Eine Bewerbung lässt sich üben. Selbstvertrauen braucht eine verlässliche Person.
Wer in Österreich eine Lehrstelle sucht, muss mehr können als einen Lebenslauf schreiben. Oft fehlen Kontakte, Wissen über den Arbeitsmarkt oder jemand, der an die eigenen Möglichkeiten glaubt. Eva Rosewich und Karl-Heinz Seifert erklären, warum HandsOn Mentoring genau dort ansetzt – und weshalb gute Begleitung rechtzeitig loslassen muss.
Karl-Heinz Seifert hilft Jugendlichen, Bewerbungen zu schreiben und Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Zum Termin selbst geht er nicht mit. Die jungen Menschen müssten dort „selber im Wasser schwimmen“, sagt der langjährige Mentor. Seine Aufgabe ist es, ihnen vorher beizubringen, wie das geht.
Dieser Grundsatz beschreibt die Arbeit von HandsOn Mentoring genauer als jede allgemeine Formel über Integration. Die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren nehmen Jugendlichen Entscheidungen nicht ab. Sie stellen Zeit, Erfahrung und Kontakte zur Verfügung, bis ein junger Mensch den nächsten Schritt allein schafft.
Mentoring schließt eine persönliche Lücke
HandsOn Mentoring begleitet junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren beim Einstieg ins Berufsleben. Die Jugendlichen suchen Orientierung, eine Lehrstelle oder Unterstützung im Bewerbungsprozess. Viele sind aus anderen Ländern nach Österreich gekommen, das Angebot steht aber allen offen. „Mensch ist Mensch“, fasst Geschäftsführerin Eva Rosewich die Haltung des Vereins zusammen.
Rosewich kommt selbst aus der Hotellerie. Nach beruflichen Stationen im Schwarzwald, in Los Angeles und Wien wechselte sie in die Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Bei HandsOn begann sie als Sozialarbeiterin, seit 2020 leitet sie den Verein. Rund 100 ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren begleiten laut Rosewich im Jahr ungefähr ebenso viele Jugendliche. Sie selbst ist die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin.
Der Verein ersetzt weder AMS noch Jugendcoaching. Viele Mentees nutzen diese Angebote weiterhin. Mentoring ergänzt sie um etwas, das große Systeme nur schwer leisten können: Eine bestimmte Person setzt sich regelmäßig mit einem bestimmten Jugendlichen zusammen, hört zu und bleibt an dessen Weg dran. Wer sich andernorts als Nummer erlebt, bekommt hier ein Gegenüber.
Verlässlichkeit gilt auf beiden Seiten
Ein typisches Mentoring dauert länger als ein Bewerbungsworkshop. Mentor und Mentee treffen sich meist einmal pro Woche für etwa eine bis eineinhalb Stunden. Sie prüfen Bewerbungsunterlagen, besprechen offene Stellen, bereiten Gespräche vor und klären, wie der österreichische Arbeitsmarkt funktioniert. Gerade für Jugendliche, deren Eltern andere berufliche und kulturelle Erfahrungen mitbringen, ist dieses unausgesprochene Wissen wichtig.
Rosewich achtet bereits beim Kennenlernen auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Wer ehrenamtlich Zeit zur Verfügung stellt, soll nicht wochenlang vergeblich auf Rückmeldungen warten. Umgekehrt verpflichtet das auch die Mentorinnen und Mentoren. Seifert beendet eine Begleitung nicht, sobald eine Lehrstelle gefunden ist. Der Mentee entscheidet, wann er sich sicher genug fühlt und die Unterstützung nicht mehr braucht.
Abbrüche kommen trotzdem vor. Rosewich spricht das sogenannte Ghosting beim Matching offen an. Jugendliche dürfen sagen, dass ihnen die Begleitung nichts bringt oder dass sich ihre Situation geändert hat. Ein ehrlicher Abschied ist besser als Funkstille, bei der niemand weiß, ob etwas passiert ist. Mentoring verlangt damit genau jene klare Kommunikation, die später auch im Betrieb gebraucht wird.
Der schnelle Lohn kann die langfristige Chance verdecken
Die schwierigste Entscheidung ist nicht immer, ob ein Jugendlicher arbeiten will. Häufig geht es darum, welche Arbeit heute leistbar erscheint. Ältere Jugendliche können mit einer Hilfstätigkeit kurzfristig deutlich mehr verdienen als in einer Lehre. Wer bereits finanziellen Druck spürt oder die Familie unterstützen möchte, hat gute Gründe, sich für das höhere Einkommen zu entscheiden.
Seifert versucht dann, den längeren Weg sichtbar zu machen. Ohne Ausbildung kann das Einkommen bald an eine Grenze stoßen, während ein Lehrabschluss weitere Entwicklung ermöglicht. Diese Abwägung lässt sich nicht mit einem moralischen Appell lösen. Sie braucht Zeit, konkrete Beispiele und jemanden, der kurzfristige Bedürfnisse ernst nimmt, ohne die spätere Perspektive aus dem Blick zu verlieren.
Ähnlich praktisch ist die Arbeit an Sprache und Auftreten. Deutschkenntnisse entscheiden in vielen Berufen darüber, ob Zusammenarbeit mit Kolleginnen, Kollegen oder Kundschaft funktioniert. Dazu kommen Pünktlichkeit, Motivation und die Bereitschaft, einen längeren Arbeitsweg in Kauf zu nehmen. HandsOn macht daraus keinen abstrakten Tugendkatalog. Mentorinnen und Mentoren üben diese Anforderungen anhand echter Bewerbungen und Termine.
Ein Betrieb kann mit einer Entscheidung viel verändern
Rosewich erzählt im Podcast von einem jungen Mann aus Ghana, der nach seiner Flucht noch kein abgeschlossenes Asylverfahren hatte. Sie vermittelte ihn an einen langjährigen Mentor, der ein Planungsbüro führt. Aus dem vorgesehenen Mentoring wurde zunächst ein Praktikum als technischer Zeichner. Danach richtete der Unternehmer in seinem Betrieb eine Lehrstelle für den jungen Mann ein und übernahm zusätzlich eine Patenschaft.
Die Geschichte zeigt, was Integration am Arbeitsplatz praktisch bedeutet. Eine Organisation stellt den Kontakt her. Ein Unternehmer erkennt Motivation und Können. Behörden und Arbeitsmarktinstitutionen müssen einbezogen werden. Und der junge Mann bekommt nicht nur eine Beschäftigung, sondern eine Ausbildung und eine realistische Zukunftsperspektive.
Auch jenseits einzelner Kontakte bringt HandsOn Jugendliche und Unternehmen zusammen. Bei Veranstaltungen führen Firmen an runden Tischen Gespräche mit Lehrstellensuchenden. Mentorinnen und Mentoren öffnen zusätzlich ihre beruflichen Netzwerke. Für Unternehmen ist das mehr als Personalvermittlung: Sie lernen Menschen kennen, die in gewöhnlichen Auswahlprozessen leicht übersehen werden.
Gute Begleitung endet mit Selbstständigkeit
Firmen können sich auch über Corporate Volunteering beteiligen. HandsOn bietet dafür Onboarding, Austausch und Begleitung der Mentorinnen und Mentoren an. Ein kurzfristiger Aktionstag reicht allerdings nicht. Rosewich erwartet ein Engagement von ungefähr einem Jahr und wöchentlich Zeit. Das schützt die Jugendlichen vor gut gemeinter, aber unverbindlicher Hilfe.
Die Unternehmen gewinnen dabei ebenfalls. Führungskräfte üben, zuzuhören, Menschen anzuleiten und mit Lebensrealitäten umzugehen, die ihnen im eigenen Umfeld vielleicht selten begegnen. Mentoring wird so zu einer sehr konkreten Form von Führungsentwicklung. Es verlangt Geduld und lässt sich nicht vollständig über Vermittlungsquoten steuern. Gerade deshalb will Rosewich den Ehrenamtlichen keinen Zeitdruck auferlegen, wie er bei Förderprogrammen üblich sein kann.
Der Erfolg einer Begleitung ist oft unspektakulär. Seifert erzählt, dass sich viele ehemalige Mentees kaum noch melden, sobald sie in einer Ausbildung oder Arbeitsstelle angekommen sind. Die angebotene Unterstützung bleibt bestehen, wird aber nicht mehr gebraucht. Für einen Mentor könnte das undankbar wirken. In Wahrheit ist es das gewünschte Ergebnis: Die Jugendlichen haben schwimmen gelernt.
Transkript
Vollständiges Transkript lesen
Hinweis: Das Transkript wurde automatisiert erstellt. Trotz redaktioneller Prüfung können einzelne Namen oder Fachbegriffe abweichen.
[00:00] Hallo und gratuliere dir. Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Storys zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf Forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, Seherinnen und Seher von Forerunners Network. Ja, die, die uns jetzt auf YouTube sehen oder auf unserer Homepage, haben schon gemerkt, es ist ein Videocast. Ihr könnt natürlich alles das auch auf den gängigen Podcast Plattformen in Österreich hören. Und natürlich auch bei Forerunners Network den ESG und Nachhaltigkeitspionieren. Was ist unser heutiges Thema? Das Thema heißt heute Mentoring. Es gibt einige Organisationen in Österreich, wer weiß, ob es genug sind. Bei uns ist heute Hands-on zu Gast. Ohne diese Mentoring-Organisationen würden viele junge Menschen heute nicht in den Arbeitsmarkt kommen. Er wäre nicht so divers, er wäre nicht so bunt, er wäre nicht so human und einfühlsam.
[01:41] Ich begrüße einmal ganz, ganz herzlich Eva Rosewich. Freut mich, dass du heute hier bist. Danke, dass ich hier sein darf. Ich freue mich sehr. Und den Karl-Heinz Seifert. Vielen Dank. Auch schön, Karl-Heinz, dass aus einem Café im Café Hummel eigentlich diese schöne Begegnung hier stattfinden hat können. Ich bin sehr dankbar dafür. Ja, gehen wir kurz zu dir, Eva. Immer die Frage, die alle hassen, wenn sie hier bei mir sitzen. Von der Wiege bis hierher ins Studio. Wie war denn der Weg? Wie kamst du hier zu uns? Mein Weg war bunt und vielfältig. Born and raised im Schwarzwald. Also ich bin ein waschechtes Schwarzwald-Mädel, die auf Umwegen von Deutschland nach Los Angeles, nach Wien gekommen ist. Bin mittlerweile seit 17 Jahren hier. Habe wie viele meiner Jugendlichen nach dem Abitur, Matura, eine Lehre tatsächlich gemacht in der Hotellerie. Also habe ich in einem Vier-Sterne-Haus gelernt im Schwarzwald und konnte dann über die Hotellerie nach Los Angeles gehen zu Hilton Hotels und dort ein Management-Training machen.
[02:58] Leider war dort irgendwann mein Aufenthaltstitel abgelaufen, sodass Hilton Hotels mir ein Hotel in Europa gesucht hat. Und das war das Hilton in Wien. Und so bin ich in Wien gelandet. Und nach einiger Zeit kam auch bei mir die Sinnfrage, was will ich machen beruflich mein Leben lang? Und habe mich dann entschieden umzuswitchen in Richtung Sozialarbeit, Sozialpädagogik. Habe das studiert dann auch und in verschiedenen sozialen Einrichtungen gearbeitet von Menschen mit Behinderung über Familien, Jugendliche. Und dann habe ich wunderbarerweise die Stellenanzeige von Hands-on Mentoring gesehen. Habe dort als Sozialarbeiterin begonnen und habe dann mit 2020 die Geschäftsführung übernommen und leite das mit sehr viel Herz-Hirn-Hand-Liebe. Karl-Heinz, stell dich kurz vor. Ja, Karl-Heinz Seifert. Ich bin zu Hands-on gekommen, eigentlich über einen Beitrag im ORF. Und meine Frau hat auch angeregt, du jetzt, wenn du in Halbpension oder Dreiviertelpension bist, könntest du ja auch etwas Sinnvolles machen.
[04:24] Habe ich gesagt, ja, weil man kann ja nicht jeden Tag Golf spielen. Also bin ich auf die Eva gestoßen und war eigentlich von der Idee begeistert, jungen Menschen, die sich schwer tun, einerseits mit Migrationshintergrund, bedingter Aufenthaltsgenehmigung und so weiter, in den Arbeitsprozess zu kommen. Und die Eva hat mich hier überzeugt und ich mache das jetzt mittlerweile seit fast vier Jahren. Und habe jetzt aktuell den sechsten Mentee. Gehen wir kurz zu Hands-on. Erzähl uns kurz was über die Organisation. Geschichte, Arbeitsprinzipien, wie machen die das? Genau, also Hands-on Mentoring gibt es seit 2016, wurde gegründet. Einerseits aus der katholischen Aktion raus, wo sich Menschen gedacht haben, damals so in dem Westbahnhof-Spirit, wo sehr viele junge Menschen hier ankamen und erst mal vor dem Nichts standen, geflohen vor Perspektivlosigkeit, vor Krieg. Haben eben Menschen aus der katholischen Aktion und ebenfalls Menschen aus der Wirtschaft gedacht,
[05:37] sie möchten nachhaltig was machen für junge Menschen, die hier ankommen, um Perspektiven für die zu kreieren und zu schaffen. Wir haben 2016 angefangen mit einem Mentee-Mentoren-Paar und sind mittlerweile angewachsen auf circa 100 Mentorinnen und Mentoren und ebenso viele Jugendliche, die im Jahr durchlaufen. Wir bieten Mentoring für junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren an und helfen ihnen beim beruflichen Einstieg, bei der Lehrstellensuche, bei der Orientierung, bei der Perspektivsuche. Also wir bieten quasi das Rundum-Paket-Bewerbung an. Woher kommen die Jugendlichen und vor allem wie kommen die auf euch? Die Jugendlichen kommen aus aller Herren Länder. Also wir sind offen für alle jungen Menschen zwischen 14 und 26 Jahren. Vorrangig kommen die meisten aus Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Bosnien, Serbien, Kroatien. Auch immer wieder Österreicherinnen und Österreicher. Genau. Wie sie zu mir kommen, entweder mache ich Öffentlichkeitsarbeit, dann rufen mich am Tag danach oder in der Woche danach meistens sehr viele Mütter, Omas, Tanten an
[07:00] und fragen nach Betreuung oder Unterstützung für ihre Kinder. Andererseits bin ich eben selber Sozialpädagogin und sehr gut vernetzt im Wiener Sozialwesen und habe Multiplikatorinnen sitzen in Jugendtreffs, Jugendcoachings, Arbeitsassistenzen. Also überall, wo es Jugendliche gibt, habe ich schon mal meinen Flyer hingetragen und Werbung gemacht. Das bringt mich auf eine Frage, weil katholischer Hintergrund von der Gründung her und doch sehr viele muslimische Aspiranten, die bei euch in den Beruf einsteigen, haben die ein Problem damit offensichtlich nicht. Nein, also nein. Es ist kein Geheimnis. Mensch ist Mensch. Mensch ist Mensch. Einer unserer Werte im Verein ist einfach auch Nächstenliebe, Wertschätzung, Vielfalt ist uns sehr wichtig, Diversität ist uns sehr wichtig und also wer Hilfe braucht, bekommt die. Und wie gesagt, wir sind ein eigenständig eingetragener Verein mit einer eigenen Vision, die da lautet, in allen jungen Menschen steckt eine wertvolle Persönlichkeit. Wir begleiten sie bei der beruflichen Entwicklung und Orientierung und Entfaltung ihrer Talente.
[08:20] Und das mit viel Herz, Begeisterung und Erfahrung. Das ist das Warum, also unser Kern, warum wir das machen. Und dahinter stehen wir auch alle. Gehen wir jetzt einmal zu dir, Karl-Heinz. Den Antrieb hast du schon erzählt. Das war der Frau, die dich nicht den ganzen Tag daheim sitzen wollte. Meine Güte, ich fürchte mich schon vor der Pension. Aber erklär mal so die Stunde Null. Um vielleicht das zu erklären, ich kenne dich, weil du große Firmen als Geschäftsführer geführt hast, über viele Jahre. Da hat man sein Team einmal, das sich weiter verteilt in der Pyramide. Und jeder seine Verantwortlichkeiten hatte. Und dann bist du einmal gekommen. Und vielleicht war es genau die Eva Rosewicht, die dir den ersten Termin vermittelt hat. Und dann hast du quasi, deine Firma war eine Einzelperson, ein Einzelprojekt. Wie war das für dich? Ja, natürlich. Also ich habe nach meinem Vollberufsleben eine kleine Unternehmensberatung gegründet.
[09:36] Und bin sozusagen auch als Unternehmensberater eine One-Man-Show. Das musste man mal auf die Reihe kriegen, weil ich war natürlich, klingt eingebildet, aber nicht gewohnt, dass ich mein Flugticket besorgen muss, meine Reisen planen muss, meine Buchhaltung machen muss und so weiter. Also von da weg war die Einpersonen-Dings ohne jemanden zu delegieren kein wesentliches Problem. Und ich habe dann begonnen. Ich glaube, wenn ich mich recht erinnere, der erste Manteni war ein Syrer, der, glaube ich, kurz nach der über die Türkei, zuerst sind sie geflüchtet von Syrien in die Türkei, 2015, 16, haben dort aber nicht, waren auch nicht wirklich willkommen und sind dann weiter geflüchtet nach Österreich. Und eine der Aufgaben, die wir als ehrenamtlich zur Verfügung stehen, ist ja auch, wie soll ich sagen, die Jugendlichen, die zu uns kommen, haben ja nicht diese kulturelle Vorbildung von ihren Eltern bekommen oder schon eine kulturelle, aber nicht eine, die unbedingt in Österreich
[11:01] passende ist. Das heißt also, zuerst gilt es ja auch einmal, hier die jungen Menschen heranzuführen, was ist in Österreich eigentlich wichtig, wie sehen wir Dinge, formal Dinge, wie schreibt man eben eine Bewerbung, wie schreibt man Motivationsschreiben und so weiter. Weil vielfältig sind die relativ gut schon in der deutschen Sprache, aber zu Hause sprechen sie natürlich ihre Sprache. Und da opfern wir, opfern würde ich gar nicht sagen, ist ein blöder Ausdruck, sondern wir geben gerne die Zeit dem Manteni. Wir treffen uns, alle Mentoren, glaube ich, machen das ungefähr gleich, einmal in der Woche für eine Stunde oder sei es auch einmal eineinhalb Stunden, begleiten, da den Fortgang ihrer Bewerbungsschreiben, wo haben sie sich beworben und so weiter. Was wir nicht tun ist, und das hat auch die Eva uns gleich mitgegeben, dass wir also zu Bewerbungsgesprächen mitgehen, sondern weil wir sagen, wir können die vorbereiten und coachen,
[12:12] aber sie müssen dann selber im Wasser schwimmen. Und es ist im Moment bei mir eben gelungen, dass wir von den sechs, ich glaube, jetzt habe ich den sechsten, der ist noch nicht vermittelt, aber von fünf habe ich vier gut vermittelt und einer hat sich entschieden, dass er seine Bildung fortführt und noch keine Arbeitsstelle will. Und damit ist es, und es sind ganz schöne Momente, ich erzähle nur eine kurze Dinge. Ich habe einen Serben gehabt mit einer alleinerziehenden Mutter mit drei Burschen und ich habe gesagt, was ist jetzt deine Hauptmotivation, dass du in den Arbeitsprozess kommen willst und so weiter. Und er hat gesagt, die Hauptmotivation ist, dass ich von meinen 800 Euro oder 780 Euro Lehrlingsentschädigung 200 Euro meiner Mama gebe. Das hat mir ein bisschen Tränen in die Augen gedrückt. Und da habe ich gesehen, das ist eigentlich das, was du als Feedback bekommst von den jungen Menschen
[13:28] und wo unser Antrieb ist, die zu vermitteln. Bleibt man mit denen dann auch später in Kontakt? Rufen die manchmal an, wenn sie Probleme haben und sagen, Herr Seifert, ich hänge irgendwo, ich stecke irgendwo? Ja, das ist eine lustige Erfahrung, die mich aber auch nicht stört. Wenn sie etabliert sind, rühren sie sich eigentlich nicht mehr. Also das heißt, wenn sie eine Lehrstelle haben und so weiter, ich bitte immer an, du, wenn es dann wieder Probleme gibt, ruf mich an. Ich handhabe das auch so, dass ich nie, auch wenn eine Lehrstelle da ist oder eine Ausbildungsstelle da ist, von mir aus die Mentorenfunktion beende, sondern ich erkläre denen immer, ihr beendet das. Wenn ihr fühlt, dass ihr jetzt etabliert sitzt, dass das der richtige Job für euch ist, die richtige Perspektive für die Zukunft, dann könnt ihr das beenden. Ich beende es nicht. Ich stehe euch zur Verfügung, solange ihr wollt.
[14:35] Und wenn das erledigt ist und die fühlen sich wohl, dann gibt es eigentlich, erstaunlicherweise, ich habe mir gedacht, aber erstaunlicherweise gibt es dann keinen Kontakt mehr. Ja, dann schwimmen sie frei. Dann schwimmen sie frei, haben gelernt zu schwimmen und schwimmen frei und erfreuen sich, dass sie in Österreich im Arbeitsleben integriert sind. Eva, inwieweit hast du in deiner Geschäftsführerinnenfunktion noch mit den jugendlichen direkten Kontakt? Gar keinen mehr und wenn nein, geht dir das ab? Doch, ich habe sehr viel Kontakt, da unser Verein relativ klein ist. Also ich bin die einzige Hauptamtliche mit meinen 100 Ehrenamtlichen. Ich habe einen Vorstand um mich herum, dem ich berichte und ein Kuratorium, das auf die Organisationsentwicklung schaut. Aber ich mache wirklich alles. Also ich mache die Erstgespräche, ich mache die Matchings, so ein bisschen der Ablauf bei uns. Ich lerne die Mentees kennen und teste die ein bisschen aus,
[15:38] ob sie es schaffen, pünktlich zuverlässig zu sein. Ich treffe die Mentorinnen, Mentoren, akquiriere die, halt den Kontakt regelmäßig, pflege die Mentees, pflege die Mentorinnen. Also ich habe relativ viel Kontakt mit den Jugendlichen und das macht mir auch irrsinnig viel Spaß, weil man ist am Puls der Zeit. Es hält jung und macht Spaß und es macht eine Riesenfreude, in die jugendliche Lebenswelt einzutauchen mit all ihren Vorteilen und auch teilweise Baustellen oder Nachteilen. Da wehnte ich mich aber jetzt an euch da draußen, nämlich an die, die sich überlegen, wohin sie ihre nächsten Spenden geben. Für mich klingt das, als ob die Eva vielleicht einmal sogar eine Assistentin brauchen könnte. Ja. Ich würde mich sehr freuen. Das heißt, wir werden dann im Artikel zu diesem Videocast und zum Podcast auch die Homepage veröffentlichen und ich ersuche euch, vor allem die Firmen, zu spenden, damit da mehr weitergeht und dass die Eva vielleicht auch mehr Zeit fürs Wesentliche hat.
[16:54] Genau. Wir haben sogar das Goodie, dass die Spenden steuerlich absetzbar sind. Also ja, das würde mich natürlich sehr freuen. Danke. Vielen Dank. Gehen wir wieder zur Arbeit. Ihr habt es schon beide gesagt, die Lehrplätze, die Schnittstellen zu den Betrieben. Wie passieren die? Wieder akquirieren oder gibt es schon Betriebe, die sagen, eigentlich müsste ich jetzt zu Henson gehen und sagen, haben die Top Potentials unter Anführungszeichen in der grauslichen Managementsprache, haben die gescheite, engagierte Jugendliche, die bei mir in der Firma einen guten Fuß fallen. Genau. Ich habe mehrere Schnittstellen. Einerseits passiert es über die Mentorinnen und Mentoren, die in der Arbeitswelt sehr gut vernetzt sind. Ich ziehe mit dem Projekt Hands-on-Mentoring vorrangig Menschen aus dem Management-Bereich an, Geschäftsführer großer Firmen, HR, Menschen, Marketing, Personen und, und, und. Die sind natürlich alle in Wien, Österreich sehr gut vernetzt und können ihren Jugendlichen so helfen.
[18:05] Das ist das eine. Was ich oder wir aber auch noch machen, sind Jobs-Beat-Dating-Events, die wir ein- bis zweimal im Jahr veranstalten. Wir, damit meine ich Jugend am Werk, WUG und Interface Wien, haben einmal im Jahr, meistens im November, größere Firmen bei uns im Büro, also wir haben große Räumlichkeiten, und veranstalten Jobs-Beat-Dating-Events für Lehrstellen. Mit dabei sind REWE, die Wiener Stadtwerke, Magenta Telekom und Magdas Hotel heuer. Also es findet dieses Jahr am 11.11. statt. Und circa 100 Jugendliche haben die Möglichkeit, sich an diesem Tag ihre Lehrstelle zu sichern für September des Folgejahres dann. Also die Veranstaltung heißt Runder Tisch, offene Chancen. Und die Firmen sitzen jeweils an runden Tischen mit maximal sieben bis zehn Jugendlichen und führen Vorstellungsgespräche den ganzen Tag. Das veranstalten wir seit 2018 und ist sehr erfolgreich. So, jetzt eine Frage an euch beide aus der Sicht der künftigen Lehrplatzgeber und Geberinnen.
[19:22] Welche Skills braucht denn ein junger Mensch als Basic-Anforderung zum erfolgreichen Einstieg in den Beruf? Welche Bereitschaft, aber vor allem auch welche Ermutigung, welches Coaching? Ja, ich würde sagen, ich sage die Soft Skills und du ermutigst. Also was mir sehr wichtig ist bei den Mentees und ich glaube, das ist auch bei den Firmen sehr wichtig, sind die Basics wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Motivation, Flexibilität. Dass sie einfach den extra Step auch bereit sind zu gehen. Dass es ihnen zum Beispiel nichts ausmacht, auch am Flughafen in Schwächert zu arbeiten. Dass sie den Arbeitsweg in Kauf nehmen. Das ist mir immer sehr wichtig, besonders auch, bevor ich die Jugendlichen auf die Mentorinnen und Mentoren loslasse, die ein sehr durchgetaktetes Arbeitsleben haben, sich ihre Freizeit nehmen oder die Zeit nehmen für die Jugendlichen. Also da bin ich sehr dahinter her, dass die Skills mitkommen. Und der lieber Heinz ermutigt.
[20:30] Ja, also ich würde sagen, ich ermutige immer, wenn ich sehe, dass die deutsche Sprache noch nicht so ist. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Deutschkurse zu machen. Die sind oft nicht so bekannt bei den Jugendlichen, die zu uns kommen ins Land. Und die Sprache ist einmal eines der wichtigsten Komponenten. Weil du musst dich ja mit zukünftigen Kollegen, mit Kunden möglicherweise. In dem einen Fall habe ich einen Spar als Einzelhandelskaufmann vermittelt. Und da stehst du eben dann dort und musst einfach mit den Kunden reden können. Sonst kannst du die Stelle nicht erfüllen. Und da gibt es also eine große Bereitschaft oder auch ein Verständnis, dass die Sprache für einen jungen Menschen an oberster Stelle sein muss. Und das erkennen die auch und sind auch bereit, sich hier dementsprechend weiterzubilden. Gibt es auch Dropouts? Also jemand, der dann sagt, mach ich nicht, man kommt nicht mehr?
[21:40] Gibt es auch. Ich bitte immer um klare Kommunikation. Also das erwähne ich auch immer ganz explizit bei Matching, wenn sich Mentor und Mentee zum ersten Mal kennenlernen. Es gibt ja die unsägliche Ghosting-Geschichte momentan. Also uns haben Mentees auch schon geghostet, dass sie wirklich ins Nirwana verschwinden. Ich versuche das immer anzusprechen und sage den Jugendlichen bitte, wenn ihr das Gefühl habt, es bringt euch nichts oder ihr habt keine Zeit oder es kommt sonst was auch immer daher, was in so einem jugendlichen Leben halt daherkommt, sagt es uns das. Wir sind erwachsen, wir halten das aus. Es ist mir lieber, als wenn sie einfach uns ghosten und sich nicht mehr melden. Das ist für die Mentorinnen immer blöd, wenn das so ein ungelöster Abschied ist. Man weiß dann auch nicht, ist was passiert mit dem Jugendlichen oder hat er einfach nur keine Lust mehr.
[22:35] Aber momentan muss ich sagen, ist das wirklich schon länger nicht mehr vorgekommen. Die Mentees, die meisten, wenn sie verstehen, wie wertvoll das ist, dass eine Person sich mit ihnen hinsetzt und es ist eine Person, die gut vernetzt ist, die erfolgreich ist in ihrem Berufsleben und die oder der sich eben die Zeit nimmt, zuhört, unterstützt, fördert, das kapieren die meisten Mentees ziemlich schnell, das ist sehr, sehr wertvoll, weil sie sonst oftmals einfach nur Nummern sind. Beim AMS sind sie ja Nummer, im Jugendcoaching sind sie ja Nummer und hier hast du eine Top-Oftmals-Führungspersönlichkeit vor dir sitzen, denen du wichtig bist und das macht einen großen Unterschied. Das ist ein sehr gutes Stichwort AMS. Habt ihr da Schnittstellen, zu denen empfehlen die manchen Jugendlichen, vielleicht zu einer Mentoring-Organisation zu geben oder ist das einfach ein Nullverhältnis? Also wir sind nicht vom AMS gefördert, einfach aus dem Grund, weil wir zu klein sind als Organisation.
[23:42] Wir hätten es schon mal versucht, aber wir sind schlichtweg zu klein. Ich mag auch meinen Ehrenamtlichen die AMS-Dinge nicht, die Quoten zum Beispiel nicht überstülpen, weil sonst müssten sie mir in einem gewissen Zeitraum die Jugendlichen vermitteln. Das kann ich von einem Menschen, der ehrenamtlich arbeitet und das aus Freude an der sozialen Arbeit macht, eigentlich kaum verlangen. Das würde, glaube ich, auch unsere Qualität mindern, wenn ich da so einen Druck drauflegen müsste. Daher die meisten Jugendlichen, die zu uns kommen, sind beim AMS gemeldet. Ich motiviere auch immer, die Kurse wahrzunehmen und die AMS-Angebote wahrzunehmen. Wir sind wie eine Art Zusatzunterstützung. Eigentlich ein wunderbarer Luxus und schön, dass es sowas gibt. Ich erinnere mich ein bisschen an Hermann Hesse, das Glasperlenspiel, dass man eben die Chance hat, das zu erleben. Allein ist es natürlich gerade in jugendlichen Zeiten schwerer, das nicht nur zu verstehen, sondern auch den Schritt zu machen, das wahrzunehmen,
[25:05] weil man es eben nicht einschätzen kann. Aber hätte ich jetzt als 15-Jähriger von einem Kapazundra oder Kapazundra das lernen können, wäre es toll gewesen. Ich weiß aber nicht, ob ich es getan hätte, weil ich 10.000 andere Dinge im Kopf hatte. Spannende Zeit, die Jugend, eine herrliche Zeit, eine spannende Zeit. Gehen wir ganz kurz einmal so ins Storytelling. Gibt es von deiner Seite, Karl-Heinz, von deiner Seite, Eva, etwas, wo du sagst, Die Geschichte erzähle ich jetzt gerne, wenn mich jemand fragt, was mich so erfüllt, was mich sicher mehr als acht Stunden am Tag mit diesem Beruf beschäftigen lässt. Ich habe viele Geschichten in meiner Wunderkiste, seit ich bei Hands-on-Mentoring bin. Eine Geschichte hat mich ganz besonders beeindruckt, das war mein Wintermärchen quasi. Und zwar ist es der Sinare, ein junger Mann aus Ghana, der vor zwei, drei Jahren nach Österreich kam,
[26:12] allein hierher geflüchtet, grauslige Fluchtgeschichte hinter sich. Der kam über den Verein Tralalobe zu mir, zu Hands-on-Mentoring. Ich habe ihn mir angehört und auch aufgenommen. Ein sehr motivierter, wunderbarer, lustiger, sehr gewinnender junger Mann. Den habe ich dann vermittelt zum Manfred Ronge, der in Baden ein Architekturbüro, Großküchenplanungsbüro hat. Und eigentlich war gedacht, dass der Manfred ihn als Mentor übernimmt. Also er ist auch ein langjähriger Mentor. Und habe den Sinare dann zu Manfred geschickt. Und der Manfred war auf Anhieb so begeistert vom Sinare, dass er gesagt hat, ich stelle dich an. Ja. Das Schwierige an der Geschichte ist, dass leider, wie viele Menschen aus Afrika, der Sinare noch kein abgeschlossenes Asylverfahren hat. Das heißt, der Manfred hat erst mal dem lieben Sinare ein Praktikum angeboten als technischer Zeichner. Das hat er wunderbar gemacht. Und ich bin dem Manfred so dankbar. Der hat dann wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, unter Miteinbeziehung des AMS.
[27:31] Und hat dem Sinare jetzt eine Leerstelle angeboten. Und es ist einfach unglaublich, weil Menschen ohne abgeschlossenes Asylverfahren haben es wirklich schwer, hier Fuß zu fassen. Dass der Sinare das geschafft hat, der Manfred so begeistert war, sich dann extra wegen dem Sinare zum Lehrbetrieb gemacht hat quasi. Und jetzt begleitet er ihn, hat ihn jetzt sogar noch als Pate übernommen, was ihm auch im Asylverfahren jetzt weiterhilft. Also schöner geht es nicht. Das ist, weil er Arbeitsstelle, es ist Integration. Der Sinare ist gut eingebunden. Er kann sich hier Zukunft aufbauen in Österreich. Also für mich ist das wirklich ein Paradebeispiel an Integration und ein Paradebeispiel an großem Herz. Und einfach Menschlichkeit in den herausfordernden Zeiten gegenüber so einem Menschen, der aus Afrika hierher kommt und hier sein Glück versucht. Wir können das nicht einspielen, aber Manfred, wenn du das siehst, das ist jetzt dein Applaus.
[28:42] Ja. Karl-Heinz, gibt es eine Geschichte, die uns eine Geschichte von einem jungen Serben hast du schon erzählt? Ja, habe ich schon erzählt, ja. Beeindruckend ist auch eben der finanzielle Druck ist ja da. Wir haben ja nicht nur typische Lehrlinge mit 15, 16 Jahren, sondern wir haben ja auch Leute, die irgendwo das verpasst haben und sind jetzt 19, 20, 21, 22. Gerade habe ich jemanden, der 20 ist. Und da ist immer dieser Zwiespalt. Lebe ich mit einer Lehrlingsentschädigung von, sagen wir, 800 Euro oder gehe ich wo arbeiten und verdiene brutto 1.500 Euro? Und diese Zwiespalt versuche ich natürlich den Leuten, den jungen Leuten mitzugeben. Natürlich hast du recht, du hast jetzt mehr Geld, aber deine Entwicklung wird stagnieren. Das heißt, ich habe jemanden, der sich, habe ich da noch gar nicht gesagt, hat sich entschieden, dass er als Lagerarbeiter bei NÖM arbeitet.
[30:01] Und verdient dort eben recht gut, auch mit Überstunden und so weiter, dann noch kommt auf ein gutes Einkommen. Aber ich habe dann eben gehört, dass er erkannt hat, dass es dann irgendwo eine Deckelung ist. Das heißt also, wenn du ohne Ausbildung bei einem so guten Schulsystem, wie wir in Österreich nach wie vor haben, hast du natürlich auch irrsinnig viele Konkurrenz am Arbeitsmarkt, die dann eben besser ausgebildet sind, die eine Lehrabschlussprüfung haben und so weiter. Und das versuche ich denen mitzugeben und das gelingt mir teilweise auch als gutes Feedback. Wobei eben die finanzielle Motivation, schneller mehr Geld zu verdienen, ist immer hier. Also das heißt, du redest vom doppelten Einkommen zwischen einer Lehrstelle annehmen oder einer, sage ich mal, nicht abwertend, aber Hilfsarbeiterstelle zu haben. Ja, das ist tatsächlich. Aber das rechnet sich, glaube ich, innerhalb von sieben Jahren oder so.
[31:13] Ja, genau. Aber das zu vermitteln gelingt mir manchmal, das eben denen zu erklären. Und das freut mich dann, dass sie sagen, ja, okay, das verstehen wir. Und ich nehme jetzt diese drei oder dreieinhalb Jahre je nach Lehrberuf in Kauf und habe aber dann eine Perspektive, dass ich mich hier endlos profilieren kann im Arbeitsleben und dementsprechende Aufstiegschancen habe. Eva, gehen wir vielleicht wieder Richtung Firmen, Richtung Partnerschaften. Gibt es etwas, das Hands-on anbietet? Da ich sage, okay, ich kann als Firma einerseits Lehrlinge nehmen, ich könnte andererseits spenden. Aber gibt es auch Angebote eines Dialogs? Weil Firmen können von dir ja auch wahnsinnig viel lernen oder profitieren, speziell jetzt die HEA-Abteilungen. Habt ihr da schon versucht, so zarte Bande zu knüpfen? Ja, auf jeden Fall. Das war sogar ein Gemeinschaftsprojekt aus Teilen der Mentorinnen und des Vorstands. Haben wir ein Führungskräfte- oder Nachwuchsführungskräfte-Projekt entwickelt,
[32:35] wo man durch Mentoring lernt, Menschen anzuleiten. Also das gäbe es. Wir haben ebenso die Möglichkeit des Corporate Volunteerings. Also Firmen, die das hören, HR-Abteilung oder auch ESG-Abteilungen, können sich sehr gerne melden bei mir. Wir haben für das Corporate Volunteering einen wunderbaren Ablauf. Also von Onboarding über Supervision, Intervision gliedere ich die Mentorinnen und Mentoren verschiedener Firmen ins Mentoring-Projekt ein. Ich habe auch immer Workshops zu Beratungscoaching-Themen oder jugendrelevanten Themen im Angebot. Also bei Hands-on-Mentoring bekommt man quasi so ein Komplettpaket. Genau, da haben wir einige namhafte Firmen an der Hand, die das schon machen. Was ich nur dazu sagen muss, ist, dass es bei Hands-on-Mentoring ein längerfristiges Engagement ist. Also so einen eintägigen Mentoring-Day oder ähnliches kann ich leider nicht anbieten. Aber dafür längerfristig, also ein Jahr. Man müsste einmal pro Woche für eineinhalb Stunden für ein Jahr Zeit haben, um sich bei Hands-on als Mentorin oder Mentor zu engagieren.
[33:56] Dafür kann man sehr viel lernen im Bereich, wie leite ich Menschen an, wie gehe ich auf Menschen ein, wie unterstütze ich Personen, wie man kann seine Coaching-Skills verfeinern mit den Jugendlichen. Genau, und die eben dann im Idealfall zur Lehrstelle führen. Jetzt hast du mehrere, wie soll ich sagen, Bezugstangenten zu den Menschen da draußen. Das eine sind die Jugendlichen, das zweite sind die Mentoren, das dritte ist die breite Öffentlichkeit, die sagt, okay, auch das ist für mich ein Spendenziel, muss ja nicht der Wahl irgendwo da weit draußen sein. Ich kann ja auch im eigenen Land etwas dafür tun. Und es sind die Firmenpartnerschaften. Wo liegt jetzt im Augenblick der Schwerpunkt, wo würdest du jetzt gerne am liebsten einen großen Sprung nach vorne machen? Ich meine, ja, die Spendenakquise ist immer ein großes Thema. Für euch freuen wir uns immer einfach, dass es noch länger Bestand hat,
[35:11] eben über das Corporate Volunteering. Das wäre ein Weg. Was mir ebenso momentan ein sehr großes Anliegen ist, ist die Vernetzung oder auch eine starke Stimme zu sein für das Mentoring in Österreich. Wir haben jetzt über die letzten eineinhalb Jahre den Mentoring Austria Dachverband gegründet. Wobei uns eben die SIN-Stifter, die haben das initiiert und gesagt, wir möchten Mentoring vor den Vorhang holen. Wir möchten, dass das in die Öffentlichkeit geht, dass das eventuell auch in die Politik geht, dass es einfach, weil viele Mentoring-Projekte sind, so wie unsere, eine One-Woman-Show oder kleiner. Und auch wir brauchen Förderungen oder würden uns wünschen, dass wir Gelder der öffentlichen Hand bekommen oder Ähnliches. Genau, und deswegen haben wir den Mentoring Austria Dachverband gegründet, der uns Organisationen vertritt und eine starke Stimme darstellt. Ist zu hoffen, ja? Ja, hoffentlich. Dass da einiges passiert. Genau. Dann beginnen wir vielleicht einmal ganz kurz vor Schluss
[36:28] mit dem Anwerben von neuen Mentoren und Mentorinnen. Karl-Heinz, bitte sag den Menschen da draußen, die sich vielleicht schon einmal den Gedanken gemacht haben, aber wir jetzt von dir vielleicht den letzten Anschluss kriegen, was ist der Profit, den du daraus hattest und den du denen, die das in Zukunft machen, vielleicht ankündigen kannst? Ja, also es ist erstens, wie die Eva schon gesagt hat, überschaubar. Das heißt also, wir, mit Nachschauen vom Bewerbungsgespräch und so weiter, aber im Prinzip opfert man so eineinhalb Stunden pro Woche, um Coaching zu machen, um diese Jugendlichen zu begleiten. und man kriegt irrsinnig viel zurück. Man kommt auch sehr darauf, wie dicken denn diese Kulturen und versucht, eine Brücke zu bauen zwischen unserer Kultur, das denen nahezubringen und deren Kultur. und wenn das ein Stück weit gelingt, Respekt vor Frauen zum Beispiel, nur um einen Aspekt zu nennen,
[37:40] und wenn man das Gefühl dann hat, man hat was erreicht, dann ist das eine gewisse Befriedigung, auch für das Leben, dass man jungen Menschen hier geholfen hat, die sich integriert haben, die hier ein zukünftiger oder schon präsenter und zukünftiger wichtiger und guter Teil für unsere Gesamtgesellschaft ist. Ja, so uneigennützig ist es ja gar nicht, weil sie zahlen ja da noch deine und meine Pension. Genau, das wollte ich eben auch sagen, weil wir haben Fachkräftemangel, wir haben einerseits eine Generation von Österreichern, wenn ich das auch ein bisschen kritisch sagen darf, die nur auf Work-Bilance, und ich höre von Freunden von mir, das erste ist immer, da kommt jemand gut ausgebildet mit 23, 24, sagt, ja, aber ich möchte nur 20 Stunden arbeiten in der Woche und davon die Hälfte Homeoffice haben, und da scheint die Motivation bei vielen von diesen Jugendlichen
[38:55] mit Migrationshintergrund wesentlich motivierter sind. Also, das muss ich schon sagen, und diese Work-Life-Bilance ist ein Wort, das ich fast hasse, ich hasse gar nichts, aber fast hasse, weil damit würde ich ja sagen, dass wenn ich worke, wenn ich arbeite, dass ich nicht lebe. Das wäre eigentlich der, vom Englischen wortwörtlich übersetzt, oder ich übersetze das so, dass ich sage, entweder ich arbeite oder ich lebe. Und diese Sinnhaftigkeit, im Arbeitsprozess zu leben, das ist ja ein Teil, oder war früher zumindest ein Teil, mindestens ein Drittel unseres Tages, verbringen wir ja mit Arbeit. Und wenn ich das aufgebe und sage, das ist nur Work und eine Belastung, und eigentlich brauche ich das live, das habe ich noch nicht verstanden, aber das ist vielleicht auch eine Altersfrage. Gleich die letzte Frage an dich, sodass die Eva das Schlusswort hat. In Bezug, ganz kurze Antwort,
[40:01] in Bezug auf Hands-on, was ist dein Wunsch an die Zukunft dieser Organisation? Also, ich hoffe, dass die Organisation weiter wächst. Wir haben einen guten Zuspruch von Mentoren. Wir machen auch diese gemeinsamen Abenden, wo wir uns austauschen, gegenseitig hier befruchten, wie man das noch besser machen kann, und so weiter. Und ich finde, dass es ein wichtiger Teil ist, auch für Österreich, weil du das gesagt hast, auch für Österreich ein wichtiger Teil, dass wir gut integrierte Menschen haben, die zu uns gerne kommen, die auch gerne bei uns arbeiten und hoffentlich auch gerne unsere Pension einzahlen, nein, sprich Steuern zahlen, Sozialversicherungsbeiträge zahlen und so weiter. Also, ich finde das, und ich habe noch von keinem gehört, zumindest von meinem Mentini, noch keinem gehört, dass 38,5 Stunden in der Woche dass das irgendein Problem sein sollte. Und das hoffe ich auch, dass wir über solche Menschen
[41:12] wieder dazu kommen, produktive Mitbürger zu haben. Ja, und die Wirtschaft zu stärken. Genau. Liebe Eva, es begann mit dir, es endet mit dir. Draußen geht es dann weiter mit dir. Und Hands-On, vielleicht kurz oder länger, deine Wünsche an die Zukunft von Hands-On. Ich wünsche mir für und von Hands-On, dass wir weiterhin sehr vielen jungen Menschen Perspektiven schaffen, Hoffnungen schaffen, dass sie sich ihr Leben aufbauen können. Es beginnt meistens mit ihrer finanziellen Sicherheit und sprich mit einem Job oder mit einer Lehrstelle. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin so qualitativ hochwertig arbeiten können, dass weiterhin so viele wunderbare Mentorinnen und Mentoren dem Projekt die Treue halten einerseits oder auch neu hinzukommen. Es sind wunderbare Menschen, die sich engagieren bei Hands-On Mentoring. Es sind tolle Jugendliche. Und als Geschäftsführerin freue ich mich natürlich auch, wenn das finanziell gut weitergeht. Ich wünsche mir weiterhin so viele Tolle Erlebnisse,
[42:42] super Erfolgsgeschichten, die Freude in den Augen der Jugendlichen, wenn sie eine Lehrstelle bekommen, der freudige Anruf, es ist einfach erfüllend. Das waren so wunderbare Schlussworte, dass ich nur mal sagen kann, danke, danke, danke, vor allem an Sie, die ab jetzt ein Auge auf Hands-On haben. Ich verabschiede mich im Namen von Forerunners Network. Danke Karl-Heinz, danke Ilda. Danke Christoph. Gibt es als Podcast, gibt es als Video auf unserer Homepage. Ganz, ganz wichtig, Spendenhotline wird eingeblendet bei uns. Und wenn ihr als Herr Erler, als Firma jemanden braucht, der das versteht, mit dem ihr wachsen könnt, dann Hands-On. Liebe Grüße, Papa.
