielleicht auch vieles abgesegnet haben, ohne da so in Dieb gegangen zu sein. Nämlich einfach, weil ein erfahrener Agentur-Mensch wie du ihnen gesagt hast, so, das ist der richtige Weg dafür. Mach das jetzt so. Gehen wir in so einen kleinen Sprachguide. Weil viele haben ja jetzt, auch ich, ich zähle mich genauso dazu, ein bisschen Angst, wenn wir über diese Thematiken sprechen, dass sie das falsche Wort wählen, dass sie nicht woke enough sind. Vielleicht so ein kleiner Sprachguide.

[12:49] Welche Begriffe sind beleidigend für jemanden aus der LGBTQI-Plus-Community und welche sollte man verwenden, um zu sagen, du bist wie ich, ich bin wie du, wir sind alle Menschen. Ja, auch hier sehe ich so, mich hat auch nie was verletzt, weil ich im Reinen bin mit mir. Das heißt, wenn einer, ich bin auch gegen diese Ängste, weil das schürt nur wieder Unsicherheiten und die kommen wieder zu Konflikten. Du siehst mich zittern. Also mir ist lieber einfach raus mit dem, was man im Kopf hat. Und man kann ja mit einem Fragezeichen am Ende immer noch das gegenüber fragen. Wohlwollen ist, glaube ich, immer das Allerwichtigste. Wenn jemand eine wohlwollende Frage stellt oder wohlgemeinte Fragen sind, auch wenn sie vielleicht mal daneben liegen. Wohlgemeint. Wohlgemeint, ja. Man kennt es auch vielleicht aus der Black-Community. Es gibt gewisse Worte, die darf die Black-Community verwenden,

[13:48] die darf ein Weißer Verletz nicht verwenden. So ist es vielleicht in der Gay-Community auch. Gewisse Begriffe sind schon noch der Gay-Community vorbehalten, wie Schwuchtel oder so. Das ist schon noch ein Schimpfwort. Aber das kann auch sehr liebevoll innerhalb der Gay-Community als liebevolles Nickname verwendet werden, wo man schon beide wissen, okay, das ist lustig gemeint. Aber wenn natürlich ein Hetero… Das ist lieb ausgesprochen. Ja, ja, genau. Nicht böse. Genau. Aber wenn ich auf der Straße als Hetero-Mann sage, hey, du Schwuchtel, dann ist das selten nicht gemeint. Oder kommt das auch nicht gut an. Okay. Ja. Aber das war schwul, das war homosexuell, das war lesbisch, das war queer. Die Wörter sind alle safe, würde ich sagen. Gay? Gay, ja, auf jeden Fall. Ja, auf jeden Fall. Sicher. Okay. Gibt es noch mehr Wörter? Ich weiß gar nicht. Das ist ein sehr überschaubares Vokabular.

[14:42] Nein, das ist ein überschaubares Vokabular, wie du richtig sagst. Und ich nehme es einmal für mich und für euch alle da draußen mit, mit Wohlwollen, mit Respekt ausgesprochen, wenn ich mir unsicher bin, mit einem Fragezeichen dahinter gesetzt. In dem Fall, der Julian beißt mich nicht, sondern bestärkt mich nur. Also das könnte jetzt so ein Sukkus sein. Genau. Wo es ein bisschen ernster wird, sind die Pronomen. Das ist ja bei uns eher ein neueres Thema, wo es darum geht, okay, man möchte nicht mehr als Mann oder Frau angesprochen werden. Das geht dann ins Non-Binäre, weil jetzt die Menschen sagen, okay, sie wollen nicht mehr in das binäre System zwischen Mann und Frau. Sie wollen nicht mehr auf ihr biologisches Geschlecht reduziert werden und auf alle Stereotypen, die damit einhergehen. Das sieht man auch an den Signaturen von Unternehmens-E-Mails, wo am Ende steht she oder he oder they, them.

[15:50] Da haben wir im Deutschen ein bisschen das Thema, dass wir they, them nicht richtig übersetzen können ins Deutsche. Aber they, them ist so eine Art von Plural, um eben nicht das Geschlecht verwenden zu müssen. Und da legen schon Menschen, die sich dafür entscheiden, Wert drauf, weil sie sonst wirklich sich falsch in ihrer Person angesprochen fühlen. Wie müsste das dann im Deutschen lauten, so ein eher sie? Es wird dann mehr mit du oder mit dem Vorname geredet. Okay. Okay, kommen wir dann eh noch dazu beim Review des Song Contests. Ich habe vorher den Stil gemeint und ich schreibe eigentlich alle meine Fragen immer aus dem persönlichen Erleben heraus. Und ich hatte so meine ersten großen, ich war Künstlermanager, da war queer und gay völlig normal, so habe ich es mit 20 erlebt. Und dann habe ich einmal mit dem Gary Kessler,

[16:58] Andy Lackner, einen Liveball-Kick-Off in den Ringstraßen-Galerien gemacht. Da habe ich diese Freude, diese Inszenierungsfähigkeit wirklich bis zur Potenz erlebt. Also ich habe das Einkaufszentrum nicht wiedererkannt. Right at Fred hat gespielt. Das war eine schlimme, wüste, tolle Party, an die ich mich heute wirklich mit Liebe erinnere. Haben innerhalb der Community manche Gruppen mehr kreatives Potenzial oder erscheint es einfach so? Und du bist ja selber auch einer, der sehr viel in dem Vanguardist-Magazin mit Ästhetik arbeitet. Jetzt ganz einfach, haben eben diese LGBTQI-Plus-Gruppen mehr Kreativität oder befinden sich auffällig mehr kreative Menschen darunter? Also ich glaube, wenn jemand kreativ ist, man kann natürlich das nicht vergemeinern. Und man kann natürlich sagen, dass vielleicht LGBT-Menschen mehr Feingefühl haben, weil sie mehr hinschauen müssen, wer bin ich wirklich? Weil sie nicht wie auf der Autobahn sagen können, okay, ich bin ein Mann, und ein Mann tut das,

[18:11] ich bin eine Frau und ein Mann, und eine Frau tut das. Die müssen mehr in sich hineinhören. Sie entwickeln also eher ein Feingefühl. In welchem Bereich sie das aber anwenden, kann man auf keinen Fall verallgemeinern. Also ob die dann kreativ sind oder nicht, oder ob das tolle Wissenschaftlerinnen werden, das kann man auf keinen Fall so sagen. Und der Geri Kessler ist ja bisher noch ein Talent, der war ja Stylist, der hat ja mit den ganz Großen der Welt gearbeitet. Der hat noch einmal ein besonderes Talent innerhalb der kreativen Welt, oder Andi Lackner. Also die sind ja schon herausragende Persönlichkeiten, wenn es um Design geht, oder um Mode und Inszenierung. Also das von denen auf die andere runterzubrechen, das kann man auf keinen Fall sagen. Aber was sicher Sinn macht, ist zu überlegen, wenn man sein Inneres, sein Ohr auf sich selbst,

[18:57] auf seine innere Stimme richtet, und das auch fördert, als Eltern, wenn Kinder in sich hineinhören und spüren, und ihnen die Möglichkeit geben, sich auszudrücken, dann ist da sehr viel Potenzial da. Und da können diese Menschen, das können sehr kreative Menschen werden. Ja, dann stelle ich die Frage umgekehrt. War die Kunst, die Kultur, die Werbung, die ästhetische Kommunikation, einfach 30, 40, 100, 200, 500, 800 Jahre früher dran, was das gegenseitige Verständnis betrifft, weil ich eben den Eindruck habe, und weil man gerade in der Kunst, in der Kultur, die ersten Outings hatte? Also vielleicht kann man sagen, was zumindest für die Vergangenheit gilt, wenn jemand schwullesbisch ist, ist er sie nicht unbedingt kreativ, aber wenn jemand kreativ ist, ist er vielleicht im höheren Prozentsatz Verständige, Personen der LGBTQI plus Community. Ja, das schon. Aber woher das wirklich kommt, weiß man noch nicht.

[20:01] Es ist interessant, es gibt, wenn man den Bericht einmal veröffentlicht, im Magazin, über die Navajo-Indianer aus den USA, und da gab es anscheinend schon damals, Menschen, die zwischen den Geschlechtern sind. Die hatten sogar fünf Geschlechter, und das eine war dazwischen, und die waren auch schon dort Zeremonienmeister. Also die haben schon auch bei den indigenen Bevölkerungen diesen kreativen Part übernommen, von Zeremonien leiten und sich kreativ auszuleben. Also da ist anscheinend doch irgendwo ein Gen versteckt. Ich habe mir jetzt so beim Reden entschlossen, dass wir so vom Bunten ins Dunkel, vom Dunkeln ins Bunte gehen. Jetzt waren wir bunt, jetzt waren wir in der Kreation daheim, und jetzt gehe ich ein bisschen ins Düstere, ins ganz Düstere. Wir sind das letzte Mal da zusammengesessen, bei mir im Büro, und haben gemeinsam den Vanguardist gelesen. Du hast mir ganz, ganz tolle Fotos gezeigt,

[21:01] viel mit KI und so, aber eben auch einen Bericht, über mehrere Seiten geht, nämlich das Mauthausengedenken. Sprich, sprechen wir einfach über diesen Artikel, es gehört gesagt. Ja, also das war eigentlich eine Sonderausgabe mit dem Titel The Pink Triangle Issue, also die Ausgabe zum rosaroten Winkel, wobei im Englischen das Wort Issue ja nicht nur Ausgabe bedeutet, sondern auch Problem oder Thema. Und anlässlich des 57 Jahren Gedenkens haben wir 75 Menschen mitgenommen nach Mauthausen und haben dort ein Dreieck im Hof aufgestellt und jeder hat einen rosa Winkel bekommen und wir haben das dann nochmal gefilmt und es gab dann eine Kampagne dazu, um eben zu zeigen, dass Homophobie damals wie heute existiert. Und es war vielleicht damals in der schlimmsten, brutalsten Form, aber auch heute gibt es sehr brutale Formen von Homophobie, vielleicht nicht mehr hier bei uns in Zentraleuropa, aber noch ein paar

[22:02] Flugstunden entfernt gibt es diese Brutalität gegenüber diesen Menschen. Was man damals auch, was man kaum sagen darf, ist, aber es gab auch in KZ-Hierarchien und schwule Männer waren wirklich auf dem untersten Level. Also die wurden sogar noch von anderen Inhaftierten und noch mehr unterdrückt in dieser grausamen Situation, die schon für alle grausam war. Wenn du so etwas veröffentlichst, bekommst du jetzt nur positive Reaktionen oder bekommst du auch in Zeiten von Social Media sogenannte Hassreaktionen? Tatsächlich und warum auch immer blieben wir immer relativ verschont. Aber eine unserer größten Kampagnen war eine Kampagne zum Thema HIV und da haben wir wirklich eine gedruckte Ausgabe mit HIV-Blut infiziert und haben das HIV-Blut mit der Druckerfarbe vermengt und damit eine Ausgabe gedruckt und die Ausgabe kam dann in einen Plastikumschlag und wurde nochmal verschweißt, um nochmal die Leute zu sensibilisieren und sagen, okay, würden Sie das jetzt aufmachen,

[23:09] würden Sie da hineingreifen, würden Sie diese Ausgabe wirklich mit berühren? Und das hat eine riesen Kontroverse auf der ganzen Welt ausgelöst. Das wurde dann von Medien, Washington Post, Time Magazine, ABC News, CBS News sofort aufgegriffen und veröffentlicht und auf diesen Plattformen gab es dann diese Hassnachrichten. Und die schlimmste Nachricht war, die mir in Erinnerung geblieben ist, bring them to jail for attempted murder. Also, die wollten uns ins Gefängnis schmeißen lassen, weil wir Angst hatten, dass wir Menschen damit einer Todeskaufaar aussetzen. Damit haben sie sich auch geoutet, dass sie keine Ahnung von dem Thema haben und dass natürlich niemand damit sich infizieren konnte. Aber da bin ich gleich bei so den wirklich guten Ideen. wirklich, mir rennt die Gansel darüber, das ist wirklich eine geile Idee und ich stehe auf geile Ideen. Weltklasse. Gehen wir zurück zu den Firmen. Wie gut sind

[24:02] so im Average die Ideen, die jetzt so in den nächsten Wochen auf uns zukommen werden? Die Sondereditionen von Fanta und whatever. Ist es da mehr die Penetration, die dann die Wirkung gereicht, dass mehr Verständnis füreinander da ist oder sind die Ideen so gut? Weil du beobachtest das ja schon seit Jahren und weil eben der Brightman in den letzten fünf Jahren plus ganz, ganz wichtig wurde in der Werbung und Kommunikation. Also ich glaube, man muss auch sagen, dass viele Unternehmen inzwischen schon gelernt haben, dass das, was sie nach außen kommunizieren, nur die Spitze des Eisbergs sein darf, was innen im Unternehmen passiert. Das heißt, sie haben starke Mitarbeiter-Schulungsprogramme, wo wirklich versucht wird, auf diese Themen Rücksicht zu nehmen. Es gibt Regenbogengruppen, wo sich Menschen innerhalb des Unternehmens organisieren können und, und, und. Und wenn das dann zum Private Model kommt, dann sind die Unternehmen

[25:03] motiviert, eine Kampagne zu machen und wenn man sich dann die Kampagne der ganz Großen anschaut und da sind dann meistens auch große Werbeagenturen involviert, dann sind das oft die Kampagne, die dann auch Preise gewinnen. Also das sind das wirklich jene Kampagne, die dann bei den großen Festspielen, wo Werbungen prämiert werden kann, zum Beispiel, die dann dort abräumen. Was sollte eine Personalverantwortliche in einer Company machen, da reden wir jetzt gar nicht vom Market, aber du hast das schon angerissen, die Frage, ein CEO, um mehr Sensibilität zu fördern und da bin ich gleich wieder bei Werbung, um damit vielleicht auch mehr Business zu machen, weil schlussendlich, egal ob es jetzt bei der Green Tech ansetzt oder bei den Social Enterprises, alles, was unter Nachhaltigkeit fällt, wird es dann richtig erfolgreich werden, wenn es schlussendlich auch einer Company Geld bringt zum Weitermachen und Gewinne bringt.

[26:03] Was sollen die tun? Also ich bin natürlich kein Fan davon, dass man Dinge tut, nur weil sie Geld bringen, weil das würde bedeuten, würde etwas anderes negatives Geld bringen, würden wir es auch machen und so darf natürlich, das darf nicht unsere Prämisse sein. Also würde es dem Unternehmen schaden und sie würden nichts tun, dann müsste man sich schon die Frage stellen, ist das Geld eine Richtschnur für unsere Werte als Menschen? Da müssen wir uns dann wirklich die große Frage stellen und die müssen wir generell immer. Die müssen wir uns jeden Tag leider stellen. Was jetzt auf uns zukommt, mit der Gen Z und wir haben ja auch eine Umfrage dazu gemacht und Studien ausgewertet in einer Trend-Kenwa, gemeinsam mit Marcel Able, der war ehemaliger Geschäftsführer vom Zukunftsinstitut, also er kennt sich mit Forschung aus. Wir haben viele Studien zusammen getragen

[26:48] und um einen Überblick zu geben über die neue Generation und was man hier sieht ist, die neue Generation ist total wertebasiert. Und jedes Unternehmen, das eben nicht diese Werte, die diese neue Generation sehen will, transportiert, die wird auch wirklich schwer tun, Kunden zu finden und auf allem Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen zu finden, Mitarbeitende. Weil das sind, das ist ein Treiber, das ist wie das Öl, also der Benzin im Motor. Wenn man die richtigen Werte hat, dann rennt das wie von selbst und dann wird man auch mehr Umsatz machen. Aber das ist ja auch schön eigentlich, wenn man sieht, okay, wenn man ein Gutes tut und ein guter Mensch ist und damit auch ein gutes Unternehmen und eigentlich den Menschen, was Gutes tut, die beim kaufen, dass es dann funktioniert, das ist eigentlich eine interessante Erkenntnis. Es zeigt, dass man als Unternehmen eigentlich

[27:37] denken sollte, wem verkaufe ich überhaupt etwas und wie kann ich dieser Person einen Mehrwert geben? Und nicht den Leuten billigen Ramsch, der noch nicht nachhaltig produziert ist, andrehen zu wollen und sich dann wundern, warum ich das nicht losbringe. Also es ist, vielleicht kommen jetzt auf Dinge drauf, die einem von anderen schon klar hätten sein können, wenn man ein bisschen das Hirn eingeschaltet hätte. Ja, ich glaube, da sind wir gerade an einer großen Frage der Wirtschaft im Allgemeinen angelangt, aber dazu vielleicht einmal bei einem späteren Interview. Wir sind schon so bei Minute 27 und haben jetzt noch zwei kurze Dinge, nämlich, wir haben auch vorher ein bisschen korrespondiert und du hast mir gesagt, ja, das Thema Non-Binary wäre ein interessantes und was passiert? der Nemo, der sich genau als zu jener Gruppe zuzählt, der gewinnt den Eurovision Song Contest erst eben

[28:36] vor ein paar Tagen. Erzähl uns was über Non-Binary oder nicht non-binär, was heißt das überhaupt? Ja, ich glaube, viele Menschen sind ja gar nicht bewusst, sind die Begriffe nicht bewusst, aber auch nicht bewusst, dass sie eigentlich in einer binären Gedankenwelt leben, wie Mann-Frau und da geht es rein um das biologische Geschlecht und das entscheidet über alle unsere Eigenschaften. Die junge Generation oder die Bewegung des Non-Binären sagt, das ist nicht mehr alles, es gibt mehr dazwischen, Gender is a spectrum, wie man sagt, es gibt nicht nur schwarz und weiß und das kennt man vielleicht, damit können viele nicht sofort was anfangen, da braucht man noch sehr viel Information, aber wenn man sich es ein bisschen anschaut und man alle Männer aufstellt, die man kennt und alle Frauen, die man aufstellt, die man kennt, da ist wahrscheinlich die größte und stärkste Frau

[29:29] und der kleinste, schwächste Mann auch ein riesen Spektrum. Aber das würde einem nicht so einfallen, da sagt man ja, aber sie ist immer noch Frau und er ist immer noch Mann. Aber die Non-Binären sagen eben, es ist alles ein Spektrum. Der kleinste Mann hätte gegen die größte Frau keine Chance, egal ob es im Sport-Weltkampf ist oder so. Also, wir leben in einem, wie wir als Menschen wollen wie immer alles in klare Begriffe abgrenzen, aber das ist leider bei dieser, in dieser Welt oder zum Glück eben nicht möglich. Und Non-Binär heißt eben, man will sich nicht in die Schublade zwingen lassen, sondern will sich da eben nicht definieren. Und das, und so eine Person ist eben dieser Nehmer und ich finde das super, dass der da gewonnen hat und der das Thema jetzt auch wieder in die Headlines der Medien bringt

[30:15] und auch in diesem Podcast, wie man sieht. Naja, da hat sich gleich wie eine drittletzte Frage daraus entwickelt. ist die LGBTQI-Plus-Community sowas wie die Hippies von heute, wenn ich es mit den späten oder frühen 60ern mal vergleichen darf. Damals war auch alles sehr frei, wurde viel in Frage gestellt. Es war bunt, es war kontrovers und viele haben darüber gestänkert. Ich glaube nicht. Also auf der einen Seite nicht, weil in der Gegenwart findet man alle politischen Spektren und vom wirtschaftsliberalen Juppie und erfolgreichen Manager-Managerin bis hin zum wiederum Hippie Personen, die sagen, naja, die antikapolitisch und sozialistisch unterwegs sind. Also da kann man die Queer-Community nicht einteilen. Uns ist, glaube ich, viel ehrlicher und nachhaltiger als die Hippie-Zeit. Weil die Hippies, wenn man sich zurückerinnert, ich bin jetzt dort nicht aufgewachsen, aber wenn man sich die Personen und die Werte anschaut, die wurden ziemlich schnell

[31:22] über Bord geschmissen, sobald das Geld gewunken hat. Also viele von den Hippies sind später auch sehr reich geworden mit tollen Firmenideen, gerade im Silicon Valley waren sicher viele Gründer von High-Tech-Companies irgendwann mal in ihrer Jugend seit Hippie oder haben mitgefeiert. In der LGBTQIA Plus-Community ist das anders. Das sind ja echte Werte, da geht es um Identität und die schmeißt eigentlich niemand über Bord diese Werte, wenn er mal Teil der Community war. Also niemand wird wieder anfangen, jetzt bin ich doch lieber hetero, weil ich mehr Geld verdiene oder so. Also das habe ich nie erlebt zumindest, dass jemand zurückgeht. Also ist es eine viel ehrlichere Bewegung. Wow, tolle Aussage, die wir uns da erarbeitet haben. Gefällt mir gut. weil ich gerade so eine dumme Frage gestellt habe, ja, na sicher, ich oute mich, ich stelle dumme Fragen, ohne mich bemühen zu müssen.

[32:12] Ich bin einfach so, ja. Enden wir mit einer Frage und Julian, danke wirklich für dein Kommen. Welche Fragen oder welche Frage zum Thema LGBTQI plus und die ganze Thematik in der Gesellschaft nerven oder nervt sich am meisten, außer natürlich meine? Also ich glaube, die dümmste Frage ist die, ob das nicht nur ein Trend ist. Ob Menschen schwul, lesbisch, heterotrans, non-binär sind, nur weil es irgendwer im Fernsehen ist oder irgendwo in der Zeitung steht. Also diesen Schmerz und diese Transformation und diese Auseinandersetzung mit sich selbst, das tut sich niemand freiwillig an, einfach nur um cool zu sein. Und man ist ja gar nicht cool. Also man wird eher ausgrenzt aus der Gesellschaft, man muss sich immer wieder erklären und so weit. Also es mag viele Trends geben, aber LGBTQI plus Themen sind sicher keine Trends, sondern es ist eine Bewegung in der Gesellschaft

[33:14] zu sich selbst, wo Leute sich trauen, sich selbst zu sein und wir als Gesellschaft sollen so offen wie möglich sein, um es allen zu ermöglichen, so ehrlich ihre Identität zu lieben, wie nur möglich. Ich glaube, jetzt sagen wir nichts mehr. Ihr da draußen, ich da drinnen im Studio, ich hoffe, es hat euch gefallen. Ihr wisst jetzt ein bisschen mehr. Für mich hat dieser Podcast in jedem Fall ein bisschen mehr ein bisschen mehr Wissen gebracht. Wendet es richtig an. Ich freue mich, dass du heute hier warst. Vielen Dank, Julian Wiel. Herzlichen Dank. Vielen Dank.

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