Oberösterreich bringt 13 Regeln ins Klassenzimmer
Mit Wimmelbildern, Spielen und Unterrichtspaketen soll die „OÖ Hausordnung“ Teil des Schulalltags werden. Wien verfolgt ein ähnliches Ziel, setzt dabei aber stärker auf individuell entwickelte Programme für einzelne Schulen. Wie vermittelt man Respekt, Gleichberechtigung und Verantwortung so, dass daraus mehr wird als ein Plakat an der Wand? Oberösterreich versucht es nun im Regelunterricht. Für die […]

Mit Wimmelbildern, Spielen und Unterrichtspaketen soll die „OÖ Hausordnung“ Teil des Schulalltags werden. Wien verfolgt ein ähnliches Ziel, setzt dabei aber stärker auf individuell entwickelte Programme für einzelne Schulen.
Wie vermittelt man Respekt, Gleichberechtigung und Verantwortung so, dass daraus mehr wird als ein Plakat an der Wand? Oberösterreich versucht es nun im Regelunterricht. Für die 13 Regeln der „OÖ Hausordnung“ wurden eigene Lernbegleitmaterialien entwickelt, die Lehrkräfte altersgerecht einsetzen können.
Damit macht das Land aus einem ursprünglich integrationspolitischen Regelwerk ein Angebot für alle Schülerinnen und Schüler. Die Grundidee: Gemeinsame Werte sollen nicht nur formuliert, sondern anhand konkreter Situationen besprochen, hinterfragt und praktisch erprobt werden.
Die Materialien wurden vom Zentrum für Demokratiebildung der Bildungsdirektion Oberösterreich erarbeitet. Je nach Schulstufe stehen Wimmelbilder, Spiele, Unterrichtspakete und vertiefende Leitfragen zur Verfügung. Themen wie Respekt, Verantwortung, Rechte und Regeln sollen damit in die Lebenswelt junger Menschen übersetzt werden.
Vom Respekt bis zur gewaltfreien Konfliktlösung
Die „OÖ Hausordnung“ versteht sich als kleines Einmaleins des Zusammenlebens. Ihre 13 Regeln reichen von Menschenwürde und Gleichberechtigung über Bildung, Leistung und gesellschaftliche Verantwortung bis zum Umgang mit Religion, kultureller Vielfalt und Heimat.
Die erste Regel lautet: „Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt.“ Weitere Grundsätze betreffen die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die Ablehnung von Hass und Extremismus sowie den Anspruch, Konflikte mit Argumenten und nicht mit Gewalt auszutragen.
Auch Deutschkenntnisse, Bildung, Gemeinsinn und der respektvolle Umgang in gemeinsam genutzten Räumen spielen eine Rolle. Religion wird als möglicher Halt anerkannt, zugleich stellt die Hausordnung klar, dass keine Religion über dem Gesetz steht.
Der entscheidende Schritt liegt nun in der pädagogischen Umsetzung. Ein Regelkatalog allein verändert noch keinen Schulalltag. Erst wenn Kinder und Jugendliche über konkrete Konflikte diskutieren, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und eigene Lösungen entwickeln, können aus abstrakten Formulierungen tatsächlich gemeinsame Haltungen entstehen.
Wien wählt einen anderen Weg
Einen interessanten Vergleich bietet Wien mit dem Programm „Respekt: Gemeinsam stärker“. Auch dort geht es um ein respektvolles, angst- und gewaltfreies Miteinander an Schulen. Statt eines einheitlichen Regelkatalogs setzt Wien jedoch auf Programme, die für jeden teilnehmenden Schulstandort individuell entwickelt werden.
Zu Beginn werden Direktion, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler zu den Stärken und Herausforderungen ihrer Schule befragt.
Auch Eltern, Schulsozialarbeit und Einrichtungen im Umfeld können einbezogen werden. Auf dieser Grundlage entsteht ein standortspezifisches Programm, das die Schule ein ganzes Schuljahr begleitet.
Zu den Schwerpunkten zählen Gewalt- und Mobbingprävention, Konfliktlösung, Gleichberechtigung, Antirassismus, Extremismusprävention, Vielfalt sowie die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Bis Juni 2026 wurden nach Angaben der Stadt bereits 40 Wiener Schulen unterstützt.
Interessant ist auch eine personelle Verbindung: Der Integrationsexperte Kenan Güngör begleitete die Wiener Pilotphase und war später an der Entwicklung der oberösterreichischen Werteordnung beteiligt.
Gemeinsamer Rahmen oder gemeinsame Entwicklung
Der Vergleich zeigt zwei unterschiedliche Zugänge. Oberösterreich gibt allen Schulen einen gemeinsamen sprachlichen und inhaltlichen Rahmen. Das erleichtert die breite Anwendung und schafft landesweit wiedererkennbare Grundsätze.
Wien beginnt dagegen bei den konkreten Problemen eines Schulstandorts. Die Regeln und Maßnahmen werden nicht vorgegeben, sondern gemeinsam mit den Beteiligten entwickelt. Dieser Ansatz benötigt mehr Zeit und externe Begleitung, kann dafür aber die Identifikation mit den Ergebnissen stärken.
Unser Forerunners Fazit
Beide Modelle haben ihre Berechtigung – und könnten voneinander lernen. Oberösterreich bringt Klarheit und flächendeckend einsetzbare Materialien ein. Wien zeigt, wie wichtig Beteiligung, längerfristige Begleitung und die Einbindung des gesamten schulischen Umfelds sind.
Die stärkste Lösung könnte daher in der Verbindung beider Ansätze liegen: ein klarer gemeinsamer Werterahmen, der an jeder Schule gemeinsam mit Kindern, Eltern und Lehrkräften in konkrete Vereinbarungen übersetzt wird. Denn Regeln entfalten ihre Wirkung nicht dadurch, dass sie angeschrieben werden. Sie müssen verstanden, diskutiert und im Alltag gemeinsam gelebt werden.
Quellen
- APA-OTS: OÖ Hausordnung macht Schule – neue Lernbegleitmaterialien für den Regelunterricht, 16.09.2026
- Land Oberösterreich: Die 13 Regeln der OÖ Hausordnung, abgerufen am 17.09.2026
- Krone: „OÖ Hausordnung“ fließt jetzt in die Schulen ein, 16.09.2026
- Stadt Wien: „Respekt – gemeinsam stärker“, abgerufen am 17.09.2026
- Stadt Wien: Mehr Respekt für Wiens Schulen, 18.06.2026
