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Drei Stunden Mitarbeit statt Rabattmarkerl: Wie MILA Preise und Einkauf neu ordnet

Bei MILA in Wien-Meidling kaufen Mitglieder nicht bloß ein. Sie schlichten Regale ein, sitzen an der Kassa und bestimmen das Sortiment mit. Sprecherin und Mitgründerin Brigitte Reisenberger erklärt, wie die Genossenschaft gute Lebensmittel leistbarer machen will – und warum Gemeinschaft dabei Teil des Geschäftsmodells ist.

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Podcast11.03.2026

Die Frühschicht beginnt um sechs Uhr. Noch bevor der Supermarkt öffnet, nehmen Mitglieder Lieferungen an und bereiten den Laden für den Tag vor. Andere kommen später zum Einschlichten, Käseportionieren, Kassieren oder Putzen. Wer bei MILA einkauft, steht regelmäßig selbst auf der anderen Seite der Kassa.

Damit verschiebt sich eine vertraute Grenze. Im klassischen Supermarkt sind Kundschaft, Beschäftigte und Eigentümer klar getrennt. Beim Mitmachsupermarkt in Wien-Meidling sind die Kundinnen und Kunden zugleich Genossenschaftsmitglieder. Sie finanzieren den Betrieb mit, arbeiten drei Stunden pro Monat mit und können über Produkte und Abläufe mitentscheiden. Die zentrale Frage ist deshalb nicht bloß, ob dieses Modell sympathischer wirkt. Es muss im Alltag auch verlässlich funktionieren und die versprochenen günstigeren Preise ermöglichen.

Wer einkauft, hält den Laden mit am Laufen

Mitglied wird man über einen einmaligen Genossenschaftsanteil von 180 Euro. Menschen mit weniger Geld können laut Brigitte Reisenberger einen reduzierten Anteil von 20 Euro zahlen. Danach gehört eine dreistündige Mitmachschicht pro Monat zum Modell. Zusätzlich kann jedes Mitglied eine Person bestimmen, die ohne eigene Schicht mit einer Karte einkaufen darf, etwa jemanden aus dem Haushalt oder der Wohngemeinschaft.

Die Mitglieder ersetzen nicht die gesamte Belegschaft. Reisenberger spricht im Podcast von sechs Angestellten, die Einkauf, Buchhaltung, Mitgliederbüro und Schichtkoordination übernehmen. Viele sichtbare Tätigkeiten im Geschäft erledigt jedoch die Genossenschaft: Gemüse nachfüllen, Preisschilder stecken, an der Kassa sitzen oder am Abend mit der Reinigungsmaschine durchfahren.

Anfangs hätten manche Respekt vor ungewohnten Aufgaben, erzählt Reisenberger. Nach der ersten Schicht ändere sich das oft. Wer noch nie an einer Supermarktkassa gesessen ist, lernt den Ablauf kennen und trifft Menschen aus dem Grätzl. Selbst unbeliebte Dienste werden angepasst: Die Samstagfrühschicht beginnt inzwischen eine halbe Stunde später und ist etwas kürzer. Das klingt nach einem kleinen Detail, entscheidet aber mit darüber, ob ein gemeinschaftlich organisierter Betrieb dauerhaft genug Freiwillige findet.

Ein Aufschlag für das ganze Regal

Die Mitarbeit soll Fixkosten senken. Ebenso wichtig ist die Preislogik. MILA verrechnet laut Reisenberger bei jedem Produkt denselben Rohaufschlag von 30 Prozent. Der Einkaufspreis macht 70 Prozent aus, danach kommen der einheitliche Aufschlag für Personal, Energie und Infrastruktur sowie die jeweilige Steuer. Saisonale Margensprünge oder Lockangebote sind in diesem System nicht vorgesehen.

Für Lieferantinnen und Lieferanten bedeutet das nach Reisenbergers Darstellung: Sie nennen den Preis, den sie für ihre Ware brauchen. Die Genossenschaft versucht nicht, bäuerliche Betriebe herunterzuhandeln. Findet das Einkaufsteam dasselbe Produkt günstiger, wird der niedrigere Preis direkt weitergegeben. Auch Steuersenkungen sollen unmittelbar bei den Mitgliedern ankommen, weil der prozentuale Aufschlag gleich bleibt.

MILA hat die eigenen Preise nach dem Start mit jenen großer Handelsketten verglichen. Reisenberger berichtet, dass zahlreiche identische Markenprodukte und manches Bio-Obst oder -Gemüse günstiger waren. Diese Vergleiche stammen von der Genossenschaft selbst. Sie sind dennoch für das Modell aufschlussreich: Günstige Preise sollen nicht über einzelne Aktionswaren entstehen, sondern über Mitarbeit, eine knappere Kostenstruktur und eine nachvollziehbare Kalkulation.

Das Sortiment folgt Wünschen, nicht einer Verbotsliste

Wer einen Mitmachsupermarkt als strengen Bioladen erwartet, liegt nur teilweise richtig. Reisenberger schätzt den Bio-Anteil des Sortiments im Gespräch auf 80 bis 85 Prozent. Bei Obst und Gemüse gibt MILA biologischer und regionaler Ware nach Möglichkeit den Vorzug. Im Regal liegen aber auch konventionelle Süßigkeiten, Chips und andere bekannte Produkte.

Dahinter steht eine bewusst einfache Regel: Mitglieder dürfen Wünsche einbringen, sollen anderen aber nichts verbieten. Niemand muss begründen, warum ein Produkt zu ungesund, nicht biologisch oder nicht konsequent genug sei. Was gekauft wird, bleibt eher im Sortiment. Zugleich prüft das Einkaufsteam, ob die Beschaffung sinnvoll ist. Hohe Versandkosten und großer logistischer Aufwand für ein einzelnes Produkt können gegen eine Aufnahme sprechen.

Diese Offenheit zeigt sich auch bei den Verpackungen. Reis, Hülsenfrüchte, Waschmittel oder getrocknete Früchte können in selbst gewählten Mengen abgefüllt werden. Viele Waren gibt es trotzdem weiterhin fertig verpackt. Reisenberger beschreibt das nicht als Widerspruch, sondern als Reaktion auf unterschiedliche Alltage. Manche Mitglieder bringen für bestimmte Einkäufe Gefäße mit, bei anderen greifen sie lieber zur bereits portionierten Packung.

Gegen Verschwendung helfen klare Signale

Beim Mindesthaltbarkeitsdatum setzt MILA auf ein System, das alle Mitglieder sofort verstehen sollen. Nähert sich ein Produkt dem Datum, bekommt es einen gelben Punkt. Erreicht es das Datum und ist noch in Ordnung, markiert ein roter Punkt den um 30 Prozent reduzierten Preis. Auch schrumpeliges Gemüse kommt vergünstigt in eine eigene Kiste.

Der Effekt entsteht durch die Eigentümerrolle. Wer ein Joghurt mit längerer Haltbarkeit von hinten aus dem Regal nimmt, obwohl er das vordere morgen essen könnte, schadet dem eigenen Betrieb. Reisenberger sagt, viele Mitglieder würden deshalb zuerst bei den reduzierten Waren nachsehen. Was dennoch übrig bleibt, landet mitunter in der Gemeinschaftsküche. Eine Zero-Waste-Gruppe verarbeitet beispielsweise überschüssige Lebensmittel; größere Mengen wurden fallweise an eine Caritas-Stelle in Meidling weitergegeben.

Die Küche ist zugleich Treffpunkt. Dort finden gemeinsame Essen, Kochabende und Workshops statt. Im Geschäft selbst werde mehr über Produkte und Rezepte gesprochen als in anderen Supermärkten, sagt Reisenberger. Ohne Musik, Rabattaktionen und Zeitdruck an der Kassa bleibt dafür offenbar mehr Raum.

Zugänglichkeit entscheidet sich in konkreten Details

MILA will möglichst vielen Menschen die Teilnahme ermöglichen. Der Markt ist barrierefrei, eine niedriger angebrachte digitale Waage erkennt Obst und Gemüse automatisch, und Mitglieder bieten auf Wunsch Einkaufshilfe an. Für Menschen, die ein reizarmes Umfeld brauchen, gibt es eine stille Stunde. Aushänge und digitale Werkzeuge sollen schrittweise barriereärmer und teilweise mehrsprachig werden.

Auch finanzielle Engpässe werden innerhalb der Genossenschaft aufgefangen. Über einen Solidartopf können Mitglieder Pfand oder Bargeld spenden. Das Guthaben wird Menschen gutgeschrieben, die sich melden, wenn Einkaufen gerade schwer leistbar ist.

Trotz aller sozialen Ziele bleibt MILA ein Betrieb, der wirtschaftlich tragen muss. Zum Zeitpunkt des Gesprächs hatte die Genossenschaft laut Reisenberger knapp 1.400 Mitglieder; für einen stabilen Betrieb brauche es mehr als 2.000. Ein Filialnetz ist nicht geplant. Stattdessen will das Team den Standort in Meidling festigen und sein Wissen mit Gruppen teilen, die andernorts einen ähnlichen Supermarkt gründen möchten.

Gerade darin liegt die Stärke und zugleich die Grenze des Modells. MILA macht Einkauf nicht automatisch einfach: Mitglieder geben Zeit, Kapital und Aufmerksamkeit. Dafür erhalten sie Einfluss auf Preise, Sortiment und Umgang miteinander. Der Supermarkt wird so zu einer gemeinsamen Aufgabe. Ob sie dauerhaft gelingt, hängt nicht an einer Werbeaktion, sondern daran, ob genügend Menschen jeden Monat wieder ihre drei Stunden übernehmen.


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[00:00] Hallo und gratuliere dir. Du bist bei Forerunners Network gelandet. Good People, Good Stories statt täglich neuer Skandale. Also, besuche unsere Homepage. Dort triffst du viel mehr gute Dinge als sonst irgendwo. Lösungen, Ideen und Innovationen, Masterclasses und die besten Stories zum Wandel. Werde auch du ein Forerunner und besuche uns auf forerunners.network. Und jetzt viel Spaß beim Podcast. Wie sieht die Infrastruktur von morgen in Österreich aus? Straßen, Schienen, digitale Netze, aber auch Energieversorgung und Bildung. Wer sind die Menschen, die heute schon an morgen denken? Welche Herausforderungen warten auf uns? Und in welche Richtung wollen wir uns bewegen? Sei dabei und lass uns unsere Zukunft gemeinsam gestalten. Auf Forerunners Network der ESG und Infrastruktur Plattform. Herzlich Willkommen liebe Hörerinnen und Hörer von Forerunners Network. Heute ein Podcast, in dem es um Ernährung geht, aber in völlig anderen Sinn. Nämlich um Lebensmittel und Einkauf.

[01:09] Und heute zu Gast bei Forerunners ist der erste Mitmach-Supermarkt in Wien. Er wirtschaftet anders als die großen Ketten, hat sich dem Motto verschrieben, Lebensmittel aus hoher Qualität zu einem niedrigen Preis anzubieten. Gerade in Zeiten, wo eben jetzt die Grundnahrungsmittel billiger werden sollen, wollen wir darüber sprechen, wie sinnreich diese ganze Sache ist. Aber Hauptthema ist der Miller-Supermarkt und bei mir sitzt Brigitte Reisenberger. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Auch eine Genossin des Miller-Supermarktes. Und gleich die einleitende Frage, die jeder bekommt, der hier bei uns sitzt. Wie bist du zu Miller gekommen? Wie bist du ins Studio gekommen? Was hast du vorher gemacht? Wie war so dein Leben bis zu diesem Podcast? Wunderbar. Ja, danke für die Einladung. Ich bin auch Miller-Genossenschaftsmitglied und auch Mitgründerin. Also ich bin schon seit Anfang an bei Miller mit dabei, vor gut fünf, sechs Jahren, wo wir auf diese Idee gekommen sind.

[02:18] Und dann ist das quasi in Paris bei La Louvre, da gibt es so einen ähnlichen Supermarkt oder die Park Slop Food Group in New York, wo wir das ganz dreist kopiert haben sozusagen. Und gemeint haben, wir machen sowas auch in Wien. Und wer ist wir? Also ich komme eher aus dem NGO-Bereich. Ich habe länger für eine Menschenrechtsorganisation zum Recht auf Nahrung gearbeitet, dann für eine Umweltorganisation zum Thema Umwelt und Landwirtschaft. Und auch die anderen, so in dem Anfangsgründungsteam, kommen alle so ein bisschen aus der Landwirtschaft, aus dem Handel, aus dem NGO-Bereich. Und genau, da haben wir eben beschlossen, es braucht in Wien unbedingt auch so einen Mitmach-Supermarkt. Und dann ja, fünf, sechs Jahre später, war es jetzt dann letztes Jahr im Oktober, ist es dann real geworden, wo wir in Meidling unseren Supermarkt eröffnet haben. Wo ist der genau in Meidling?

[03:12] Der ist in der Nähe von der U6 Niederhofstraße. Man kann ihn aber auch vom Bahnhof Meidling zu Fuß in weniger als zehn Minuten erreichen. Er ist zwischen Meidlinger Markt und Meidlinger Hauptstraße. Also gut so platziert, dass er von überall gut erreichbar ist. Das war uns auch total wichtig, dass er öffentlich gut erreichbar ist, der Supermarkt. Sagt die genaue Adresse? Vivenot Gasse 29. Vivenot Gasse 29. Da sind wir jetzt im Gäste und gehen einmal hinein oder schauen uns einmal das Portal an. Wie schaut er von draußen aus? Naja, Mille ist kaum so übersehen von draußen, weil wir vier riesige türkise Buchstabenleuchtreklame haben. M-I-L-A, das man von weit von der Straße sieht. Das haben wir von dem Hausbesitzer übernommen. Die vorige Firma, die da drinnen war, hatte zufällig auch vier Buchstaben und wir haben das gleich quasi als Fügung, als Omen gesehen, dass wir uns da einmieten müssen, auf jeden Fall.

[04:14] Und haben das dann vor ein paar Monaten von Erge auf Mila sozusagen umgebrandet. Genau, es gibt eine nette Kretzlo-Oase vor dem Supermarkt mit Bäumen und Sitzgelegenheiten. Und ja, wenn man reingeht, dann kommt man zuerst mal zum Empfang, wo irgendein freundliches Mitglied steht und einem willkommen heißt. Und dort kann man auch dann das Lehrgut zum Beispiel zurückgeben, Pfand. Und dann geht es, wenn man rechts reingeht, gleich zu den Einkaufswagen und dann ist man die große Obst- und Gemüseabteilung. Das ist so ein bisschen das Kernstück von Mila, wo die meisten Mitglieder gleich mal als erstes hingehen. So beginnt es auch in den klassischen Supermärkten, außer dass die keinen Empfang haben. Ja. Und dann, ja, gehen wir einmal zum Obst und Gemüse. Wie setzt sich das zusammen? Also das Obst und Gemüse haben wir, also jetzt im Winter haben wir zum Beispiel viel Gemüse und Obst aus Italien von unterschiedlichen,

[05:22] auch genossenschaftlichen, also Produktionsgenossenschaften, die Bio-Wirtschaften, zum Beispiel Legaline, Felice. Da kriegen wir viel von unseren Zitrusfrüchten jetzt gerade her. Die kommen aus Sizilien. Oder die Kanzlerin, ja. Genau. Oder El Tamiso, mit denen arbeiten wir jetzt also seit ein paar Monaten zusammen. Die sind stationiert in Padua, von denen kriegen wir viel Gemüse, das echte super Qualität hat und auch einen super Preis. Und das ist eine Bio-Genossenschaft, die schon seit den 80ern Bio wirtschaftet und ein Zusammenschluss von vielen Produzenten. Viel Gemüse haben wir auch, das Winterlagergemüse jetzt vom Biohof Marder in Wien im 22. Bezirk im Sommer oder im Frühjahr. Bei der Lobau, oder? Genau. Das Standl da beim Biberhaufen. Ja, genau. Also in der Lobau, genau. Mit denen arbeiten wir schon seit einigen Jahren gut zusammen, also auch in dem Minimarkt, den wir hatten, bevor wir den großen Supermarkt eröffnet haben.

[06:23] Im Frühjahr und im Sommer haben wir natürlich viel mehr vom Biohof Marder. Ja, jetzt hat sich das so ein bisschen verschoben. Dann Äpfelbiernen haben wir schon seit vieler Zeit vom Biohof Lindner. Also wir haben schon sehr beständige Kooperationen mit den Bauern und Bäuerinnen, mit denen wir zusammenarbeiten. Und haben halt echt eine totale Vielfalt. Also letztens hat der Kollege mal durchgezählt, da waren es, ich glaube, 80 oder 90 unterschiedliche Obst- und Gemüsesorten. Also man kriegt bei uns auch Sachen, wie man sonst nirgendwo mehr kriegt. Also so Dinge wie Schwarzwurzel zum Beispiel, die man erst selber schämen muss. Klingt man vom Heurigen. Ja, aber meistens ist man beim Heurigen, aber sieht nirgendwo im Supermarkt liegen. Aber wir haben auch, weiß nicht, Cetri-Zitronen. Das sind so süße Zitronen, die ganz riesig und ein bisschen schrumpelig ausschauen, die man eher so als Carpaccio machen kann oder in ein Risotto reingeben kann.

[07:26] Also auch so Dinge, die man vielleicht von früher nicht mehr irgendwo findet. Oder auch so neuere Sachen, die man noch nie irgendwo gesehen hat. Oder Tazoi zum Beispiel. Das ist so, habe ich auch vorher nicht kannt. Das ist, ich finde, es schmeckt und schaut aus wie so eine Mischung aus Mangold und Paktschoi. Und ist total gut in so asiatischen Gerichten. Habe ich vorher noch nie irgendwo gesehen. Wächst in Wien. Wächst in Wien? Wächst in Wien, genau. Simmering. In der Lobau. Genau. Gehen wir weiter zum Lobau und zur Wurst. Ja, dann haben wir immer Brotregal, das gleich im Gemüse steht. Da haben wir von der Bäckerei Schrott im 15. Bäckerei Schwarzbrot, sehr vegane Bäckerei im 7. Haben wir einige Sachen. Ich finde das beste vegane Börek von Wien haben wir da bei uns auch im Regal. Und ein bisschen was kriegen wir einmal von der Berster.

[08:27] Das ist so ein kleinerer bäuerlicher Händler aus dem Waldviertel oder Weinviertel. Auf jeden Fall aus Niederösterreich. Genau. Also da werden wir mehrmals die Woche mit frischem Brot beliefert. Kann man es eher selber eben nicht zur Hälfte aufschneiden, wenn man noch weniger kaufen will. Genau. Und dann, wenn man weitergeht, dann kommt man schon in den Kassenbereich, wo dann eben Mitglieder sitzen, die einen abkassieren auf drei unterschiedlichen Kassen. Dann haben wir eine relativ lange Kühlzelle, so so eine Kühlleiste, wo die ganzen Milchprodukte sind. Auch von bäuerlichen Genossenschaften aus Kärnten, von Kasslarben, aus dem Waldviertel von Milchkandl. Also sehr viel von uns. Bei uns ist Bio wahrscheinlich jetzt so 80, 85 Prozent, aber nicht nur. Also es gibt auch konventionelle Produkte. Also beim quasi Snackregal findet man genauso die Trascheekekse und die Manaschnitten. Also Dinge, die man in einem anderen Supermarkt auch kennt.

[09:29] Oder Kellischips findet man genauso. Bei uns ist es oft ein bisschen billiger als woanders. Aber auch sehr viele total tolle Produkte, die sich unsere Mitglieder wünschen. Die sich in so ein Buch reinschreiben oder auch digital in eine Sortimentsmappe, weil bei uns die Mitglieder das Sortiment mitgestalten. Und das macht halt unser Sortiment so ganz besonders. Muss ich nachdenken, was kaufe ich sonst? Säfte? Wie schaut es da aus? Gibt es da Cola? Es gibt bei uns Tiroler Cola. Oh, ja, kenne ich ja. Und Premium Cola. Das ist so eine Hamburger Marke. Genau. Also es gibt kein Coca-Cola, aber es gibt unterschiedliche andere Colas aktuell bei uns im Sortiment. Also es dürfen sich die Mitglieder… Also es gibt sozusagen keine Verbotsliste. Man kann nur positive Vorschläge machen. Also man kann keinem anderen Mitglied vorschreiben, die Trascheekekse sind free, die sind nicht bio, die sollte man nicht essen und die sind auch nicht gesund.

[10:35] Sondern man kann nur positive Vorschläge machen, was man selber gerne essen möchte. Also wir tun jetzt nicht das Einkaufsverhalten von den anderen Mitgliedern irgendwie kommentieren oder ähnliches. Und letztendlich entscheiden dann die Mitglieder darüber, was sie kaufen. Was gekauft wird, bleibt im Regal. Egal. Ganz, ganz simpel. Und wir schauen schon zum Beispiel jetzt beim Obst und Gemüse, wenn… Also da geben wir schon Bio und Regional und möglichst immer den Vorzug. Also wenn wir jetzt zu einem wirklich guten Preis tolle Bio-Produkte kaufen können, dann werden wir uns auf jeden Fall immer sozusagen für das Bio-Produkt entscheiden. Und wenn jetzt irgendwelche Produkte ganz schwierig zu beziehen sind oder wenn wir… Wenn das einer von unseren aktuellen Händlern nicht hat im Sortiment oder wenn das super kompliziert und aufwendig und mit großen Versand… Logistikaufwand oder Versandkosten in Verbindung steht, dann wird es für uns natürlich schwieriger.

[11:33] Weil wir schon auch schauen müssen, weil das dann auch ökologisch keinen Sinn mehr macht, sozusagen wegen einem Produkt sozusagen da… Das nach Wien zu bringen. Aber im Rahmen unserer Möglichkeiten schauen wir, dass wir so viele Produktvorschläge wie irgendwie möglich von den Mitgliedern sofort innerhalb von ein paar Wochen ins Regal stellen. Spielt da zum Beispiel auch das Wort Gentechnik frei eine Rolle? Kommt es mit dem auch in Berührung? Das war jetzt bei uns eigentlich noch kein großes Thema. Ich meine, in Österreich ist es sowieso kein großes Thema. Also da gibt es mehr oder weniger keine Produkte wirklich, die da irgendwie im Handel wären. Von dem her war das jetzt bei uns noch kein großes Thema. Von Seiten der EU und der Genschere droht da jetzt ein bisschen Grüße an den Florian Faber, an meinen Freund von der Gentechnik frei. Da droht ja ein bisschen was, aber das ist heute nicht Thema.

[12:28] Ich möchte noch einmal zurück zur Ware kommen, nämlich zum Fleisch. Das interessiert mich auch, weil jetzt schwebt ja Mercosur und das argentinische Rindfleisch und das Chlorhuhn und was auch immer da für Schlagworte geprügelt werden. Eine Rolle, woher bezieht ihr euer Fleisch? Ist das ebenfalls offen? Es muss einen gewissen Qualitätsanspruch haben oder kriege ich auch Steaks aus Uruguay? Frage ganz einfach. Nein, bei uns gibt es aktuell Fleisch und Wurstprodukte. Jetzt haben wir viel von Schoba zum Beispiel. Wir haben jetzt auch zu Weihnachten zum Beispiel eine Vorbestellung Enten und Gänse gehabt. Jetzt in dem Fall aus dem Bio und aus dem Burgenland. Fisch haben wir auch von Biofisch. Wenn ich ganz hundertprozentig sicher bin, genauso bei Fleisch machen wir zum Beispiel jetzt in der Weihnachtszeit viele Vorbestellungen gemacht, um dann auch zu schauen, dass da keine Lebensmittel verschwendet werden. Und speziell bei Fleisch, das einen relativ großen ökologischen Abdruck hinterlässt, ist uns das recht wichtig.

[13:45] Ich glaube nicht, dass wir planen, irgendwie Rindfleisch aus Uruguay demnächst im Regal zu haben. Also unsere Mitglieder, wie soll ich sagen, bis jetzt sind da noch keine irgendwie total absurden Vorschläge gekommen. Also ich glaube, Mila zieht schon Leute an, die sich irgendwie mit Lebensmittel und Qualität und deren Herkunft beschäftigen, die gern kochen. Die aber auch mal jetzt nicht nur sozusagen quasi religiös, bio oder vegan nur einkaufen, sondern die halt manchmal auch sagen, so und jetzt will ich einfach diese Chips essen. Punkt. Oder am Sonntag einen richtigen klassischen Schmerzbraten. Also keiner von uns oder keine von uns ist ja irgendwie so die perfekte Konsumentin und muss man auch nicht sein und muss man speziell bei Mila nicht sein. Wir schauen halt, dass für alle was mit dabei ist. Dinge in allen Preissegmenten anbieten. Also zum Beispiel sind bei uns die Kichererbsen.

[14:44] Da haben wir welche von einer türkischen Marke von Etze. Die sind die günstigsten, die wir aktuell im Sortiment haben. Dann gibt es welche andere verschiedenen Biomarken in der Dose. Dann gibt es in Tetra Park welche von Rapunzel. Und wir haben aber auch Kichererbsen umverpackt sozusagen, die noch hart sind zum selber kochen. Also wir haben ganz viele solche so umverpackte Container, wo man sie vom Waschmittel über Reis bis zu getrockneten Mangos, alles sozusagen in der Verpackungsgröße, wie man es gern haben möchte mit den Gefäßen, die man entweder bei uns kriegt oder selber mitnimmt, abfüllen kann. Zu einem echt sehr, sehr guten Preis. Weil oft sind also unverpackt Läden tendenziell eher im teureren Segment unterwegs. Und bei uns ist das nicht so. Aber man kann die Sachen auch ganz genauso in der Dosen kaufen. Weil einfach das die unterschiedlichen Realitäten von Wünschen auch von unseren Mitgliedern widerspiegelt.

[15:42] Und ich bin selber, also manche Sachen kaufe ich immer unverpackt. So wie die Linsen, die Beluga-Linsen oder den Pasmati-Reis oder die Haferflocken. Und bei anderen Sachen ist man dann irgendwie ein bisschen zu mühsam. Oder die kaufe ich dann nicht so oft. Und die Mangos kaufe ich dann lieber irgendwie in der sozusagen schön fertig portionierten, abgepackten Variante. Und das ist auch eben was, was Mila, finde ich, besonders macht, dass es all diese Dinge in einem Ort gibt. Weil wir haben immer einen zweiten Stock. Also man geht sozusagen, jetzt was ich beschrieben habe, ins Erdgeschoss. Dann geht man in den Stich rauf. Sozusagen ganz in der Mitte angeordnet. Oder man fährt mit dem Lift. Weil bei uns ist alles barrierefrei. Und oben gibt es dann viele Reinigungs- und Kosmetikprodukte. Und Bücherregal haben wir auch. Dann so Haushaltswaren, also vom Backpapier bis zu den Batterien und Strumpfhosen, Tassen, Klobepier.

[16:38] Alles, was man so braucht. Und viele verschiedene Konserven. Eben die Kichererbsen und Co. stehen dann auch dort. Nudeln, Tomatensauce, viel so internationale Produkte, gutes Chiliöl, Siraccia-Sauce, Miso-Paste. Dinge, die man normalerweise in so einem Asialladen vermuten würde, die gibt es bei uns auch. Du hast jetzt mehrmals Mitglied gesagt, du hast mehrmals von der Preiswürdigkeit gesprochen. Und da bin ich jetzt beim Mila-System. Das heißt, mehr oder weniger die günstigen Preise bei Mila erarbeite ich mir durch Mitarbeit. Drei Stunden einmal im Monat, genau. Drei Stunden, das ist nicht viel. Das würde richtig Spaß machen. Ja, also manche Leute haben am Anfang so ein bisschen Respekt davor. Und denken, okay Gott, kann ich das überhaupt? Und drei Stunden im Monat und wie soll das gehen? Aber eigentlich alle, die dann mitmachen, sagen, boah, das ist eigentlich total nett. Man lernt neue Leute kennen. Man lernt neue Aufgaben vielleicht erkennen, die man vorher noch nicht gemacht hat.

[17:36] Also ich bin vorher auch noch nie an einer Supermarktkasse gesessen. Genau, also alle Personen, die bei uns sozusagen einkaufen, sind auch Mitglieder. Also die werden Mitglied, zahlen einmalig im Leben 180 Euro Genossenschaftsanteil. Das ist mein Anteil, sozusagen Teil an Mila. Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, zahlt man nur 20 Euro. Es ist uns wichtig, dass alle mitmachen können. Genau, dann kann man eine Mieteinkäuferin oder Mieteinkäufer bestimmen. Eine Person aus dem Haushalt oder irgendwie, ich weiß nicht, Nachbarin, Freund etc. Kriegt eine Mitgliedskarte, wo man ein Guthaben aufladen kann. Genau, und dann kann man eigentlich sofort loslegen. Und diese Mitmachschicht, diese drei Stunden einmal im Monat, das ist der Kern. Das macht Mila günstiger als andere Supermärkte, weil wir dadurch viel von unseren Fixkosten sparen. Weil wir haben jetzt so sechs Angestellte im Team, die schauen, dass der ganze Laden läuft.

[18:36] Von Einkauf, Buchhaltung, Mitgliederbüro, Schichtkoordination ist natürlich ein wichtiges Thema. Die schauen, dass der Laden läuft. Und die relativ viel von der sichtbaren Arbeit in einem Supermarkt, also alles, was Regale einschlichten, Preisschilder stecken, Gemüse nachfüllen, abkassieren, am Abend sozusagen mit der Reinigungsmaschine durchfahren, das sind Dinge, die unsere Mitglieder machen und so ermöglichen, dass Mila überhaupt existiert, funktioniert und wir günstige Preise anbieten können. Gehen wir vielleicht zu den Schichten, das ist ja hochinteressant, weil ich stelle mir das dann vor, wenn ich da jetzt beim Paktschwein ähnlichen Gemüse bin und als zufällig gerade jemand, der das schon ausprobiert hat und jetzt gerade Schicht hat, der wird mir dann wahrscheinlich auch gleich einen Kochtipp dazu geben. Ja, also bei uns, bei Mila wird auf jeden Fall mehr über das Essen und über die Produkte geredet und getratscht als in jedem anderen Supermarkt, in dem ich jemals war.

[19:37] Also ich hätte, weiß nicht, ich würde in einem anderen Supermarkt, das ist nicht unbedingt, wenn Anreden, der da hingreift und sagt, Entschuldigung, was kochst du mit dem, wie geht das zum Zubereiten? Bei uns ist das ganz normal, dass man sich auch an der Kasse, ein Mitglied das gerade Schicht an der Kasse hat und mich abkassiert, fragt, hey, dieses Chiliöl, ist das gut, kennst du das? Und da passieren halt ganz viele Produktempfehlungen und Sortimentstipps und Essensrezeptvorschläge die ganze Zeit, weil es halt schon viele von uns auch, das sozusagen ein bisschen die Leidenschaft ist oder ein Mittagrund ist, warum man bei Mila mitmacht. Also wegen dem Essen und auch dieser Community und soziales Element. Es hat halt nicht so diesen hektischen Supermarkt, wo man reingeht, wo laute Musik ist, wo man mit Werbeversprechungen und 1 plus 1 gratis Aktionen und Rabattmarkerl und Preissenkungen

[20:33] und dies und das irgendwie konfrontiert ist und dann an der Kasse gestresst wird, dass man möglichst schnell die Sachen einräumt, schnell bezahlt, nicht beim Komat und schnell wieder raus ist, sondern wo das einfach, wo man ein bisschen durchatmen kann, wenn man reingeht. Wir haben keine Musik zum Beispiel, keine irgendwelche Werbeaktionen oder ähnliches, sondern man kann halt voll entspannt einkaufen und die Gespräche, die dann stattfinden, sind meistens halt irgendwie übers Essen oder man trifft sich nachher noch bei uns in der Gemeinschaftsküche auf einem Café. Also man lernt ja dann die Leute auch kennen, wenn man mit ihnen womöglich schon mal Schicht gemacht hat. Mit Leuten, die vielleicht in der gleichen Straße oder eben im gleichen Kretzel wohnen und mit denen hätte man sonst im normalen Leben unter Anführungszeichen wahrscheinlich nie Kontakt. Und bei uns kommen halt ganz unterschiedliche Leute zusammen. Also von, ich weiß nicht, jungen Studis, die irgendwie frisch nach Wien gezogen sind,

[21:30] bis zum pensionierten Kfz-Mechaniker ist so die ganze Bandbreite von unseren Mitgliedern. Ich bin ja schon neugierig, vielleicht gibt es irgendwann sogar das erste Miller-Baby von zwei Menschen, die sich dort kennengelernt haben. Ja, vielleicht. Es wird alles passieren. Es wird nicht unwahrscheinlich. Ich weiß noch nichts davon, aber ich weiß nicht, ob wir es erfahren würden. Genau, ob der Flurfunk das dann zu uns trägt, keine Ahnung. Wichtig ist für dich, was das betrifft. Genau. Was ist denn eigentlich die Schicht des Grauens, die keiner machen will? Naja, ich sage mal, die Frühschichten sind jetzt nicht unsere beliebteste Nummer. Also es geht halt schon um sechs Uhr in der Früh los, weil sozusagen da dann schon die ersten Lieferungen kommen und man quasi den Supermarkt ready macht für die anderen Mitglieder, die dann ab acht Uhr einkaufen kommen. Da haben wir jetzt zum Beispiel die Samstagfrühschicht haben wir jetzt um eine halbe Stunde nach hinten verlegt,

[22:25] um halb sieben und die ist ein bisschen kürzer als die anderen Schichten, um sie ein bisschen attraktiver zu machen. Genau, aber sonst sind eigentlich alle Schichten relativ gleichmäßig besetzt. Viele Leute sagen, sie arbeiten gern hinter der Kasse, ganz viele vorne irrsinnig gern mit unserer Reinigungsmaschine, mit dem Swingo, das ist auch sehr beliebt, genau. Oder Käse schneiden und Tee abfüllen, das sind jetzt neue Schichten, die gerade entstanden sind, weil wir so einen Verarbeitungsraum haben, wo wir unterschiedlichen Käse selber schneiden und portionieren und dadurch einerseits Verpackungsmüll ein bisschen reduzieren, kleinere Portionsgrößen anbieten können und der Preis günstig ist, weil wir selber portionieren und beim Tee ist es ähnlich. Das sind jetzt so neue, glaube ich, recht beliebte Schichten. Weil du gerade Käse gesagt hast, redet man über Ware und Ablaufdatum und Lebensmittel sind kostbar und Vermeidung von Lebensmitteln wegzuwerfen. Was gibt es da für Produkte?

[23:33] Ja, also grundsätzlich haben wir relativ wenig Lebensmittel, die wir irgendwie entsorgen müssen. Das ist bei uns kein riesiges Thema, weil wir so ein System haben, dass wir, sobald ein Produkt in wenigen Tagen sozusagen das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht, kriegt es einen gelben Punkt. Das signalisiert allen Mitgliedern, kauft das bitte. Das heißt, die Leute greifen dann nicht auch ganz hinten zum letzten Joghurt in der Reihe, sondern wenn sie es eben morgen oder übermorgen essen, nehmen sie das gleich vorne, weil das ist ja für den eigenen Betrieb nicht gut, wenn sie es anders machen würden. Und wenn es dann das MHT erreicht hat, kriegt es einen roten Punkt und wird trotzdem noch verkauft, um 30 Prozent günstiger, wenn das Produkt noch gut ist. Also wir richten uns da auch so nach den Empfehlungen von der Wiener Tafel, was so die Haltbarkeit angeht, aber weil so ein Joghurt natürlich oder ein Tupfen

[24:28] noch einiges über das Mindesthaltbarkeitsdatum hält. Oder speziell, wenn es jetzt, weiß ich nicht, um Kichererbsen geht, die halten wahrscheinlich nur einige Monate länger, also wenn es jetzt trockene sind. Und auch, ja, also da schauen wir. Und auch beim Gemüse, wenn es ein bisschen schrumpelig ist, oder dann wird es halt um 30 Prozent günstiger verkauft. Und das nehmen vorher viele Mitglieder auch sehr an. Die schauen als erstes einmal in der 30-Prozent-Kiste. Aber was sich da gerade so findet, manche Sachen, die dann da auch nicht weggehen, werden entweder bei uns in der Küche verkocht. Letztens hat jemand Zitronen, Salzzitronen eingelegt. Es gibt so eine Zero-Waste-Gruppe bei uns, die sich ja vor ein paar Wochen gegründet hat. Und ab und an geben wir auch was an einer Caritas-Stelle, aber das in Meidling. Aber das war bis jetzt, ich glaube, das kann ich an einer Hand abzählen,

[25:19] wie oft wir überhaupt so viel hatten, dass die was abholen kommen könnten. Großartig, ja. Weil das bei uns einfach nicht so viel anfällt. Liebe Grüße auf dem Weg an die Verena von der Wiener Tafel, die auch beim Stadtlabor da gemeinsam mit einigen anderen gesprochen hat zum Thema Lebensmittelschwundvermeidung. Gehen wir vielleicht einmal auf das Mitmachen, auf das Miteinander. Ein ganz wichtiger Punkt. Miteinkaufen ist ein Stichwort, was ich mir dahergelegt habe. Was bedeutet das? Also jede Person, die Mitglied ist, kann eine andere Person bestimmen, die zwar keine Mitmachschicht machen muss, aber die auch mit einkaufen darf mit so einer Karte. Also es kann jemand sein aus dem eigenen Haushalt oder irgendjemand anderem. Wir sind Arbeitskollegen, denen man die Miteinkäuferinnenkarte gibt. So wo wir halt so die Runde der Personen, die bei Mila einkaufen können, erweitern. Und oft geht ja dann, weiß ich nicht, geht wer andere aus der WG halt dann einkaufen,

[26:22] sozusagen für die WG. Und genau deswegen haben wir diese Miteinkäuferinnenkarte. Man kann aber auch einfach mal vorbeikommen zum Schnuppereinkauf. Also man muss nicht sofort Mitglied werden. Man kommt einfach während unserer Öffnungszeiten vorbei, sagt beim Empfang, hallo, ich will mir das mal anschauen bei euch. Dann kriegt man, wenn die Person im Empfang gerade Zeit hat, gleich eine kleine Tour und ein bisschen Erklärungen dazu. Und dann macht man einfach einen Schnuppereinkauf und ist dann hoffentlich oder sehr wahrscheinlich so begeistert, dass man dann gleich selber Mitglied wird. Du bist eine Mitgründerin und da steht auch das Schlagwort bei euch auf der Homepage, Inklusion als Grundprinzip. Wie spielt das jetzt in die Mila-Systematik hinein? Ja, also auf ganz, ganz viel verschiedenen Ebenen. Also wir haben eine super aktive und sehr wichtige Arbeitsgruppe zum Thema Diversität und Inklusion. Und da geht es um Dinge wie eben, dass es barrierefrei ist,

[27:24] dass wir zum Beispiel eine digitale Waage haben, die relativ barrierearm ist, indem das sie, wenn man Produkte drauflegt, also Gemüse und Obstware, das automatisch vorerkennt, was das ist. Man muss sich keine Zahl merken oder irgendwo ablesen. Die ist auch niedriger angeordnet, damit auch Personen, die einen Rollstuhl nutzen, Zugang haben. Es gibt eine Einkaufshilfe, das heißt, wenn man kommt und beim Empfang sagt, ich brauche bitte jemanden, der mich unterstützt beim Einkaufen, dann kommt ein Mitglied und unterstützt, wenn irgendwas oben im Regal ist oder wenn man irgendwas sucht oder vielleicht nicht so gut lesen kann oder Seheinschränkungen hat. Es gibt einen Solitopf, das heißt, dass man bei uns Pfand spenden kann oder Bargeld spenden kann, direkt an der Kasse. Das wird dann umverteilt an Mitglieder, die sich bei uns melden, wenn es bei denen sozusagen finanziell gerade schwierig ist. Das wird relativ unkompliziert dann umverteilt

[28:23] und auf deren Guthabenkarte raufgeladen. Wir versuchen möglichst, jetzt fangen wir an mit englischsprachigen Schichten auch anzubieten. Wir schauen, dass wir bei Aushängen oder auch bei unseren digitalen Tools auf, jetzt auch zunehmend auf digitale Barrierefreiheit schauen, auf Kontraste zum Beispiel oder manche Dinge versuchen wir auch mehrsprachig anzubieten. Also es ist so ein bisschen ein Auszug von dem, was wir so unter Inklusion verstehen und versuchen Mila wirklich zugänglich für möglichst viele Menschen zu machen. Stille Stunde gibt es auch zum Beispiel, wo es noch leiser und ruhiger ist als sonst im Supermarkt für Personen, die darauf angewiesen sind, dass sie möglichst in einem reizarmen Umfeld sich bewegen können und einkaufen können. Ja, Wahnsinn. Großartig. Das ist noch nicht meine ganze Liste. Mila kocht, habe ich da noch stehen. Ja. Ihr redet jetzt gerne übers Essen. Ja, und wir essen gerne, genau. Wir haben eine Gemeinschaftsküche,

[29:25] die ja immer wieder für gemeinsame Mittagessen oder für Kochabende oder Kochwerkshops genutzt wird oder für großes Keksebacken, wie es jetzt war zu Weihnachten. Und vor ein paar Tagen haben wir auch einen Mitgliederblog gestartet unter dem Motto Mila kocht, weil einfach viele Mitglieder gesagt haben, sie möchten einen Ort haben, wo sie Sortimentstipps und Rezeptideen teilen können. Da stehen jetzt gerade die ersten Blogbeiträge in den Startlöchern. Für die Kaufleute unter uns, ihr seid ja auch sehr transparent auf eurer Homepage, was den finanziellen Hintergrund von Mila betrifft. Vielleicht gibst du uns ein paar Kennzahlen. Ja, also wir sind von der Grundfinanzierung von unserem Projekt zu einem Großteil eigenfinanziert. Und damit meine ich, dass wir einerseits über die Genossenschaftsanteile sozusagen Eigenkapital haben und dann uns sehr stark in den letzten Jahren über Direkkredite als Benachrang-Darlehen finanziert haben. Fast 900.000 Euro an Direkkrediten sind über unsere Mitglieder und Unterstützerinnen

[30:30] quasi finanziert worden. Das waren über 300 Leute, die im Durchschnitt ungefähr 2600, 2700 Euro Direkkredite gegeben haben. Also kein großer Investor oder Investorin, sondern ganz viele Menschen, die hinter Mila stehen. Und natürlich auch Teilförderungen und Kredit bei der Bank. Also insgesamt war die Investitionssumme und die Investitionssumme ist ca. 1,3 Millionen Euro. Aber eben zu einem guten Teil von Unterstützerinnen selber finanziert, was echt ein starkes Zeichen dafür ist, dass so viele Menschen hinter Mila stehen. Und ja, vielleicht glaube ich, unsere Preisgestaltung sozusagen für die Produkte ist auch nochmal ein recht interessantes Thema, Wenn wir schon bezahlen sind. Genau, wenn wir schon bezahlen sind, wo wir uns sehr stark abheben von anderen Supermärkten. Also ich glaube, wir könnten kaum transparenter sein und klarer sein, weil wir quasi einen Rohaufschlag von 30 Prozent auf all unsere Produkte aufschlagen. Das ist bei jedem Produkt vollkommen gleich.

[31:32] Also jeder kann sich im Kopf oder mit dem Taschenrechner sofort ausrechnen, wie viel ein Produkt bei uns kostet. Und 70 Prozent gehen an die Produzenten oder an die Lieferanten. Also der 70 Prozent für die Erdäpfel kriegt der Biohof Marder. 30 Prozent schlagen wir drauf für unsere Infrastrukturkosten, Angestellten mit Energie etc. Und dann, was da noch oben drauf ist, der jeweilige Steuersatz, den es gibt. Und so schaffen wir es halt bei ganz vielen Produkten, günstiger zu sein. Bei manchen Biogemüse oder bei einigen Biogemüse sogar sind wir auch billiger als die Biomarken beim Discounter. Und das zeigt halt, dass unser System wirklich gut funktioniert und wir das bei allen Produkten durchziehen. Also da werden jetzt nicht irgendwelche Margen irgendwie saisonal aufgrund von Nachfrage irgendwie nach oben oder nach unten gesetzt. Es sind immer diese 30 Prozent. Das heißt eigentlich sind ja die Lieferanten wahnsinnig glücklich,

[32:41] nehme ich an, dass sie Lieferant bei euch sein können, weil sie wahrscheinlich auch sehr nachhaltig und lang ohne viel Druck finanziell auch selber ihren Betrieb kalkulieren können. Ja, also unsere Lieferanten oder speziell die Bauern und Bäuerinnen, mit denen wir zusammenarbeiten, die sagen uns, was sie brauchen für ihr Produkt. Da gibt es keine Preisdrückerei. Also das könnten wir ja gar nicht, weil wir sind ein Supermarkt. Ja. Aber das widerspricht auch voll unseren Prinzipien. Die sagen uns, was das Produkt kostet und manchmal wird dann was ein bisschen teurer, weil der Produzent sagt, ich komme nicht mehr zu Recht. Ich gehe es anders nicht mehr aus. Und manchmal werden Produkte auch bei uns direkt billiger. Also so eine Pflanzenmilch, die ich immer total gern kaufe, die ist jetzt von 3,04 auf 2,86 oder so billiger geworden, weil wir einen anderen Lieferanten dafür gefunden haben,

[33:36] für die gleiche Milch. Also wir tun natürlich auch im Hintergrund schauen, wo können wir gewisse Produkte möglichst günstig beziehen, weil das ist unser Auftrag, so super gute Produkte für unsere Mitglieder zum möglichst günstigen Preis zu beziehen. Und das wird dann auch sofort direkt, direkt sozusagen weitergegeben. Es wäre auch so, wenn es jetzt um, weiß ich nicht, seit 1.1. sind die Frauenhygieneprodukte sozusagen mit dem anderen Steuersatz, oder ich glaube 0% Steuer ist jetzt drauf, wenn ich richtig informiert bin. Und das wird dann einfach sofort 1 zu 1 weitergegeben. Und wir haben eigentlich gar keine Möglichkeit, da jetzt sozusagen langsam irgendwie nachzuziehen und da irgendwie zu schummeln und dann doch sozusagen diese Steuersenkung irgendwo einzustreifen, weil wir einfach dann halt nur diesen 30% Rohaufschlag drauf geben. Und er würde ja gegen die eigenen Interessenarbeit. Ja, und das wäre gegen unsere Prinzipien und wir sind da transparent und da, ja,

[34:42] also da würden uns die Mitglieder gleich aufplatteln. Was sagst du jetzt zu der Aktion unserer Dreierregierung, die Steuern auf verschiedene Grundnahrungsmittel zu reduzieren? Man hört halt viel von 100 Euro pro Familie pro Jahr. Das ist nicht wirklich so richtig happig und man möchte vielleicht sagen, das ist eine B-Aktion, aber du bist jetzt näher am Handel als ich. Was hältst du davon und wie wird Mila das umsetzen, sobald es einmal steht? Also wir werden das natürlich 1 zu 1 umsetzen und diese Senkungen zu 100% an unsere Mitglieder weitergeben. Wir haben da gar keine andere Möglichkeit, unter Anführungszeichen, das irgendwie zu verschleiern oder jetzt im Vorfeld ein bisschen mit den Preisen raufzugehen, damit wir nachher sozusagen das senken können. Ich bin gespannt, wie der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel damit umgehen wird. Also es ist halt einfach die Situation in Österreich so, dass drei große Ketten über 90% vom Markt dominieren,

[35:53] dass wir eine extreme Supermarktdichte haben, also doppelt so hoch wie in vielen anderen Ländern in Europa und man würde glauben, wenn es so viele Supermärkte gibt, dann ist die Konkurrenz hoch und die Preise sinken. Aber es ist in Österreich genau das Gegenteil im Fall. So ein dichtes Filialnetz zu betreiben, ist auch teuer und die Preise sind halt im Vergleich relativ hoch und wir sehen halt, dass das bei Mila anders ist und dass wir im November letzten Jahres haben Mitglieder von uns, wie wir gerade am Monat im Betrieb waren, bei anderen großen Lebensmitteleinzelhändlern nachgeschaut, wie viel kosten die Produkte bei denen und bei uns. Teilweise die komplett identen Produkte, also gleiche Marke, gleiche Verpackungskurse, das vollkommen identen Produkt oder auch zum Beispiel Weintrauben haben wir da im November verglichen, wo unsere Weintrauben, die Bio waren, um 50 Prozent teilweise günstiger waren,

[36:54] als wie die konventionelle Ware bei den großen Supermärkten. Obwohl das ein Saisonprodukt war, wo man sagt, okay, aber im Herbst sind Weintrauben ja total quasi in Hülle und Fülle vorhanden und dann sagt man den Konsumenten, den Konsumenten ja kauf saisonal und dann sind genau diese Produkte, waren dann teilweise total viel teurer, weil große Supermärkten wissen, aha, im Herbst wollen alle Leute irgendwie Weintrauben kaufen und denken überhaupt nicht nach über den Preis und bei uns war das halt viel günstiger und auch bei vielen Markenprodukten war es so, also man kann sich bei uns auf der Website an diesem Preisvergleich von 80 Produkten haben wir uns da quer durch die Bank angeschaut und wir waren halt bei total vielen Produkten zu, weiß nicht, 10 Prozent, 17 Prozent, teilweise eben bei den Erdäpfel oder bei den, speziell eben bei den Weintrauben ist man so im Gedächtnis,

[37:51] so war es einfach extrem, wie viel günstiger wir waren. Wir schauen jetzt einmal in die milde Zukunft, während damals, als du Gast bei unserem Stadtlabor, das übrigens bald auch als Podcast auf Vorlands Network erhältlich ist, gewesen bist, hast du gesagt, wir denken nicht an Expansion, aber stellt ihr euch sozusagen als Open Source zur Verfügung an Menschen, die Ähnliches machen wollen, zum Beispiel in Ottakrenk? Ja, natürlich, also wir haben ja auch total davon profitiert, dass wir in Paris mehrere Tage bei La Louvre waren, zu siebt oder zu acht, und am drei Tage sind bei La Louvre in diesen Supermarkt eingetaucht, haben uns die Bestellsoftware anschauen können, die haben uns in die Buchhaltung schauen lassen, wir haben quasi in jedes Lager, in jedes Regal sozusagen, ist uns gezeigt worden, alle Abläufe, alle Checklisten, also wir sind total darauf angewiesen, mit anderen ähnlichen Supermärkten

[38:53] auch in München oder Berlin zusammenzuarbeiten und uns da auszutauschen, und wir sind natürlich auch bereit und mehr als ready dafür, wenn wer andere so ähnlichen Supermarkt gründen mag, sie mit uns in Verbindung zu setzen, und dann sind wir gern bereit, da unser Know-how bislang zu teilen. Wir haben jetzt nicht vor, Wien mit einem Mieler Filialnetz zu überziehen, wir sind jetzt happy, wenn wir den Standort in Meidling gut betreiben können, wenn wir mehr Mitglieder werden, also wir sind jetzt, glaube ich, so bei knapp 1400 Mitgliedern, also wir haben uns ziemlich gesteigert schon seit der Eröffnung, Wir brauchen über 2000 Mitglieder, damit wir sozusagen wirtschaftlich gut tragfähig sind. Das ist jetzt sozusagen unser nächstes Ziel, und die Regale mit noch mehr tollen Produkten vollzustellen, also wir haben jetzt schon so 3300 oder 3500 Produkte im Supermarkt auf gut 400 Quadratmeter Verkaufsfläche, und da ist noch Platz für einige mehr Produkte

[40:04] und mehr Mitglieder. Das sind jetzt so unsere großen Ziele. Also da draußen, Penzing, Hitzing, Rudolfsheim, Fünfhaus und Meidling ist ja sehr groß, alle Menschen, die entlang der U4 oder U6 wohnen, bei Mila wärt ihr super aufgehoben, sie suchen noch Mitglieder, schaut euch das an, und liebe Brigitte Reisenberger, danke, dass du uns so einen tiefen Einblick gegeben hast in Mila, so transparent wie der gesamte Laden offensichtlich ist, und ich weiß, wo mich mein nächster Einkaufsweg hinführen will, weil mit Penzing bin ja auch ich, oder sind wir da als Jägerwald Studios durchaus angesprochen. Super. Ich wünsche euch viel, viel Glück, ganz, ganz, wann steht dein nächster Mila-Besuch an? Jetzt gleich im Anschluss. Jetzt gleich im Anschluss. Also dann liebe Grüße an das gesamte Team und danke, dass du zu uns gekommen bist. Gerne, danke für die Einladung. Vielen Dank. Vielen Dank.

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