Wenn der Strom warten kann: Powerlink baut Speicher für die Energiewende

Erneuerbare Energie ist nicht automatisch dann verfügbar, wenn Industrie, Logistik und Stromnetze sie benötigen. Das oberösterreichische Unternehmen Powerlink setzt deshalb auf große Batteriespeicher – von Rumänien bis zum Schachinger-Logistikzentrum in Hörsching. Lesezeit: ca. 5 Minuten Autor: Christoph Mahdalik Die großen, gleichförmig aufgestellten Batteriecontainer der Anlage im rumänischen Glyptodon zeigen eine Infrastruktur, die in der Energiewende […]

Wenn der Strom warten kann: Powerlink baut Speicher für die Energiewende
Nachricht14.09.2026

Erneuerbare Energie ist nicht automatisch dann verfügbar, wenn Industrie, Logistik und Stromnetze sie benötigen. Das oberösterreichische Unternehmen Powerlink setzt deshalb auf große Batteriespeicher – von Rumänien bis zum Schachinger-Logistikzentrum in Hörsching.

Lesezeit: ca. 5 Minuten Autor: Christoph Mahdalik

Die großen, gleichförmig aufgestellten Batteriecontainer der Anlage im rumänischen Glyptodon zeigen eine Infrastruktur, die in der Energiewende lange im Hintergrund geblieben ist. Während Windräder und Photovoltaikanlagen weithin sichtbar Strom erzeugen, übernehmen Batteriespeicher eine weniger auffällige, aber zunehmend entscheidende Aufgabe: Sie sorgen dafür, dass die erzeugte Energie nicht verloren geht, wenn sie im Moment ihrer Produktion nicht gebraucht wird.

Denn die Energiewende ist längst nicht mehr nur eine Frage zusätzlicher Erzeugungsleistung. Je größer der Anteil von Sonne und Wind am Strommix wird, desto wichtiger wird die zeitliche Abstimmung zwischen Produktion und Verbrauch. Unternehmen benötigen Energie verlässlich, Maschinen und Logistikzentren können ihre Arbeit jedoch nicht immer nach Sonnenschein und Windstärke ausrichten. Gleichzeitig müssen Stromnetze auch dann stabil bleiben, wenn große Mengen erneuerbarer Energie kurzfristig eingespeist oder abgerufen werden.

Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich die in Linz ansässige Powerlink GmbH. Das Unternehmen entwickelt und realisiert große Batteriespeicheranlagen für Industrie, Energieerzeuger und Netze. Die eigene Mission formuliert Powerlink klar: Netze stabilisieren, erneuerbare Energie planbar machen und der Industrie eine umweltfreundliche und intelligente Alternative bieten.

Der Speicher wird Teil der Unternehmensstrategie

Ein Batterie-Energiespeichersystem, kurz BESS, speichert Strom in Zeiten hoher Produktion oder niedriger Preise und stellt ihn wieder bereit, wenn der Bedarf oder der Strompreis steigt. Für Industriebetriebe entstehen daraus mehrere Vorteile gleichzeitig. Sie können einen größeren Teil ihres selbst erzeugten Solarstroms nutzen, teure Verbrauchsspitzen reduzieren, sich an Regelenergiemärkten beteiligen und ihre Versorgung im Fall einer Netzstörung absichern.

Damit wird der Speicher von einer technischen Ergänzung zu einem strategischen Element der Energieversorgung. Er beeinflusst nicht nur die Klimabilanz eines Unternehmens, sondern auch Betriebskosten, Versorgungssicherheit und Investitionsentscheidungen.

Nach Angaben von Powerlink befinden sich Batteriespeicherprojekte in Österreich, Rumänien, Bulgarien und Deutschland mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1.400 MWh in Umsetzung oder Entwicklung. Hinter dem Unternehmen steht ein Eigentümerkreis mit Erfahrung in Energieversorgung, Industrie, Gebäudetechnik und Projektentwicklung. Dazu zählt auch Werner Steinecker, der frühere Vorstandsvorsitzende der Energie AG Oberösterreich. Powerlink versteht sich dabei nicht nur als Lieferant von Batteriecontainern, sondern als Partner für das gesamte Zusammenspiel aus Technik, Finanzierung, Netzanschluss, Regulierung und Vermarktung.

Vom Kohlekraftwerk zum Energiepark

Wie groß die Dimensionen mittlerweile werden, zeigt ein Projekt im tschechischen Tušimice. Dort erwarb die deutsche Cube Concepts GmbH eine Batteriespeicherkapazität von 100 MW und 200 MWh. Powerlink steigt als strategischer Partner ein; unter der gemeinsamen Plattform Power Cube sollen Photovoltaik-, Speicher- und Energielösungen für Industrieunternehmen gebündelt werden.

Der Standort verfügt über einen gesicherten 400-kV-Direktanschluss an das tschechische Übertragungsnetz. Sämtliche Baugenehmigungen liegen laut Projektpartnern vor, die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 vorgesehen. Die Infrastruktur ist so ausgelegt, dass die Speicherkapazität später auf 400 MWh erweitert werden kann.

Tušimice steht zugleich exemplarisch für den Umbau des europäischen Energiesystems. Am Standort eines bestehenden Braunkohlekraftwerks entsteht ein Energiepark, in dem zusätzlich ein großer Solarpark errichtet wird und Speicher die unterschiedlichen Erzeugungsformen miteinander verbinden. Aus einer früher weitgehend zentral organisierten Stromproduktion wird damit ein flexibleres System, das Erzeugung, Speicherung und Vermarktung laufend aufeinander abstimmt. Powerlink-Presseinformation

Der Schachinger-Speicher in Hörsching

Wie unmittelbar Batteriespeicher mit der Dekarbonisierung eines Unternehmens verbunden werden können, zeigt das gemeinsame Projekt von Powerlink und Schachinger Logistik in Hörsching. Auf dem Gelände eines der größten österreichischen Logistikzentren entsteht eine Anlage mit 60 MWh Speicherkapazität und 30 MW Anschlussleistung.

Der Speicher besteht aus zwölf Containern mit Lithium-Eisenphosphat-Batterien und wird direkt mit dem firmeneigenen Solarpark verbunden. Der vor Ort erzeugte Strom kann dadurch zwischengespeichert und später für den Betrieb, für die Ladeinfrastruktur oder zur Stabilisierung des öffentlichen Netzes eingesetzt werden. Zusätzlich dient das System der Notstromversorgung.

Die Ausgangslage zeigt, warum diese Investition weit über ein einzelnes Energieprojekt hinausgeht. Am Standort fahren täglich zwischen 250 und 300 Lkw, rund 300 Transporter und bis zu 400 Pkw ein und aus. Nach Berechnungen der Projektpartner verursachen diese Fahrzeuge derzeit etwa 30.000 Tonnen CO₂ pro Jahr und benötigen rund zehn Millionen Liter Diesel. Schachinger Logistik will seine Flotte schrittweise auf Elektrofahrzeuge umstellen und schafft seit Anfang 2026 keine neuen Lkw mit Verbrennungsmotor mehr an.

Damit steigt allerdings der Strombedarf erheblich. Besonders in der Nacht müssen Fahrzeuge geladen werden, während der firmeneigene Solarpark keinen Strom produziert. Der Batteriespeicher übernimmt deshalb die Funktion eines zeitlichen Puffers: Sonnenstrom vom Tag wird in die Nacht verschoben. Gleichzeitig lassen sich hohe Leistungsspitzen vermeiden, die sonst zusätzliche Netzkosten oder einen umfangreicheren Ausbau des Anschlusses verursachen könnten.

Nach Angaben von Powerlink soll das System den Grad der energetischen Autarkie am Standort auf rund 95 Prozent erhöhen. Für das Gesamtprojekt sind knapp 20 Millionen Euro vorgesehen. Rund 15 Millionen Euro entfallen auf den Großspeicher, weitere fünf Millionen Euro investiert Schachinger Logistik in Elektrofahrzeuge, Ladestationen und Infrastruktur. Die Inbetriebnahme wurde für das dritte Quartal 2026 angekündigt.

Nach Angaben der Projektpartner handelt es sich um den größten Batteriespeicher Österreichs und um Europas größten Speicher für einen Logistikstandort. Unabhängig von diesen Größenvergleichen ist Hörsching vor allem deshalb interessant, weil hier Energie- und Mobilitätswende zu einem gemeinsamen betrieblichen Projekt werden. Powerlink und Schachinger Logistik

Speicher vermeiden nicht jede neue Leitung

Großbatterien können Stromnetze stabilisieren und den Bedarf an zusätzlichen Kraftwerks- und Netzkapazitäten reduzieren. Sie ersetzen den Netzausbau aber nicht vollständig. Wo Industrie, Wärmepumpen, Rechenzentren und Elektromobilität den Stromverbrauch stark erhöhen, werden weiterhin leistungsfähige Leitungen und Netzanschlüsse benötigt.

Der wirtschaftliche Wert eines Speichers hängt deshalb vom jeweiligen Standort ab. Entscheidend sind der Stromverbrauch des Unternehmens, die eigene Erzeugung, der Netzanschluss, zeitabhängige Strompreise, mögliche Einnahmen aus Regelenergie und die Geschwindigkeit, mit der die Batterie geladen und entladen wird. Auch Genehmigungen, Brandschutz, Finanzierung und die spätere Wiederverwertung der Batterien müssen berücksichtigt werden.

Powerlink weist selbst darauf hin, dass die Planung eines BESS kein Standardprozess ist. Erst wenn Lastgangdaten, Netzkapazität, Eigenerzeugung, Vermarktung und Geschäftsmodell zusammenpassen, wird aus Batteriecontainern ein wirtschaftlich sinnvoller Teil der Energieinfrastruktur.

Forerunners-Fazit

Die Energiewende tritt in eine neue Phase ein. Lange stand die Frage im Mittelpunkt, wie möglichst viel erneuerbarer Strom erzeugt werden kann. Jetzt entscheidet zunehmend die Fähigkeit, diesen Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu machen.

Batteriespeicher schließen damit eine Lücke zwischen Klimaziel und betrieblicher Realität. Sie können Solarstrom in die Nacht verschieben, Stromkosten besser planbar machen, Netze entlasten und die Elektrifizierung ganzer Fahrzeugflotten ermöglichen. Projekte wie die Anlage von Schachinger Logistik in Hörsching zeigen, dass Energiespeicherung nicht nur ein Thema für Kraftwerksbetreiber ist. Sie wird zu einem Bestandteil industrieller Standortpolitik.

Die eigentliche Leistung eines Speichers besteht dabei nicht darin, zusätzliche Energie zu erzeugen. Sie besteht darin, vorhandene Energie wertvoller zu machen – weil sie genau dann zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird.

Mehr zur Company: https://www.powerlink.at/

Bild: © LSG Building Solutions GmbH

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