Mit dem Center for Digital Humanism Vienna bekommt eine Idee, die 2019 an der TU Wien formuliert wurde, nun einen institutionellen Ort. Peter Knees übernimmt den Direktor – und Wien positioniert sich als europäischer Knotenpunkt für eine digitale Transformation, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Schon 2019 entstand an der TU Wien das Vienna Manifesto on Digital Humanism. Es formulierte einen Anspruch, der heute aktueller ist denn je: Digitale Technologien sollen nach menschlichen Werten und Bedürfnissen gestaltet werden – und nicht umgekehrt Menschen und Gesellschaften nach der Logik digitaler Systeme.
Künstliche Intelligenz verändert Arbeit, Wirtschaft, Bildung, Medien, Verwaltung und Demokratie in rasantem Tempo. Algorithmen beeinflussen, was Menschen sehen, wie Informationen sortiert werden, wie Märkte funktionieren und welche Entscheidungen automatisiert getroffen werden. Genau deshalb wird eine Frage immer wichtiger: Wer gestaltet diese digitale Zukunft – und nach welchen Werten?
Wien gibt darauf nun eine weitere Antwort.
Mit 1. Juli 2026 wird das Center for Digital Humanism Vienna, kurz CDH Vienna, gegründet. Designierter Direktor ist Peter Knees, Professor für Informatik an der TU Wien und UNESCO-Chair for Digital Humanism. Getragen wird das Zentrum von TU Wien, Universität Wien, Wirtschaftsuniversität Wien und Central European University. Unterstützt wird es von der Stadt Wien sowie zuständigen Bundesministerien.
Das neue Zentrum ist mehr als eine weitere Forschungseinrichtung.
Es ist ein Signal: Digitalisierung darf nicht nur an Effizienz, Skalierung und Marktlogik gemessen werden. Sie muss auch danach beurteilt werden, ob sie Demokratie, Freiheit, Teilhabe, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.
Besonders im Zeitalter der KI wird dieser Gedanke zentral.
KI kann Texte schreiben, Bilder erzeugen, Bewerbungen vorsortieren, medizinische Daten auswerten, Konsumverhalten analysieren und politische Debatten beeinflussen. Damit geht es nicht mehr nur um technische Leistungsfähigkeit, sondern um Verantwortung: Wer kontrolliert Systeme? Wer erklärt Entscheidungen? Wer schützt vor Diskriminierung, Manipulation und neuen Abhängigkeiten?
Das Wiener Manifest fordert deshalb Fairness, Transparenz und Rechenschaftspflicht bei Algorithmen. Es betont Privatsphäre, Redefreiheit, Inklusion und demokratische Kontrolle. Und es stellt klar: Entscheidungen, die Menschenrechte betreffen, dürfen nicht an Maschinen ausgelagert werden. Digitale Systeme sollen menschliche Entscheidungen unterstützen – nicht ersetzen.
Genau hier setzt das CDH (Center for Digital Humanism) Vienna an.
Es soll Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vernetzen, internationale Kooperationen stärken und den Digitalen Humanismus in konkrete Praxis übersetzen. Peter Knees bringt dafür sowohl technisches Know-how als auch den Blick für gesellschaftliche Verantwortung mit. Als UNESCO-Chair arbeitet er seit Jahren daran, digitale Technologien an Demokratie, Menschenrechten, Teilhabe und Diversität auszurichten.
Für Europa kommt diese Initiative zur richtigen Zeit.
Die großen Plattformen, KI-Modelle und digitalen Infrastrukturen entstehen überwiegend außerhalb Europas. Gleichzeitig wächst der Druck, digitale Souveränität nicht nur technisch oder wirtschaftlich zu verstehen, sondern auch wertebasiert. Europa braucht eigene Antworten, als bewusste Gestaltung von Fortschritt, verbunden mit Haltung oder eben Humanismus.
Aus einer wissenschaftlichen Idee wird nun eine sichtbare Plattform für Orientierung in einer Zeit, in der Technologie immer mächtiger wird. Der Digitale Humanismus ist kein Gegenprogramm zur Digitalisierung. Er ist der Versuch, Digitalisierung wieder vom Menschen her zu denken.
Forerunner-Fazit:
Mit dem CDH Vienna erhält der Digitale Humanismus einen Ort, an dem Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam an einer menschenzentrierten digitalen Zukunft arbeiten können. Die Frage ist nicht, ob Technologie stark wird. Die Frage ist, ob der Mensch gescheit oder vorausschauend genug agiert, um sie nach seinen Werten zu gestalten.




