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Weltpolitik tankt mit: Wer macht den Preis an der Zapfsäule?

Stefan Selden und Christoph Mahdalik zerlegen den Spritpreis in seine Bestandteile und zeigen, wie internationale Konflikte im Alltag von Autofahrerinnen und Autofahrern ankommen. Dabei geht es auch um die Frage, wie Österreich seine Abhängigkeit von Öl verringern kann.

Podcast30.10.2026

“Wir retten die Welt beim Frühstück, Episode 2”, mit Stefan Selden und Christoph Mahdalik. Brandaktuell nach der Bekanntgabe der fantastischen Gewinne der Ölfirmen Europas.

Der Preis an der Tankstelle entsteht nicht allein aus dem aktuellen Wert eines Fasses Rohöl. Stefan Selden unterscheidet im Gespräch drei große Bestandteile: die Kosten für das Produkt, die Margen entlang von Raffinerie, Distribution und Vertrieb sowie Steuern und Abgaben. Zu den Produktkosten zählt nicht nur Rohöl. Österreich importiert laut Selden auch bereits raffinierte Treibstoffe wie Benzin und Diesel. Bei Rohöl wiederum spielt die heimische Raffinerie eine zentrale Rolle, während internationale Unternehmen auch fertige Produkte auf den österreichischen Markt bringen.

Selden verweist zudem auf die starke Marktmacht weniger Produzenten und großer Mineralölkonzerne.

Fördermengen würden international so gesteuert, dass sie das verfügbare Angebot und damit den Preis beeinflussen. Für Österreich schätzt er den Anteil der Steuern am Spritpreis auf ungefähr die Hälfte. Der übrige Betrag setzt sich demnach aus Einkaufskosten und Margen zusammen. Gerade bei diesen Margen liege eine entscheidende Frage: Werden lediglich höhere Kosten weitergegeben oder nutzen Unternehmen Krisen auch, um ihre eigenen Aufschläge auszuweiten? Selden geht davon aus, dass Konzerne in angespannten Phasen zusätzliche Spielräume zu ihren Gunsten verwenden.

Raketen nach oben, Federn nach unten

Viele Autofahrerinnen und Autofahrer kennen das Muster: Wird Rohöl teurer oder droht eine Unterbrechung wichtiger Lieferwege, reagieren die Preise an der Zapfsäule beinahe sofort. Sinkt der Rohölpreis wieder, dauert es deutlich länger, bis diese Entlastung beim Tanken ankommt. Selden bezeichnet dieses Phänomen als „Rockets and Feathers“ – Raketen und Federn. ^Lasst euch das erklären…..

Was eine Spritpreisbremse leisten kann

Im Gespräch geht es auch um eine Spritpreisbremse, die den Literpreis um rund zwölf Cent dämpfen soll. Selden hält den Ansatz grundsätzlich für sinnvoll, weil er auf der Angebotsseite ansetzt. Eine staatlich verordnete absolute Preisobergrenze betrachtet er dagegen skeptisch.

Die von ihm beschriebene Bremse soll stattdessen die Margen der Mineralölkonzerne begrenzen. Zusätzlich verzichte der Staat auf einen Teil jener Mehreinnahmen aus der Mehrwertsteuer, die durch höhere Preise entstehen würden. Zwölf Cent pro Liter wirken auf den ersten Blick überschaubar, ergeben bei hundert Litern aber mehr als zehn Euro Entlastung. Selden bezeichnet das als dämpfenden Effekt, nicht als vollständige Lösung. Österreich könne weder globale Fördermengen kontrollieren noch einen internationalen Konflikt beenden. Innerhalb dieser engen Möglichkeiten sei ein Eingriff bei den Margen aber schlüssiger als eine pauschale Preisvorgabe oder eine breite Förderung des Konsums.

Internationale Konflikte landen im österreichischen Börsl

Wie groß die Abhängigkeit ist, verdeutlicht Selden mit Zahlen: Österreich habe 2025 Öl im Wert von mehr als neun Milliarden Euro importiert. Vor rund zehn Jahren seien es noch drei bis vier Milliarden Euro gewesen. Zudem würden nach seiner Darstellung 94 Prozent des benötigten Öls aus dem Ausland kommen.

Weniger Öl bedeutet weniger ausgeliefert sein

Selden erwartet nicht, dass Benzin langfristig wieder auf frühere Preisniveaus von etwa 1,20 Euro pro Liter zurückfällt. Er rechnet zwar damit, dass sich akute Krisenausschläge wieder abschwächen können, sieht aber einen langfristigen Aufwärtstrend. Jede neue Krise in einer ölrelevanten Region könne erneut deutliche Sprünge auslösen. Die zentrale Konsequenz lautet für ihn daher nicht, den nächsten kurzfristigen Preisrückgang abzuwarten, sondern den eigenen Ölbedarf Schritt für Schritt zu senken.

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