Arbeitslose bauen Wohnungen für Wohnungslose

Bild: © Monirul Hoque Shraban auf pexels.
Perforierte Ziegelwand mit versetztem Muster

Ein Projekt, das gleich zwei Türen öffnet

Ein Zuhause ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es bedeutet Sicherheit, Stabilität und die Chance, das eigene Leben neu zu ordnen. Arbeit wiederum schafft Selbstvertrauen, Qualifikation und gesellschaftliche Teilhabe. In St. Pölten verbindet ein ungewöhnliches Bauprojekt nun beide Seiten: Junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung helfen dabei, leistbare Wohnungen für Menschen in Wohnungsnot zu schaffen.

In der Daniel-Gran-Straße 41 wird ein Gebäude des Vereins Wohnen umfassend saniert und erweitert. Aus bisher vier Wohnungen entstehen sechs moderne Wohneinheiten mit jeweils 41 bis 55 Quadratmetern. Sie sollen Menschen zur Verfügung stehen, die bereits wohnungslos oder unmittelbar davon bedroht sind.

Qualifizierung direkt auf der Baustelle

Unterstützt werden die Arbeiten von der Gemeinnützigen Sanierungs- und Beschäftigungs GmbH, kurz Gesa, einer Tochtergesellschaft des Vereins Wohnen. Über das Programm „Fit im Handwerk“ werden junge Menschen ohne Lehrabschluss vom Arbeitsmarktservice vermittelt und in verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten teilqualifiziert.

Die Baustelle wird damit zu einem Lernort. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sammeln praktische Erfahrung, lernen Arbeitsabläufe kennen und können zeigen, was in ihnen steckt. Das soll ihre Chancen erhöhen, später eine reguläre Beschäftigung oder weiterführende Ausbildung zu finden.

Das Prinzip lautet: Menschen, die am Arbeitsmarkt Unterstützung brauchen, schaffen Wohnraum für Menschen, die bei der Suche nach einem sicheren Zuhause Unterstützung benötigen.

Aus vier Wohnungen werden sechs

Seit dem Baustart Anfang Februar 2026 ist das Projekt deutlich vorangekommen. Das Gebäude wird um ein zusätzliches Geschoß erweitert. Mitte Mai wurde die Gleichenfeier begangen, im Juni folgten das neue Dach, eine Photovoltaikanlage und die Montage der Fenster.

Gleichzeitig bleibt die historische Fassade des Hauses erhalten. Das Projekt verbindet damit sozialen Wohnbau, die Sanierung bestehender Bausubstanz und eine nachhaltigere Energieversorgung.

Finanziell unterstützt wird die Sanierung durch die niederösterreichische Wohnbauförderung.

Unterstützung endet nicht an der Wohnungstür

Der Verein Wohnen stellt den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern nicht nur leistbaren Wohnraum zur Verfügung. Die Menschen erhalten auch Beratung und Begleitung, um ihre Lebenssituation langfristig zu stabilisieren.

Denn eine Wohnung allein löst nicht automatisch alle Probleme. Sie schafft aber die notwendige Grundlage: eine Adresse, einen Rückzugsort und einen “Ausgangspunkt, von dem aus weitere “Starting Point” für die nächsten Schritte.

„Leistbares Wohnen ist eine wichtige Grundlage für Stabilität, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe“, sagt Niederösterreichs Wohnbau-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.

Soziale Wirkung auf mehreren Ebenen

Das Projekt in St. Pölten zeigt, wie soziale Herausforderungen miteinander verbunden werden können. Bestehende Gebäude werden sinnvoll weiterentwickelt, Menschen in Wohnungsnot erhalten neue Perspektiven und arbeitssuchende Jugendliche sammeln Qualifikationen für ihre berufliche Zukunft.

Die Gesa verfolgt diesen Ansatz bereits seit vielen Jahren. Nach eigenen Angaben wurden durch ihre Beschäftigungsprojekte bisher mehr als 200 Wohnungen und Häuser für den Verein Wohnen sowie für finanziell und sozial benachteiligte Menschen saniert.

So entsteht aus einer Baustelle mehr als neuer Wohnraum. Es entsteht ein Ort, an dem Menschen gleichzeitig an Häusern und an ihrer eigenen Zukunft bauen.

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