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Der Heurige braucht mehr als Nostalgie, um zu überleben

Loretta Pflaum führt einen Wiener Familienbetrieb in zehnter Generation – aber nicht nach den Regeln früherer Generationen. Sie setzt auf flache Hierarchien, regionale Produkte und den Heurigen als offenen Treffpunkt. Denn Tradition bleibt nur lebendig, wenn sie sich verändert und ihr Fortbestand wirtschaftlich möglich ist.

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Podcast25.03.2026

„Ein Lokal ist ja eigentlich auch eine Inszenierung.“ Wenn Loretta Pflaum über den Heurigen spricht, klingt ihre frühere Arbeit als Schauspielerin und Regisseurin deutlich durch. Menschen gehen nicht aus, weil sie zu Hause keine Flasche Wein öffnen könnten. Sie kommen wegen der Atmosphäre, der anderen Gäste und einer Bedienung, die einen Schmäh hat.

Diese Sichtweise betrifft mehr als die Gestaltung des Gastraums. Als Pflaum vor 13 Jahren den Familienbetrieb übernahm, brachte sie Erfahrungen aus Film und Theater mit. Gemeinsam mit einer befreundeten Schauspielerin wollte sie einen Ort schaffen, an dem nicht der lauteste Chef den Ton angibt. Als Betrieb und als Treffpunkt sollte der Heurige anders funktionieren: respektvoller, offener und zeitgemäßer, ohne seine Geschichte zur Kulisse zu machen.

Flache Hierarchien verlangen mehr Verantwortung

In der Gastronomie traf dieser Ansatz zunächst auf Widerstand. Pflaum beschreibt eine Branche, die lange stark hierarchisch und traditionell geführt wurde. Sie und ihre Mitstreiterin wollten dagegen die Anliegen aller Beschäftigten hören – auch jene einer Aushilfskraft. Ebenso wichtig war ihnen, transparent zu machen, wie das Trinkgeld im Team aufgeteilt wird.

Dass flache Hierarchien automatisch bequem seien, bestreitet Pflaum. Freiheit bedeute immer, Verantwortung zu übernehmen. Nicht alle Mitarbeitenden wollten eigene Ideen einbringen oder für einen Arbeitsablauf selbst zuständig sein. Andere fühlten sich genau in diesem Umfeld wohl, weil sie mitgestalten könnten. Die Umstellung habe deshalb auch personelle Konsequenzen gehabt.

Ihr Gegenentwurf zum alten Kommandoton lautet: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.“ Pflaum wollte nicht allein im Betrieb stehen und jeden Handgriff überwachen. Sie suchte Menschen, denen sie vertrauen konnte, und kontrollierte nur punktuell. So wurde das Team nicht zur austauschbaren Besetzung, sondern ein wesentlicher Teil des Ortes. Im Gespräch sagt sie, dass sie sich freue, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sehen, wenn sie in den Betrieb komme.

Die Bühne besteht aus Menschen, Räumen und Haltung

Pflaums Vergleich mit dem Theater ist sehr konkret. Ein Lokal hat für sie eine Bühne und einen Backstagebereich. Beleuchtung und Boden verändern sich, sobald Gäste den sichtbaren Teil verlassen. Vorne entsteht eine Atmosphäre, hinten muss die Arbeit funktionieren. Auch Service ist eine Form von Performance – nicht im Sinn aufgesetzter Freundlichkeit, sondern als bewusste Gastgeberrolle.

Der historische Rahmen verstärkt diese Wirkung. Pflaum berichtet von Innenräumen aus dem 17. Jahrhundert, teilweise mit originalen Böden, Decken, Tür- und Fensterstöcken. Im Sommer kommt ein großer Gastgarten mit altem Baumbestand hinzu. Verändert wurde nur, was für einen zeitgemäßen Betrieb notwendig war.

Das Ziel ist dennoch kein Museum. Gäste sollen sich eher fühlen, als wären sie bei jemandem zu Hause. Pflaum unterscheidet dabei zwischen Sommer- und Winterbetrieb, privaten Feiern, Firmenveranstaltungen und Menschen aus der Umgebung, die regelmäßig kommen. So kann derselbe Ort ein besonderes Erlebnis und ein vertrauter Teil des Alltags sein.

Tradition entscheidet sich auch auf dem Teller

Für Pflaum bedeutet Tradition nicht, jede Gewohnheit unverändert fortzuführen. Jede Generation müsse neu entscheiden, worauf sie sich berufen will und was sie besser sein lässt. Diese Haltung wird beim Essen und Trinken sichtbar.

Jüngere Gäste tränken weniger Alkohol, sagt sie. Statt Menge stehe stärker der Genuss im Vordergrund. Das fördere das Interesse an unterschiedlichen Weinen und neuen Produkten. Auch die Küche habe sich verändert. Weil viel junges Publikum komme, biete der Betrieb mehr vegetarische und vegane Gerichte an.

Dafür muss die österreichische Küche nicht neu erfunden werden. Pflaum nennt Weinkraut, das ohne den später hinzugefügten Speck vegan ist, und Krautfleckerl mit eifreien Nudeln. Entscheidend sei Qualität statt Quantität. Produkte sollen nach Möglichkeit direkt von landwirtschaftlichen Betrieben oder aus der Region kommen. Sie spricht aber auch offen über Grenzen: Nicht jede Zutat sei verlässlich in der gewünschten regionalen Herkunft erhältlich.

Pflaum macht daraus keine makellose Nachhaltigkeitsbilanz. Sie beschreibt Entscheidungen, die im Alltag funktionieren müssen, und sagt auch, wo ihr Betrieb an Grenzen stößt. So reagiert die Küche auf neue Essgewohnheiten, ohne beliebig zu werden.

Der Heurige ist soziale Infrastruktur

Pflaum sieht im Heurigen und im Wiener Kaffeehaus etwas Seltenes: Orte, an denen Generationen und soziale Schichten aufeinandertreffen. Die Leichtigkeit des Zusammenseins ist für sie keine oberflächliche Zugabe, sondern die Voraussetzung dafür, dass Begegnung überhaupt entsteht.

Was daraus werden kann, zeigen Projekte aus dem Familienbetrieb. Eine Zeit lang lud das Team Fachleute und Universitätsprofessorinnen und -professoren zu Wissenschaftsgesprächen ein. Die Gäste saßen gemeinsam am Tisch, aßen, hörten einen Vortrag und diskutierten. Teilweise wurden Menschen einbezogen, die zufällig im Lokal waren und sich für eine klassische Vortragsveranstaltung vielleicht nie angemeldet hätten.

Daneben gab es Lernprojekte für unbegleitete Jugendliche, die nach Österreich gekommen waren. Freiwillige unterstützten sie einmal pro Woche in Deutsch, Englisch und Mathematik. Aus dem Projekt entstand laut Pflaum auch eine Stammtischrunde der Lehrenden. Die Hilfe fand damit nicht in einem abgeschlossenen Seminarraum statt, sondern mitten im gesellschaftlichen Alltag.

Gerade in einer Zeit vieler Bildschirmkontakte hält Pflaum solche physischen Begegnungen für wichtig. Automatisierte Kassen und digitale Abläufe machten es möglich, durch einen ganzen Tag zu gehen, ohne mit jemandem zu sprechen. Für Menschen, die ohnehin wenig soziale Kontakte haben, verschwinden damit auch kleine, aber regelmäßige Begegnungen. Ein Gastbetrieb kann diese Entwicklung nicht allein aufhalten. Er kann jedoch einen Raum offenhalten, in dem Menschen einander tatsächlich sehen.

Wirtschaftlicher Druck bedroht mehr als einzelne Betriebe

Der Erhalt solcher Orte lässt sich nicht allein mit persönlichem Einsatz sichern. Pflaum schildert, wie schwer ein traditioneller Gastronomiebetrieb wirtschaftlich zu führen ist. Die Lohnkosten seien stark gestiegen, zugleich bestehe beim Heurigen weiterhin die Erwartung niedriger Preise. Wer sein Team besser als kollektivvertraglich bezahlen und alles korrekt abrechnen wolle, brauche eine sehr hohe Auslastung. Ruhigere Phasen, in denen Beschäftigte trotzdem weiterbezahlt werden, seien kaum noch finanzierbar.

Wie ernst die Entwicklung ist, zeigt eine Zahl aus dem Gespräch. In Nußdorf habe es in den 1960er-Jahren noch 30 Heurige gegeben, heute seien es zwei, sagt Pflaum. Auch der Standort ihres Betriebs sei nicht dauerhaft davor geschützt, anders genutzt oder verbaut zu werden. Ob ein solcher Ort erhalten bleibt, hänge daher stark vom Willen der Eigentümerinnen und Eigentümer ab.

Pflaum fordert Rahmenbedingungen, die Traditionsbetrieben das Überleben erleichtern. Sie bringt steuerliche Vergünstigungen für Betriebe ins Spiel, die kulturelles Erbe bewahren. Dahinter steht ein nachvollziehbarer Gedanke: Wenn eine Stadt gemeinschaftliche Orte erhalten will, kann sie die Kosten dafür nicht vollständig einzelnen Wirtinnen und Wirten überlassen.

Zukunft entsteht, wenn Tradition bewusst gewählt wird

Loretta Pflaum verteidigt den Heurigen nicht, indem sie jede frühere Praxis verklärt. Sie verändert Führung, Speisekarte und Programm, weil sich auch die Gesellschaft verändert hat. Gleichzeitig hält sie an dem fest, was der Ort besonders gut kann: Menschen zusammenbringen, Gastlichkeit ermöglichen und das Feiern als Teil des Lebens bewahren.

Ob es den Heurigen in 50 oder 100 Jahren noch geben wird, lässt sie offen. Sicher ist für sie nur: Tradition besteht nicht von selbst. Eine Gesellschaft muss entscheiden, ob sie solche Orte haben will, welche Regeln ihr Überleben ermöglichen und was sie dort miteinander anfangen möchte. Nostalgie allein bezahlt keine Gehälter und öffnet keine Türen. Eine lebendige Tradition tut beides.


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[00:00] Hallo und gratuliere Dir! Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst Du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch Du ein Forerunner und besuche uns auf forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Wie sieht die Infrastruktur von morgen in Österreich aus? Straßen, Schienen, digitale Netze, aber auch Energieversorgung und Bildung. Wer sind die Menschen, die heute schon an morgen denken? Welche Herausforderungen warten auf uns? Und in welche Richtung wollen wir uns bewegen? Sei dabei und lass uns unsere Zukunft gemeinsam gestalten. Auf Forerunners Network der ESG und Infrastruktur Plattform. Wie ist die Regisseur, Regisseurin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Wirtin in 10. Generation. Ja, ein herzliches Grüß Gott, liebe Loretta. Danke, dass Du heute zu uns gekommen bist. Ich bin schon neugierig, wie wir den Heurigen Richtung Nachhaltigkeit biegen werden in diesem Gespräch. Danke für Dein Kommen.

[01:44] Es freut mich, hallo. Ja, das ist die Frage, die alle hassen. Erzähl so in Stichworten kurz den ganzen Leben, genau bis zu dem Augenblick, als Du hier ins Studio kamst. Ja, das hast Du eigentlich eh schon gemacht. Also ich habe angefangen als Schauspielerin, habe Regie studiert am Rheinland-Seminar, habe dann viel, viel im Fernsehen gemacht, immer mehr dann so Arthouse-Nischprodukte und habe dann ein Kind gekriegt. Und dann hat meine Schwester, die den Familienbetrieb geführt hat, wollte dann nicht mehr. Und dann habe ich gesagt, okay, ich kann jetzt eh nicht ständig rumfliegen mit Kind. Und ich bleibe bis eh mal eine Zeit lang in Wien und ich probiere das. Und wenn es Spaß macht und funktioniert, dann funktioniert es. Und wenn nicht, dann kann man es sich immer noch verkaufen. Und genau, das war jetzt vor 13 Jahren. Ist Dir die Schauspielerei schon auf die Nerven gegangen? Wolltest Du das nicht mehr? Oder vermisst Du sie heute? Oder ist man als Wirtin sowieso auch Schauspielerin?

[02:45] Ach, also alles ein bisschen davon. Ich spiele ja auch nach wie vor, habe den Betrieb dann auch übernommen mit meiner ältesten, besten Freundin, die auch Schauspielerin ist. Und wir machen das zu zweit, sodass wir uns abwechseln können, wenn einer spielt oder eine Produktion hat, dass der andere dann da ist. Und das funktioniert eigentlich ganz gut. Und natürlich ist, wenn man so als Wehreinsteiger reinkommt, weil ich habe von diesem Familienbetrieb nur sehr am Rande mitbekommen, weil ich habe in Berlin gelebt und habe eigentlich recht früh gesagt, ich will damit nichts zu tun haben. Und kam dann halt mit einem völlig anderen Mindset rein. Und Antje und ich haben sehr, sehr gerne, oder wir spielen nach wie vor sehr gerne, aber die Branche ist natürlich gerade für Frauen sehr schwierig. Es gibt einen Grund, warum MeToo aus dieser Branche kommt, weil einfach ganz viele Leute Dir Geld zahlen würden, damit sie ihren Beruf ausüben dürfen.

[03:34] Und dadurch ist man natürlich auch extrem erpressbar. Und wir haben gesagt, wenn wir jetzt quasi Regie für so einen Betrieb übernehmen, also wir haben auch dann die Begriffe vom Theater übernommen, wir haben gesagt, wir haben Abend da, es macht Abendregie. Also das war irgendwie so eine Mischgeschichte. Und wir haben gesagt, wenn wir das machen, dann wollen wir hier einen Ort kreieren, wo es ein respektvolles Miteinander gibt, wo die Hierarchien flach sind, wo die Anliegen von allen gehört werden, auch wenn es nur die Aushilfskraft ist, wo irgendwie transparent ist, wie Trinkgeld aufgeteilt wird. Das war unser Ansatz und das war in der Gastronomie damals eigentlich ein No-Go, weil das super hierarchisch, traditionell geführt wurde und eigentlich in der Zeit, wie wir begonnen haben, so die ersten Betriebe, auch Hotels begonnen haben, so ein bisschen umzustellen. Da bleibe ich gleich dabei bei den flachen Hierarchien. Ich selber habe in der Gastronomie natürlich auch gearbeitet, als Schankbursch, selber mal eine Bar gehabt und so weiter.

[04:35] Und da kenne ich natürlich auch die sogenannten Chefs, also die mit der Patsche in der Hand und laut, dominant etc. Und wenn du sie fragst, warum, na sonst kacken sie mir, um das schlimmere Wort nicht zu benutzen, alle am Schädel. Funktioniert es trotzdem beim Schübelauer auf einer flachen Hierarchiebasis? Das funktioniert total gut. Also am Anfang mussten wir halt die ganzen Leute, die drinnen waren, die auch gegen uns gearbeitet haben, weil natürlich Freiheit heißt immer Verantwortung übernehmen. Wenn du frei sein möchtest, musst du das tun. Und viele Leute wollen das nicht. Viele Leute wollen einfach normal nach Zahlen und wollen gar nicht sich selbst einbringen oder selbst irgendwie Ideen haben oder selbst verantwortlich sein für einen Arbeitsvorgang. Und das funktioniert dann halt nicht. Aber es gibt Leute, die sich genau in dem Setting super wohl fühlen, weil sie eben das Gefühl haben, auch gestalten zu können.

[05:30] Und wir haben das schon auch gesagt, also halt so vom Theater, vom Showbusiness kommend. Ich meine, ein Lokal ist ja eigentlich auch eine Inszenierung. Also du gehst ja nicht aus, weil du dir zu Hause keine Flasche Wein aufmachen kannst. Du gehst ja aus, weil da ein Bühnenbild ist, das irgendwie dir gefällt, weil am Nebentisch lustige Leute sitzen, die man beobachten kann, weil eine Kellnerin oder ein Kellner kommt, der irgendwie einen Schmäh hat. Oder ich sage mal, in der gehobenen Gastronomie hast du mehr so das Ballett in schwarz-weiß mit wenig Text. Ja, beim Reunen ist ein bisschen mehr Text. Aber eigentlich ist es eine Performance. Du hast auch immer diese Bereiche Backstage, Stage. In dem Moment ändert sich der Bodenbelag und die Beleuchtung. Das ist wie im Theater. Du gehst irgendwie hinten rein, plötzlich, Linoleumboden, Neonröhren und nicht draußen im Theater, der klassische Blüsch im Zuschauerraum.

[06:20] Also es gibt ja schon viele Parallelen. Und ich habe halt gesagt, wir haben den tollsten Job, den man haben kann, weil wir sind dafür da, Leute glücklich zu machen. Das ist das Ziel unserer Arbeit und unserer Bestrebung. Und ich glaube, es ist wichtig zu wissen, warum arbeite ich. Also klar kriegt man Geld dafür und man lebt davon, aber das macht ja keine Freude, wenn es nur das ist. Weil dann auch diese ganze Diskussion mit Work-Life-Balance, wenn die Arbeit so schrecklich ist, dass man dann, um in die Balance zu kommen, wie viel willst du dann konsumieren in deiner Freizeit, um das wieder wettzumachen. Also ich denke mir, es ist viel besser zu sagen, die Arbeit ist ein wesentlicher Teil meines Lebens und ich gestalte sie so, dass sie mir Freude macht und ich das gerne tue. Stimmt, Gastronomie heißt ja viele Stunden, aber das heißt ja auch vielleicht viele schöne Stunden, die man dort verbringt.

[07:10] Ja, und deswegen wollten wir halt auch ein Team haben und ich habe jeden Einzelnen wahnsinnig lieb. Das sind super Menschen, mit denen ich auch gerne Zeit verbringe und wo ich jeden Tag, wenn ich in den Betrieb komme, mich freue, sie zu sehen. Schauen wir uns einmal die Bühne per se an. Es ist der heurige Schübelauer und für alle Wienerinnen und Wiener steigt ganz einfach in den Teewagen ein, wenn ich das richtig habe, und fahrt zur Endstation nach Nussdorf, wie immer so heißen. Genau wie so wie, einfach ein. Nein. Wie geht es dann weiter, wie eröffnet sich mir das Theater Schübelauer? Also da gibt es die Sommerbespielung und die Winterbespielung. In der Sommerbespielung haben wir einen großen, extrem schönen Gastgarten mit altem Baumbestand, der auch für Veranstaltungen sehr schön ist, weil man es abtrennen kann, sodass man so einen Bereich für sich so exklusiv ein bisschen hat.

[08:09] Und es gibt einen Obstgarten, der für Firmenfeste toll ist, wenn es irgendwelche Team-Building-Geschichten gab. Also wir hatten da mal Pappmaché-Kühe gemolken worden oder Bogenschießen oder andere Sachen. Oder auch Hochzeiten. Also man kann heiraten da auch mit Standesbeamten vor Ort. und haben aber auch indoor extrem schöne Räume, die aus dem 17. Jahrhundert sind, also 1642. Und nun das so einzuordnen ist ungefähr die Lebenszeit von Shakespeare. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges. Genau, so vom Theater kommend. Da hat man diese Landmarks des Shakespeare zum Beispiel. Und das sind Räume, die teilweise wirklich Originalboden haben. Also das sind Bodenbretter drin, die fast einen halben Meter breit sind. Decken, Türstöcke, Fensterstöcke sind teilweise Original. Und wir haben da auch wenig geändert. Natürlich Toiletten reingebaut und so. Das braucht es nicht. Klar. Und die Idee ist da, die Atmosphäre zu kreieren, als wäre man beim Gastgeber oder Gastgeberin zu Hause.

[09:17] Und der hat halt so ein lustiges Zimmer. Und man nicht das Gefühl hat, man ist in einem Lokal. Also dass es so entspannt und homey ist und angenehm. Und das ist natürlich auch im Winter schön. Wir haben Räume für Veranstaltungen, für Firmen, die ihre Firmen Winterabschlussfeste feiern. Oder Familien, die zusammenkommen, um sich irgendwie in der Adventszeit zu treffen, Geburtstage. Und das ist auch sehr schön. Gansel essen natürlich auch. Also diese Traditionen. Wir haben uns da auch eine Frage aufnotiert nach dem Motto, du hast keine Chance, also nütze sie. Und du hast vorher schon das Thema Frau irgendwo angesprochen. Erzähl uns kurz noch einmal so die Zeiten der Übergabe. Du mit dem Kind, die Antje, deine Schwester. Wie hat sich das gestaltet? Klingt das sehr, sehr schnell. Und interessiert mich ganz einfach. Weil es spielt viel mit. Freundin, Familie, Beruf, eigenes Kind.

[10:14] Also fahrt was nicht, oder? Nein, nein. Und es war schon schwierig, weil ich ganz andere Vorstellungen hatte. Meine Mutter und meine Schwester, die haben das doch sehr traditionell geführt. Also meine Mutter so mit der Peitsche. Meiner Schwester wollte die Peitsche nicht mehr, aber glaube ich war auch nicht sicher, was stattdessen funktionieren könnte. Und hatte viel ausprobiert. Und irgendwann hat sie auch keinen Spaß mehr gemacht, weil sie einfach das, glaube ich, auch nicht wollte. Und ich habe halt irgendwie von vornherein gesagt, ich möchte da nicht allein drinstehen und auch nicht die ganze Zeit drinstehen. Ich möchte einfach ein Team um mich herum haben, dem ich vertrauen kann, weil ich finde diesen Satz, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, total schwachsinnig. Ich finde es viel besser, wenn man vertrauen kann und nur punktuell kontrollieren muss. Also ich finde es viel besser zu sagen,

[11:03] Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Und habe mir halt auch die Leute gesucht, die genau damit umgehen können. Weil es ist halt auch nicht bei jedem. Und wir leben halt in einem System, wo vom Gesetzgeber ein Keil zwischen Arbeitgeberin und Dienstnehmerin getrieben wird. Also das finde ich ganz, ganz schwierig, als Chef Teil des Teams zu sein, weil das einfach von den Rahmenbedingungen kaum möglich ist. Finde ich auch schwierig, wirklich schwierig. und kann irgendwie allen Leuten, die schwanger sind und aus einer Angestelltenposition kommen, nur raten, die Karenz dazu zu nutzen, sich in irgendeiner Form selbstständig zu machen. Dann vielleicht parallel zur Arbeit, weil ich das im Freundeskreis sehe, dass Frauen bleiben auf der Strecke, wenn sie Karenz gehen, dann Teilzeit arbeiten, weil Kind noch in der Schule, dann lassen sie sich scheiden. Der Mann hat die ganze Zeit voll gearbeitet. Er kriegt eine volle Pension,

[11:58] sie nicht, weil sie ja noch nicht mehr verheiratet ist. Also das alte System funktioniert ja nicht. Und ich glaube, dass diese Zeit, wo man irgendwie ein Baby hat, man schafft da so viel, weil man auch wahrscheinlich hormonell so getunt ist, dass man irgendwie auch robuster ist. Also ich glaube, diese ganzen auch Familieninternen und mit Angestellten, diese ganzen, diese Kruste, die ich da wegarbeiten musste, die habe ich überhaupt nur geschafft, weil ich hier so noch gestillt habe und noch so irgendwie dachte, ich gehe halt in meine Soap und das irgendwie leicht nehmen konnte, weil ich halt so in mir glücklich war. Okay. Nächste Frage. Ich war jetzt völlig fasziniert. Gehen wir ein bisschen Richtung Sozialität und Nachhaltigkeit. Du hast die Sozialität jetzt mit der Team-Hierarchie oder der flachen Hierarchie schon mal eingeleitet. Aber Voraners Network beschäftigt sich halt mit nachhaltigen Themen

[12:52] und da gibt es ja auch vieles. Zum Beispiel einmal die Geschichte des Hauses. Das ist ja nachhaltig, wenn man schon 350 Jahre und ein paar zerquetschte existiert. Aber ist der Heurige noch ein Ort für jeden Tag, wo ich so hingehe, wie in mein Kaffeehaus? Oder ist es schon ein besonderes Erlebnis, dass es nicht alle Tage geben kann? Ich glaube, es kommt deine Gewohnheiten an. Es gibt die Kaffeehaus-Gehe und die Heurigen-Gehe und es gibt schon Leute, die kommen da an, wo man wohnt. Also wenn ich jetzt im ersten Bezirk wohne, werde ich nicht täglich zum Heurigen rausfahren. Aber wenn ich irgendwo in der Nähe wohne, gibt es schon Leute, die sehr, sehr regelmäßig kommen. Aber es ist natürlich in unserem Fall auch sicherlich eine Event-Cole-Location, wo man halt hinkommt, auch um das Gästen zu zeigen oder internationale Kongresse oder genau. Ich glaube, es ist beides.

[13:48] Die nächste Generation, weil die Jugend lebt gesundheitsbewusster, also sie trinken weniger, eindeutig, als früher. Wie bekommt man jetzt die nächste Generation zum Heurigen hin? Ich glaube, der Heuriger hat nicht zwingend mit Besäufnis zu tun. Das ist halt, also ich habe halt einen Traditionsbetrieb, deswegen habe ich mich grundsätzlich mit Traditionen auseinandergesetzt. Und es gibt einfach Traditionen, die, wo wir auch jede Generation oder auch wir in unseren Lebensphasen entscheiden, auf welche Tradition berufen wir uns und was lassen wir lieber sein. Also ich finde zum Beispiel die Tradition, dreimal am Tag Fleisch zu essen, sieben Tage die Woche, ist überdenkenswert. Also die ist auch noch nicht so wahnsinnig alt. Die hat so in den 70er Jahren begonnen, weil davor konnte sich das niemand leisten. Da gab es den Sonntagsbraten, das war eine festliche Geschichte und vielleicht unter der Woche mal irgendwie ein Wurschtsemmel,

[14:48] wenn man sich es leisten konnte, aber nicht in dieser exzessiven Art, wie wir das heute haben. Ich glaube auch, dass so in den 80er Jahren war halt so dieser Turbokapitalismus, hat einfach so Gas gegeben, dass irgendwie das Kai ist der Limit und koste es, was es wolle, wir machen jetzt hier irgendwie, was geht. Da sind wir ja jetzt auch schon wieder weggekommen. Also dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, das war damals ja noch nicht. Und jede Generation oder jedes Jahrzehnt oder jede Zeit geht mit den Herausforderungen anders um und man muss halt flexibel bleiben. Und natürlich hat sich der Alkoholkonsum hat sich einfach verändert. Also ich kann mich erinnern, wie ich ein Kind war, da gab es halt wirklich und auch wenn jetzt so diese ältere Generation kommt, wo ich mir denke, puh, wie schaffen die das? Also ich meine, klar, die Leber wächst

[15:34] an ihren Herausforderungen, aber jetzt einfach von der Magensäure und so, ich denke mir so, wow, die sind, ich meine, Alkohol konserviert ja auch, aber die Leute trinken immer weniger Alkohol und es ist, der Genuss steht mehr im Vordergrund als das Besäufnis. Also früher gab es halt den günstigen Schankwein und den haben sie sich literweise reingegossen und man hat halt auch einfach so einen quasi Einheitswein aus allen Weingärten alles zusammengekaut, dass man möglichst viel davon hat. Und jetzt ist es halt mehr so, dass man einen Schankwein hat, der ein guter Gefährte ist, um Spritzer zu machen und ich finde, für einen Spritzer braucht es einen sehr guten Wein, weil ich finde, dass man auch dem Spritzer das noch intensiver schmeckt, ob der Wein gut ist oder nicht. Ja, bedeutiger. Also das ist so, da habe ich ein Missverständnis von vielen, aber vielleicht ist das

[16:23] eine individuelle Geschichte von mir, ich bin, da ist keine Expertin, aber die Tendenz geht halt mehr dann eben zu Sortenweinen, Baudellenweinen, also spezielleren Dingen, die man halt ausprobiert, ob das jetzt Naturwein ist oder Orangewein oder Verjus oder diese ganzen Produkte, da gibt es eine Vielfalt und ein Interesse und eine Neugierde, wo es aber mehr um Genuss geht und nicht um Quantität und es ist natürlich auch der Preis ein anderer, weil auch, dass natürlich die Winifizierung dann eine ganz andere ist, also es ist aufwendiger, das ist vom Lesevorgang, vom Schneiden, das ist alles, man schneidet halt nicht auf Masse, du kannst den Weinstock so schneiden, dass der einfach viel trägt oder du kannst ihn so schneiden, dass er nicht so viel trägt, aber qualitativ hochwertiger. Also du hast dann auch einen anderen Ertrag, dadurch ist natürlich auch der Preis ein anderer,

[17:15] aber die Leute trinken wahrscheinlich um dasselbe Geld, aber weniger. Und das Essen hat sich auch verändert, also wir haben halt viel junges Publikum auch bei uns, deswegen haben wir viel vegane, vegetarische Gerichte und es ist auch spannend, wie viele von Natur aus vegane Gerichte die österreichische Küche hat. Okay, Beispiele bitte. Zum Beispiel ein Weinkraut, in den 80er Jahren hat man dann noch Speck reintan, wenn man den Speck raus tut, veganes Gericht. Richtig, ja. Ja, total easy. Wir haben Krautfleckerl, die machen wir die Nudeln ohne Ei, veganes Gericht. Da macht es ihr selber die Nudeln. Ja. Also, das ist ein Unterschied, schmeckt das. Also, es ist halt mehr so Qualität und nicht Quantität und das war halt so auch der Anspruch, den wir hatten, dass wir halt sagen, okay, das geht jetzt auf ein anderes Level und wir schauen halt auch,

[18:07] dass alle Produkte, die wir haben, möglichst entweder direkt vom Bauern sind oder halt lokal. Also, es geht nicht mit allen Sachen. Kalbfleisch ist ganz schwer zu kriegen aus Österreich. Das ist so. Ja, und wir haben halt einen Wiener Schnitzel mit Kalb in der Butter rausgebacken oder Butter und Malz und da kriegen wir nicht immer das Österreichische. Ja, aber sonst, wir haben einen Eierbauern, der direkt liefert und der super Qualität hat. Ist das ein Wienerwald oder? Nein, der ist, glaube ich, aus Burgenland. Okay. Ich auch, ist mir auch gleich. Nein, das ist super. Das ist irgendwie, das ist nicht so weit weg. Also, regional einkaufen, Bio jetzt nicht unbedingt Pflicht, weil das… Bio ist so eine Geschichte. Bio ist so eine Geschichte, ja. Die Bio-Geschichte ist so, man darf es nicht anschreiben, weil in dem Moment, wo du hinschreibst, Bio, musst du administrativ extra Listen führen,

[19:01] ein extra Lager haben und das ist so ein Aufwand, wo ich mir denke, ich schreibe schon genug Listen. Nein, wir schreiben drauf regional und ich meine, Tipp für alle, wenn ihr Essen geht, wenn man regional steht, ist die Chance. Also, Bio ist extrem hoch, weil kein Gastronom oder Gastronomin hinschreibt Bio, weil es einfach der Overkill ist, administrativ. Du sprichst eben immer vom Heulen als Bühne und Regisseurin, Schauspielerin etc. Da hat man ja auch die Aufgabe oder den Drang durch die Vermittlung von etwas und deswegen so ein Blick ins Heute. Du warst ja auch kürzlich bei einer unserer Stadtlaborsendungen zu Gast. Kann ein Heuriger etwas zur kontemporären Gesellschaft beitragen? Muss er das überhaupt oder soll er einfach ein Ort der Leichtigkeit sein? Ich glaube, ein Ort der Leichtigkeit ist eine Voraussetzung für alles, was du da so sagst. Der Heuriger und das Caféhaus,

[20:00] das ist sehr, sehr speziell. In Wien sind Orte, wo sich alle treffen. Generationen, soziale Schichten und das finde ich sehr, sehr toll und ungewöhnlich. Also ich habe ja lange in Berlin gelebt, da gibt es sowas nicht. Da gibt es irgendwie Lokale für 25- bis 27-jährige Pumaschuh-Träger. Es ist also nur diese Crowd da drinnen. Also es ist extrem spezifiziert. Das finde ich immer toll an Wien, dass es eben Orte gibt, wo man sich begegnen kann, wo man auch niederschwellig so Sachen machen kann. Wir haben eine Zeit lang auch Wissenschaftsvermittlung gemacht, wo wir irgendwie wirklich Experten, Uniprofs eingeladen haben, Symposien zu machen, wo man an einem Tisch saß und gegessen hat gemeinsam und währenddessen sich über ein Thema, also einen Vortrag angehört hat und dann halt ein Gespräch darüber, wo wir halt auch Leute dann dazu geholt haben, die zufällig gerade da waren.

[20:54] Nein, ich habe davon gehört. Die sich nie trauen würden, in so einen Vortrag zu gehen oder gar nicht wissen, dass das spannend sein könnte. Wir haben Lernprojekte gemacht mit unbegleiteten Jugendlichen, die nach Österreich kamen, wo wir Österreicherinnen, Österreicher gewonnen haben, dass sie einmal die Woche kommen, Nachhilfeunterricht geben in Deutsch, Englisch, Mathe, sodass irgendwie diese Kinder Unterstützung haben, weil die teilweise in zwei Jahren mussten ihren Pflichtschulabschluss machen. Das waren Klassen, 30 Kinder, eine Unterrichtende und zehn verschiedene Nationen. Also das ist extrem fordernd. gewesen. Und daraus hat sich auch eine sehr nette Stammtischrunde der Lehrenden daraus kristallisiert. Also es sind schon so Projekte, wo man sagen kann, das ist ein Ort der Begegnung und das möchte ich auch so lassen, dass das auch öffentlich zugänglich ist, weil ich meine, das ist ein Filetstück im 19. Bezirk. Man könnte alles mit Wohnungen vollpflastern,

[21:54] wo die Leute dann mit ihren SUVs in die Garage fahren und am Gang nicht Grüß Gott sagen. gibt es ganz viel in der Gegend. Ja, ja, ja. Ich denke mir, ja, das ist halt, ich meine, das ist halt auch Lebensqualität. Ich meine, ich bin dumm, weil ich und meine Tochter, wir müssten nie wieder arbeiten. Eine Fingergrümme, nicht einmal. Wir müssen es nicht mal anlegen, wir können es einfach ausgeben. Aber das ist irgendwie, man will ja auch die Welt ein Stück schöner verlassen, als man sie betreten hat. Ja, und ich finde es schon gut, Leuten einen Raum zu geben, sich zu begegnen, weil das, glaube ich, gerade in der Zeit, wo wir nur noch in Zoom und am Telefon und auf Bildschirmen sind, so das direkte, physische, sehr, sehr wichtig ist. Also ich habe mir letztens gedacht, ich stand an so einer Kasse,

[22:39] wo man nur, nur noch eins kennen kann und niemand mehr ist. Das heißt, du gehst rein einkaufen, musst mit niemandem reden, nicht einmal an der Kasse. Früher musst du es zumindest in der Kasse, was groß und auf Wiedersehen sagen. Und ja, ich bin auch ein Sackerl. Das fällt jetzt alles weg. Das heißt, Leute, die irgendwie jetzt zum Beispiel langzeitarbeitslos sind oder so, die haben nicht einmal über den täglichen Einkauf mehr einen kontinuierlichen sozialen Kontakt mit jemandem, auch wenn er ganz kurz ist. Und ich finde das schwierig. Ist es, ja. Hör dir übrigens die Story vom Mila Supermarkt an, und deine… Habe ich mir schon angehört. Hast du mich schon? Ich habe sie auch hier kennengelernt. Genau. Die Ferti Reisenberger. Schöne Grüße. Du hast, genau, dein Heuriger ist, du hast das selbst schon angesprochen, 19. Bezirk, mit Abstand teuerste Wohngegend von Wien.

[23:30] Und wenn ich jetzt so ab und an, also zu mir im 14. über Neustift fahre, das hat sich wahnsinnig verändert. Grinzinger hat sich verändert, etc. Und du hast dem auch gesagt, okay, du könntest jetzt mehr oder weniger nach Mallorca dich fliegen lassen und nichts mehr tun. Das heißt, der Ensembleschutz, der Heurigenschutz, der Traditionsschutz, der Wiener DNA-Schutz kann eigentlich nur durch den Willen der Betreibenden passieren. Oder ist das noch anderweitig irgendwie geschützt? Weil ich stelle mir vor, ein Heuriger muss ja nicht zwingend auch ein Baugrund sein. Nein, das ist nicht geschützt. Und es ist auch, finde ich, tatsächlich so, dass die Gastronomie oder eine Gastronomie, die halt irgendwie so Tradition auch hat, also einen Heurigen heutzutage so zu führen, dass man wirklich gut davon leben kann oder Rücklagen bildet, ist die Quadratur des Kreises, weil die Lohnkosten in der Gastro dermaßen hochgeschnellt sind.

[24:29] Und man gerade beim Heurigen eben auch gewisse Summen, also du kannst ja nicht teuer sein beim Heurigen, weil dieses ist auch ein historisches Missverständnis, warum es beim Heurigen billig ist, weil früher, als noch eine Stadtmauer da war, innerhalb der Stadtmauer gab es eine sehr hohe Steuer auf Alkohol. Außerhalb der Stadtmauer nicht. Deswegen ist man zum Heurigen rausgefahren, weil es billiger war. Es war nicht billiger, es war nur die Steuer niedriger. Das heißt, eigentlich müsste man das wieder so machen, dass man sagt, okay, Traditionsbetriebe, oder die halt so kulturelles Erbe auch sind. Also man sagt, da gibt es halt irgendwie die Möglichkeit, steuerliche Vergünstigungen zu haben, weil so war es ja auch mal. Geblieben ist, dass die Leute im Kopf haben, beim Heurigen muss es billig sein, aber ich zahle ja meine Mitarbeiter und ich zahle sie nicht kollektiv, sondern besser.

[25:16] Genau. Genauso viel wie der im ersten Bezirk. Das heißt, ich muss schauen, dass das Lokal wirklich voll ist, dass ich eine gute Auslastung habe, weil wenn ich das nicht habe, früher konnte man sagen, die zwei, drei Monate im Winter, die lassen wir offen, so Anfang des Jahres, weil da haben die Kellner mal halt ein bisschen eine ruhigere Phase und alle sind durchversorgt und kriegen ihr Gehalt weiter. Gut, Trinkgeld ist weniger, aber das geht jetzt nicht mehr. Also man muss die zum AMS schicken oder Teile meines Teams sind in Tirol, machen dort Saison und kommen dann wieder, weil das gar nicht möglich ist. Also ich muss mir bei jeder Servicekraft überlegen, wie viel mehr Umsatz brauche ich, wie muss die Auslastung sein, damit das irgendwie kostendeckend ist, noch gar nicht Gewinn bringen. Und das ist schon schwierig und ich muss halt auch sagen,

[26:03] wir machen halt alles super proper und wir machen nichts unterm Tisch. Vielleicht ist das, wie man jetzt letztlich Ja genau, es war jetzt zwei Tage aufgepoppt, die Wundersoften, die dann doch nicht funktionieren. Ja, aber ich meine, ich verstehe auch die Kollegen, dass sie dann irgendwie zu sowas greifen, weil es wirklich, also es müssen auch Rahmenbedingungen her, die es möglich machen, ohne diesen massiven Druck entspannt zu arbeiten und schön zu arbeiten und das ist im Moment nicht und die Leute müssen einfach, die kommen auch nur, wenn wirklich zu tun ist, die haben auch nicht irgendwann mal, dass sie durchschnaufen können, weil das ist nicht finanzierbar. Ja, leider, der entspannte Wirt stirbt leider aus, der rennt den Auflagen hinten nach. Ja, dann versuchen wir, dem Ganzen vielleicht einen Spin zu geben, vom Heurigen zum Morgigen. Wird es den Heurigen in 50, in 100 Jahren noch geben,

[27:01] Loretta? Das weiß ich nicht, also in Nussdorf, welches ist das Stadtteil von Wien, wo mein Heuriger ist, da gab es in den 60er Jahren noch 30 Heurigen. Jetzt gibt es zwei. Unfassbar. Da gibt es den Schüblauer, das sind wir und der Nachbar der Kirlinger, der auch ganz entzückend ist, also geht bitte auch zum Kirlinger und wir sind so die letzten zwei, die das halt machen, weil wir crazy sind. Und wenn wir als Gesellschaft nicht sagen, das ist etwas, was wir haben wollen, was wir schützen wollen, wo wir Rahmenbedingungen schaffen, wird das sicherlich in der Form vielleicht dann nicht mehr sein oder was halt jetzt neu passiert, das ist halt im Weingarten oben machen. Also die verkaufen unten die Häuser, weil es einfach teurer Baugrund ist und machen irgendeine Papelatschen im Weinberg oben, was halt auch die Frage ist, ich meine eigentlich Ruhegebet und Ding

[27:53] und dann fahren sie irgendwie alle rauf mit den Autos und Halligalli da oben ist halt auch die Frage. Ja, es sind ja Vierradler SUVs meistens. Ja, aber ich meine in Wahrheit auch die Radfahrer, die dann runterpreschen, wo irgendwie alle kleinen Tiere, die irgendwie von Eidechsen angefangen, irgendwie nicht bei drei dann in einem Weinstock sich versteckt haben, es sterben viele Tiere da auch, wenn die Mountainbiker irgendwie runterfahren und es lustig finden. Also ja, es hat alles immer zwei Seiten. Aber ich glaube, dass es immer einen Ort gibt, wo man feiern wird, weil ich glaube, die Natur des Menschen ist zu feiern. Und wir beim Schübelauer feiern seit 1711 und wir können es gut. Und das ist, glaube ich, der Naturzustand des Menschen ist zu feiern. Und wir unterbrechen dieses Feiern eigentlich nur, um Ressourcen zu schaffen, um dann wieder feiern zu können.

[28:42] Also wir sollen das Leben einfach feiern lassen. Da hast du mir ein Stichwort gegeben. Wir haben noch überhaupt nicht darüber gesprochen. Es wird ein Wein sein und wir werden immer sein. Mein Mordl war eine Wernerin. Der Heurige und die Musik. Erzähl mir deine Einstellung dazu. Wie wird beim Schübelauer musiziert? Wann singst du mit? Oder wirst du auch ab und zu irgendwo die laute Rockbox an? Ja, also meine Mutter hat in den 80er, 70er, 80er Jahren hat sie eigentlich die Schrammelmusik wieder salonfähig gemacht. Also es war also die Zeit, wo die Heurigen in Grinzing beschlossen haben, Autobusse und damit verdienen wir gut. Und in Nussdorf die drei Heurigen, die damals halt noch die großen Heurigen waren, einer ist jetzt schon im Verkauf, da sind Wohnungen drinnen. Wir haben gesagt, nein, wir wollen für die Wiener da sein und eben nicht die Autobusse nehmen.

[29:36] Und meine Mutter hat dann mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters, die haben die Philharmonia-Schrammeln gegründet und haben irgendwie die tatsächlich historische, sehr komplexe Wiener Musik wieder ausgegraben und halt wirklich auf high quality performt und haben damit auch so ein bisschen das wieder Salonfee oder halt den schlechten Ruf von dem Unter der Unter der Musikantenstadl wieder zurückgebracht zu den Ursprüngen. Also eine ähnliche Bewegung, die auch beim Wein stattgefunden hat mit dem gemischten Satz. Also damals hat man gesagt, naja, der gemischte Satz wird von der Keller stiegen und so alles zusammen mischt. Und jetzt ist es der DRC, weil das eben ein gemischt gesetzter Weingarten sein muss, der eine ganz klare Definition dazu hat. Aber das ist halt auch wieder das Rückbesinnen auf Traditionen, wo man eben sagt, okay, da sind jetzt Traditionen Musikationen musikalisch verändert worden, was auch lustig und ich möchte es nicht bewerten,

[30:33] aber dann kann man sagen, okay, jetzt haben wir vergessen, wo es eigentlich herkommt. Dann gehen wir mal zurück, wo es herkommt und schauen, ob da vielleicht Inspiration ist, wenn wir das irgendwie machen, wie man dann vielleicht anders abbiegt und zu anderen Ergebnissen kommt als ein anderer, der dann im Musikantenstadl damit geendet ist. Und das hat ein großes Publikum und totale Berechtigung. Und meine Mutter hat dann halt irgendwie halt so auf diesem High Level dann halt irgendwie der Zetnik hat gesungen, die Kirschlager, der Karl-Heinz Hackel hat gelesen. Das war halt so diese Generation, wo das halt auf High Level stattgefunden hat und ich glaube, sie hat sogar mal eine Ehrenmitteil in der Stadt Wien dafür bekommen und hat da, glaube ich, wirklich viel auch geebnet für andere jüngere Musiker, die nachgekommen sind, die sehr erfolgreich auf dieser Welle reiten. Ja, also ob das jetzt

[31:20] das Schrammelfestival im Waldviertel ist oder die Agnes Palmisano, die irgendwie auch ja auch eine Heurigen hat oder ihr Ex-Mann hat eine Heurigen, wo sie Veranstaltungen macht. Ja, das sind, ich meine, wir müssen Traditionen pflegen und wir müssen es wollen. Und wenn wir es wollen, dann werden wir es machen. Wenn wir es nicht wollen, dann wird es nicht mehr sein und dann ist es auch gut, wenn es nicht mehr ist. Das heißt, es gibt ab und zu auch Musik? Es gibt ab und zu auch Musik bei mir. Okay. Genau. Naja gut, wir sind bei 32 Minuten. Müssen wir kürzen? Kürzen müssen wir überhaupt nicht. Wir müssen jetzt noch einmal die Leute ganz nach oben bringen. Was so. Wir sind nämlich keine Tragödie, sondern wir sind heute eine Komödie und da endet alles oben. so wie ich dich, liebe Loretta Pflaum, vorgestellt habe

[32:10] und du so eingestiegen bist von Schauspiel, Regie, Berlin, Wien. Möchte ich dich jetzt noch einmal poetisieren und noch einmal ordentlich Werbung für den Heurigen, den sozialen Ort machen. Wofür steht für dich der Weingarten, der Rebstock, die Rebe und die Traube in deinem Universum? Also das sind unglaubliche Pflanzen, die wuchern. Das ist die Fülle, das ist eigentlich ein Symbol für die absolute Fülle. Ja, weil so ein Weinstock, es gibt Weinstöcke, also kommt auch auf die Sorte an, die können eine ganze Fassade hochwachsen oder weiß nicht, 30 Meter lang dahin wachsen und die Trauben hängen, hängen, hängen, hängen. Also es gibt irgendwie kaum eine Pflanze, die dermaßen verschwenderisch ist mit ihrer Energie und dermaßen tiefe Wurzeln hat, wo sie irgendwie aus der Erde raus das holt und uns beschenkt. Gutes Ende, da fällt mir noch etwas ein, ja, ich glaube, da könnte man das

[33:16] schön beschließen. Wir räumen jetzt mit einem geschichtlichen Fehler auf. Bachus, liebe Menschen, hier da draußen, war eine Göttin. Stimmst du mir zu? Ja, oder Transgender. In diesem Sinne, liebe Leute, Forerunners Network, feiern seit dem 30-jährigen Krieg, seit 1600 irgendwas, geht auch noch 400 Jahre später, kommt zum Schübelauer, übrigens wird es auch heuer einmal einen Forerunners Network Stammtisch geben, haben wir schon gebucht. Liebe Loreta, danke fürs Kommen, es war großartig. Und geht nicht nur zum Schübelauer, sondern zu allen Heuregen unterstützt. So tun wir, wir fangen jetzt gleich an. Ja.

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