Brüssel / Wien. Das Europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) – Kerninstrument der EU-Klimapolitik zur Reduktion von Treibhausgasen – steht politisch unter Druck. In den vergangenen Wochen haben führende Politiker und Industrievertreter aus mehreren Mitgliedstaaten offen über Reformen oder Eingriffe im ETS gesprochen, was zu spürbaren Marktreaktionen geführt hat.
Das ETS funktioniert nach dem marktwirtschaftlichen Cap-and-Trade-Prinzip: Emittenten brauchen Zertifikate für jede ausgestoßene Tonne CO₂, deren Menge im Laufe der Zeit sinkt, um Emissionen kontinuierlich zu reduzieren.
Politische Debatte erreicht Preisbildung
Am 12. Februar gaben Politikvertreter aus Deutschland, Italien und anderen Staaten öffentlich zu verstehen, dass der hohe Preis für CO₂-Zertifikate – der zeitweise über 80 €/t lag – zu Wettbewerbsnachteilen für energieintensive Branchen führen könne. Diese Aussagen ließen den Preis auf den niedrigsten Stand seit August fallen und belasteten besonders Versorgungs- und Zementaktien in Europa.
Nach dieser Debatte betonte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass der ETS-Mechanismus klare Vorteile für saubere Technologien und langfristige Planungssicherheit bietet und über Instrumente wie die „Market Stability Reserve“ preismechanisch steuerbar sei.
Kernausforderung: Der Spagat zwischen Klimaverpflichtungen und Industrie-Wettbewerbsfähigkeit bleibt politisch hochsensibel.
Österreichs Energiepolitik im Kontext der EU-Debatte
Parallel zur ETS-Diskussion hat das österreichische Staatssekretariat für Energie unter Elisabeth Zehetner konkrete Positionen zur nationalen Energiesicherheit und Energiewende formuliert. Zehetner betonte vor internationalen Energievertretern, dass Diversifizierung der Energiequellen und der verstärkte Ausbau von Erneuerbaren entscheidend seien, um Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu vermeiden – insbesondere im Nachgang zur russischen Gasversorgungskrise.
In Paris erklärte Zehetner, dass Österreich sowohl den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben wolle als auch Gasimporte aus Afrika stärker prüfen werde, um die Versorgung zu stabilisieren – ohne Russland zurückzubringen.
Diese Position steht in Einklang mit Österreichs Energiewende-Zielen, gleichzeitig zeigt sie, wie nationale Strategien und EU-Klimapolitik verzahnt sind und politische Debatten über Klimamaßnahmen, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit erzeugen.
Quelle: Reuters, 18.2.2026




