Benedict Cumberbatch sucht den Ausgang aus der Klimakrise

Die Dokumentation „How to Live on Earth“ zeigt keine weitere Weltuntergangserzählung, sondern Menschen, die bereits mit der Natur arbeiten. Der Film ist ab sofort weltweit kostenlos zu sehen – und stellt eine entscheidende Frage: Was wäre, wenn sich Naturschutz auch wirtschaftlich rechnen würde? Lesezeit: ca. 4 Minuten Benedict Cumberbatch hat als Sherlock Holmes komplizierte Fälle […]

Benedict Cumberbatch sucht den Ausgang aus der Klimakrise
Nachricht21.09.2026

Die Dokumentation „How to Live on Earth“ zeigt keine weitere Weltuntergangserzählung, sondern Menschen, die bereits mit der Natur arbeiten. Der Film ist ab sofort weltweit kostenlos zu sehen – und stellt eine entscheidende Frage: Was wäre, wenn sich Naturschutz auch wirtschaftlich rechnen würde?

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Benedict Cumberbatch hat als Sherlock Holmes komplizierte Fälle gelöst und als Doctor Strange gleich mehrere Universen gerettet. In seiner neuen Rolle fällt die Aufgabe kaum kleiner aus: Der britische Schauspieler führt durch eine 96-minütige Dokumentation darüber, wie die Menschheit auf der Erde weiterleben kann, ohne ihre eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.

„How to Live on Earth“ beginnt dort, wo viele Klimafilme enden. Die Krise ist bekannt. Dürren, Überschwemmungen, steigende Temperaturen, schwindende Artenvielfalt und beschädigte Ökosysteme müssen nicht noch einmal als apokalyptische Kulisse aufgebaut werden. Stattdessen fragt der Film: Welche Lösungen funktionieren bereits – und was können wir von den Menschen lernen, die sie umsetzen?

Seit 20. September ist die Dokumentation weltweit kostenlos auf YouTube verfügbar. Damit wählen die Produzenten bewusst einen anderen Vertriebsweg als klassische Fernsehsender oder kostenpflichtige Streamingplattformen. Der Film soll nicht exklusiv sein, sondern möglichst viele Menschen erreichen.

Die Natur als Partnerin

Produziert wurde „How to Live on Earth“ von den Open Planet Studios. Regie führte Fredi Devas, zu den Produzenten gehört Jonnie Hughes, der bereits an David Attenboroughs Dokumentation „A Life on Our Planet“ mitarbeitete.

Cumberbatch moderiert aus den Hallen des Natural History Museum in London. Von dort führt die Reise unter anderem in die Savannen des Tschad, zu den Korallenriffen der Malediven, in die Regenwälder Lateinamerikas und in asiatische Metropolen.

Im Mittelpunkt stehen keine prominenten Politiker und keine Vorstandsvorsitzenden. Der Film begleitet indigene Aktivistinnen, Biologen, Naturschützer, Stadtplaner und Köche. Zu ihnen gehören die mexikanisch-chilenische Klimaaktivistin Xiye Bastida, der Biologe und Tierfilmer Dan O’Neill sowie Sam Kass, früherer Küchenchef und Ernährungsberater von US-Präsident Barack Obama.

Sie zeigen, wie Flüsse renaturiert, Korallenriffe wiederbelebt, Wildtiere geschützt und neue Formen der Ernährung entwickelt werden können. In Singapur wird sichtbar, wie Natur in eine dicht bebaute Stadt zurückkehren kann. In Südkorea helfen Wälder gestressten Großstadtmenschen dabei, wieder zur Ruhe zu kommen. In Brasilien beschäftigt sich Sam Kass mit der Frage, wie die wachsende Nachfrage nach Fleisch gestillt werden kann, ohne dafür immer weitere Waldflächen zu roden.

Wenn ein lebender Elefant mehr wert ist

Die vielleicht stärkste Idee des Films betrifft den wirtschaftlichen Wert der Natur. Unser Wirtschaftssystem berechnet sehr genau, was Gold, Holz, Boden oder ein Elefantenstoßzahn kosten. Der Wert eines funktionierenden Waldes, eines lebendigen Flusses oder eines intakten Korallenriffs wird dagegen häufig erst wahrgenommen, wenn das Ökosystem beschädigt ist.

„Lebendige Natur ist für uns viel wertvoller als tote Natur“, sagt Cumberbatch im Gespräch mit dem britischen „Guardian“.

Ein lebender Elefant trägt zur Funktionsfähigkeit der gesamten Savanne bei. Ein gesunder Wald speichert Wasser und Kohlenstoff, kühlt die Umgebung und schützt Böden. Ein intaktes Riff ist Lebensraum, Küstenschutz und wirtschaftliche Grundlage für Fischerei und Tourismus.

Die Herausforderung besteht darin, diesen Nutzen nicht nur moralisch anzuerkennen, sondern in wirtschaftliche Entscheidungen zu übersetzen. Naturkapital, Renaturierungsfinanzierung und Investitionen in Ökosystemleistungen sind deshalb mehr als abstrakte ESG-Begriffe. Sie könnten dazu beitragen, dass der Schutz eines Lebensraums finanziell attraktiver wird als seine kurzfristige Ausbeutung.

Gleichzeitig liegt hier eine Schwäche des Films: Politische Machtverhältnisse, milliardenschwere Industrien und staatliche Rahmenbedingungen bleiben weitgehend im Hintergrund. Lokale Initiativen können viel verändern. Sie können aber nicht allein verhindern, dass andernorts neue Flächen versiegelt, Wälder gerodet oder fossile Ressourcen erschlossen werden.

Hoffnung als bewusstes Gegenmodell

Trotzdem ist der optimistische Zugang kein Zeichen von Naivität. Er ist eine bewusste Entscheidung in einer Klimakommunikation, die viele Menschen inzwischen nur noch als Abfolge von Katastrophen wahrnehmen.

„How to Live on Earth“ zeigt, dass Lösungen nicht erst erfunden werden müssen. Viele existieren bereits. Was häufig fehlt, sind politische Unterstützung, Finanzierung, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, erfolgreiche Modelle in größerem Maßstab umzusetzen.

Auch die Veröffentlichung auf YouTube gehört zu diesem Ansatz. Dan O’Neill weist darauf hin, dass dadurch selbst Menschen in abgelegenen Regionen den Film sehen können – darunter Gemeinschaften, die in der Dokumentation vorkommen und in internationalen Produktionen sonst oft nur als Kulisse dienen.

Dazu passt die Arbeit von Open Planet: Die Organisation stellt Tausende hochwertige Klima- und Naturaufnahmen für Bildungsarbeit und nichtkommerzielle Projekte kostenlos zur Verfügung. Die Idee dahinter ist einfach: Wer Veränderung erreichen will, muss nicht nur über Fakten verfügen. Er muss auch Geschichten erzählen können.

Cumberbatch rettet in diesem Film nicht eigenhändig die Erde. Das wäre dann doch zu viel Hollywood. Aber er richtet das Scheinwerferlicht auf Menschen, die zeigen, dass der Übergang von der Ausbeutung zur Zusammenarbeit mit der Natur längst begonnen hat.

Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Lösungen vorhanden sind. Sondern ob wir ihnen rechtzeitig genügend Raum geben.

Der Film: „How to Live on Earth“ kostenlos ansehen

Quellenbasis

Bild: Quentin Thompson, Quejaytee Wikimedia Creative Commons

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