Gleichberechtigt, aber nicht gleichbehandelt: Was inklusivem Radsport noch fehlt
Im österreichischen Radsport erzielen Parathletinnen und Parathleten große Erfolge und werden vom Verband gezielt unterstützt. Dennoch sieht Harald J. Mayer eine Lücke zwischen formaler Gleichberechtigung und tatsächlicher Teilhabe. Sie zu schließen erfordert mehr als Medaillen: passende Angebote, erreichbare Einstiege und Strukturen, in denen wirklich alle mitmachen können.
„Sie sind gleichberechtigt, aber nicht gleichbehandelt.“ Mit diesem Satz bringt Harald J. Mayer den zentralen Widerspruch des Gesprächs auf den Punkt. Der Präsident des Österreichischen Radsportverbands spricht über sportliche Erfolge, gemeinsame Betreuung und neue Zugänge für Menschen mit Behinderung. Zugleich räumt er ein, dass im Alltag und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung noch ein Weg zu gehen ist.
Der Unterschied betrifft die Praxis. Formale Gleichberechtigung schafft einen gemeinsamen Rahmen. Gleichbehandlung entscheidet sich daran, ob Sportlerinnen und Sportler passende Betreuung und Zugang zu Bewerben bekommen. Die 2022 veröffentlichte Episode zeigt, an welchen Stellen der Radsport diese Öffnung bereits organisiert – und wo Mayer selbst weiteren Handlungsbedarf sieht.
Vom Eliteverband zur breiteren Idee des Radfahrens
Mayer kam nicht als ehemaliger Spitzenfahrer an die Spitze des Verbands. Er war seit seiner Jugend als Sprecher bei Sportveranstaltungen tätig, blieb dem Radsport über Jahrzehnte verbunden und übernahm 2019 das Präsidentenamt. Diese Verbindung aus Management und langjähriger Szeneerfahrung prägt seinen Blick: Der Verband ist für den Elitesport zuständig, doch das Radfahren reicht weit über Rennen und Nationalteams hinaus.
Im Gespräch beschreibt Mayer, wie stark das Fahrrad als Alltagsbewegung an Bedeutung gewonnen hat. Menschen nutzen es für Sport, Freizeit und Mobilität. Darin liegt eine inklusive Möglichkeit: Bewegung am Rad lässt unterschiedliche Formen und Intensitäten zu. Für Menschen mit Behinderung kann sie sportlichen Ehrgeiz ermöglichen, aber ebenso Freude an Bewegung und einen aktiveren Alltag.
Mayer fasst Inklusion entsprechend schlicht: Jeder Mensch gehört selbstverständlich dazu, alle dürfen mitmachen. Dieser Anspruch klingt einfach. In der Umsetzung verlangt er jedoch verschiedene Radtypen und Unterstützung, die sich an den jeweiligen Voraussetzungen orientiert.
Inklusion wird durch gemeinsame Strukturen konkret
Der Österreichische Radsportverband behandelt den Paracycling-Bereich laut Mayer nicht als dekoratives Zusatzthema. Er stellt Parathletinnen und Parathleten einen Trainer zur Seite, sofern sie keinen eigenen haben. Die Betreuung umfasst auch Reisen zu großen internationalen Bewerben. Damit werden Athletinnen und Athleten mit und ohne Behinderung nicht bloß unter demselben Verbandsnamen geführt; sie sind Teil gemeinsamer sportlicher Strukturen.
Ein zweiter Zugang führt über die Talent Days im Bundessportzentrum Südstadt. Diese Veranstaltung ist keine Initiative des Radsportverbands allein. Mehrere Sportarten stellen sich dort jungen Menschen mit Behinderung vor. Die Teilnehmenden können Angebote ausprobieren, mit Ansprechpersonen sowie Aktiven sprechen und herausfinden, welche Disziplin zu ihnen passt.
Dieser offene Einstieg ist wichtig, weil eine Entscheidung für leistungsorientierten Sport langfristige Folgen hat. Wer Rennen bestreiten möchte, muss eine passende Disziplin finden und sich darauf konzentrieren. Die Talent Days schaffen dafür einen ersten Raum, in dem nicht abstrakt über Inklusion gesprochen wird, sondern Menschen Sportarten und Ansprechpersonen kennenlernen.
Paralympische Erfolge schaffen Sichtbarkeit, ersetzen aber keine Basisarbeit
Wie leistungsfähig der österreichische Paracycling-Bereich ist, macht Mayer an der damaligen Medaillenbilanz fest. Von insgesamt neun österreichischen Medaillen seien sechs an Radsportlerinnen und Radsportler gegangen. Er verweist außerdem auf Europameisterschaften in Schwanenstadt, bei denen unterschiedliche Klassen und Fahrzeugformen zu sehen waren, darunter Liegeräder und Dreiräder.
Solche Erfolge machen Können sichtbar, das im öffentlichen Sportbild leicht untergeht. Walter Ablinger nennt Mayer als Beispiel für einen Athleten, der Goldmedaillen und Weltmeistertitel mit Erfahrungen über persönliche Entwicklung und Motivation verbindet. Trotzdem will der Verbandspräsident die Aufmerksamkeit nicht auf einen einzelnen Star verengen. Er fühle sich der gesamten parathletischen Nationalmannschaft verbunden, sagt er, weil dort viele unterschiedliche Persönlichkeiten großes Können zeigten. Im Ziel, so seine Beobachtung, sprächen Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Behinderung vor allem über die Freude am Erfolg und darüber, sich selbst besiegt zu haben.
Vorbilder können Interesse wecken und Menschen den Einstieg vorstellbar machen. Im Gespräch stehen neben den Medaillen deshalb auch die praktischen Fragen: Wie entdecken junge Menschen eine passende Sportart? Wer begleitet sie ohne eigenen Trainer? Und an wen können sie sich wenden, wenn sie einen Verein suchen?
Der Unterschied zeigt sich abseits des Siegerpodests
Auf die Frage nach Barrierefreiheit im Alltag antwortet Mayer zurückhaltend. Er sei mit dem Ausbau von Radwegen, der Entwicklung der Barrierefreiheit und dem öffentlichen Willen zu Verbesserungen nicht unzufrieden. Gleichzeitig fordert er zusätzliche Möglichkeiten für Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung, die gezielter auf ihre jeweiligen Bedürfnisse eingehen.
Diese Einschränkung ist wesentlich. Menschen mit Behinderung bilden keine einheitliche Gruppe, für die ein einziges Angebot genügt. Schon bei Bewerben kommen unterschiedliche Fahrzeugformen zum Einsatz. Welche Unterstützung passt, hängt daher von den jeweiligen Voraussetzungen ab. Ein allgemeiner Ausbau des Radverkehrs beantwortet nicht automatisch alle Anforderungen des Para- und Freizeitsports.
Auch zwischen Leistungssport und Alltagsmobilität muss unterschieden werden. Der Verband kann Trainer bereitstellen, Entsendungen begleiten und Kontakte zu Vereinen vermitteln. Ob die Möglichkeiten im täglichen Verkehr den jeweiligen Notwendigkeiten entsprechen, reicht über seinen unmittelbaren Aufgabenbereich hinaus. Mayer formuliert deshalb keinen fertigen Infrastrukturplan. Sein Appell bleibt dennoch klar: Es brauche weitere Angebote, die genauer auf die Notwendigkeiten von Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderung eingehen.
Eine erreichbare Eingangstür ist Teil der Lösung
Am Ende des Gesprächs wird die Frage praktisch: Was kann jemand tun, der die Talent Days verpasst hat, einen Verein sucht oder neu in den Behindertensport einsteigen möchte? Mayers Antwort ist bewusst niedrigschwellig. Die Website des Österreichischen Radsportverbands dient als erste Anlaufstelle; Interessierte sollen Kontakt aufnehmen oder anrufen. Der Verband könne Hinweise geben und bei der Suche nach einem passenden Weg unterstützen.
Das ersetzt kein flächendeckendes Angebot. Es zeigt aber, was eine Sportorganisation unmittelbar leisten kann: Zuständigkeit sichtbar machen, Anfragen annehmen und Menschen nicht mit der Suche nach geeigneten Strukturen alleinlassen. Gerade bei spezialisierten Disziplinen ist eine klare Kontaktstelle ein wesentlicher erster Schritt.
Der inklusive Anspruch des Radsports entscheidet sich somit nicht nur auf der großen Bühne. Medaillen zeigen, was möglich ist. Talent Days öffnen einen ersten Erfahrungsraum. Trainer und Verbandsstrukturen begleiten den Weg in den Leistungssport. Ob daraus gleichberechtigte Teilhabe wird, hängt jedoch auch davon ab, ob passende Angebote im Alltag erreichbar sind.
Mayers Satz von der Gleichberechtigung ohne vollständige Gleichbehandlung bleibt deshalb als Arbeitsauftrag stehen. Der österreichische Radsport hatte zum Zeitpunkt des Gesprächs bereits funktionierende Ansätze. Den Maßstab dafür setzt Mayer selbst: Inklusion bedeute, dass jeder Mensch ganz natürlich dazugehört und alle mitmachen dürfen. Daran müssen sich Betreuung, Einstiegsmöglichkeiten und weitere Angebote messen lassen.
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[01:07] Forerunners.network kümmert sich ja in seinen Rubriken auch um das Thema Inklusion, auch um das Thema Breite, Soziales, Führung. Und da gibt es erstaunlich viele Berührungspunkte, die der österreichische Radsportverband hier hat. Aber stellen wir vielleicht einmal den Harald Mayer vor, für Menschen, die ihn noch nicht kennen. Lieber Harald, ich hoffe, bei Du ist in Ordnung. Sehr in Ordnung, ja. Wie bist Du eigentlich zum Radsport gekommen? Du bist jetzt kein ehemaliger Spitzenfahrer. Es gab ja einen Harald Mayer im Radsport. Da bitte nicht zu verwechseln, ist ein relativ geläufiger Name. Nehme ich an. Wie ist Deine Vita in Sachen Radsport? Wie ist Deine Vita in Sachen Manager, der Du jetzt im Radsport sein musst? Naja, ich würde das einmal so sagen. Zunächst einmal ein herzliches Grüß Gott. Ich freue mich, dass ich hier sein kann und wir gemeinsam ein bisschen plaudern können über den Radsport und vielen anderen Themen, die damit verbunden sind.
[02:21] Ich habe eine ganz normale Ausbildung gehabt, eine kaufmännische Ausbildung gehabt und habe mich nebenbei seit meiner Kindheit immer über die Sportreportage als Platzsprecher bei Radsportveranstaltungen, bei Laufveranstaltungen, bei Skilanglaufveranstaltungen bemüht und habe halt irgendwann einmal die Entscheidung treffen müssen, magst Du diese sportliche Karriere weiter oder wendest Du Dich anderen Themen zu? Und da habe ich halt in meiner Ausbildung, meiner kaufmännischen Ausbildung besonnen und habe den kaufmännischen Weg eingeschlagen und mein letzter Aufenthalt war in etwa 28 Jahre als Geschäftsführer von Schibo Idusho in Österreich. Aber meine Liebe zum Radsport habe ich immer wieder behalten und bin dem österreichischen Radsportverband immer verbunden geblieben und seit dem Jahr 2019 als Präsident dabei. Was verbindet mich mit dem Radsport? Jahrzehntelange Kenntnis. Eigentlich hat uns mein Vater zusammengebracht, der auch schon Sprecher war, der großen Radsportveranstaltungen und ich bin als Jugendlicher schon mit ihm dabei gewesen.
[03:39] Ja, Radsport erlebt ja im Augenblick eine, man kann nicht sagen Renaissance, es erlebt eigentlich auch eine Breite, wie sie noch nie zuvor da war. Und man muss nur eigentlich beantworten, der Radsport in Österreich ist die Spitze, aber die Breite, was Radfahren betrifft und für viele Menschen ist ja sich auf ein Rad zu setzen und die Arbeit zu fahren, auch ein Teil des Sports. Es ist eine Massenbewegung. Von wie vielen Menschen sprechen wir jetzt, von Radfahrenden Österreicherinnen? Wie viele richtige Sportler sind da dabei? Vielleicht ein paar Zahlen. Sehr gerne. Also ich glaube, dass es in Wirklichkeit so ist, dass die neue Entwicklung, das Radfahren an sich ist. Weniger der Radsport als das Radfahren an sich. Und mit dem Radfahren, da hat auch sicherlich die Pandemie eine große Rolle gespielt, hat man viele, viele Vorteile entdeckt. Erstens einmal, dass man diesen Sport alleine ausüben kann,
[04:42] dass er sehr, sehr gesund ist und auch aus medizinischer Sicht immer wieder empfohlen wird. Und dass er vor allem ein Sport ist, der für alle Gesellschaftsschichten sehr geeignet ist. Auch für Männer und Frauen, was nicht unbedingt vorher der Fall war. Es ist sehr richtig, der österreichische Radsportverband ist ein Elite-Radsportverband. Aber wir sind jetzt gerade dabei, uns der Breite zuzuwenden. Und wenn Zahlen gefordert sind, dann sage ich, Ungefähr von den 4 Millionen Haushalten, die es in Österreich gibt, sind etwa, ich sage 70 Prozent, 68, 70 Prozent. Sie haben ein Fahrrad und natürlich auch so viele, muss man sagen, sind aktiv mit dem Fahrrad unterwegs. Das heißt, viele Menschen sind mobil mit dem Fahrrad unterwegs und genießen dabei alle Vorteile, die dieses Radfahren mit sich bringt. Für die Gesundheit bis hin, ich brauche keinen Parkplatz. Wir wollen heute, und ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Thema für die Zukunft,
[05:50] zumindest ist es für die Vorrunners in diesem Thema, über Barrierefreiheit und Inklusion sprechen. Warum sitzt dann bei mir der Präsident des Radsportverbandes? Warum seid ihr oder glaubst du, seid ihr der Vorreiter? Ist Radsfahren oder Radsport für Behinderte mehr als eine Dekoration eines Verbandes, mehr als ein Orchideenthema? Warum glaubst du, bist du als Radsportverbandspräsident für dieses Interview? Ich glaube, dass es zwei ganz wesentliche Punkte gibt, die da ganz entscheidend sind. Erstens, wenn es immer um das Thema Rekonvaleszenz geht, dann ist die medizinische Empfehlung das Radfahren. Ob man das jetzt Outdoor oder Indoor macht, ist gar nicht so wesentlich, aber die Tatsache, dass die Bewegung am Rad sehr, sehr viel hilft, wieder rasch zu genießen und gesund zu werden, ist wichtig. Und der zweite Punkt ist, es ist einmal mehr wichtiger für jene Menschen, die eine Behinderung haben, ganz egal in welcher Form,
[07:04] ist es eine ideale Möglichkeit, mehr Freude durch Bewegung am Leben zu gewinnen und die richtige Distanz und die richtige Einstellung zu dieser, ich sage jetzt einmal mal, nicht reparierbaren Behinderung zu finden. Und wenn ich jetzt sage, der Radsportverband sitzt ja sehr gerne am Tisch, dann deshalb, wenn ich mir vor Augen halte, was bedeutet Inklusion eigentlich, dann bedeutet es, dass jeder Mensch ganz natürlich dazugehört. Oder anders, Inklusion ist, wenn alle mitmachen dürfen. Und beim Radfahren dürfen alle mitmachen und sollen alle mitmachen. Und das ist der Grund, warum wir hinter unserem paraolympischen Team stehen und für die Medaillen, die die österreichischen Sportler, die Parathleten mit nach Hause gebracht haben, sehr, sehr dankbar sind, sehr herzlich gratulieren. Denn von insgesamt neun Medaillen haben sechs die Radsportler gebracht, und zwar ältere Persönlichkeiten wie auch sehr, sehr junge. Und das ist schon gut so, dass es so ist.
[08:18] Für Menschen, die mit Radfahren und Inklusion im sportlichen Bereich wenig anfangen oder noch neu im Thema sind, welche sportlichen Bewerbe finden wir hier innerhalb des Radsportverbandes? Es gibt ein ideales Beispiel. Ich kann da nur auf YouTube verweisen. Und die Europameisterschaft der Parathleten im Radsport haben heuer zum zweiten Mal im Schwanenstadt stattgefunden. Und da gibt es von Behinderungen im Rollstuhl bis zum Liegendfahren, bis zum Dreirad, alle möglichen Formen, wie man seiner Klasse trotz Behinderung Ausdruck verleihen kann. Und aus diesem Grund glaube ich ganz einfach, dass man sich das anschauen muss und einmal feststellen muss, wie bewundernswert das eigentlich ist, wie ganz junge Menschen, die keine Beine mehr haben im Rollstuhl, ganz hervorragende Leistungen bringen oder Menschen, die durch einen Unfall behindert wurden oder behindert sind, ebenfalls tolle sportliche Leistungen bringen können. Geht ihr da auch aktiv auf junge Menschen zu, die eben mit Behinderungen leben
[09:34] und versucht sie für den Sport, für den Leistungssport zu gewinnen? Machen das die Vorbilder wie Thomas Geiersbichler durch die mediale Berichterstattung oder ist der Radsportverband widmet der einen Teil seiner Arbeitszeit auch dieser Aufgabe? Der Radsportverband widmet einen Teil seiner Arbeitszeit den Barathleten und stellt einen Trainer zur Verfügung, der mit den Barathleten gemeinsam agiert, wenn sie keinen eigenen Trainer haben, der mit ihnen die Entsendungen bereist, ob das jetzt zum Beispiel die Weltmeisterschaften in Kanada sind oder die Olympischen Spiele in Tokio waren. Der österreichische Radsportverband ist mit den Barathleten gemeinsam unterwegs, ist auch im ARA-Olympischen Komitee untergebracht, das übrigens ganz hervorragende Arbeit für die Sportlerinnen und Sportler leistet. Und dann gibt es natürlich auch noch Methoden, an denen wir uns gerne beteiligen, um junge Sportler mit Behinderung zu gewinnen. Zuletzt zum Beispiel bei den Talent Days im Bundessportzentrum Südstadt, wo man verschiedenste Sportarten kennenlernen kann,
[10:52] darunter auch den Radsport. Talent Days, vielleicht verdienen wir da ein, zwei Worte dazu. Ist das eine Initiative des ÖRV oder seid ihr da mit dabei? Wie kann man sich das vorstellen? Das ist keine Initiative des ÖRV, das ist eine Initiative, bei der sich verschiedenste Sportarten vorstellen und präsentieren, jungen Menschen mit Behinderung. Und diese jungen Menschen mit Behinderung können sich dann entscheiden, möchten sie gerne diesen oder jenen Sport machen, können den Sport dann mal zur Probe ausführen, können mit Tränen sprechen, können mit anderen Athleten sprechen dabei, so dass sie sich ein gutes Bild machen können, was könnte denn mich für die Zukunft interessieren. Denn ein Sportler mit Behinderung muss eine Grundsatzentscheidung treffen, wenn er ihn, ich sage jetzt einmal, rennmäßig betreiben möchte, worauf konzentriere ich mich, worauf fokussiere ich mich. Und bei diesem Talent Days hat er erste Möglichkeiten, mit verschiedenen Sportarten Kontakt zu haben.
[12:01] Wenn man zum Beispiel unseren Barathleten Walter Ablinger hier kennenlernt, der mit Goldmedaillen und Weltmeistertiteln nach Hause gekommen ist, dann ist es schon faszinierend, ihm bei seinen Vorträgen zuzuhören, wie er nicht nur über den Sport, sondern auch über die Persönlichkeit und die Entwicklung und vor allem die unglaubliche Motivation, die man daraus ziehen kann, spricht. Das klingt wirklich wunderbar beim Zuhören und ich kann mir vorstellen, dass das vielleicht noch viel, man sagt halt contentreicher oder tiefer geht, solche Gespräche als die Gespräche mit, unter Anführungszeichen, nichtbehinderten Spitzensportlern, weil da unheimlich viel, wie soll ich sagen, noch mehr Hürde und Barriere dazwischen ist, diese Leistungen einmal zu bringen. Also finde ich toll, das jetzt einmal gehört zu haben und unsere Hörerinnen sicher auch. Das sind wir jetzt schon, das ist der Walter Ablinger genannt, bei Vorbildern, bei Rollmodels. Wer sind jetzt diese Vorbilder, Vorrunner,
[13:07] die man im Augenblick Menschen, die den Radsport in Österreich ausüben wollen, anbieten kann? Natürlich ist es so, dass man sich immer wieder Persönlichkeiten verpflichtet, verpflichtet, der falsche Ausdruck zu Persönlichkeiten hingezogen fühlt, die besonders gute Leistungen bringen. Aber ich glaube, in diesem Fall muss man sagen, und das möchte ich auch ausdrücklich tun, als Präsident des österreichischen Radsportverbandes, fühle ich mich der gesamten parathletischen Nationalmannschaft zugetan. Denn hier sind viele Persönlichkeiten, die in unterschiedlichen Sportarten großes Können zeigen und jeder auf seine eigene Art faszinierend ist. Und wenn man zum Beispiel spricht, Radrennfahrer ohne Behinderung ins Ziel kommen und Radrennfahrer mit Behinderung ins Ziel kommen, sie sagen alle das Gleiche. Sie sprechen nicht über die Schwierigkeiten, die sich ihnen in den Weg gestellt haben, sondern sie freuen sich über den Erfolg und genießen es, Sieger über sich selbst zu sein. Und das ist eigentlich das Entscheidende und Faszinierende,
[14:16] wenn man das miterleben kann. Ja, wunderbare Worte und wunderbare Gefühle und wunderbare Momente, die uns der Sport so beschert. Darum ist es so ein wunderbares Phänomen. Radfahren ist ein Sport, du hast es gesagt, der fast so einfach ist wie Laufen. Man geht hinaus, man nimmt sich ein Rad, man bewegt sich. Und jetzt ein bisschen Feedback auf den Beginn. Gleichberechtigung, Barrierefreiheit. Junge Menschen, die mit dem Rad, und das spreche ich nicht nur sportlich, unterwegs sein wollen, oder Menschen mit Behinderungen, die in der Öffentlichkeit unterwegs sein wollen, siehst du die schon gleich behandelt, gerecht behandelt? Oder gibt es hier Dinge, die man machen kann, die vielleicht recht naheliegend wären, um einfach Gleichberechtigung mit der Mobilität auf zwei Rädern für Menschen mit Behinderungen besser zu machen? Also es ist mit Sicherheit so, dass die Gleichberechtigung zum Beispiel bei Männern und Frauen schon sehr weit fortgeschritten ist.
[15:25] Das muss man an dieser Stelle sagen, weil es nicht selbstverständlich ist. Wenn man die österreichischen Radsportverband nimmt, dann gibt es hier im Elitesport eine Herrenradliga und eine Damenradliga. Die Damenradliga hat 2022 ihr zweites Jahr erlebt und ist eigentlich mit Rekordbeteiligung zu Ende gegangen. Natürlich ein Segen, dass gerade bei den Olympischen Spielen 2021 im Gründungsjahr der Frauenradliga eine Österreicherin eine Olympische Medaille holt. Nach 125 Jahren, denn ich glaube 1889 war es Adolf Schmal, der zwei Medaillen geholt hat bei den Olympischen Spielen in Athen. Aber das ist natürlich ein Segen, wenn so etwas passiert. Wenn du mich fragst, ob die Parasportler, die Damen und Herren beim Paracycling, ob die gleichberechtigt sind, dann sage ich, sie sind gleichberechtigt, aber nicht gleichbehandelt. Da glaube ich, müssen wir noch einen Weg gehen. Einen zweiten Weg in der Gesellschaft, um, lass mich einmal sagen, das noch besser zum Ausdruck zu bringen.
[16:41] Okay, und wenn ich jetzt ganz normal in den Tagesverkehr schaue, das ist aber jetzt, da musst du kein Fachmann sein als Präsident des Radsportverbandes, aber du siehst natürlich die Breite und du legst sehr, sehr viele Kilometer im Jahr mit dem Auto zurück in deiner Funktion, aber auch viele Kilometer mit dem Rad. Hast du das Gefühl, dass für behinderte Freizeitsportler genug Angebot herrscht in Österreich? Was es die Mobilität betrifft? Ist das in Ordnung? Könnte hier mehr passieren? Ich weiß, du bist eben jetzt kein Verkehrsforscher und Verkehrsfachmann, aber weil wir eben gerade im Thema Inklusion, Equality und Gleichberechtigung sind, möchte ich einfach diese Frage an dieser Stelle stellen. Ich glaube, ich glaube, dass es nicht so ist. Ich glaube, dass man für die Behindertensportler noch mehr Möglichkeiten schaffen muss, vielleicht noch Möglichkeiten schaffen muss, die auf ihre Notwendigkeit noch gezielter eingehen, aber gesamthaft gesehen
[17:46] darf ich mit der Entwicklung des Radwegebaus, der Entwicklung der Barrierefreiheit, des öffentlichen Willens, hier mehr Möglichkeiten zu schaffen, nicht unzufrieden sein. Dennoch, es gibt einen klaren Appell für die Behindertensportler, noch mehr Möglichkeiten zu schaffen, die sich ihre Notwendigkeiten noch besser anpassen. Klare Aussage, danke dafür. Wir kommen schon Richtung Schluss, wir haben immer so unsere 15 bis 20 Minuten, die hoffentlich interessant für die Hörerinnen sind. und wir haben heute sehr, sehr viel Neues gehört. Und ich kehre jetzt wieder zu dir zurück. Du hast schon ein wenig erzählt, wie du in den Radsport gekommen bist, aber irgendwo wird dich ja mehr fasziniert haben, als das bloße Sprechen alleine. Also die letzte Frage ist sozusagen eine Harald-Meyer-persönliche Doppelfrage. Wer sind jetzt so deine Vorbilder oder Vorranner im Bereich des Radsportes gewesen? Welche Persönlichkeiten haben dich fasziniert? Und welche Persönlichkeiten faszinieren dich als Vertreterinnen der Barrierefreiheit
[19:03] und Inklusion heute? Ja, ich glaube, es gibt im Sport immer ultimative Persönlichkeiten, die man nennt. Und da gibt es eine internationale Persönlichkeit, das ist eindeutig Eddie Merckx, der als großes Dallin ohne große Skandale tolle Leistungen geboten hat, fünfmal den Giro d'Italia, fünfmal die Tour de France gewonnen hat. Aus österreichischer Sicht gibt es natürlich einen überragenden Wolfgang Steinmeier, der viermal die Österreich-Rothfahrt gewonnen hat, dreimal Glockner König war. Aber an dieser Stelle sei auch ein Hind, dass es vielleicht nicht so den großen Wolfgang Steinmeier gegeben hätte, wenn ich gleichzeitig Rudi Mieteräcker im Gas gegeben hätte, ja. immer wieder gefordert hätte mit drei Rundfahrtsiegen und viermal den Glockner-Sieg. Und das sind die Amateurzeiten. Und wenn man dann ein bisschen in die nahe Vergangenheit schaut, dann muss man schon dazu sagen, dass Sportler wie Georg Totschnik, der eine Etappe bei der Tour de France gewinnen konnte,
[20:14] oder Patrick Conrad eine Etappe bei der Tour de France gewinnen konnte, oder ein Marco Haller, der ein UCI-Weltcup-Rennen in Hamburg gewinnen konnte, dass das schon Persönlichkeiten sind, die eine ganz exzellente Visitenkarte des österreichischen Radsports sind. Und wenn man sich die vergangene Wahl der beliebtesten Radsportler Österreichs anschaut, wo Patrick Conrad bei den Herren gewonnen hat, wo Anna Kissenhofer bei den Damen gewonnen hat und Walter Ablinger bei den Parathleten gewonnen hat, auch hier wählen wir den beliebtesten Sportler, also nicht nur bei den Damen, auch bei den Parathleten, dann freut es mich ganz besonders, dass wir tolle Erfolge haben, dass wir Gleichberechtigung und Inklusion erleben dürfen und dass wir als eigentlich großer und bedeutender Radsportverband sehr, sehr in der Gegenwart leben. Das war und ist doch ein hervorragendes Gespräch, wo du dich ein bisschen mit einem klassischen Radlfahrerschnupfen durchquälen musst. Vielleicht nur ein Schlusssatz
[21:26] und die Werbung in eigener Sache hat sich der ÖRV vertritt, durch dich lieber Harald Mayer, hier verdient. Wenn ich jetzt die Talent-Days versäumt habe, aber als junger Sportler oder als reifer Sportler einsteigen will, eben in den Behindertensport in der österreichischen Radsportverband anbietet. Wie tue ich das? Wie ist da meine Eintrittstüre? Also die Eintrittstüre findet auf der Webpage des österreichischen Radsportverbandes statt, wo wir mit uns Kontakt aufzunehmen. Das bedeutet, wenn es ein junger Sportler ist, ganz einfach anrufen. Wenn es ein Sportler ist, der einen Verein sucht, ganz einfach anrufen. Und wenn es ein behinderter Sportler ist, ganz einfach anrufen. Es gibt mit Sicherheit den richtigen Hinweis für jeden Interessierten, weil wir freuen uns über neue Namen und neue Interessenten. Lieber Harald, ich danke für das Gespräch im Namen von Vorrangers Network und unserer Redaktion und wünsche dir, dem Radsport, der Inklusion,
[22:40] der Barrierefreiheit und den riesigen Erfolg. Vielen Dank. Vielen Dank für die Einladung und danke für das Gespräch. Vielen Dank.
