How to use power: Gina Lopez

Bild: © Wikimedie Commons, Presidential Photo
Frau hält Rede im Palast in Manila.

Wenn Frauen riesige Vermögen oder ihre Macht in die Umwelt stecken, heute eine Umweltaktivistin mit Regierungsrang

Was tun mit Milliarden – oder mit großer Macht& Einfluss? Diese Frage stellt sich nicht oft im Leben. Doch einige Frauen haben sie sich gestellt – und eine Antwort gefunden, die Mut macht. Ob Laurene Powell Jobs in Kalifornien, Christy Walton in den Südstaaten, Gina Lopez auf den Philippinen oder Julie Packard an der US-Pazifikküste: Sie alle setzen sich für Etwas ein, das nicht bezahlbar oder durch Einzelne beherrschbar ist – unsere gemeinsame Zukunft.

Als Herausgeber von Forerunners.Network habe ich diese Serie angestoßen, weil sie mehr ist als Porträtjournalismus. Sie ist eine Einladung zur Reflexion. Über Verantwortung. Über Leadership. Und über die Rolle, die Frauen heute in der globalen Philanthropie spielen – oft mit mehr Weitblick und Konsequenz als ihre männlichen Pendants.

Die Naturpolitikerin: Wie eine Frau den Mut hatte, sich dem Bergbau zu widersetzen

Gina Lopez war keine ausgebildete Umweltwissenschafterin. Sie war keine Politikerin aus dem System. Und doch stellte sich Gina Lopez auf den Philippinen gegen eine der mächtigsten Industrien des Landes: den Bergbau. Ihre Geschichte ist nicht die einer leisen Mäzenin oder diskreten Förderin – es ist die Geschichte einer Frau, die sich exponierte. Die ihre Stimme, ihre Herkunft, ihr Netzwerk einsetzte – bis zum letzten Tag. Und die bewies, dass Liebe zur Natur auch politisch sein kann.

Vom Medienthron zur Regenwaldmission

Gina Lopez wurde 1953 in Manila geboren – als Tochter einer der mächtigsten Familien des Landes. Die Lopez-Dynastie kontrollierte Medienhäuser, Energieunternehmen, Universitäten. Ihr Vater, Eugenio Lopez Jr., war Chef des Fernsehsenders ABS-CBN – einem der einflussreichsten Medienunternehmen Südostasiens.

Und doch entschied sich Gina für einen anderen Weg: Mit Anfang zwanzig verließ sie das elterliche Haus, schloss sich spirituellen Bewegungen in Afrika und Indien an. Sie lebte in Ashrams, meditierte, unterrichtete Kinder in abgelegenen Dörfern. „Dort“, sagte sie später, „habe ich verstanden, dass Wandel aus Nähe entsteht – und nicht aus Reichtum.“

Zurück in Manila engagierte sie sich zunächst für benachteiligte Kinder. 1994 gründete sie die Hotline Bantay Bata 163 – eine Notrufnummer für missbrauchte Kinder, die erste ihrer Art im Land. Es folgten Gesundheits- und Bildungsprogramme. Doch ihre tiefste Überzeugung galt der Natur.

„If we take care of the environment, it will take care of us.“

Bantay Kalikasan – die Naturwächter

1999 rief sie das Umweltprogramm Bantay Kalikasan ins Leben – auf Deutsch: „Naturwächter“. Was als mediales Aufklärungsformat startete, wurde schnell zu einer praktischen Bewegung: Wiederaufforstung, Flusssäuberungen, Umweltbildung in Schulen. Ihre bekannteste Aktion war die Rettung des La Mesa Watershed, eines bedrohten Wasserschutzgebiets bei Manila, das sie gemeinsam mit NGOs, Behörden und Tausenden Freiwilligen in einen öffentlichen Naturpark verwandelte.

Es war kein PR-Projekt – es war gelebte Praxis. Und es war der Anfang ihrer Transformation von der Aktivistin zur politischen Kraft.

Als Umweltministerin gegen den goldenen Druck

2016 wurde sie – überraschend für viele – zur Umweltministerin im Kabinett von Präsident Rodrigo Duterte berufen. In einer Branche, die jahrzehntelang von Konzerninteressen dominiert wurde, erklärte sie binnen Monaten dutzende Bergbaulizenzen für ungültig. Ihr Argument: Umweltzerstörung dürfe nie gegen kurzfristige Profite aufgerechnet werden. Die Industrie tobte, das Establishment war entsetzt. Doch sie blieb ruhig, sachlich – und standhaft.

In einer Fernsehdiskussion mit Vertretern des Minensektors sagte sie:

„This is not a fight against mining. This is a fight for life. For future generations.“

Gab es Vorwürfe gegen sie – bei dieser Herkunft?

Angesichts ihrer mächtigen Familie stellt sich zwangsläufig die Frage: War sie selbst jemals Ziel von Korruptionsvorwürfen? Die Antwort: Nein.

Gina Lopez galt – selbst unter politischen Gegnern – als integer. Ihr Engagement wurde weder durch persönliche Bereicherung noch durch Konzerninteressen getrübt. Beobachter:innen nannten sie sogar die „innere Opposition zur eigenen Klasse“. Viele im Land sahen in ihr eine Ausnahmeerscheinung: eine Tochter der Elite, die sich aktiv gegen die zerstörerischen Teile dieser Elite stellte. Ihr Rückhalt in der Bevölkerung war groß – im Establishment weniger. 2017 wurde ihre Ernennung zur Umweltministerin vom Kongress abgelehnt. Der Einfluss der Bergbaulobby war zu stark. Sie selbst sagte dazu nur: „I did what I had to do.“

Meilenstein: Der Ecopark als Symbol

Ihr größter Erfolg bleibt die Renaturierung des La Mesa Watershed, das heute als La Mesa Ecopark bekannt ist. Die Region war durch illegale Siedlungen und Abholzung schwer beschädigt. Unter ihrer Leitung wurde das Gebiet wieder aufgeforstet, öffentlich zugänglich gemacht und ökologisch bewirtschaftet. Es ist heute das grüne Herz der Metropole Manila – ein Ort der Bildung, der Erholung und des Beweises, dass Umweltpolitik wirken kann.

Landschaft mit Amphitheater, Bäume und Menschen, die entspannen.

Wikimedia Commons, La Mesa Ecopark Matthew Gan

In einem Land, in dem politische Korruption, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheit oft Hand in Hand gehen, setzte Gina Lopez einen Kontrapunkt. Als sie 2019 an Krebs starb, war die Trauer im Land aufrichtig – und groß. Für viele war sie eine Heilerin der Erde – in einem Land, das lange andere Prioritäten kannte.

Warum Gina Lopez eine Forerunnerin ist

Weil sie mutig war in einem Umfeld, das Mut bestraft. Weil sie zeigte, dass Macht nicht nur aus Mandaten kommt, sondern aus Haltung. Und weil sie eine Vision lebte, die Natur, Kinder und Gemeinschaft als untrennbar verbunden denkt. Gina Lopez war eine Umweltaktivistin mit Regierungsrang – eine, die nicht auf Applaus aus war, sondern auf Wirkung. Eine Forerunnerin in Gummistiefeln, mit Mikrofon – und mit Herz.

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