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Ein Rettungsboot allein bringt die Störe nicht zurück in die Donau

Auf einem fast 60 Jahre alten Arbeitsschiff in Wien wachsen junge Störe im Donauwasser heran. Das Projekt „Lifeboat for Sturgeon“ will bedrohte Bestände stabilisieren. Thomas Friedrich von der BOKU Wien erklärt, warum dafür Genetik und Zucht ebenso wichtig sind wie durchgängige Flüsse, Fischergemeinden und ein sehr langer Atem.

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Podcast30.06.2025

Das Schiff war einst Teil jenes Flussbaus, der natürliche Ufer zurückdrängte. Heute dient es dem Gegenteil: Mitten in Wien werden darauf bedrohte Störarten aufgezogen. Für Thomas Friedrich von der BOKU Wien ist dieses umgenutzte Arbeitsschiff nicht nur eine technische Lösung. Es macht eine Welt sichtbar, die für viele Menschen unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt.

Die Lage dieser Welt ist ernst. Störe leben laut Friedrich seit rund 200 Millionen Jahren beinahe unverändert auf der Erde. Manche Arten wandern vom Meer Tausende Kilometer in Flüsse, um sich fortzupflanzen. Sie brauchen zusammenhängende Lebensräume und viel Zeit: Der Hausen, auch Beluga-Stör genannt, kann Friedrich zufolge bis zu sieben Meter lang und 200 Jahre alt werden. Geschlechtsreif wird er erst nach ungefähr 20 Jahren.

Gerade diese Eigenschaften machen Störe besonders verwundbar. Das Wiener Rettungsboot kann deshalb nur ein Baustein sein. Die eigentliche Aufgabe lautet: Wie lässt sich eine Tiergruppe zurückbringen, deren Lebensräume über Jahrhunderte ausgebeutet und verändert wurden?

Sechs Donau-Arten wurden zu vier bedrohten Restbeständen

Ursprünglich lebten sechs Störarten in der Donau. Zwei davon sind Friedrich zufolge bereits ausgestorben, die übrigen vier vom Aussterben bedroht. Der Hausen kommt noch in der unteren Donau vor, und zwar auf den rund 870 Kilometern zwischen dem Schwarzen Meer und den Kraftwerken am Eisernen Tor. Im österreichischen Abschnitt, wo er früher selbstverständlich war, ist er seit Langem verschwunden.

Der Niedergang begann nicht erst mit dem modernen Kraftwerksbau. Störe wurden schon im Mittelalter stark befischt, zunächst wegen ihres Fleisches. Später machte Kaviar die Weibchen besonders wertvoll. Gleichzeitig verloren die Flüsse durch Begradigungen und Uferverbauungen an Vielfalt. Staudämme unterbrachen schließlich jene langen Wanderrouten, auf die viele Störarten angewiesen sind.

In Europa gibt es nach Friedrichs Darstellung von einst mehr als 70 Flüssen mit Störvorkommen nur noch zwei bis vielleicht drei, in denen sich die Tiere natürlich vermehren. Die Donau ist einer davon. Doch beim Hausen sei die Reproduktion so gering, dass sich der Bestand wahrscheinlich nicht aus eigener Kraft erholen könne. Wenn jede Generation Jahrzehnte braucht, wirken sich Verluste lange aus – und ebenso langsam werden Erfolge sichtbar.

Eine lebende Genbank beginnt in Kaviarfarmen

Ein Kern des Projekts ist der Aufbau einer lebenden Genbank. Auf dem Schiff in Wien und in einer zweiten Anlage in Ungarn sollen Elterntiere gehalten werden, aus denen genetisch vielfältiger Nachwuchs entstehen kann. Geeignete Fische findet das Team unter anderem in Kaviarfarmen in ganz Europa.

Dort werden zunächst Genproben genommen. So lässt sich prüfen, ob ein Tier tatsächlich aus dem Donau-Einzugsgebiet stammt oder aus einer anderen Population. Danach untersucht das Team, wie eng die Fische miteinander verwandt sind, und berücksichtigt auch ihr Geschlecht. Ein Zuchtbuch hilft später bei der Wahl geeigneter Paarungen.

Dass Naturschutz ausgerechnet mit kommerziellen Kaviarbetrieben zusammenarbeitet, wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Friedrich sieht darin jedoch einen wichtigen Vorteil. Legal verkaufter Kaviar stammt heute aus Zuchtbetrieben, wodurch Wilderei weniger lukrativ werde. Zugleich haben die Farmen über Jahre Techniken für Haltung und Vermehrung entwickelt, die sich für die Erhaltungszucht anpassen lassen. Einige Betriebe unterstützen das Projekt nach seinen Angaben aktiv.

Donauwasser soll den Jungfischen den Weg weisen

Die Nachkommen der ausgewählten Elterntiere werden im Flusswasser erbrütet und aufgezogen. Der Grund ist das sogenannte Homingverhalten: Störe kehren zur Fortpflanzung dorthin zurück, wo sie selbst geschlüpft sind. Die Prägung entsteht laut Friedrich in frühen Lebensstadien über das Wasser. Das Schiff verbindet daher zwei Anforderungen, die an Land schwer zusammenzubringen wären: direkten Zugang zu Donauwasser und Schutz vor Hochwasser.

Jungfische werden in unterschiedlichen Größen und an verschiedenen Stellen in die Donau entlassen. Danach beginnt das Monitoring. Das Team untersucht, welchen Anteil die ausgesetzten Tiere am Bestand haben und ob es bereits natürlich erzeugten Nachwuchs gibt.

Beim Sterlet, der kleinsten Donau-Störart, sammelte ein Vorgängerprojekt seit 2017 Erfahrungen. Erst in den zwei Jahren vor der Podcast-Aufnahme habe sich bei Erhebungen eine Zunahme gezeigt. Rund um Wien gefangene Jungfische wuchsen ihrem Erscheinungsbild nach in freier Wildbahn auf. Ob sie dort auch gezeugt wurden oder als sehr junge Projektfische ausgesetzt worden waren, war zum Zeitpunkt des Gesprächs noch Gegenstand genetischer Untersuchungen. Gerade diese offene Frage zeigt, wie vorsichtig Fortschritt bewertet werden muss.

Zucht ersetzt weder freie Wege noch lokale Perspektiven

Das Projekt kann Fische nachziehen, aber keine Wanderroute durch ein Kraftwerk öffnen. Auch die Revitalisierung verbauter Flüsse liegt nicht allein in seiner Hand. Friedrich bezeichnet die Durchgängigkeit und die Wiederherstellung von Lebensräumen deshalb als parallele Großaufgaben. Rahmenwerke wie das europäische Renaturierungsgesetz und die Wasserrahmenrichtlinie sind aus seiner Sicht nötig, damit aus einzelnen Projekten eine breitere Veränderung wird.

Ebenso wenig lässt sich Artenschutz gegen die Menschen an der unteren Donau betreiben. In manchen Fischerdörfern gehören Störe traditionell zur Ernährung und zu Festen. Ein großes Weibchen mit Kaviar kann laut Friedrich ein Einkommen von ein bis zwei Jahren bedeuten. Wer diese wirtschaftliche Realität ignoriert und Fischer pauschal zu Gegnern erklärt, verliert wichtige Partner – und ihr Wissen aus Jahrzehnten auf dem Fluss.

Das Projekt arbeitet daher in Rumänien, Bulgarien und der Ukraine mit dem WWF zusammen. Behörden sollen Kontrollen gegen Wilderei verbessern. Gleichzeitig werden Fischergemeinden einbezogen, etwa bei Auswilderungen. Alternativen entstehen über sanften Tourismus: In einem Dorf stellte der WWF ein Boot bereit, mit dem Fischer Gäste auf der Donau führen können. Ein kleines Restaurant ermöglicht es der Gemeinschaft, legal gefangenen Fisch direkt zu vermarkten. Catch-and-release-Angebote mit wandernden Stören sieht Friedrich hingegen kritisch, weil Stress die Tiere vom Laichen abhalten kann.

Erfolg heißt, das Rettungsboot irgendwann nicht mehr zu brauchen

„Lifeboat for Sturgeon“ wird über das LIFE-Programm der EU gefördert und verbindet laut Friedrich elf Partner in acht Ländern. Das laufende Projekt endet 2030, die Versorgung der Elterntiere darf dann aber nicht enden. Adoptionen sollen helfen, mögliche Finanzierungslücken bei Futter, Personal und Betrieb zu überbrücken.

Das langfristige Ziel ist nicht die dauerhafte Abhängigkeit von Nachzucht. Die Bestände sollen wieder groß genug werden, um sich selbst zu erhalten. Friedrich rechnet dafür nicht in Förderperioden. Wenn die Populationen in 25 bis 30 Jahren stabilisiert seien, könne er zufrieden in Pension gehen, sagt er sinngemäß. Eine wieder durchgängige Donau und ein laichender Hausen östlich von Wien liegen für ihn noch weiter in der Zukunft.

Das Rettungsboot verschafft den Stören Zeit. Ob daraus eine dauerhafte Rückkehr wird, entscheidet sich jedoch entlang des ganzen Flusses: an Kraftwerken und Ufern, in Schutzprogrammen, Fischerdörfern und über Jahrzehnte hinweg. Gerade deshalb ist das Schiff in Wien mehr als eine Zuchtstation. Es zeigt, dass Rettung konkret beginnen kann, ohne so zu tun, als wäre sie schon vollbracht.


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[01:12] Bei uns ist von der BOKU Wien Thomas Friedrich. Danke für die Einladung. Ja, Thomas. Lifeboat for Sturgeon. Normalerweise kommen ja Projekte, die mit Fischen zu tun haben, so richtig nie an die Öffentlichkeit. Es kommen große Skandale, wenn ein Kraftwerk wieder mal den Schwall zu stark gedrückt hat oder wenn eine Chemiefirma vergessen hat, dass sie neben einem Bach angesiedelt ist. Die kommen dann in die Zeitung. Aber dass so ein tolles, gutes Projekt wie Lifeboat for Sturgeon einmal so richtig breit an die Öffentlichkeit kommt, Ich glaube, da können sich alle, die die Flüsse und ihre Bewohner lieben, richtig freuen. Ja, und ich glaube, ein Mitgrund, den sehen wir schon da, störe es natürlich super niedlich, wenn sie klein sind. Gleichzeitig sind sie super imposant, wenn sie groß sind. Und durch ihre Rolle im Ökosystem sind sie auch Schirmarten für die Gesundheit eines Ökosystems.

[02:18] Und sie sind so einfach ein idealer Botschafter um die Idee Fluss, Biodiversität unter Wasser, Fische. Um das den Leuten näher zu bringen, sind diese Tiere natürlich absolut ideal. Bevor wir, Thomas, in die Jahrmillionen des Störfs gehen, gehen wir vielleicht in einige Jahrzehnte, nämlich in deine. Wie bist du von der Wiege, von der Krippe, von deinem Laichplatz hierher gekommen ins Studio? Erzähl das ganz kurz. Gut, ich bin in Linz nahe zu seinen Traunauern aufgewachsen und das hat natürlich angefangen, dass man dann als Buhr fischen geht. Das war dann nicht ganz legal, dann später mit zwölf, wenn man dann die Fischerkarte machen durfte, dann auch legalerweise. Und dann irgendwann hat man angefangen, kleine Rotaugen und Basche in ein Aquarium zu stecken. Und dann im Aquariengeschäft einen kleinen Stör gesehen und das war der Auslöser für quasi alles. Mit dem Taschengeld ein großes Aquarium gekauft, gebraucht, da den ersten Stördrehen gehabt.

[03:23] Und so war das dann irgendwie vorgezeichnet. Und dann, wenn es in Richtung Studium ging, war ich gewusst, auf der Boku gibt es den Professor Jungwirth. Der ist mit den Huchen sehr affin. Und da war eigentlich der Weg auf die Boku vorgezeichnet. Habe dann eigentlich immer parallel in Teichen Störe gehabt, habe mich um die gekümmert. Und habe dann parallel und nach meinem Studium zuerst im Technischen Büro Blattfisch gearbeitet. Und dann auf der Boku direkt. Und konnte da, indem ich mich in verschiedenen NGOs für die Störe engagiert habe, dann auch schon langsam die ersten Projekte zu den Stören auf der Boku etablieren. Wir haben dann 2016 mit dem ersten Live-Projekt, wo es um den Sterlet, die kleinste Stördrehen, angefangen. Und ja, durften dann mit vielen gemeinsamen Partnern nach mehreren Jahren Anstrengungen jetzt das große Live-Boot für das deutschen Projekt aus der Taufe heben.

[04:15] Ja, gehen wir vielleicht gleich zum Stördrehen. Der ist ja wahrlich kein Neuling auf diesem Planeten. Erzähle mal über die Familie dieses Fisches, damit vielleicht auch alle kapieren, welche Verantwortung wir dominierenden Menschen für dieses Tier eigentlich haben oder spüren sollten. Ja, du hast völlig recht. Kein Neuling, der schaut auch prähistorisch aus. Schwanzflosse wie ein Hai, diese Knochenplatten außen. Also oft sagen wir so eine Mischung aus Krokodil und Drache und Hai. Der ist auch wirklich alt. Also eine Störe gibt es seit 200 Millionen Jahren beinahe unverändert. Das heißt, vor den ersten Dinosauriern gab es schon Störe. Und auf der Nordhalbkugel haben wir eigentlich aktuell 27 Arten, ich sage jetzt mal, gehabt. Und die haben auch sehr unterschiedliche Lebensansprüche. Also viele Störorten sind anatrom. Das heißt, wie Lachse gehen die aus dem Meer in die Flüsse, um abzulaichen. Zum Teil über mehrere tausend Kilometer.

[05:15] Und sie machen das Ganze aber mehrmals im Leben. Gleichzeitig werden sie riesengroß. Der Hausen, den man hier sieht, ist schon ein Riesenfisch. Aber diese Art kann bis zu sieben Meter groß werden und 200 Jahre alt werden. Und die brauchen auch 20 Jahre, um mal geschlechtsreif zu werden. Das heißt, wir haben eine Art, die sehr hohe Ansprüche an den Lebensraum hat. Sehr hohe Ansprüche an die Konnektivität des Lebensraums. Und die entsprechend lange Zeiträume benötigt, um sich überhaupt fortzupflanzen. Darf ich kurz was dazwischen? Weil der Hausen, den lernen wir Wiener Kinder ja in der Volksschule. Ist das der Beluga-Stör? Ist der nicht schon ausgestorben? Wurde der nicht acht Meter lang? Also jetzt für die jungen Seher, die gerade von der Heimatkunde eine Aufgabe bekommen haben, bleiben wir ganz kurz beim Hausen. Weil das ist ja wahrscheinlich eines der interessantesten Tiere der Erde.

[06:11] Absolut. Beluga ist der russische Name für Hausen. Also das ist dasselbe Fisch. Gibt es oder gab es im Kaspischen und Schwarzenmeermainzugsgebiet. Und eine separate Population im Po in der Adria. Es gibt immer wieder acht Meter, neun Meter, zehn Meter. Also das Foto dokumentiert sind die sieben. Und alles darüber hinaus, glaube ich, da waren die Maßbandeln vielleicht auch noch nicht so geeicht damals. Da hat man halt Fässer aneinander gestellt. Gibt auch die Geschichten mit Ritterrüstungen in den Mägen und so. Aber da ist wahrscheinlich einiges auch als Folklore ein bisschen abzutun aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, würde ich jetzt mal sagen. In der Donau gibt es noch Hausen. Allerdings nur auf den untersten 870 Kilometer zwischen Schwarzenmeer und den ersten Kraftwerken am Eisernen Tor. Bei uns, wo er früher völlig normal war, wo ihm zum Teil 50 Tonnen Störfleisch in Wien am Markt verkauft wurden pro Tag,

[07:10] ist er natürlich jetzt seit längerer Zeit bereits ausgestorben. Wann war das, diese 50 Tonnen per Tag? Das war durchaus 16., 17. noch ins 18. Jahrhundert hineingehend. Und dann wurde aber schon der Rückgang dokumentiert in den ersten ideologischen Arbeiten. Okay. Bleiben wir vielleicht noch bei der Familie. Ihr habt ja zu meinem Hausen da ein wenig unterbrochen. Wie groß waren oder sind diese 27 Arten? Oder erzähl noch ein paar wichtige davon auf. Also das ist ganz unterschiedlich. Es gibt die Schaufelstöre des Aralsees, wo einzelne Orten maximal 25 Zentimeter groß werden. Es gibt eben wie gesprochen den Hausen. Es gibt den pazifischen oder weißen Stör, wo nach wie vor eine Sportfischerei an der Pazifiküste auch stattfinden kann. Der wird auch an die 6 Meter groß. Und bei uns in der Donau geht eigentlich die Bandbreite vom Sterlet, einem reinen Süßwasserstör, bis ungefähr 1, 1,2 Meter, eben bis zum Hausen.

[08:10] Und dann gibt es noch einige dazwischen. Ursprünglich hatten wir da Donau sechs Störarten. Aktuell sind zwei aber bereits ausgestorben und die anderen vier vom Aussterben bedroht. Und das hat mehrere Gründe. Zum einen schon angesprochen, die Überfischung, die bereits im Mittelalter eingesetzt hat. Damals eben wegen des Fleisches. Das war natürlich attraktiv. Und sie sind relativ leicht zu fangen gewesen. Man hat da sogenannte Holzpiloten in einem Hausenzaun in den Fluss gebaut und hat so die Leichtzüge eigentlich abgefischt. Und dann ein bisschen später ist wirklich das Verhängnis erst wirklich sozusagen aufgepoppt. Und das Verhängnis sind die Eier des Störers, weil der echte Kaviar kommt von allen Störarten. Das war anfangs eigentlich ein Europa-Müll. Wurde benutzt, um Schweine zu füttern, um Felder zu düngen. Und irgendwann hat man aber vom russischen Zahnhof diese Delikatesse auch übernommen. Und anfangs wurde das alles nach Europa importiert.

[09:09] Kühlkette natürlich nicht zufriedenstellend. Das war oft vertorben. Also das hat nicht wirklich funktioniert. Und irgendwann ist man draufgekommen, Moment, dieses Produkt können wir ja auch hier von unseren Fischen ernten. Und dann hat dieser Kaviar-Goldrausch angefangen. Der Zoo in Hamburg, Hagenbeck, die Familie hat das Geld mit Störschlachterei gemacht. Anfangs war dann noch im 20. Jahrhundert in Nordamerika, hat man den Kaviar im Bass bekommen, statt den Erdnüssen, weil das war billig, salzig, damit die Leute mehr Bier trinken. Das war auch dazu geführt, dass dann irgendwann dieser Kaviar-Goldrush auch nach Nordamerika übergesprungen ist. Parallel dazu haben wir natürlich die Flüsse massiv verändert. Wir haben den Lebensraum massiv verändert. Es ist die Vielfalt im Fluss, dadurch, dass wir Begradigungen, Uferverbauungen und Ähnliches in den Fluss gebracht haben, einfach schon mal das Potenzial der Flüsse verloren gegangen. Und mit den vielen Staudämmen haben wir dann mehr oder weniger einen der letzten Nägel in den Sarg für die Störe eingeschlagen.

[10:09] Das heißt, heute ist diese Art so gut wie tot und wenn es dieses Projekt nicht gäbe, könnte man alle Hoffnung fahren lassen? Wir haben in Europa von ehemals über 70 Flüssen, wo es verschiedene Störe gab. Aktuell noch zwei bis vielleicht drei, wo sich Störe natürlich vermehren. Die Donau ist einer davon. Der Hausen vermehrt sich noch in der unteren Donau, aber auf einem derart geringen Niveau, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sich die Bestände nicht selbstständig erholen können, eben auch, weil diese Generationsdauer so lange ist. Gehen wir jetzt zum Lifeboat-Projekt. Erklär vielleicht kurz einmal die Eckpfeiler, die Säulen, worauf das aufgebaut ist. Wir haben grundsätzlich in unserem Projekt, im Lifeboat-Projekt, fünf wesentliche Kernsäulen. Die erste ist, vor allem bei den großen Stören, weil sie so selten sind, dass wir gesagt haben, wir müssen eine lebende Genbank aufbauen. Lebende Genbank heißt, dass wir zum einen die Infrastruktur brauchen,

[11:15] und das ist eben das Boot, aber auch eine zweite Anlage in Ungarn, wo wir Elterntiere halten können. Diese Elterntiere suchen wir so, dass wir in Kaviar-Farmen in ganz Europa gehen, dort Findlips nehmen, also Genproben nehmen von den Fischen und uns einmal anschauen. Sind diese Fische jetzt aus der Donau ursprünglich, oder sind diese Fische vielleicht aus dem kaspischen Einzugsgebiet, weil es die Arten ja in beiden gibt, und in den Fischfarmen finden wir alles. Wenn wir bestätigen können, dass es Donaufische sind, schauen wir uns als nächstes an, wie nah sind die miteinander verwandt, damit wir größtmögliche Vielfalt in dem Elterntierbestand haben, und dann schauen wir uns auch noch das Geschlecht an. Und so wählen wir dann die Tiere aus, die wir für das Projekt kaufen. Ich muss dich noch einmal unterbrechen. Gerne. Fischfarmen. Erklär kurz, was sind Kaviar-Fischfarmen, was spielt sich dort ab?

[12:12] Sind sie gut, schlecht, whatever. Grundsätzlich gibt es aktuell keinen legalen Wildkaviar zu kaufen, sondern alles, was man an Kaviar legal kaufen kann, kommt aus Farmen. Und das ist aus zweierlei Gründen sehr gut. Im Prinzip kann man sich das vorstellen. Es ist einfach eine Fischzucht, nur dass dort Störe schwimmen, und sowohl das Fleisch als auch die Eier der Störe werden dann, wenn sie geschlachtet werden, genutzt. Hat zum einen den Vorteil, dass dadurch auch der Preis des Kavias deutlich gesunken ist und dass die Wilderei, die in vielen Bereichen noch Thema ist, trotzdem nicht mehr so lukrativ geworden ist und einfach das Produkt am Markt gibt, aber eben aus legaler Quelle. Und das Zweite ist, dass natürlich durch die Zucht jetzt für die kommerzielle Nutzung auch die entsprechenden Techniken entwickelt worden sind. Ein wirtschaftliches Interesse daran ist, diese Techniken zu verfeinern und dann, dass wir auch als Naturschutz-Nachzuchtprojekt

[13:11] uns natürlich an diese Techniken dann anhalten können, auch wenn wir sie wiederum ein bisschen in eine andere Richtung weiterentwickeln. Also wir haben sehr gute Zusammenarbeit mit einigen Farmen und es gibt durchaus auch Farmen, die uns aktiv unterstützen und sagen, nein, sie finden das toll und sie wollen auch aus ihren Bemühungen wieder der Natur was zurückgeben und den Stören was zurückgeben. Also die sind eigentlich ein sehr wichtiger Partner für uns. Also jetzt einmal Gendatenballen aufbauen, nächster Pfeiler. Nächster Pfeiler ist, dass wir die Bestände in freier Wildbahn stützen wollen. Das heißt, wir reproduzieren unseren Elterntierbestand. Es gibt auch ein Zuchtbuch zu wissen, wer darf mit wem, wer ist nicht mit wem verwandt und was sind die beste, zweitbeste Kombinationen und so weiter. Die Tiere, die Jungtiere, und das ist ganz wichtig für uns, werden im Flusswasser erbrütet und im Flusswasser großgezogen. Störe haben wie fast alle anderen Fischarten auch ein sogenanntes Homingverhalten.

[14:09] Das heißt, die wollen dort ihre Eier legen, wo sie auch selbst aus dem Ei geschlüpft sind. Und diese Prägung kommt einfach in den frühen Lebensstadien durch das Wasser, wo sie drinnen sind, zustande. Das heißt, wir haben einen Standort gebraucht, wo wir Flusswasser haben, aber auch hochwassersicher sind. Und so sind wir eben auf dieses Schiff gekommen, weil das ist gar nicht so leicht zu finden. Und diese Fische werden bei uns dann im Donauwasser großgezogen und in verschiedenen Größen in die Donau besetzt. Wir züchten die Fische dann im Donauwasser, ziehen die auf und lassen die dann an verschiedenen Standorten aus. Irgendwann soll das Ganze natürlich dann hoffentlich auch mal wieder so weit kommen, dass die Bestände in freier Wildbahn dann so groß sind, dass sich die auch selbst weiter erholen können. Das heißt, der nächste Eckpfeiler ist dann, dass wir monitoren. Das heißt, wir gehen raus und schauen,

[15:05] was für einen Impact haben unsere ausgelassenen Jungfische auf die Population. Gibt es vielleicht auch wilde Rekruten, also wilden Nachwuchs? Und wie ist das Verhältnis zueinander? Und langfristig ist das Ziel von solchen Maßnahmen natürlich immer, dass wir auch wieder damit aufhören können und die Natur die Arbeit selbst erledigt. Man kann aber jetzt schon sagen, dadurch, dass es so wenige Fische sind und auch die Generationsdauer so lange ist, dass man die Maßnahmen wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte aufrechterhalten muss. Habt ihr jetzt bei euren aktuellen Abfischungen schon Wildbestand, also natürliche Reproduktion vorfinden können? Also wir haben im Vorgängerprojekt eben rein mit dem Sterlet in Österreich gearbeitet und jetzt, das hat 2017 wirklich aktiv gestartet und wir haben erst die letzten zwei Jahre, konnten wir hier eine Zunahme wahrnehmen in unseren Erhebungen. Also es dauert einfach eine Zeit. Also Naturschutz kann nicht innerhalb von drei Jahren ist alles wieder gut,

[16:06] sondern es braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Wir haben ja auch doch etliche Jahrzehnte bis Jahrhunderte alles zerstört. Das heißt, man kann nicht erwarten, mit einem Projekt ist auf einmal alles wieder Eitelwonne, sondern es braucht da natürlich einen gewissen Biss und eine gewisse Bereitschaft dabei zu bleiben, damit das dann funktioniert. Und wir haben letztes Jahr einige Sterlet-Jungfische im Bereich Umwien gefangen und wir schauen uns jetzt gerade genetisch an, wo sind die wirklich her. Sind das wildere Kruten oder sind das vielleicht Tiere, die wir als Larven und Brütlinge ausgelassen haben? Weil von dem Habitus, wie sie ausgeschaut haben, sind sie sicher in freier Wildbahn aufgewachsen, aber das schauen wir uns im Detail gerade an. Du wirst ja wie viele andere Wissenschaftler auch das europäische Renaturierungsgesetz durchgelesen haben oder hineingeflogen sein in die für dich relevanten Teile. Fühlst du dich dadurch stärker vertreten, bestärkt?

[17:02] Glaubst du, dass wir da den richtigen Weg gehen? Im Augenblick reden wir in Europa über alles, nur nicht über Renaturierung. Wir haben gerade andere Probleme, aber bleiben wir da jetzt einmal dabei. Für uns war das ein sehr wichtiger Kampf und an dem Tag, wo es durchgegangen ist, sind doch einige Flaschen aufgemacht worden. Das kann ich so sagen. Das ist ein ganz wesentlicher Eckpfeiler, weil auch hier so ein Projekt ist nur ein kleiner Baustein. Wir können uns zum Beispiel in diesem Projekt nicht um die Durchgängigkeit kümmern. Das ist ein Riesenthema zusätzlich. Die Revitalisierung der Flüsse ist parallel ein Riesenthema und es braucht genau solche Rahmengesetze und Rahmenprogramme, wie damals schon die Wasserrahmenrichtlinie, die überhaupt was anschiebt. Aber natürlich, es gibt immer andere Interessen und die geopolitische Situation kann natürlich auch solche Anstrengungen immer wieder erschweren. Naturschutz ist ein Thema. Kampf gegen Windmüll ist vielleicht übertrieben, aber es ist auf jeden Fall etwas,

[18:06] und da kommen wir dann vielleicht auch schon zum nächsten Heckpfeiler des Ganzen, wo man dranbleiben muss, wo man die Leute einfach begeistern muss dafür. Und genau mit solchen Maßnahmen kann man die Leute dafür begeistern. Wenn ich jetzt einen kleinen Bach revitalisiere, ist das enorm wichtig, aber es ist für die Bevölkerung gar nicht so fassbar oft, was bewirkt denn das jetzt eigentlich, weil sie auch nicht reinschauen können in den Bach. Und jetzt haben wir hier zum Beispiel mitten im Herzen von einer Millionenstadt eine doch sehr attraktive Story mit dem Upcycling dieses fast 60 Jahre alten Schiffes, das früher benutzt wurde, um Steinschlichtungen zu bauen, also antiökologisch, und jetzt ein Schiff für die Ökologie ist, wo wir Führungen geben können und wo wir einfach die Leute für das Thema begeistern können. Und diese Öffentlichkeits-Aule ist natürlich auch ganz zentral, um langfristig auch Stakeholder und Entscheidungsträger zu erreichen,

[19:04] um entsprechend finanziell ausgestattet zu sein für Naturschutzprojekte. Das ist eh dann schon die nächste Frage. Welche Partner auf der wissenschaftlichen Seite und welche von der Seite der Donatoren versammeln sich bei Lifeboat for Sturgeon? Es ist grundsätzlich ein Life-Projekt, das heißt, die Schirmherrschaft ist durch das Life-Programm der EU, die auch 67 Prozent des Volumens fördern. Dann in Österreich selbst ist es dann das Landwirtschaftsministerium, die Stadt Wien und die Via Donau als Wasserstraßendirektion. Und dann haben wir noch elf Partner aus verschiedensten Donauländern. Also wir sind in acht Ländern, wo wir in dem Projekt arbeiten. Und dazu kommen dann unsere weiteren Kofinanciers. Und das reicht von der Fischerei Niederösterreich, Oberösterreich, Wien, kleinere Fischereivereine, Dachverbände von Fischereivereinen, die Nationalparkverwaltung, bis zu einem Gärtnerbetrieb, bis zu Kaviarfarmen, bis zu Einzelpersonen, die auch gesagt haben, kennt ihr was mit 2.000 Euro anfangen? Durch die EU-Förderung wird das Ganze dann eben aufsummiert.

[20:12] Also es gibt einen sehr guten Drive und auch es kommen nach wie vor Leute auf uns zu. Und wir haben jetzt zum Beispiel angefangen, dass man unsere Elterntiere adoptieren kann gegen einen Betrag pro Jahr. Auch vor dem Hintergrund, das Projekt ist 2030 aus. Und dann braucht es ein Nachfolgeprojekt. Und wenn wir da ein Loch hätten, wir müssen die Fische füttern, es braucht das Personal, es braucht die Betriebsmittel. Also diese Adoptionen sind für uns ein wichtiges Tool. und sagt, wir haben einen Notgroschen, damit wir irgendwo mal was überbrücken könnten, damit wir das aufrechterhalten können. Jetzt gehen wir vielleicht einmal zum Wissenschaft raus aus dem Elfenbeinturm hinein in die Menschen. Irgendjemand war so gescheit und hat das gemacht, aber du bist auch selber einer, der das popularisiert, Führungen macht. Wie ist denn da die Reaktion der Bevölkerung, wenn sie nicht mit einem süßen Eisbären, einem Streicheltier in Schimprun,

[21:13] sondern da eben mit Fischen aufeinandertrifft? Was sagen die Kinder dazu? Was sagen die Erwachsenen dazu? Für die ist ja das relatives Neuland eigentlich. Absolut. Also wir haben von Volksschulkindern bis zu 8. Klasse Gymnasium, bis zu natürlich allen Altersstufen, so in der alten Station und jetzt auch natürlich am Boot. Und die Leute sind eigentlich durchwegs begeistert. Also es ist, zum Teil dürfen die Kinder bei uns auch dann einen Fisch in die Donau auslassen. Also das schafft eine Verbindung und die Leute sind durchwegs begeistert. Und manchmal ist am Anfang noch, oh Gott, das schaut ja aus wie ein Hai und wird riesengroß. Aber diese Ängste kann man eigentlich relativ schnell entkräften. Also das kommt wirklich sehr gut an. Wir können uns auch vor Anfragen zum Teil gar nicht retten, was Führungen betrifft. Und es macht auch Spaß. Und vor allem kann man da auch ein bisschen kreativ und innovativ sein.

[22:10] Wir haben hier nicht sichtbar, aber auf der anderen Seite der neue Donau, letztes Jahr ein 12 Meter großes Hausengraffiti-Sprayen dürfen, wo wir mit Kindern gearbeitet haben, die aus schwierigen Verhältnissen kommen, die in so einer NGO, wo sie einen Buddy zur Seite bekommen, quasi Ausflüge machen. Sindbad, oder? Junos. Früher Big Brothers, Big Sisters, jetzt Junos. Und die Kinder haben dann selber noch einen kleinen Stör quasi hingesprayt und haben dort ihren Wunsch hineingeschrieben, was macht mein Stör, den ich ausgelassen habe in 20 Jahren, und was mache ich in 20 Jahren. Und das sind natürlich total berührende Elemente. Und auch oft bei vielen Schulchen ist es so, was arbeitet ihr? Wir arbeiten das. Was? Das kann man arbeiten. In die Richtung kann ich mich weiterentwickeln selber. Und das ist natürlich extrem cool. Arbeiten auf der Donauinsel oder auf der Donau, für viele ein Traum, oder?

[23:08] Auf jeden Fall. Ihr habt es dann sogar ins Merchandising mit einbezogen. Werden die auch gekauft, die Kuschelstöre? Die Kuschelstöre, also wenn man einen Fisch adoptiert bei uns, bekommt man einen. Je nach Störart, die man adoptiert, einen kleinen oder einen größeren. Und auch wenn Fischerinnen einen Stör jedweder Art in der Donau oder der Mach oder einen anderen Fluss fangen, bitten wir darum, dass die Information zu uns gelangt mit Foto, Fangort, Fangdatum. Und als Dankeschön, wenn man einen Fang meldet, dann bekommt man auch einen zugeschickt. Jetzt haben wir von den verschiedenen Donatoren des Projekts gesprochen. Haben sich auch schon Firmen im Rahmen, zum Beispiel die eben viel mit Wasser zu tun haben, im Rahmen ihrer ESG-Verpflichtungen an euch gewarnt und gesagt, ich würde gern, keine Ahnung, 50 Führungen kaufen oder Geld geben für das Projekt? Oder ist das noch im Aufbau begriffen?

[24:13] Das ist noch im Aufbau begriffen. Also wir haben einzelne Firmen, die uns zum Beispiel Teichfläche zur Verfügung gestellt haben. Aber jetzt wirklich, dass man sagt, im Rahmen der ESGs, das haben wir auch noch nicht jetzt aktiv lanciert oder sind noch nicht aktiv an Firmen herangetreten, muss man auch dazu sagen. Aber das wäre natürlich auch langfristig wünschenswert, dass man sagt, der Naturschutz kommt nicht nur aus der öffentlichen Hand, sondern der Naturschutz kommt auch aus der Privatwirtschaft oder eben aus der Öffentlichkeit. Das ist etwas, was wir langfristig auf jeden Fall entwickeln wollen. Gehen wir zu einem ganz, ganz wichtigen Punkt, nämlich zu den Menschen, die im Fluss leben, dort, wo die Störe sind. Ich habe da einmal eine ganz, ganz berührende Dokumentation gesehen von einem Rumänen, der nahe dem Donau deltet, der versuchte eben, Störe wieder aufzuziehen und zu retten. Es kam auch in dem Beitrag vor von einem Mann aus einem Dorf,

[25:16] der vor 20 Jahren einen Störe gefangen hat mit, glaube ich, 55 Kilo Kaviar drin und der seither eben der gemachte Mann im Dorf ist. Und dann siehst du eben wieder ein paar Glücksritter, die in irgendwelchen Fässern am Fluss kampieren und dort versuchen, den Beluga ihres Lebens zu fangen. Ich glaube, das sind super wichtige Stakeholder, dass man die ins Boot holt. Und zwar jetzt nicht nur bei uns. Es gibt wahrscheinlich keinen einzigen Störeangler bei uns, sondern eben dort auf diesen letzten 870 Kilometern, wo es den Stör noch gibt. Wirkt da Live-Boat vor Störtern auch hin? Ja, also es ist natürlich so, wir haben an der unteren Donau, im Donaudelter, Fischerdörfer, wo zum Teil gezielt noch Wilderei auf Störe betrieben wird. Zum Teil, wenn jemand auf andere Fischorten fischt und zufällig einen Stör hat, ist die Versuchung natürlich groß, den zu behalten.

[26:20] Zum einen, weil es auch traditionell das Essen des Störers natürlich dort für Hochzeit und Ähnliches ganz, ganz zentrale Rolle ist. Zum anderen, ein großer weiblicher Stör mit Kaviar kann das Einkommen von ein bis zwei Jahren bedeuten. Wir haben uns in diesen Ländern mit dem WWF zusammengetan, in Rumänien, Bulgarien und auch in der Ukraine, die seit Jahren dort wirklich Bewusstseinsbildung auch betreiben. Und die Aufgabe bei denen ist einfach, dass sie zum einen mit den Behörden arbeiten, um die Kontrollen auch zu erhöhen und zu verschärfen. Und zum anderen aber mit diesen Fishing-Communities in den Dörfern aktiv arbeiten und dort Bewusstsein schaffen, dass, wenn ihr das jetzt ausrottet, habt ihr nie wieder die Chance, diese Ressource zu nutzen. Und ich war gerade letzte Woche gemeinsam mit Kolleginnen des WWF auch in Rumänien in so einem Dorf. Wir haben dort einige Fische in die Freie Wildbahn entlassen

[27:16] mit den Fischern gemeinsam und haben dort auch sehr, sehr gute Gespräche geführt. Und man darf die jetzt nicht nur als die bösen Fischer abtun, sondern zum einen, das ist auch eine sozioökonomische Frage und zum anderen kann man aber natürlich extrem viel lernen von diesen Leuten, weil die haben 60 Jahre jeden Tag auf dem Fluss verbracht und wissen halt unendlich viel. Also das sind ganz wichtige Stakeholder und es ist ganz wichtig, dass man die irgendwie ins Boot auch mitholt und dass die dann die Idee auch mittragen. Aber es ist natürlich ein Knochenjob. Also wir haben schon wirklich oft auch Reports, wo dann zum Beispiel die ukrainische Grenzpolizei trotz des Krieges einen wilderen Ring aufmacht und dann etliche große Störe konfisziert. Also es ist ein anhaltendes Problem, das wir auf jeden Fall haben. Aber die Vision könnte ja genauso sein wie der Sohn von Malum Brando,

[28:13] der auf seiner Südseeinsel, ich glaube irgendwo im polynesischen Atoll, dort wurde eine bestimmte Fischart gern gefischt von den Einheimischen und um, keine Ahnung, zwei Dollar, um einen Dollar das Kilo am Markt verkauft. Jetzt ist dort mehr oder weniger Catch and Release und die Menschenzahlen, die dorthin fischen fahren, ist halt eine beduchtere Klientel, die geben dort 4.000, 5.000 Dollar in der Woche aus. Die Nationalparks in Südafrika, wo keine Elefanten geschossen, sondern beobachtet werden, ich glaube oder korrigiere mich, das könnte ja für diese Dörfer, für diese Region auch eine Option für die Zukunft sein, dass es eine Art Störtourismus gibt, wo man dieses Tier beobachtet, vielleicht sogar Catch and Release, und wo dann halt Fischer, die gern Geld ausgeben, um halt in der Welt unterwegs zu sein, dort als touristische Einnahmequelle zu generieren. Oder ist das noch zu fern, ist das dort unten noch alles zu einfach?

[29:27] Also das Catch and Release ist sehr differenziert in diesem Fall zu betrachten, weil wir natürlich die Tiere, die in den Fluss hineinkommen, das sind die Tiere, die am Leichtzug sind, und da gibt es schon Beobachtungen, wenn die zu sehr gestresst werden, dass sie dann sagen, nicht mit mir und wieder umdrehen und dann in diesem Jahr nicht ableichen. Also da muss man sich sehr genau anschauen, wo kann ich das betreiben, kann ich das vielleicht noch in einem Donaudelter betreiben, aber dann weiht der Fluss auf nicht mehr oder vielleicht doch überhaupt nur im Schwarzen Meer. Das ist nicht so ganz einfach. Aber dieser Ökotourismus, nicht zwingend nur die Störe, aber eben allein die Vogelfauna und andere Fischarten, also da hat das Donaudelter und die untere Donau natürlich schon auch Potenzial. Und das wird auch versucht, also in dem Dorf, wo wir waren,

[30:14] hat der WWF den Fischern quasi ein Boot mit 14 Plätzen zur Verfügung gestellt, dass die wirklich für Touristen, die den Radweg machen, dann als Guides auf der Donau mit den Touristen unterwegs sind. Ein kleines Restaurant hat die Fishing Community dort, wo sie dann den gefangenen Fisch auch direkt vermarkten können. Also es gibt da auf jeden Fall Möglichkeiten, um das in Richtung sanften Ökotourismus auch ein bisschen umzuwandeln. und ich bin ja auch absolut dafür, Fisch aus freier Wildbahn nutzen zu können. Es ist ja eigentlich unglaublich schade, dass wir in Österreich an zwei stehen, und das ist in Oberösterreich, bekommt man einen wildgefangenen Fisch aus der Donau zu essen. Und dadurch geht ja auch der Bezug der Leute zu dem Ökosystem total verloren. Also das ist eigentlich schon wichtig, finde ich, wenn die Ressource das Potenzial hat, sie zu nutzen, dann soll man die auch unbedingt nutzen.

[31:09] Und so wäre es auch langfristig bei den Stören wieder. Gehen wir jetzt einmal zurück zu Lifeboat for Sturgeon. Wir haben es am Anfang gesagt, oder du hast es ja gesagt, Ziel ist eine ausreichende, eigenständige Reproduktion der verschiedenen Störarten, die er da betreut. Du hast doch schon vorher gesagt, dass das kein Projekt ist, wie der Heizungstausch in Österreich bis ins Jahr 2030. Hast du so etwas wie eine Jahreszahl? Ich kann mir vorstellen, eigentlich nein, sondern du wirst wahrscheinlich eher in Projektschritten denken und so kleine Ziele als nächstes zu erreichen. Aber es kann, du hast vorher gesagt, die Zielerreichung kann viele Jahrzehnte dauern. Ja, also wenn ich vielleicht irgendwann mal in Pension gehe, in 25 bis 30 Jahren, wenn wir es bis dahin geschafft haben, die Populationen zu stabilisieren, kann ich als glücklicher Mensch in die Pension gehen. Und wenn vielleicht bevor,

[32:18] wenn mit 80 dann die Donau dann durchgängig ist und der erste Störösslich von Wien dann wieder ableicht, der erste Haus, dann kann ich als glücklicher Mensch abtreten, glaube ich. Ja, wunderschön. Die Natur ist die Natur. Und das ist kein Lego-Baustein, den man schnell zusammensetzt. Und das ist schön. Das war ein sehr schönes Gespräch. Und ich möchte am Schluss noch einmal auf dich eingehen, Thomas. Störe sind ein großes Interesse von dir, ein Teil deines Lebens. Vielleicht hast du schon den einen oder anderen Thomas, Friedrich der Zukunft mehr oder weniger, erzeugt durch deine Führung. Und der dann auch sagt, genau sowas möchte ich auch machen und mich dem Stör widmen. Gibt es, weil die Welt unter Wasser ist deine, gibt es auch noch andere Arten, wo du sagst, auf die möchte ich hinweisen, die würden sich ähnliche Projekte verdienen, die einmal so groß werden wie

[33:23] Lifeboat for Störchern? Auf jeden Fall. Wir haben ein ähnliches Projekt, allerdings kleiner geartet, zum Beispiel für die Esche am Kamp. Und natürlich, dass das Flaggschiff der Alpenflüsse, der Huchen, würde, finde ich, dringend einmal auch erfordern, dass man sich wirklich beschäftigt, wie viele Bestände haben wir noch, wie schauen die genetisch aus und kommen wir vielleicht leider auch irgendwann an den Punkt, wo wir versuchen müssen, diese Stämme auch zu fördern mit Nachzuchten aus der Gefangenschaft, aber wirklich dann lokal in den jeweiligen Flüssen. Oder reicht es, wenn wir wirklich großflächig hier mit Revitalisierungen auch arbeiten, um den Huchen und seine Nahrungsbasis, die wird er oft vergessen, auch wieder zu etablieren. Und wir haben natürlich viele extrem tolle Kleinfischarten, die ganz oft unter den Rost fallen, wo man vielleicht ein Projekt in dieser Größe braucht, aber die trotzdem wert sind, dass man sagt, wo kann ich lokal arbeiten,

[34:24] mit Revitalisierungen, unter Umständen, wo notwendig, mit Wiederansiedlungsprojekten, damit ich auch diese Fische erhalte. Weil am Ende des Ganzen ist es ein großes Ganzes und je mehr Bausteine, da waren wir wieder beim Lego, je mehr Bausteine rausfallen, desto instabiler wird die Burg und irgendwann fällt sie zusammen. Von daher ist es natürlich, ist jetzt kein Fisch über den anderen zu stellen. Aber natürlich, Arten wie der Stör oder der Huchen, wenn es denen gut geht, dann geht es auch meistens den anderen im Fluss gut und von daher sind das natürlich tolle Botschafter und auch Schirmarten für das Ökosystem. Ich glaube, ich will diesen schönen Schlussworten nichts mehr hinzufügen, außer schaut natürlich auch im Sinne des Revend Nature Trust auf die Backforelle, schaut bitte ins Boot, schaut euch Lifeboat for Sturgeon live an und lernt eine wunderbare Welt unter Wasser kennen. Ihr braucht nicht mal den Kopf unterzutauchen dafür

[35:26] und in diesem Sinn bedanke ich mich, bei dir, lieber Thomas Friedrich, dass du uns heute hier zur Seite gestanden bist. Vielen Dank. Danke.

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