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Europas Wirtschaft braucht Regeln, die zwischen Risiko und Routine unterscheiden

Europa will Klimarisiken begrenzen, faire Lieferketten sichern und zugleich wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben. Im Gespräch mit Stefan Selden wird klar, warum weder immer neue Berichtspflichten noch pauschale Deregulierung weiterhelfen. Gefragt ist ein Regelwerk, das große Risiken trifft, kleine Betriebe nicht überfordert und gesellschaftliche Mehrheiten mitnimmt.

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Podcast13.05.2025

Erst verlangt die Öffentlichkeit strengere Regeln. Sind sie da, wird ebenso laut nach Entbürokratisierung gerufen. Stefan Selden kennt beide Seiten dieser Bewegung. Bevor er Vorstand der Wiener Privatbank wurde, arbeitete er als ESG-Berater. Heute muss er Regeln nicht nur erklären, sondern in einer kleinen Bank umsetzen und gegenüber der Aufsicht verantworten.

Seine Diagnose fällt deshalb weder regulatorisch noch marktradikal aus. Die Grundideen des europäischen Green Deals hält er weiterhin für richtig. Zugleich erlebt er, wie viele Vorschriften Zeit und Aufmerksamkeit binden, die dann für Innovation und Geschäft fehlen. Europa, sagt Selden sinngemäß, brauche einen Mittelweg. Gerade dieser ist schwieriger als die beiden populären Parolen „mehr Regeln“ und „alles entrümpeln“.

Banken sind ein naheliegender Hebel – und schnell überlastet

Dass die Europäische Union ausgerechnet Banken stark in die grüne Transformation einbindet, hat eine nachvollziehbare Logik. Wer Finanzierungsströme verändert, beeinflusst, welche Projekte Kapital erhalten. Zudem sind Banken seit der Finanzkrise eng beaufsichtigt. Der Staat kennt die Branche und verfügt über Instrumente, um Vorgaben durchzusetzen.

Aus der Sicht einer Bank addieren sich diese Anforderungen allerdings. ESG-Berichte stehen nicht allein. Dazu kommen Kapitalvorschriften, Verbraucherschutz, Arbeitsrecht und weitere Auflagen. Selden bestreitet deren Zweck nicht. Er warnt aber vor einem Punkt, an dem die Summe sinnvoller Einzelregeln die Organisation als Ganzes lähmt. Eine Bank muss Vorschriften erfüllen können und trotzdem genügend Spielraum behalten, um neue Angebote zu entwickeln und wirtschaftlich zu arbeiten.

Der internationale Vergleich macht die Sache komplizierter. Selden sieht in anderen Wirtschaftsräumen weniger Regulierung, erinnert aber auch an die Kehrseite. Werden Schutzregeln weit zurückgenommen, können kurzfristig Geschäfte und Gewinne wachsen, während sich Risiken aufbauen. Die Stärke amerikanischer Banken ist für ihn daher kein ausreichender Beleg, dass Europa einfach denselben Weg einschlagen sollte. Die Folgen einer Deregulierung zeigen sich oft erst über einen gesamten Wirtschaftszyklus.

Gute Ziele verlieren, wenn ihre Umsetzung keine Mehrheit findet

Selden trennt konsequent zwischen Ziel und Weg. Klimaschutz, faire Arbeitsbedingungen und andere europäische Werte bleiben aus seiner Sicht richtig. Doch ein richtiges Ziel schützt nicht vor einer schlecht konstruierten Vorschrift. Umgekehrt macht eine überbordende Regel das Ziel dahinter nicht automatisch falsch.

Diese Unterscheidung ist auch politisch wichtig. Nachhaltigkeit lässt sich in einer Demokratie nicht dauerhaft gegen eine große skeptische Gruppe durchsetzen. Wenn Menschen Regeln nur als ideologische Bevormundung erleben, bricht die notwendige Mehrheit weg. Selden fordert deshalb eine verständlichere Diskussion über das konkrete Risiko des Klimawandels und über die Wirkung einzelner Maßnahmen. Es reicht nicht, auf Prinzipien zu verweisen. Politik muss zeigen, welches Problem eine Regel löst, wen sie belastet und warum diese Belastung angemessen ist.

Das ist mehr als Kommunikation. Wer Zustimmung zurückgewinnen will, muss auch bereit sein, Vorschriften zu ändern, die in der Praxis ihr Ziel verfehlen. Genau dort setzt für Selden der europäische „Omnibus“ an: als Versuch, Nachhaltigkeitsregeln zu vereinfachen, ohne ihre Richtung aufzugeben.

Selden setzt auf Wirkung statt Vollständigkeit

Am Beispiel der Lieferkette beschreibt Selden, wie gute Absichten in kaum erfüllbare Aufgaben kippen können. Unternehmen sollten nicht nur ihre direkten Lieferanten prüfen, sondern die Kette immer weiter zurückverfolgen. Was am Stammtisch zwingend klingt, wird im Betrieb schnell endlos. Jede weitere Stufe erzeugt Prüfaufwand, obwohl der zusätzliche Erkenntnisgewinn sinkt.

Die geplanten Erleichterungen zielen laut Selden stärker auf direkte Lieferanten, größere Unternehmen und jene Bereiche, in denen tatsächlich ein erheblicher Einfluss zu erwarten ist. Kleinere Betriebe sollen von Teilen der Berichtspflicht ausgenommen werden. Auch persönliche Haftungsrisiken, die Entscheidungsträger übervorsichtig machen können, werden begrenzt.

Dahinter steht eine praktische Regel: Ein großer Teil der Wirkung lässt sich oft mit einem überschaubaren Teil des Aufwands erreichen. Die letzten Prozent vollständiger Erfassung sind dagegen besonders teuer. Das bedeutet nicht, kleine Verstöße für bedeutungslos zu erklären. Es bedeutet, knappe Kontrollressourcen dort einzusetzen, wo sie voraussichtlich am meisten verändern.

Ob diese Vereinfachung bei Unternehmen und Bevölkerung als echte Entlastung ankommt, lässt Selden offen. Ein neues Paket kann selbst wieder kompliziert werden. Entscheidend ist deshalb nicht die Ankündigung, Bürokratie abzubauen, sondern die spürbare Wirkung im Alltag.

Klimaschutz trägt dann, wenn aus Förderung ein Geschäftsmodell wird

Bei Wind- und Solarenergie sieht Selden, wie eine Transformation aus der Förderphase herauswachsen kann. Neue Technologien brauchen anfangs Unterstützung, damit Betriebe investieren und genügend Nachfrage entsteht. Sind sie marktreif und wirtschaftlich attraktiv, sollte Förderung nicht zum Dauerzustand werden.

Für Windkraft und Photovoltaik erkennt er diese Entwicklung bereits: Investitionen rechnen sich häufig auch ohne massive Zuschüsse. Genau das hält er für den besten Zustand. Die Anlage wird gebaut, weil sie wirtschaftlich sinnvoll ist, nicht weil ein Fördertopf sie künstlich am Leben hält. Bei anderen Technologien kann ein zu früher Ausstieg dagegen die nötige kritische Masse verhindern.

Auch hier bleibt ein Konflikt. Wenn klimaschädliches Wirtschaften teurer wird, entstehen soziale Belastungen. Werden sie nicht abgefedert, trifft die Transformation Menschen mit wenig finanziellem Spielraum besonders stark. Dasselbe gilt für mehr regionale Produktion. Kürzere Lieferketten können Abhängigkeiten und Emissionen senken sowie Arbeitsplätze nach Europa zurückbringen. Produkte werden aber teurer, wenn europäische Löhne und Standards gelten. Selden räumt offen ein, dass sich wohlhabendere Haushalte Regionalität leichter leisten können.

Europas Banken müssen Werte und Unabhängigkeit zugleich sichern

Noch schärfer zeigt sich das Dilemma im globalen Bankgeschäft. Verzichtet eine europäische Bank aus Nachhaltigkeitsgründen auf profitable Branchen, während internationale Konkurrenten diese finanzieren, verschlechtern sich ihre Ergebnisse. Auf Dauer geht damit nicht nur Marktanteil verloren. Banken bedeuten für Selden auch wirtschaftlichen Einfluss und europäische Unabhängigkeit.

Die neue Debatte über Rüstungsfinanzierung macht diese Spannung sichtbar. Lange schlossen viele Banken den Sektor grundsätzlich aus. Wenn europäische Staaten nun mehr Verteidigung verlangen, kann das Finanzsystem nicht so tun, als hätte es damit nichts zu tun. Selden plädiert dennoch nicht für einen unkritischen Geldfluss. Die Branche bleibt wegen großer Staatsaufträge, möglicher Korruption und der Verwendung ihrer Produkte besonders sensibel. Umso wichtiger wäre eine europäisch abgestimmte Debatte darüber, welche Fähigkeiten finanziert werden sollen. „Das Geld kann man auch nicht zweimal ausgeben“, bringt er die notwendige Priorisierung auf den Punkt.

Europäische Risiko-Intelligenz hieße demnach, zwei Gefahren gleichzeitig zu sehen: Regeln können Wirtschaftskraft ersticken. Zu wenig Regeln kann ökologische, soziale und finanzielle Schäden wachsen lassen, die später viel teurer werden. Der Ausweg liegt nicht in einem neuen Extrem, sondern in präziseren Entscheidungen: klare Ziele, Schwellenwerte mit Maß, regelmäßige Wirkungskontrolle und eine ehrliche Rechnung über die sozialen Kosten. So könnte Europa seine Werte verteidigen, ohne die wirtschaftliche Basis dafür zu verlieren.


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[00:00] Hallo und gratuliere dir! Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Wie sieht die Infrastruktur von morgen in Österreich aus? Straßen, Schienen, digitale Netze, aber auch Energieversorgung und Bildung. Wer sind die Menschen, die heute schon an morgen denken? Welche Herausforderungen warten auf uns? Und in welche Richtung wollen wir uns bewegen? Sei dabei und lass uns unsere Zukunft gemeinsam gestalten. Auf Forerunners Network der ESG und Infrastruktur Plattform. Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, der Podcast von Forerunners Network. Heute ein Gast, der eine bewegte Zeit hinter sich hat, wie wir alle in Europa. Stefan Selden, Vorstand der Wiener Privatbank. Stefan, schön, dass du wieder hier bei uns bist.

[01:13] Herr Haus Christoph, danke für die Einladung. Ja, wir sprechen heute über Europa ein bisschen später. Ich glaube ein Jahr ist unser Podcast her. Und da haben wir über die Taxonomie gesprochen und ob die ihre Kinder frisst, mehr oder weniger. Du hast damals ein bisschen hin und her geschwankt zwischen, ja, Lieferkette könnte doch nicht so toll sein und eigentlich von den Werten her ganz in Ordnung. Ja, und dann kam der Trump und dann kamen Minusse in den Staatshaushalten, die sich gewaschen haben. Und wir schauen uns heute Europa und seine Taxonomie ein Jahr später an. Ja, die erste Frage gleich an dich. Sind wir dabei, uns mit unseren eigenen Regeln selbst zu fesseln? Haben wir uns gefesselt? Kommen wir da wieder heraus? Oder brauchen wir diese durchaus guten Prinzipien, die in dem Regelwerk stehen? Ja, das ist die Frage aller Fragen. Ich würde sagen, wenn ich mich in meinem beruflichen Netzwerk und Umfeld umhöre, würden gefühlte 70, 80, 90 Prozent sagen, dass wir uns zu sehr fesseln, dass wir überbürokratisiert sind, dass Europa sich aus dem Markt reguliert, dass wir den Anschluss verlieren.

[02:29] Also ich glaube schon, dass das ein ziemlich in der breiten Masse, also jetzt in der Wirtschaftswelt, aber ich glaube auch im allgemeinen Recht verbreitet ist. Und ich glaube auch, dass man das schon auch ernst nehmen muss und dass die EU wahrscheinlich, und ich bin wie gesagt ein Freund von den Grundideen, die drinnen sind, und auch dessen, dass man mal wirklich was macht und nicht nur darüber redet. Aber ich glaube schon, dass das Pendel wahrscheinlich ein bisschen zu weit Richtung Regulierung ausgeschlagen hat. Das Gefühl hätte ich schon. Als du zuletzt bei uns warst, warst du noch klassischer ESG-Berater mit deinem eigenen Institut, dann hast du ein hoffentlich sehr gutes Angebot angenommen bei der Wiener Privatbank und siehst natürlich jetzt auch wieder den Kontext der Banken mit den europäischen Regularien unter Wirtschaftsarbeit. Wie siehst du jetzt die Regulierung aus dem Bereich des Bankers, der du wieder bist?

[03:27] Also natürlich als Berater lebt man davon, dass irgendwer etwas Neues einführen will und einen Berater dafür braucht. Wir haben ja vor allem eine Softwarelösung angeboten. Ich habe aber schon versucht, auch damals immer so zu sehen, was gibt es für Lösungen, die auch wirklich sinnvoll sind, weil sonst ist es auch wirtschaftlich nicht sehr nachhaltig. Wenn man wieder in Banken zurück ist, und ich war ja früher schon in Banken, jetzt bin ich wieder zurück, eindeutig, Banken sind natürlich bombardiert von Regularien. Und ich kann viele davon, wie gesagt, nachvollziehen. Viele kommen noch aus der Finanzkrise, viele kommen jetzt daher, dass man viel von dem Green Deal, von der grünen Wende über die Finanzindustrie spielen will. Dass man sich denkt, es ist schlau, Finanzierungsströme umzulenken und die Banken sind irgendwie eh schon so reguliert, da hat man auch einen Hebel. Aber es ist schon eindeutig so, wie man wieder drinnen ist und in meiner Rolle eben auch als einer der Vorstände, der dann auch die Diskussionen mit der Aufsicht darüber führt.

[04:24] Und wir sind eine sehr kleine Bank. Ja, man hat schon wirklich viel zu tun mit Regularien. Es ist ja nicht nur das ESG-Regularien, es sind ja auch sehr viele andere Regularien, die man hat. Und bei fast allen sehe ich den Zweck dahinter, ob das jetzt das Arbeitsrecht ist, ob das Kapitalvorschriften sind, ob das gewisse Regeln, Verbraucherschutz und Ähnliches sind oder ob das nachhaltige Regeln sind. Es muss nur trotzdem dann so sein, dass ich als Wirtschaft und auch als Bankenwelt eine Chance habe, sie zu erfüllen und dabei noch irgendwo Innovationskraft zu haben und auch Geld zu verdienen. Das ist doch irgendwie in unserem System etwas, das am Ende rauskommen muss. Also den Druck spürt man natürlich von drinnen noch viel stärker als von draußen. Ich bleibe ein bisschen bei den Banken und wir sind in Europa, für Europa, lieben Europa. Haben deine Kollegen und Kolleginnen bei den asiatischen Banken, amerikanischen Banken, südamerikanischen Banken weniger Auflagen oder ähnliche?

[05:19] Ich glaube, sie haben weniger, aber ich habe jetzt als Wiener Privatbank nicht allzu viel internationalen Kontakt jetzt im täglichen Leben. Dass in Amerika zum Beispiel, dass ich wahrscheinlich am besten kenne, das sieht man auch jetzt vor allem nach der Finanzkrise, dass die amerikanischen Banken sehr viel stärker geworden sind verglichen mit den europäischen. Ich sehe das aber schon ein bisschen ambivalent, weil das war auch vor der Finanzkrise so. Natürlich ist es für eine gewisse Zeit lang wunderbar, wenn ich sehr viele Regularien wegnehme und jeder macht quasi, was er will. Beispiel, wenn man Verbraucherschutz völlig aufheben würde, wäre es sehr viel leichter, Kredite zu vergeben oder Beratungen zu machen, aber wahrscheinlich würden auch wieder Probleme auftreten. Also das muss man dann schon über den ganzen Zyklus sehen. Schauen wir mal, was passiert mit dieser ganzen Deregulierung. Ich kann mir schon noch vorstellen, dass momentan in Amerika auch Risken aufgebaut werden, die wir in Europa vielleicht nicht bauen.

[06:15] Also ich bin jetzt kein totaler Feind der Regularien, aber ich glaube, um deine Frage zu beantworten, ja, in anderen Wirtschaftsräumen wird weniger reguliert. Ich glaube, in manchen wird zu wenig reguliert, bei uns wird aber wahrscheinlich schon etwas zu viel reguliert. Man muss irgendwie die Gold in der Mitte finden und das ist, glaube ich, eine spannende Frage, dass man den Mittelweg findet zwischen sinnvoll regulieren, aber nicht auch gewisse Freiheitsgrade, die eine Wirtschaft schon auch braucht und generell, glaube ich, eine Gesellschaft schon auch braucht, aufrecht zu erhalten. Und da muss man als Gesetzgeber, als Gesellschaft die Diskussion führen, die wird mir momentan viel zu wenig geführt. Zuerst wird geschrien, es muss viel mehr reguliert werden, dann hat man die Regeln und dann schreien alle, es muss alles entbürokratisiert werden. Beides stimmt nicht ganz irgendwo. Gold in der Mittelweg wäre gut, was theoretisch gut klingt und in der Praxis nicht ganz einfach ist.

[07:05] Bewegen wir uns wieder einmal auf dem Wertepfad, der uns durch all unsere Podcasts begleitet. Das letzte Mal haben wir unter beiden miteinander gesprochen. Da war eigentlich so die Werte-Einstellung eine ähnliche in den USA wie in Österreich. Dann kam eben der neue Präsident und schon im Vorfeld hat man gemerkt, ich habe mit Freunden darüber gesprochen, naja, diese ganze ESG-Geschichte, Diversität, Barrierefreiheit und so an uns geht es schon so am Nerv. Und auf diesen Nerv hat der Trump offensichtlich gedrückt und ist jetzt dort drüben 100 und was weiß ich, die zehn Tage im Amt und haut eins nach dem anderen runter. Müssen wir jetzt in Europa nachziehen und sagen, so, diese Werte, die wir uns aufbauen wollten, sind eigentlich gar nicht modern, weil sonst ist der Trump böse und die amerikanische Wirtschaft bret uns eins rüber. Oder können wir draufbleiben? Ich glaube, dass die Werte die richtigen sind.

[08:06] Ich glaube, und das ist eine Grundfrage, gibt es den Klimawandel oder gibt es ihn nicht? Und ist das ein Problem oder ist es keines? Das haben wir schon mal diskutiert. Wenn ich der Meinung bin, das ist alles hybris, dann ist es natürlich verrückt, so viel Regularien zu erfinden oder zu machen. Aber ich glaube schon, und der weite Teil der seriösen Wissenschaft glaubt das auch. Und bis vor fünf Jahren hat es auch in Österreich, hat es eigentlich die Gesellschaft im Schnitt auch geglaubt, dass man sagt, okay, wir müssen hier irgendwas machen. Und das ist, glaube ich, bis zu einem gewissen Grad verloren gegangen. Also ich persönlich glaube noch immer, dass das Ziel das Richtige ist. Ich glaube, den Weg müsste man mehr diskutieren. Und ich glaube aber, dass jetzt ein ganz praktisches Problem besteht, wenn wir zwei hier glauben, es sind die richtigen Werte und es ist der richtige Weg

[08:50] oder wenn 20 Prozent der Gesellschaft das glauben, ist es das eine. Aber wir sind in einer Demokratie und es gibt eine sehr relevante Gegenbewegung, die sagt, okay, mir reicht es von dem ganzen Blödsinn. Ich glaube, ihr wollt uns nur Sachen vorschreiben. Das ist alles nicht so wild. Die Amerikaner pfeifen auch drauf. Hören wir auch auf. Und deswegen ist es wichtig, diesen Prozess so zu führen, dass man am Ende auch wieder Mehrheiten hat, die glauben, es ist der richtige Weg, weil wir werden es nicht mit 10, 20, 30 Prozent der Bevölkerung den anderen aufoktroyieren können. Und das ist, glaube ich, die spannende Frage, dass man versucht, wieder mehr Leute davon zu überzeugen, dass das nicht Ideologie ist, sondern dass es hier wirklich ein Risiko gibt, das uns bedroht, jedenfalls unsere Kinder. Und dass wir uns schon überlegen müssen, wenn wir damit umgehen.

[09:34] Und dann glaube ich schon, dass man auch wieder die Mehrheit der Gesellschaft davon überzeugen kann. Und wenn nicht, dann wird es in einer Demokratie ganz einfach schwierig, weil wenn ich nicht die Mehrheit hinter mir habe, dann werde ich das nicht durchsetzen können. Das ist auch ein Prinzip, auf dem unsere Werte irgendwo stehen. Wir müssen jetzt kurz etwas Hörer und Hörerinnen Bildendes machen. Du hast mir heute über WhatsApp das Wort Omnibus geschickt. Und schon wie damals Lieferkette, Taxonomie etc. Green Deal, du hattest das so schön drauf und konntest das so schön erklären. Erklär uns doch einmal das neue Wort Omnibus. Wofür steht das? Alles geht's gut? Das neue Wort Omnibus, das ja wie die Latein-Affinen ja sicher wissen, der heißt irgendwie für alle. Deswegen heißt der, glaube ich, auch der Reisebus Omnibus. Und das kommt eigentlich daher, dass die EU hat gesagt,

[10:29] sie will viele Verbraucherschutzrichtlinien irgendwie entrümpeln. In der Finanz- und vor allem Nachhaltigkeitsgesetzgebung oder Regulierung hat es sehr stark den Touch, dass man sieht, und das ist es wahrscheinlich auch als eine Reaktion, auf genau das, was wir vorher diskutiert haben, dass der Vorwurf im Raum stand und die EU da offensichtlich auch gesehen hat, dass man etwas machen muss, dass man etwas übers Ziel hinausgeschossen hat mit einer Lieferkettenverordnung, mit einer CSRD, mit diesem Nachhaltigkeitsberichterstattung, mit einer Taxonomie. Und die Ursula von der Leyen, die Kommissionspräsidentin, hat auch gesagt, ich glaube nach wie vor, dass die Ziele und Werte und auch die Richtung die richtige ist, aber in Klammer, vielleicht waren wir irgendwo auch ein bisschen zu detailliert, Klammer zu. Und jetzt hat man sich das Ziel gegeben, dass man 25 Prozent der Kosten einspart, dass man bis zu 6,3 Milliarden Euro einspart, dass man sehr viele in gewissen Bereichen,

[11:16] so ungefähr 90 Prozent der Unternehmen, befreit von gewissen Berichtspflichten. Also dass man so eine 80-20-Regelung macht, man kümmert sich um die, wo wirklich Impact stattfindet und hat jetzt in verschiedenen Bereichen, ich kann ein paar Beispiele nennen, ziemlich relevante Veränderungen gemacht. Man hat gewisse Teile ein bisschen nach hinten verschoben, man hat aber vor allem kleine Unternehmen ausgenommen, man hat indirekte Berichterstattungen rausgenommen. Also man hat so versucht, das Ziel zu erreichen, aber quasi es nicht mehr ganz so breit zu streuen und eine bessere Balance zu finden zwischen dem richtigen Ziel, aber eben auch einem Bürokratiemonster. Also ich glaube schon, dass das von der EU der Versuch ist, in die Richtung zu gehen, die wir vorher diskutiert haben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das bei den Leuten auch so ankommt. Ihr habt nun irgendwie mitgekriegt, eine Belegspflicht bis 35 Euro. Ja, ich glaube Österreich.

[12:07] Das war Österreich, revolutionär. Aber nenn vielleicht ein paar Beispiele, zwei, drei, die dir einfallen, die jetzt durch das Entrümpelungssystem vielleicht positiv betroffen werden. Also eins zum Beispiel, das finde ich auch ein schönes Beispiel, wo quasi Ideologie, Ziel und Praxis aufeinanderprallen. Man hat diese Lieferkettenverordnung, also zu sagen, okay, du musst schauen, ob deine Lieferkette nachhaltig ist, keine Kinderarbeit und halbwegs sinnvolle CO2-Werte und ähnliches. Und da musstest du auch schauen, ob die Lieferanten, deine Lieferanten, das einhalten quasi bis zum Ende. Und das ist in einer Diskussion unter Freunden am Stammtisch wunderbar. Ja, das muss man durchexortieren, die müssen alle schauen und sonstiges. In der Praxis ist es aber irre, wenn jeder, der irgendwo Sachen einkauft, schauen muss vom Lieferanten, vom Lieferanten, vom Lieferanten. Das hört quasi nie auf. Da hat man jetzt einige Änderungen gemacht und die größte Änderung ist also, dass man gesagt hat,

[13:00] ich muss nur noch meine direkten Lieferanten prüfen. Und dann gibt es auch Erleichterungen, dass nicht jedes Unternehmen das trifft und dass ich mich auf gewisse Dinge stärker verlassen kann. Dann zum Beispiel früher, und das klingt ja auch logisch, immer war ein Vergehen, da wurde zum Beispiel mit Banken diskutiert, wenn der Vorstand irgendwo einen Kredit vergibt an jemandem, der eine Lieferkette nicht okay ist, dass der Vorstand der Bank auch persönlich mit Sorgfaltspflichten haftet, dass man quasi vorwerfen kann, bis zum Strafrecht quasi. Und das klingt auf dem ersten Blick immer toll, ja, das muss jetzt ernst genommen werden. Auf der anderen Seite, das führt natürlich dazu, dass Leute extrem ängstlich, extrem vorsichtig werden. Das ist auch erleichtert worden. Und es trifft nicht mehr, nicht mehr alle Unternehmen müssen diese Berichte machen. Also man hat das Lieferkettengesetz, war ja immer gut gemeint, war aber sicher,

[13:44] der Meinung war ich schon länger, überbordend. Und das hat irgendwie in der Realität schlecht entsprochen. Man versucht, okay, fokussiere ich auf den hertierten Lieferanten und erst ab gewissen Größenordnungen und ähnliches. Ein zweites, recht schönes Beispiel, ich habe mir das auch irgendwie rausgeschrieben, es gab immer die Diskussion, muss ich CO2 messen und bei diesem, oder messen müssen es die meisten, aber muss ich, es gibt dieses CO2-Handelssystem in der EU. Und da war die Diskussion, wer muss da aller teilnehmen und bis wie weit geht das runter. Und früher hat es quasi geheißen, jeder, der eine Tonne CO2 oder halt einen Euro oder einen Gramm CO2 produziert, muss da drinnen sein, ab einem gewissen Zeitpunkt, nicht ganz so, aber so ein bisschen in diese Richtung. Und jetzt hat man gesagt, okay, ich glaube 50 Tonnen CO2 ist jetzt so eine Art Freibetrag. Bitte mich nicht im Detail zu zitieren,

[14:31] aber so in die Richtung, also ich kann quasi, wenn ich bis zu dieser Menge emittiere, falle ich da nicht hinein. Und damit, wenn ich die Zahlen, die ich da aufgeschnappt habe, richtig verstanden habe, geht es darum, dass ich damit fast 80, 90 Prozent der Unternehmen herausnehme. Die müssen also gar nicht teilnehmen, müssen also nicht berichten und handeln und das Ganze quasi, die ganze Bürokratie und Reporting erfüllen. Und auf der anderen Seite, aber ich war trotzdem noch, glaube ich, 99 Prozent der Emissionen abgedeckt. Also genau so eine Regel. Und natürlich, wenn große Unternehmen sagen, es ist für sie dann auch schwierig, weil wo kriegen sie Zahlen her und ähnliches. Aber ich kann quasi damit versuchen, und die Richtung klingt für mich sehr plausibel, zu sagen, okay, nehmen wir die Kleinen raus. Trotzdem haben wir 80, 90, 95 Prozent von dem erreicht,

[15:14] was wir erreichen wollten, aber wir haben, glaube ich, in der ganzen EU zigtausende Unternehmen, die nicht mehr umfasst sind. Und ich glaube, genau solche, ich nenne es immer 80, 20, dass man eben sagt, okay, wo ist wirklich mit sinnvollem Impact, kann ich 80 Prozent erreichen, weil die letzten 10, 20, 30 Prozent, vor allem die letzten 5 Prozent, werden immer extrem teuer. Und das ist etwas, wo Bürokratie oft schlecht ist, weil die sagt, links oder rechts, und das ist klar zu regeln. Und da ein bisschen lockerer zu sein in diesen Grenzen, halte ich für einen guten Weg. Also das wäre ein zweites Beispiel. Gerne. Und zwei hatte ich schon. Achso, zwei hattest du schon. Ich hätte so eine Green-Tech-Frage. Eine Green-Tech-Frage. Nämlich jetzt aus Sicht der Banken. Wir hören jetzt, die eine oder andere Förderung wird gestrichen, die Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen etc.

[16:11] Das wird aber nicht der allgemeine Trend sein, wenn ich sehe, wie viele jetzt bleiben in Österreich, neue Windkraftanlagen gebaut werden, Andau, Burgenland, neue Windparks, Solarparks gemacht werden. Das heißt, die Investitionen mit Haltung oder in den Bereichen der Erneuerbaren, das scheint ja zu stimmen und nicht nur bei uns. Ich glaube, gerade die Windkraft, da habe ich ein bisschen Einblick, ist ein sehr gutes Beispiel, wo man hin muss, weil zum Beispiel E-Autos, da haben natürlich Leute Vorteile gehabt und zu Recht, man wollte Leute da hinbringen. Das macht auch Sinn, wenn eine Technologie neu ist, dass der Staat unterstützt. Ich habe keine Versicherungssteuer bezahlt, motorbezogene. Damit hatte ich um deutlich weniger laufende Kosten das E-Auto in der Firma, weil die meisten haben es über die Firma gekauft. Das ist jetzt abgeschafft worden, das wird Leute schon abschrecken. Da muss man sich überlegen, okay,

[17:03] wie kriege ich aber die kritische Masse, wenn ich sage, ich muss irgendwie auf E-Autos umsteigen. Da gibt es auch Diskussionen, aber ich glaube, in Summe, dass man weg vom Fossilen muss, ist recht breit und ich muss also die Energiewende schaffen und ich muss schauen, dass mehr Autos ohne laufende Emissionen laufen. Und da wird das schon einen Impact haben, wenn diese Förderungen weg sind. Bei der Windenergie und auch bei der Solarenergie ist es so, dass das mittlerweile schon so marktreif ist und auch aufgrund der an sich sonst höheren Energiekosten mittlerweile sich einfach so schon oft rechnet. Also die Windkraftbetreiber, die die Anlagen haben, hatten die letzten Jahre schöne Verdienste. Gönne ich Ihnen auch, aber da gab es sicher einige, die sich gewundert haben, wie viel sie jetzt verdient haben. Wenn ich mir jetzt privat eine kleine Solaranlage wohin stelle, merken die Leute recht schnell,

[17:47] das ist eigentlich recht flott amortisiert. Deswegen funktioniert auch der Solarausbau und der Windkraftausbau in Österreich sogar wie geplant und nicht deshalb, weil man das massiv gefördert hat, sondern da bin ich schon, da glaube ich schon an die Marktwirtschaft, weil das irgendwann einmal auch die Interessen der Leute getroffen hat, weil es wirtschaftlich sinnvoll war. Und das ist natürlich das Allerschönste, wenn ich es schaffe, dass ich, zuerst mache ich Einspeistarife und Förderungen, damit die Leute in die Technologie gehen und irgendwann trägt sie sich aber dann selbst. Das muss das Ziel sein und das könnte man bei CO2, glaube ich, öfter machen, dass man halt versucht, es nicht alles nur über Förderungen hinzukriegen, sondern dass es sich wirtschaftlich rechnet. Die Downside, der Nachteil davon ist, es muss halt dann wahrscheinlich sehr CO2-intensiver Betrieb von was auch immer für Anlagen muss teurer werden und dann sind wir

[18:34] wieder beim Wohlstand, weil das wird dann heißen, dass ich gewisse Wohlstandsverluste habe und wenn ich die nicht auffange, habe ich das soziale Thema. Aber zu einer Frage zurück, ich glaube, überall dort, wo es sich ohne Förderung nicht rechnet, dann werden die Leute das nicht mehr machen ohne Förderung und das Ziel muss sein, dass ich nur so lange fördere, damit es sich rechnet. Ich glaube, viele Leute hätten die Solaranlage so oder so gemacht und dann haben sich gedacht, natürlich nehme ich die Förderung mit, würde ich auch machen, aber auch wenn es keine Förderung gibt, wenn es die Solaranlage baumt, das ist natürlich dann besser. Besser für das Budget und die Solaranlage steht trotzdem. Die Frage ist halt, wann man aus den Förderungen aussteigt, aber das hängt dann auch von der Budget-Situation wahrscheinlich ab. Bevor ich zu meinen Schlussfragen komme, erzähle ich dir noch

[19:13] ein wunderschönes Beispiel, wie die neuen technischen Möglichkeiten auch die Regionalität fördern. Bis vor, ja, vorgestern bin ich von einem Ausflug zurückgefahren und habe auf Ö1 gezippt und habe dort einen Beitrag aus Burkina Faso gehört. Regional. Regional, ja. In Burkina Faso gibt es einen eigenen Autoproduzenten. Also der assembelt jetzt Teile, die aus China kommen, hat aber bereits bei den 600 Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen, will in Hinkunft eigene Teile auch herstellen. Okay, wird nicht leicht sein bei Batterien etc., aber liefert natürlich auch die Technologie, wie die Menschen dort vor Ort, das Auto selber laden können. Baut eben auch so eine Dachladeinfrastruktur, sondern gibt es dort genug. Eine wunderschöne Geschichte wie Technik, von dem wir alle glauben, dass sie eigentlich global sein muss und dass 99% aller TV-Screens in Korea und alle Solarzellbatterien in China, ich glaube, das muss gar nicht stimmen. Also es könnte vielleicht auch

[20:32] der technische Wandel so weit gehen, dass er wieder die Regionen befruchtet. Also ich bin da sehr offen für diese Diskussion und die finde ich sehr spannend. Ich glaube, das ist auch eine, die man auf europäischer Ebene führen könnte. Man könnte sagen, naja, Europa ist trotzdem ein großer, reicher Kontinent, ein großer Wirtschaftsraum mit viel Ressourcen, vor allem was Leute betrifft, was Know-how betrifft, bei Rohstoffen ein bisschen eingeschränkt, Energie ist auch ein Thema. Man könnte ja sagen, okay, wir machen mehr innerhalb Europas, verkaufen uns uns quasi stärker selbst, haben auf der anderen Seite dadurch weniger Lieferkettenrisken und Themen, tun uns sicher leichter mit dem CO2. Das klingt schon nach einer schönen Geschichte und auch dieses Regionale, ich kaufe halt den Spargel, den Spargel kaufen mir viele aus der Gegend, aber der halt weniger, der aus der Region kommt. Aber auf der anderen Seite

[21:22] muss man dann schon sagen, erstens werden Konzerne zu Recht zum Teil nicht begeistert sein, weil wenn ich davon lebe, billig in China einzukaufen und dann teuer nach Mexiko zu verkaufen, hätte ich als Konzernchef keine große Freude damit. Ich will es aber nicht den Konzernen in die Schuhe schieben, sondern auch Herr und Frau Österreicher werden dann wahrscheinlich, wenn das dann heißt, dass ihr Leiberl wieder in Vorarlberg gemacht wird, wo es früher große Textilienunterricht gab, aber halt so Lohnkosten, die es hier gibt, weil wir nicht bereit sind, Kinderarbeit oder solche Minilöhne zu haben. Das sagen wir sozial, ist das aus unserer Sicht gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert, dann wird das Leibau teurer werden. Und das ist dann genau das Thema, dann wird der Wohlstand geringer, weil dann haben die Leute weniger Geld zur Verfügung. Und das ist eine Diskussion, die in Wahrheit auch schon

[22:09] seit 50 Jahren ein bisschen geführt, wo man sehr aufpassen muss, dass man nicht in zu sehr ideologische, okay, du bist Kommunist, wirst alles verstaatlichen und du bist Turboliberaler, du wirst alles international globalisieren. Aber die Diskussion ein bisschen zu führen, wie glauben wir, kann ein nachhaltiges, und da meine ich jetzt nicht nur grün nachhaltiges, sondern wie kann auch ein wirtschaftlich nachhaltiges Geschäftsmodell für Europa mit den Änderungen, die wir momentan der Welt haben, in 30 Jahren aussehen. Und da könnte ein Weg sein, ich bin nicht überzeugt, ob es der richtige ist, aber ich finde, das könnte man mal diskutieren, was wäre, wenn Europa sich mehr auf sich fokussiert, wäre das ein Weg. Und dann kann man wahrscheinlich sagen, ja, dann ist das Risiko von Kriegen höher, weil wir dann nicht mehr so vernetzt sind. Es wird teurer, auf der anderen Seite, es würde CO2-mäßig stark helfen,

[22:51] es würde wieder Arbeitsplätze hierher bringen. Ja, das muss nicht der einzige richtige Weg sein, aber zu sagen, wir versuchen alles mit den Mitteln der 80er Jahre und der 90er Jahre zu lösen und wir hoffen, es geht alles so weiter, wie es vorher war, das ist halt, glaube ich, auch kurzsichtig. Also ich glaube, das richtige Modell für die Zukunft kennt man noch nicht. Lokal ist es mir sehr sympathisch, ich bin aber auch zugegeben, eher wohlhabend. Ich kann also dann beim lokalen Obsthändler noch was kaufen, wo ein anderer sich vielleicht denkt, ja, das geht sich mit meinem Budget nicht aus. Also man muss schon das Soziale mitbedenken. Aber das ist eine spannende Frage, die wir noch zu diskutieren haben. Gibt es überhaupt so etwas wie eine Handlungs-, eine Handlungs-, eine alleinige Handlungsfähigkeit der europäischen Banken? Können die sagen, so, wir wollen jetzt mehr

[23:37] mit Haltung investieren oder mit Voraussicht investieren? Wenn man dann, keine Ahnung, erst Limayn 2008 in Erinnerung hat, die Bankenkrisen, sind die regional abfederbar, wenn ich Europa jetzt als Region sehe? Ich kann natürlich in meiner Region schauen, dass die Banken gewisse Regeln einhalten müssen und das kann die EU schon ganz gut, dass sie sicherstellt, dass gewisse Regeln eingehalten werden. Aber ich bin natürlich in einem globalen Wettbewerb und wenn ich jetzt eine europäische Bank bin, die sehr nachhaltig in vielen Dingen ist und die viele Dinge nicht macht, die zwar profitabel sind, aber zum Beispiel Drill, Baby Drill, irgendwelche sehr schädlichen Rohstofffördermethoden nicht zu fördern und eine amerikanische Bank macht und verdient damit sehr gut, dann ist das natürlich für mich als Manager dieser Bank ein Problem, weil ich mittelfristig schlechtere Ergebnisse haben werde als diese andere Bank. Die andere Bank wird mehr wachsen.

[24:35] Je mehr wir als Europäer auch da quasi überlassen, also wenn Rüstung ist ein gutes Beispiel, wenn keine Bank Rüstung macht, weil man sagt, nein, das ist irgendwie schmutzig und es ist CO2-mäßig schlecht und natürlich ist es auch irgendwie ein schwieriger Bereich. Andere sagen alle, man soll aufrüsten. Die Amerikaner machen es oder andere machen es. Die Rüstungskonzerne sind da sicher bereit, höhere Zinsen zu zahlen, wenn viele Banken das nicht betreiben, dann ist es ein Problem für eine europäische Bank und das Risiko besteht, dass irgendwann von einer amerikanischen Bank übernommen wird. Das ist halt dann die Frage, ist das das Ziel oder kann das das Ziel der EU sein, dass am Ende die Relevanz der europäischen Banken immer kleiner wird. Das kann man sagen, ist ja wurscht, nur wir leben ja nicht von Banken. Man kann auch sagen, Banken bedeuten auch Einfluss

[25:16] und Unabhängigkeit. Sehe ich schon auch so und das ist genau dieses Thema, dass man sagt, was machen wir, wenn die anderen nicht so mitziehen. Damit geht es eben wieder darum, Maß und Ziel zu treffen, aber es kann auch nicht die Lösung sein, die Amerikaner machen nichts, also machen wir auch nichts. Das wäre, das ist dann auch zu kurz wichtig gedacht. Das hilft uns vielleicht auf zwei, drei Jahre in unserer Gewinn- und Verlustrechnung, aber auf 20 Jahre haben wir wahrscheinlich massive strategische Probleme. Also wir müssen schon was machen, aber wir müssen auch schauen, was rechts und links passiert. Weil du gerade Berüstung warst und da hat ja zum Beispiel Deutschland, Frankreich haben eine ganz wesentliche große Industrie, Italien genauso, da werden die Banken jetzt natürlich Geld hineinschießen, Geld verdienen und ich halte sie auch gar nicht für schlecht, weil dann Europa

[26:03] vielleicht nicht mehr der kleine Bruder ist oder das kleine Mädel, das seinen Kopf an der Schulter vom Big Daddy aus Amerika schmiegen muss. So grauslich es ist, dass man überhaupt über Rüstung nachdenkt, aber offensichtlich ist notwendig für unser Selbstvertrauen und für unser Standing. Also Rüstung, also ich bin seit 20 Jahren in den Banken und in den meisten Banken war so, wir machen keinen Tabak, wir machen keine Prostitution, wir machen keine Rüstung. Das war so irgendwie der Dreiklang, das hat irgendwie so jeder und Tabak hat sich in die eine Richtung entwickelt, Prostitution glaube ich ist bei den meisten noch immer recht ähnlich und bei der Rüstung ist es eben genauso, wenn dann die ganze Gesellschaft sagt, okay, wir sollten aufrüsten, ist es dann irgendwie komisch, wenn dann die Banken sagen, das ist grauslich, greifen wir nicht an, aber natürlich ist Rüstung

[26:49] nach wie vor ein sehr schwieriger Sektor, weil er sehr korruptionsanfällig ist, einfach weil es große Staatsaufträge sind, also da gibt es einige Fälle in der Geschichte, dann natürlich ist es auch eine, es werden halt Waffen produziert, das ist nicht nur, um sie zu haben, sondern die werden auch verwendet und drittens ist es eben auch aufgrund dessen in den letzten Jahren eher intransparent gewesen, aber das wird sich jetzt sicher ändern und natürlich muss das Bankensystem da mittun, aber die Frage, die spreche ich den heutigen Podcast sicher, auch da wäre, fehlt mir ein bisschen die breite Diskussion, glaube ich auch, dass Europa was machen muss, aber wenn jetzt alle Staaten für sich sagen, ja, wir hauen jetzt wie blöd rein und die Deutschen 300 Milliarden und wir auch irgendwie 20 und 30 und alle machen, ich glaube, es wäre schon sehr wichtig,

[27:30] dass man sich auch innerhalb Europas abstimmt, wer macht jetzt genau was, weil wenn sich jetzt alle mal ihre Panzerflotte aufbauen, wunderbar, aber brauchen wir wirklich so viel Panzer, brauchen wir nicht für etwas anderes, was man hört, Nachrichtendienste und irgendwie Aufklärung, also auch da wäre es sehr sinnvoll, die gesellschaftliche Diskussion darüber zu führen, in welche Richtung, da wird jetzt ganz viel Geld, also in Deutschland, das ist das beste Beispiel, mit diesen 100 Milliarden, die jetzt investiert werden, das ist schon Vermögen unserer und der nächsten Generation, das jetzt im großen Stil verwendet wird und ich glaube auch, dass man in diesem Bereich was schießen wird müssen, aber man sollte schon sich jetzt gut darüber abstimmen, wo soll das hingehen, weil das Geld kann man auch nicht zweimal ausgeben, das sind schon große Investitionen jetzt, also auch da wäre eine breitere Debatte, glaube ich, wünschenswert.

[28:15] So nach dem Motto, langsam wachsen wir zusammen und uns gibt es ja schon lange genug gemeinsam in Europa, wahrscheinlich sind solche Krisen, wie so ein leichter Burnout, auch immer wieder eine wunderbare Gelegenheit, neue Zeichen, neue Beginne zu setzen, Zwischenstriche zu machen und zu versuchen, es besser zu machen. Und jetzt eben meine Schlussfrage, gibt es eine Vision, zumindest jetzt bei dir als Stefan Selden, für ein europäisches Finanzsystem, das nicht aufgibt, sondern Zeichen setzt? Unbedingt. Und ich glaube, dass wir genau dorthin müssen, es ist jetzt auch so ein bisschen eine Depression, jetzt hat man so das Gefühl, Europa ist für alles blöd und die Deutschen haben jetzt auch bei den Rufsinn für alles blöd, es geht da keine Eisenbahn und Autos können jetzt auch nicht mehr bauen und eigentlich haben sie kein Selbstvertrauen mehr. Vor 10, 15 Jahren war noch irgendwie, war alles übermächtig und alles rennt wunderbar

[29:10] und die wissen genau, wie es geht. Es ist jetzt nicht alles verloren, wir sind noch immer ein Kontinent mit sehr gut ausgebildeten Leuten, mit sehr vielen erreichten Werten, die wir auch in konkrete Politik umsetzen konnten. Wir haben sicher auch Fehler gemacht, gewisse Dinge werden auch unterschätzt, aber ich glaube, genau das brauchen wir auch. Wir brauchen auch wieder den gemeinsamen Glauben, dass aus dem Ganzen, das hier jetzt passiert, wir Lösungen entwickeln werden, die dann vielleicht andere auch kopieren wollen, die gut sind, mit denen wir einige Probleme lösen und im Idealfall oder müssen wir auch parallel auch unser Wirtschaftssystem aufrechterhalten und Wohlstand erhalten. Das muss ja alles gemeinsam erreicht werden, aber ich glaube total an Europa, das ein Kontinent, der extrem viel geschafft hat, wenn man die letzten 80 Jahre zurückblickt und ich hoffe, wir schaffen das auch ohne Weltkriege dazwischen. Ja, und noch enormes Potenzial hat

[29:59] durch die europäischen Länder, die noch nicht in der EU sind. Also auch noch jede Menge Menschen, die dafür Umsatz, Wohlstand, was auch immer sorgen könnten. Absolut. Ja, dann würde ich mich wieder einmal bei dir bedanken. Ich schlage so ein Schlusswort vor. Wir sind Europäer, außer bei Fußball, da halten wir nur zu Österreich, vor allem gegen Deutschland. In gewissen Situationen hilft ein Lokalpatriotismus auch, aber bei Fußball ist er gut aufgehoben. Und ich bedanke mich bei dir im Namen unserer Hörerinnen und Hörer. Schauen Sie sich auch auf Forerunners Network die Videocasts an, die haben wir heute aus Auslastungsgründen nicht gemacht, aber der Stefan Selden hat auch ein absolutes TV-Gesicht. Das nächste Mal sehen wir uns mit der Kamera davor wieder. Das wird bahnbrechend. Danke, Stefan. Tschüss. Danke dir. Danke.

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