Offshore-Windkraft: Europa formt das global größte saubere Energiesystem

27.01.2026
Bild: © Jesse De Meulenaere _ unsplash

In Zeiten des Jammerns über ein schwaches Europa ist es angesagt zu erzählen, wie europäisches Handeln in Energiesektor erstaunliche Projekte für die Zukunt der Stromersorgung aufbauen kann.

Beim jüngsten Future of the North Seas Summit in Hamburg unterzeichneten neun europäische Staaten – darunter Deutschland, Grossbritannien, Dänemark, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Irland, Luxemburg und Norwegen – die sogenannte „Hamburg Declaration“, mit dem Ziel, bis 2050 mindestens 100 Gigawatt (GW) gemeinsam geplante Offshore-Windkraftkapazität in der Nordsee zu errichten. Dieses Ziel ist Teil einer weiter gefassten Vision, die Nordsee zu einem der weltweit grössten grünen Energie-Hubs auszubauen und langfristig bis zu 300 GW Offshore-Windleistung zu erreichen.

Die Vereinbarung bedeutet mehr als reine Ausbauzahlen:

Sie soll grossflächige, grenzüberschreitend vernetzte Windparks hervorbringen, die über Hochspannungs-Seekabel mehrere Länder direkt verbinden und so Strom sicher, sauber und zu günstigen Preisen liefern. Ziel ist es, durch koordinierte Planung und gemeinsame Infrastruktur die Energiewende in Europa schneller und effizienter zu gestalten, die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren und zugleich Versorgungssicherheit zu stärken.

Ein zentraler Aspekt ist die Branchen- und Investitionsseite:

Die Energie- und Offshore-Windindustrie, gemeinsam mit Übertragungsnetzbetreibern, hat sich auf einen Joint Offshore Wind Investment Pact verständigt. Dieser Pakt soll langfristige Ausschreibungen jenseits von 2030 sichern, hohe Investitionsvolumina mobilisieren und die Stromgestehungskosten bis 2040 um rund 30 % senken.

Die Regierungen haben zugesagt, Rahmenbedingungen zu verbessern und private Kapitalflüsse zu erleichtern – etwa durch strukturierte Finanzierungsmodelle wie Contracts for Difference (CfDs) oder Power Purchase Agreements (PPAs), die Investoren mehr Planungssicherheit geben.

Konkrete Windparkprojekte zeigen, wie diese Vision Gestalt annimmt: Industrielle Offshore-Windparks wie Nordsee One – betrieben von Northland Power und RWE – liefern bereits hunderte Megawatt sauberen Strom in Deutschland; dänische Projekte wie Gode Wind I und britische Anlagen wie der gewaltige Hornsea-Komplex tragen zu Tausenden Megawatt an erneuerbarer Kapazität bei. Diese bestehenden Anlagen gelten als Blaupausen dafür, wie künftige Trans-National-Windparks technisch integriert und wirtschaftlich skaliert werden können

Politisch ist die Nordsee-Initiative auch ein Signal des europäischen Zusammenhalts: In Zeiten geopolitischer Spannungen, etwa infolge der Energiekrise durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, betonen die Unterzeichner, dass eine starke, selbstversorgende grüne Ökonomie ein Schlüssel zur energetischen Souveränität ist. Energie-Staatssekretär Ed Miliband (UK) formulierte es klar: Saubere Energie sei nicht nur ein Umweltziel, sondern auch ein Beitrag zur nationalen Interessenwahrung und Wettbewerbsfähigkeit.

Mit der Hamburger Erklärung und der Nordsee-Kooperation setzt Europa ein Zeichen: Der Offshore-Wind wird nicht länger als Nischenprojekt betrachtet, sondern als strategische Infrastruktur, die bis 2050 Millionen Haushalte versorgen, Zehntausende Arbeitsplätze schaffen und einen wesentlichen Teil der europäischen Dekarbonisierung liefern kann. Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, wie schnell und effizient die Nordsee-Vision Wirklichkeit wird – und ob sie wirklich den Sprung vom politischen Ziel zur industriellen Realität.

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