Zeit schenken, wo sie am meisten zählt
Mehr als 1.500 Ehrenamtliche begleiten Menschen in den niederösterreichischen Pflegezentren. Mit Gesprächen, Spaziergängen und gemeinsamen Aktivitäten schaffen sie etwas, das sich in keinem Dienstplan vollständig abbilden lässt: Nähe und Lebensqualität. Manchmal beginnt sozialer Zusammenhalt mit einer einfachen Frage: „Wie geht es Dir heute?“ Mit einem gemeinsamen Spaziergang, einer Partie Karten oder einer Stunde, in der […]

Mehr als 1.500 Ehrenamtliche begleiten Menschen in den niederösterreichischen Pflegezentren. Mit Gesprächen, Spaziergängen und gemeinsamen Aktivitäten schaffen sie etwas, das sich in keinem Dienstplan vollständig abbilden lässt: Nähe und Lebensqualität.
Manchmal beginnt sozialer Zusammenhalt mit einer einfachen Frage: „Wie geht es Dir heute?“ Mit einem gemeinsamen Spaziergang, einer Partie Karten oder einer Stunde, in der jemand zuhört. In den Pflege- und Betreuungszentren der Niederösterreichischen Landesgesundheitsagentur übernehmen diese Aufgabe mehr als 1.500 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Im vergangenen Jahr leisteten sie zusammen über 175.000 freiwillige Stunden. Die Zahl der Engagierten steigt: Waren es zuvor noch rund 1.400 Menschen, sind es mittlerweile etwa 1.500. Hinter diesen Zahlen stehen Begegnungen, die den Alltag älterer und pflegebedürftiger Menschen verändern können.
Was in keiner Pflegestatistik steht
Professionelle Pflege sorgt für medizinische Versorgung, Sicherheit und Betreuung. Das Ehrenamt ersetzt diese Arbeit nicht. Es ergänzt sie um etwas, das in einem zunehmend geforderten Pflegesystem besonders wertvoll ist: zusätzliche Zeit.
Die Freiwilligen begleiten Bewohnerinnen und Bewohner bei Spaziergängen und kleinen Einkäufen, lesen gemeinsam, musizieren, basteln oder helfen bei Ausflügen und Veranstaltungen. Oft geht es aber um viel weniger – und gerade deshalb um sehr viel: um ein Gespräch, gemeinsames Lachen oder einfach darum, nicht allein zu sein.
Die Ehrenamtlichen schaffen soziale Kontakte und bringen Abwechslung in den Alltag. Gleichzeitig entlasten sie die hauptberuflichen Teams bei Aktivitäten, die über die unmittelbare Pflegearbeit hinausgehen.
22 Menschen, die in Korneuburg Zeit schenken
Wie dieses Engagement konkret aussieht, zeigt das Pflege- und Betreuungszentrum Korneuburg. Dort sind derzeit 22 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig.
Um ihren Beitrag sichtbar zu machen, wurde im Haus eine eigene Ehrenamtstafel gestaltet. Das Besondere daran: Bewohner Erich Nowack entwickelte sie gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Mitarbeiter Heinz Hoffmann. Die Bilder der Freiwilligen malte Nowack selbst.
„Unsere Ehrenamtlichen sind eine große Bereicherung für die Bewohnerinnen und Bewohner und unterstützen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich“, sagt Niederösterreichs Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Sie brächten Wärme, Menschlichkeit und Zeit mit – Dinge, die im Pflegealltag oft den entscheidenden Unterschied machten.
Ehrenamt braucht gute Bedingungen
Freiwilliges Engagement entsteht nicht von selbst. Wer Menschen für eine solche Aufgabe gewinnen und langfristig halten möchte, muss sie begleiten.
Die Niederösterreichische Landesgesundheitsagentur setzt deshalb auf Erstgespräche und Schnuppertage. Interessierte können herausfinden, welche Tätigkeiten zu ihnen passen und ob sie direkten Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern wünschen. Die Möglichkeiten reichen vom Besuchsdienst über Hospizbegleitung und gemeinsame Aktivitäten bis zur Mithilfe bei Veranstaltungen.
Die Ehrenamtlichen werden in die Teams eingebunden, können kostenlose Weiterbildungen besuchen und erhalten Fahrtkostenersatz sowie ein kostenloses Mittagessen. Gemeinsame Feste und Treffen sollen zusätzlich dafür sorgen, dass sich auch die Freiwilligen als Teil einer Gemeinschaft erleben.
Eine soziale Infrastruktur aus Beziehungen
Wenn über Pflege gesprochen wird, geht es meist um Personalbedarf, Finanzierung, Bettenzahlen und organisatorische Strukturen. All das ist entscheidend. Doch Lebensqualität entsteht nicht allein durch funktionierende Systeme.
Sie entsteht auch durch Beziehungen.
Die 1.500 Ehrenamtlichen in Niederösterreich zeigen, wie eine solche soziale Infrastruktur aussehen kann: Menschen stellen einen Teil ihrer Zeit zur Verfügung und bekommen dafür keinen Lohn, aber eine Aufgabe, Begegnungen und das Gefühl, gebraucht zu werden.
175.000 freiwillige Stunden sind deshalb mehr als eine beeindruckende Zahl. Sie stehen für eine Gesellschaft, in der Menschen füreinander Verantwortung übernehmen – Stunde für Stunde.
Bild: MD Nafish Sadik auf Pexels
