In OÖ: Erste Pilotanlage für regionale Fischproduktion in Aquaponik-Cubes 

Bild: © Drehraum/APA-Fotoservice/Franz Neumayr
Zwei Frauen vor Ecocircling-Stand

Zwei Unternehmerinnen bringen Fischzucht “Made in Austria” in den Praxistest.

Knapp ein Jahr nach dem Start des Innovationsprojekts präsentiert Unternehmerin Teresa Millinger gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Grace Sheehan die erste Pilotanlage von “Ecocircling”. Mit der nun in Betrieb genommenen Anlage wird das System erstmals unter realen Betriebsbedingungen eingesetzt. Der laufende Betrieb dient dazu, Sensorik und Regeltechnik der modularen Aquaponik-Anlage kontinuierlich weiter zu optimieren.

Das Projekt ist eine regionale Antwort auf die Abhängigkeit vom Weltmarkt. Denn der Bedarf ist groß: 70.000 Tonnen Fisch werden jedes Jahr in Österreich gegessen, 65.000 Tonnen davon müssen trotz unserer hohen Dichte an sauberen Gewässern importiert werden. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach heimischem Speisefisch sowohl in Privathaushalten als auch in Hotellerie und Gastronomie, während die Preise aufgrund der herausfordernden geopolitischen Lage und anhaltender Lieferkettenprobleme stetig steigen.

Moderne Fischzucht “Made in Austria“

Den Meilenstein präsentierten die beiden Unternehmerinnen im Gewerbepark Wildenau in Oberösterreich der Öffentlichkeit. Herzstück der Pilotanlage sind kompakte Plug-in-Systeme („Cubes“), in denen Fischzucht und Pflanzenproduktion in einem geschlossenen Wasserkreislauf kombiniert werden: Das nährstoffreiche Wasser aus den Fischbecken versorgt die Pflanzen, die das Wasser gleichzeitig biologisch reinigen, was in Fachkreisen unter dem Begriff „Aquaponik“ bekannt ist. Eine eigens entwickelte Filtertechnik sowie moderne Sensorik sorgen dafür, dass Ressourcen wie Wasser und Energie effizient genutzt und hochwertige regionale Lebensmittel produziert werden.

Mit dem Start des Pilotbetriebs beginnt nun die Erprobung unter realen Bedingungen. In den kommenden Monaten werden Sensorik und Regeltechnik weiter kalibriert und die biologischen Prozesse laufend optimiert. Für die technische Umsetzung und den Pilotbetrieb arbeitet Ecocircling mit AignerX zusammen, einem Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Fischzucht.

Automatisierung und geringerer Energiebedarf durch Sensorik und KI

Der Name “Ecocircling” – zu Deutsch Öko-Kreislauf – ist Programm und steht für das System selbst: 90 Prozent weniger Wasserverbrauch sowie deutlich geringerer Energiebedarf im Vergleich zur klassischen Fischzucht sind dadurch möglich. Durch ihre kompakte, moderne Bauweise lassen sich die Cubes sichtbar in Hotels, Restaurants oder Unternehmen integrieren und machen regionale Lebensmittelproduktion unmittelbar erlebbar.

Einsetzbar ist die modulare Lösung ebenso für Gemeinden und in der Landwirtschaft. Der Einsatz modernster Sensortechnik, die auch die Grundlage für KI-gestütztes Monitoring und weitgehend automatisierte Steuerung bildet, lässt sich an unterschiedliche Anforderungen und Betriebsgrößen anpassen. Schon in der Entwicklungsphase gab es internationale Nachfrage; die Anlagen sollen künftig in verschiedenen Größen angeboten werden. Die nun präsentierte Pilotanlage ist auf eine Jahresproduktion von bis zu neun Tonnen Wels ausgelegt.

Kurze Transportwege und Regionalität als Wettbewerbsvorteil

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil sind die kurzen Transportwege und die regionale Produktion. Zukünftig können auch grüne Energiequellen integriert werden, wie etwa Biomasseanlagen, Windräder und Photovoltaik. Die modulare Bauweise soll einen wirtschaftlichen Betrieb in unterschiedlichen Einsatzbereichen ermöglichen.

Die Unternehmerin Grace Sheehan zeigt sich vom Erfolg des Ecocircling-Projekts überzeugt: “Von der ersten Idee bis zu dieser Pilotanlage haben wir jeden Schritt durchdacht. Die erste Anlage nun tatsächlich im Betrieb zu nehmen, ist ein besonderer Moment. Viele Länder stehen vor denselben Herausforderungen: steigende Importabhängigkeit, Wasserknappheit und der Wunsch nach regionaler Lebensmittelproduktion. Genau deshalb sehen wir großes internationales Potenzial für dieses System.”

Geschäftsführerin Teresa Millinger sieht in der Pilotanlage den entscheidenden Schritt vom Entwicklungsprojekt in die Praxis:
 „Mit der Pilotanlage verlassen wir die Konzeptphase. Jetzt zeigen wir unter realen Bedingungen, dass regionale Fischproduktion mit unserem modernen Plug-In-System technisch funktioniert. Der laufende Betrieb liefert uns wertvolle Erkenntnisse für die weitere Optimierung.“

Gemeinsam wollen die beiden Unternehmerinnen mit „Ecocircling“ die Kreislaufwirtschaft stärken und einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten. In den nächsten Monaten soll die Entwicklung des Systems abgeschlossen werden und kann dann von Hotels, Gastronomiebetrieben, Gemeinden und landwirtschaftlichen Betrieben erworben werden.

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