Lithium, seltene Erden, Nickel, Graphit sind binnen weniger Jahre zum Nervensystem der Transformation geworden. Ohne diese Rohstoffe keine Batterien, keine Windkraft-Generatoren, keine Halbleiter in der nötigen Stückzahl. Und genau deshalb behandeln Regierungen „Critical Minerals“ inzwischen wie Energie – als Frage von Resilienz& Standortpolitik.
Anfang Februar 2026 wurde dieser Wandel sichtbar
Die USA starteten mit „Project Vault“ eine strategische Mineralien-Reserve, die Preis- und Versorgungsschocks abfedern soll. Gleichzeitig warb Washington bei Partnern für einen kritischen-Mineralien-Handelsblock, der Mindeststandards und Preisuntergrenzen koordinieren soll – ausdrücklich mit dem Ziel, Abhängigkeiten von China zu reduzieren.
Europa reagiert – aber anders als Amerika
Auch die EU setzt nach, jedoch mit eigener Logik: Mehrere große Mitgliedstaaten treiben Pläne voran, kritische Rohstoffe zu bevorraten – mit einer arbeitsteiligen Rollenverteilung (Finanzierung, Beschaffung, Lagerung). Der Hintergrund ist nüchtern: Europas Verarbeitungskapazitäten sind begrenzt, der Aufbau neuer Lieferketten dauert Jahre, und die Diversifizierung der Importe kommt laut Prüfern nur schleppend voran.
Brüssel versucht, die Richtung politisch zu fixieren: Die Critical Raw Materials Act-Ziele (mehr heimische Förderung, Verarbeitung und Recycling) sind gesetzt – doch Geld, Tempo und Genehmigungen bleiben die Engpässe.
ESG wird zum Stresstest für eine zeitgerechte Umsetzung
So weit die Strategie. Doch der eigentliche Konflikt beginnt dort, wo Rohstoffsicherheit auf Natur- und Sozialstandards trifft. Das zeigte sich zuletzt in Portugal: Umweltorganisationen und lokale Gruppen klagen gegen die EU-Kommission wegen des „strategischen“ Status eines großen Lithiumprojekts im Barroso-Gebiet. Ihr Argument: Energiewende dürfe Beteiligungsrechte, Umweltstandards und Schutz sensibler Regionen nicht aushebeln.
Damit liegt die ESG-Debatte offen auf dem Tisch: Wenn Lieferketten resilient werden sollen, müssen Projekte nicht nur „strategisch“, sondern auch „legitim“ sein. Das heißt: transparente Verfahren, Umweltprüfungen, Einbindung der Bevölkerung und nachvollziehbare Nutzen-Kosten-Abwägungen – und die Frage, ob die Wertschöpfung regional ankommt.
Zwei Welten, ein gemeinsames Ziel
Die USA setzen aktuell stärker auf geopolitische Allianzen& Preismechanismen, Europa versucht parallel, strategische Reserven und Industriepolitik enger zu verzahnen – und muss dabei beweisen, dass „strategisch“ nicht „schneller um jeden Preis“ bedeutet.
Für Unternehmen ist das mehr als Außenpolitik, nämlich neue Regeln, die das Geschäft nicht einfacher machen : Wer heute Batterien, erneuerbare Energie, Halbleiter oder Infrastruktur plant, braucht Rohstoff-Transparenz als Teil von Governance, Sozialstandards als Teil von Risiko-Management und Biodiversitätsschutz. Der Wettbewerb der nächsten Jahre wird nicht nur über Zugang entschieden, sondern auch über Umsetzung.
Das ist für Europa im Zeichen des “Green Deal” keine einfache Aufgabe, falls sie überhaupt im Wettbewerb der Kontinente lösbar ist.
Forerunners-Fazit
Die neue Rohstoffpolitik ist der Realitätscheck der grünen Transformation: Versorgungssicherheit wird zur Voraussetzung für Tempo – und ESG zur Voraussetzung für Akzeptanz, bzw. Legitimität. Gewinner sind jene Akteure, die beides zusammenbringen: industrielle Skalierung und saubere Verfahren.
Quellen (Auswahl): Reuters, 02.02.2026 (Project Vault) ; Reuters, 04.02.2026 (Handelsblock) ; AP, 04.02.2026 (Handelsblock – Einordnung) ; Reuters, 04.02.2026 (EU-Stockpiling-Plan) ; Reuters, 02.02.2026 (EU-Diversifizierung/Auditors) ; Reuters, 05.02.2026 (Klage Portugal/Barroso) .




