“Nature positive”: Naturschutz als Geschäftsmodell für morgen.

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Warum “Nature-Positive” Strategien keine Frage des Budgets sind – sondern der Haltung.
Und was ein österreichisches Beispiel zumindest gleich gut macht, wie globale Konzerne.

Noch vor wenigen Jahren galt Biodiversität in Unternehmen als Randthema: wichtig für Nachhaltigkeitsberichte, relevant für NGOs, aber selten Teil der strategischen Steuerung. 2026 zeigt sich ein anderes Bild. Immer mehr international tätige Konzerne erklären Natur offiziell zur wirtschaftlichen Grundlage ihres Handelns. „Nature-Positive“ ist dabei das neue Leitwort – ein Begriff, der weiter geht als Klimaneutralität oder Schadensbegrenzung. Es geht um aktive Verbesserung von Ökosystemen. Um Regeneration statt bloßer Kompensation. Und um die Erkenntnis, dass ohne funktionierende Natur kein funktionierendes Geschäftsmodell existiert.

Ein viel zitierter Reuters-Beitrag zu Jahresbeginn bringt diese Verschiebung auf den Punkt: Unternehmen beginnen, Natur als „neue Bottom Line“ zu begreifen – als betriebswirtschaftlichen Faktor mit direkten Auswirkungen auf Lieferketten, Risiken, Kosten und Wachstum. Nicht aus Idealismus, sondern aus ökonomischer Notwendigkeit.

Wenn Biodiversität zur Vorstandssache wird

Besonders sichtbar ist dieser Wandel bei globalen Multibrand-Konzernen. Nestlé hat Biodiversität und Bodengesundheit tief in seine Agrar- und Beschaffungsstrategie integriert. Regenerative Landwirtschaft wird nicht mehr als Zusatzprogramm geführt, sondern als Voraussetzung für langfristige Rohstoffsicherheit. Gesunde Böden, stabile Wasserkreisläufe und funktionierende Ökosysteme entscheiden über Erträge, Qualität und Preisstabilität – und damit über die Zukunft eines globalen Lebensmittelkonzerns.

Ähnlich argumentiert Unilever. Der Konzern hat sich verpflichtet, bis 2030 sämtliche agrarischen Rohstoffe aus regenerativen Systemen zu beziehen. Lieferanten, die Biodiversität fördern und Böden aufbauen, erhalten langfristige Verträge. Natur wird hier nicht romantisiert, sondern als Absicherung gegen volatile Märkte, Klimarisiken und geopolitische Unsicherheiten verstanden.

Auch außerhalb der klassischen Rohstoffwirtschaft wächst das Bewusstsein. Microsoft investiert gezielt in Renaturierungs- und Wasserprojekte, um die ökologischen Folgen seiner Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur auszugleichen. Der Tech-Konzern spricht offen davon, bis 2030 mehr Ökosystemleistungen schaffen zu wollen, als er verbraucht. Natur wird Teil der digitalen Infrastruktur – nicht als Imagepflege, sondern als Voraussetzung für langfristige Standort- und Betriebssicherheit.

Was all diese Beispiele eint: Biodiversität ist keine Aufgabe der Nachhaltigkeitsabteilung mehr. Sie wird zur Chefsache. Verankert in Investitionsentscheidungen, Risikomodellen und Innovationsstrategien.

Ist es am Ende nur eine Frage des Geldes?

Diese internationalen Beispiele werfen eine berechtigte Frage auf: Ist „Nature-Positive“ vor allem eine Frage großer Budgets und professionellen Wordings? Können sich nur Multikonzerne diese neue Form der Verantwortung leisten?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Die längere Antwort zeigt, dass es weniger um finanzielle Schlagkraft geht als um Haltung, Glaubwürdigkeit und Partnerschaften. Genau hier wird ein österreichisches Beispiel besonders interessant.

Stiegl und der River and Nature Trust: Wirkung statt Wording

Mitten in Salzburg, fernab globaler Konzernzentralen, zeigt die Zusammenarbeit zwischen Stiegl und dem River and Nature Trust, wie Nature-Positive auch anders gedacht werden kann. Im Rahmen des „Stiegl-Freundeskreises“ sammelte die Community gezielt Mittel für den Schutz österreichischer Gewässer und die stark bedrohte Bachforelle. Kein globales Versprechen, keine Hochglanzstrategie – sondern konkrete Projekte vor der eigenen Haustür.

Der Unterschied liegt im Ansatz: Stiegl nutzt seine Marke, Reichweite und Glaubwürdigkeit, um Menschen zu mobilisieren und ökologische Wirkung zu ermöglichen. Der River and Nature Trust bringt fachliche Tiefe, wissenschaftliche Begleitung und langfristige Perspektiven ein. Natur wird hier nicht abstrahiert, sondern erlebbar gemacht – als Lebensraum, als Kulturgut, als gemeinsame Verantwortung.

Gerade im Vergleich zu multinationalen Konzernen wird deutlich: Die Wirksamkeit entsteht nicht durch Größe, sondern durch Nähe. Durch regionale Verankerung, transparente Ziele und die Bereitschaft, Verantwortung nicht auszulagern, sondern zu teilen. Die Bachforelle ist kein globales Symbol, sondern ein konkreter Indikator für den Zustand heimischer Gewässer. Und genau darin liegt die Stärke dieses Ansatzes.

Multibrand-Konzerne versus Mittelstand: zwei Wege, ein Ziel

Natürlich verfügen globale Konzerne über andere Hebel: internationale Lieferketten, Milliardenumsätze, standardisierte Berichtsmodelle. Ihr Nature-Positive-Engagement kann systemische Wirkung entfalten. Doch es bleibt oft abstrakt, komplex und schwer greifbar.

Regionale Unternehmen wie Stiegl zeigen einen zweiten Weg. Einen, der weniger auf Begriffe und Frameworks setzt, dafür auf Authentizität, Partnerschaften und konkrete Wirkung. Es ist kein Zufall, dass solche Projekte bei Mitarbeiter:innen, Kund:innen und Communities oft eine stärkere emotionale Bindung erzeugen als globale Selbstverpflichtungen.

Das Forerunners-Fazit

Nature-Positive ist weder ein Marketingtrend noch ein Privileg großer Konzerne. Es ist ein strategischer Perspektivwechsel. Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie groß ist unser Budget? sondern: Wie ernst meinen wir es?

Die internationalen Beispiele zeigen, dass Natur längst ein wirtschaftlicher Faktor ist. Das österreichische Beispiel zeigt, dass Glaubwürdigkeit, regionale Verantwortung und echte Partnerschaften mindestens genauso wichtig sind. Für die Wirtschaft von morgen wird entscheidend sein, beides zu verbinden: strategische Weitsicht und konkrete Wirkung.

Forerunners.Network versteht Nature-Positive nicht als Schlagwort, sondern als Haltung. Wer Natur schützt, schützt Lieferketten, Lebensqualität und langfristige Wertschöpfung. Und wer heute beginnt – ob globaler Konzern oder regionale Brauerei – wird morgen glaubwürdig sagen können: Wir haben verstanden, dass Wirtschaft ohne Natur keine Zukunft hat.

Quellen:
Reuters: Why nature should be the new bottom line for business in 2026, 05.01.2026
River and Nature Trust: Stiegl-Freundeskreis-Community sammelte für Österreichs Gewässer und die Bachforelle, 2025

Link zum River and Nature Trust

Link zum Stiegl Freundeskreis

Link zu Nature Positive

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