Was ein fünf Meter langes Bild über die Kraft gemeinsamer Kunst erzählt
Ein monumentales Gemälde, geschaffen mit Menschen mit Multipler Sklerose, steht am Anfang eines Gesprächs über weit mehr als Malerei. Die Wiener Künstlerin Margit Taus erzählt, wie kreatives Arbeiten Ängste verarbeitbar macht, unterschiedliche Menschen zusammenbringt und sogar im Berufsalltag neue Verbindungen schaffen kann.
Fünf Meter lang und mehr als zwei Meter hoch: Das Gemälde, das Margit Taus ins Forerunners-Studio bringt, lässt sich kaum übersehen. Seine Größe ist aber nicht das eigentlich Bemerkenswerte. Entstanden ist es gemeinsam mit Menschen, deren Leben von Multipler Sklerose geprägt ist. Damit wird die Leinwand zum sichtbaren Ergebnis einer Zusammenarbeit, die persönliche Ausdrucksformen, Krankheitserfahrungen und sehr unterschiedliche Erwartungen zusammenführt.
Über Jahrzehnte verband Taus ihre Kunst mit einem Brotberuf. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, zunächst bei Gustav Hessing und später in der Meisterklasse von Friedensreich Hundertwasser. Danach lebte sie zeitweise in Florenz, unterrichtete 31 Jahre an einer Berufsschule und arbeitete parallel konsequent an ihrer eigenen Kunst. Diese Laufbahn verlief weder geradlinig noch ausschließlich im Kunstbetrieb. Ein geregeltes Einkommen und wechselnde Lebensräume gaben ihrer kreativen Arbeit den nötigen Platz. Das prägt auch ihren Blick auf gemeinsames Gestalten.
Kunst kann Halt geben, ohne Krankheit zu romantisieren
Dass Taus Kunst als therapeutisch erlebt, hat einen persönlichen Hintergrund. Als junge Frau erkrankte sie an einem Virus und war zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Ärztinnen und Ärzte konnten ihr damals nicht sicher sagen, wie sich ihr Zustand entwickeln würde. Während langer Aufenthalte im Spital zeichnete und dichtete sie. Das kreative Arbeiten gab ihr eine Möglichkeit, Sorgen und belastende Erfahrungen auszudrücken.
Taus stellt diesen Weg nicht als medizinische Heilung durch Malerei dar. Im Gespräch beschreibt sie Kunst vielmehr als Hilfe in Situationen, in denen Angst, Schmerz oder Ungewissheit viel Raum einnehmen. Genau diese Erfahrung verbindet sie mit den Mitgliedern der Kunstgruppe, zu der sie später über einen persönlichen Kontakt stieß. Ein Teilnehmer mit Multipler Sklerose hatte ihr ursprünglich Hilfe bei Arbeiten rund um ihr Haus am Semmering angeboten und lud sie danach in die Gruppe ein.
Aus deren Texten und Arbeiten nimmt Taus vor allem eines mit: Farben können beruhigen, die Beschäftigung mit einem Bild kann ablenken, und Gefühle bekommen eine Form, an der weitergearbeitet werden kann. Die Künstlerinnen und Künstler der Gruppe sind Autodidaktinnen und Autodidakten. Für Taus mindert das den Wert ihrer Arbeiten keineswegs. Sie betont Begabung und Ausdauer – und beobachtet, dass viele gerade deshalb dranbleiben, weil ihnen die kreative Tätigkeit persönlich guttut.
Gemeinsames Malen braucht mehr als eine freie Leinwand
Ein großes Gemeinschaftsbild entsteht nicht automatisch harmonisch. Menschen reisen mit eigenen Vorstellungen an, Arbeitsweisen treffen aufeinander, und organisatorische Änderungen können Spannungen auslösen. Taus berichtet offen, dass auch bei diesem Projekt Erwartungen zeitweise auseinanderlagen. Ihre Rolle bestand deshalb nicht nur darin, künstlerisch mitzuwirken, sondern auch zu vermitteln.
Dabei half keine komplizierte Methode. Taus verbrachte vor der Malaktion Zeit mit den Beteiligten, ging mit ihnen durch Wien und lernte sie außerhalb der unmittelbaren Arbeitssituation kennen. Als Klärungsbedarf entstand, suchte sie das direkte Gespräch und half, Ausstellungsfragen zu ordnen. Beim gemeinsamen Malen habe sich die Gruppe schließlich so vertraut angefühlt, als würde sie einander schon lange kennen.
Die Leinwand allein hätte dafür nicht gereicht. Die Gruppe brauchte Zeit miteinander, klare Absprachen und ein offenes Gespräch, sobald Erwartungen auseinanderliefen. Erst dadurch konnte das Bild tatsächlich ein gemeinsames werden.
Frauen- und Fabelbilder öffnen eine zweite Wirklichkeit
In Taus’ eigenem Werk spielen Frauen eine zentrale Rolle. Ihre Mutter habe früher bemerkt, dass die gemalten Figuren ihr oft ähnlich sähen. Taus erklärt das mit der Vertrautheit des eigenen Gesichts: Wer häufig in den Spiegel schaut, trägt Formen von Augen, Nase oder Mund unbewusst in die Arbeit hinein. So entstehen idealisierte Frauenfiguren, die Persönliches enthalten, ohne Selbstporträts im engeren Sinn zu sein.
Dazu kommen Tiere und erfundene Fabelwesen. Sie erscheinen als Freunde, Beschützer, Helfer oder Begleiter. Taus sucht in ihren Bildern keine möglichst genaue Kopie des Alltags. Sie schafft eine Fantasiewelt, in der Beziehungen anders sichtbar werden können. Ein Bild muss sie selbst emotional erreichen, bevor sie damit zufrieden ist.
Gerade für gemeinschaftliche oder therapeutisch erlebte Kunst ist diese Offenheit bedeutsam. Nicht jede Erfahrung lässt sich sachlich erzählen. Eine Figur, ein Tier oder eine Farbe kann ausdrücken, wofür im Gespräch die passenden Worte fehlen.
Wenn Kunst Räume verändert, verändert sie auch Begegnungen
Taus sieht Kunst nicht nur im Atelier oder Museum. Sie erzählt von einem Zahnarzt, der drei große Bilder für seinen Warteraum kaufte. Seine Begründung: Die Arbeiten sollten Patientinnen und Patienten ablenken und ihnen einen Teil ihrer Angst nehmen. Auch in einem Krankenhaus wurden Werke von ihr angekauft. Solche Beispiele bleiben subjektiv, machen aber deutlich, wie Bilder die Atmosphäre eines Raumes mitbestimmen können.
Noch direkter wird die soziale Funktion, wenn Menschen selbst gestalten. Bei Seminaren in einem Hotel am Weißensee arbeitete Taus mit Beteiligten vom Lehrling bis zur Chefetage, ebenso mit Beschäftigten aus der Küche. Das gemeinsame kreative Tun sollte die Belegschaft näher zusammenbringen. Für Taus liegt darin eine Chance, die Betriebe häufiger nutzen könnten: Kunst nicht nur aufzuhängen, sondern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum eigenen Arbeiten einzuladen.
Ein Workshop löst keine organisatorischen Konflikte von selbst. Im Hotel am Weißensee war das erklärte Ziel jedoch, die Belegschaft zusammenzubringen. Taus empfiehlt solche Formate, weil sie beim gemeinsamen Malen erlebt, wie Menschen einander näherkommen.
Ein freies Künstlerinnenleben kann trotzdem Struktur haben
Taus’ Biografie widerspricht der Vorstellung, Kunst sei nur ohne Absicherung wirklich frei. Nach ihrer Zeit in Florenz wollte sie ursprünglich wenige Jahre an einer Berufsschule arbeiten und danach ausschließlich als Künstlerin leben. Aus dem Plan wurden 31 Jahre. Entscheidend war eine Direktorin, die ihre Unterrichtstage so bündelte, dass Taus weiterhin ausstellen und in ihren Ateliers arbeiten konnte.
Diese Verbindung aus Struktur und Freiheit prägte auch ihr Werk. Taus band sich nie dauerhaft an eine Galerie, weil sie den Druck fürchtete, laufend bestimmte Arbeiten liefern zu müssen. Stattdessen entstanden in Wien, Griechenland, Florenz, im Burgenland und in Oberösterreich unterschiedliche Serien. Der Ortswechsel wurde Teil ihrer künstlerischen Methode.
Das große Gemeinschaftsbild führt viele dieser Linien zusammen: persönliche Krisenerfahrung, Lust an Fantasiewelten, Offenheit für andere Menschen und die Fähigkeit, einen kreativen Prozess zu organisieren. Sollte das Werk verkauft werden, soll der Erlös nach den Angaben im Gespräch der Initiative rund um das MS-Kunstprojekt zugutekommen. Seine wichtigste Wirkung hat es aber bereits entfaltet. Es hat Menschen an einer Leinwand zusammengebracht und sichtbar gemacht, dass Kunst nicht nur ein fertiges Objekt ist, sondern eine Form der Beziehung.
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[01:25] Sie werden das Bild dann natürlich auch auf Forerunners Network auf der Homepage sehen. Aber ich rede jetzt zu viel. Ich frage jetzt einmal die Margit. Sie ist eine ganz, ganz junge Frau. Wie hat sie es heute hier in unserem Studio geschafft? Was waren die paar Jährchen zuvor? Es war folgendes, dass ich eine Künstlerin bin, die an der Akademie der Bildenden Künste studiert hat. Und zwar am Schillerplatz. Und das ist schon recht lange her. Ich habe da 76 begonnen und 82 mein Diplom gemacht. Und zwar habe ich begonnen bei dem Professor Hessing, Gustav Hessing. Und der ist dann leider verstorben. Und 100 Wasser hat die Klasse übernommen. Und so war ich die Erste, die bei 100 Wasser das Diplom für Malerei gemacht hat. Na, da frage ich gleich was dazwischen. 100 Wasser ist ein ganz, ganz großer Name, der in der Stadt Wien sehr, sehr viele Spuren hinterher.
[02:28] Er hat im Waldviertel viele Spuren hinterlassen und in Neuseeland. Wie war denn der so als Mensch? Er hat recht verschlossen eigentlich gewirkt. Also mir war er unheimlich. Ja, ich hatte nur das Glück, dass ich ihm sympathisch war, beziehungsweise die Kunst, die ich gemacht habe, war ihm sympathisch. Also er hat mich jedenfalls in seine Meisterklasse aufgenommen. Und das war eigentlich nicht die Regel. Er hat einigen sehr ans Herz gelegt, vor allem den jungen Männern. Sie sollen sich doch andere Professoren suchen. Bei mir war das so, dass ich ja auch sehr bunte Bilder mache und verschiedenste Sachen ausprobiert habe, mit Wachs und so weiter. Jedenfalls, er mochte meine Sachen. Aber er kam mir eigentlich sehr schrullig vor. Und ich hatte das Gefühl, ich muss mich abgrenzen. So als ich ihm zum ersten Mal die Hand gegeben habe, habe ich da sehr militärisch fast getan.
[03:31] Grüß Gott! So weit, so gut. Er war dann oft im Ausland. Also wie Sie sagten, in Neuseeland und ja, von Venedig. Also er war ja wirklich überall zu Hause. Und hat uns dann aber Kassetten gesendet, wo er geschrieben hat, was wir doch mögen tun in seiner Klasse. Und ja, also da war zum Beispiel ein Satz, an den ich mich sehr erinnere. Es kommen die Studenten, die jungen Studenten kommen als Paradiesvögel in die Akademie und es werden ihnen sozusagen dort die Flügel gestutzt. Ja, aber gut, das war die eine Seite. Die andere Seite war das, dass er die Meisterklasse total verändert hat. Wir hatten früher bei Hessing und bei den ganzen Professoren davor, hatten wir Staffeleien, die eigentlich schon sehr viel Patina durch die Jahre hatten mit verschiedensten Farbflecken. Und das hat eigentlich sehr künstlerisch, malerisch, romantisch gewirkt. Die hohen Fenster in der Kunstakademie.
[04:47] Und es war irgendwie alles sehr fein. Wir mochten es. Und dann kam 100 Wasser und er hat alles schwarz malen lassen. Also er hat die ganzen schönen großen Leinwände, also nicht Leinwände, sondern die Staffeleien, hat er alle übermalt schwarz und die ganzen Möbel wurden schwarz gemalt. So wie man eben seine Bilder kennt, die eigentlich alle einen schwarzen Rahmen haben. Ja, das war ihm wichtig. Und dann gab es ganz, ganz viele Blumen, die da aufgestellt wurden, die uns teilweise das Licht eigentlich genommen haben. Denn die waren relativ groß und wir mussten dann auch gießen. Also es gab so einen Gießplan. Ja, da habe ich mich gewährt. Lernt man auch was für später, oder? Ja. Ja. Und dann gab es noch diesen pritschelnden Brunnen da drinnen. Und ja, der hat einem also eher die Blase angeregt als sonst etwas. Na, wie ging es dann weiter nach der Akademie?
[05:53] Ja, nach der Akademie. Ja, nach der Akademie bin ich dann in Florenz gewesen. Das heißt, meine Diplomausstellung war so, dass 100 Wasser Bilder von mir ausgesucht hat, weil ich in Florenz war. Ich hatte damals einen griechischen Freund und es war mir nicht so wichtig irgendwie. Und er hat dann super meine Bilder an IBM und so weiter verkauft. Also nicht er selber, aber dadurch, dass ich 100 Wasser Schülerin war, das hat gut gewirkt. Ja, ich war dann einige Zeit in Florenz, hatte ein Weinlokal mit jungen anderen Leuten aus Griechenland und Italien und aus der Schweiz. Und habe aber dann irgendwann gesagt, so, jetzt muss das richtige Leben beginnen. Und es gab einen Job in der Berufsschule für Friseure in der Goldschlagstraße. Und da habe ich dann, wollen eigentlich nur fünf Jahre arbeiten und dann berühmt werden. So habe ich mir das als junge Künstlerin vorgestellt.
[06:55] Aber ich hatte dann eine ganz tolle Direktorin, die mich immer nur drei Tage sozusagen eingeteilt hat, sodass ich rundherum meine Ausstellungen und meine Kunst machen konnte. Und es sind dann 31 Jahre geworden. Ja, ist relativ lang. Mich hat jetzt nur ein bisschen, das richtige Leben müsste jetzt beginnen. Für mich, wenn ich jetzt ein Weinlokal hätte in Florenz mit Menschen aus ganz Europa, die da malen, genießen, Musik hören wahrscheinlich durch Florenz spazieren, ist das nicht das richtige Leben? Natürlich war das das richtige Leben. Natürlich war das das richtige Leben. Aber es war nicht die Norm. Ja, denn wir waren eigentlich nicht versichert. Wir waren eigentlich so underground. Ja, also es war irgendwie alles. Im Nachhinein habe ich das erst erfahren. Wir sind dann alle mit einer recht guten Summe ausgestiegen. Im Winter haben wir immer schöne Reisen nach Marokko gemacht. Und zu Ostern haben wir wieder begonnen.
[07:58] Und im Oktober, wenn es zu regnen begonnen hat in Florenz, dann sind wir wieder irgendwo hingereist oder nach Griechenland zu den Eltern von den Griechen. Also es war wirklich das schönere Leben. Ja, aber ja, ich hatte halt gedacht, irgendwie muss ich mich doch zu einem, irgendeinem Job hinziehen. Und das war eigentlich eine tolle Möglichkeit. Ja. Wie ist es dann mit der Kunst weitergegangen? Ja, ich habe sehr, sehr viele Ausstellungen gemacht. Die Niederösterreichgesellschaft, dadurch, dass ich eine Großmutter hatte am Semmering, wurde ich da sehr gefördert auch. Also einerseits von den Wienern, weil geboren war ich ja in Wien, und andererseits von der Niederösterreichgesellschaft, die ja damals noch in Wien war, in der Herrengasse. Und ja, also ich habe wirklich viel, sehr, sehr, sehr viel ausgestellt. Ja, man kann das an meiner Homepage teilweise sehen, wobei ich gar nicht alles angeführt habe.
[09:05] Aber ich habe mich nie verpflichtet zu einer Galerie. Ja. Ja. Ich hatte Angst, dass ich dann Arbeiten erbringen muss. Und es war eigentlich meine Sache, die typisch für mich war, ich war immer wieder in anderen Umgebungen. In Griechenland, in Florenz, in Wien, im Burgenland und so weiter. Und je weiß, wo ich war und mit welchen Leuten ich zusammen war, sind eigentlich immer andere Serien entstanden. Dadurch gibt es ganz viele Serien und ich war immer aufgeschlossen für neue Räume. Jetzt machen wir ganz kurz einen Hinweis. Sagst du, wie die Homepage lautet? Ja, das ist www.margit-m-taus.com Okay. Ich habe es mir natürlich angesehen, deine Homepage. Ja. Die Frau per se spielt eine große Rolle bei dir. Oder bist du die Frau, die die große Rolle spielt in diesen Bildern? Meine Mama hat früher immer gesagt, dass ich den Frauen, die ich male, immer irgendwie ähnlich schaue.
[10:20] Das ist aber nicht untypisch. Das habe ich gelernt bei den Mädchen, bei den Friseurmädchen, mit denen ich ja hauptsächlich Köpfe und Frisuren gemalt habe und Gesichter. Und habe beobachtet, dass man eigentlich, nachdem man sich selber ja sehr oft in den Spiegel schaut als Frau, dass man eigentlich die Augenform und die Nase und auch den Mund natürlich, also ganz typisch, wenn jemand einen kleineren, schmäleren Mund hat, dann macht er das auch bei seiner Arbeit. Und anscheinend gab es da immer wieder idealisierte Frauen, die irgendetwas von mir hatten. Aber es ist einfach so, finde ich, Frauen sind einfach die schöneren Objekte oder die schöneren Wesen, kann man eigentlich, muss man sagen. Weil Objekte ist eigentlich kein schönes Wort. Also die Frauen sind eigentlich die schöneren Wesen und geben künstlerisch sehr viel mehr her. Ich kann dir da nur zustimmen. Ich glaube es.
[11:27] Ich kann dir nur zustimmen. Ja, und dann spielt natürlich auch eine Fantasiewelt, eine Art Fabelwelt eine gewisse Rolle. Also irgendwo war ich ein bisschen auch so in der, wenn man in der Modernen, in der Avatarwelt, wie der Hollywoodfilm und Tiere spielen eine Rolle. Es muss eine wunderbare Traumwelt sein, aus der du dir so Momente herausreißt mit deinen Bildern. Ja, genau. Also ich habe immer gesagt, meine Bilder müssen mich umwerfen, damit ich sie selber wirklich mag und sie mir auch aufhängen würde. Und ja, also das Tier zum Menschen ist immer wieder ein Thema. Das kann eben ein guter Freund oder ein Beschützer oder ein Helfer oder einfach ein Beistand sein. Und diese Fabelwesen, das macht mir Spaß einfach auch solche Wesen zu erfinden. Okay. Gehen wir vielleicht einmal jetzt wieder in Richtung der Geschichte unseres Bildes, das jetzt bei uns da in den Studios von Forerunners Network von Jägerwald hängt, im 14. Bezirk.
[12:41] Nämlich dann, wenn wir endlich fertig sind mit dem Umbau, das wird in zwei Monaten soweit sein. Wann bist du zum ersten Mal mit Menschen in Berührung gekommen, die mehr oder weniger Malen als Therapie gebraucht, empfunden oder sich genommen haben? Also ich habe selber das immer wieder auch als Therapie empfunden. Ja, also ich habe schon bemerkt, dass es, wenn es mir nicht gut geht, dass die Kunst mir sehr helfen kann. Ich habe zwar nicht MS, aber ich habe schon als sehr junge Frau ein Virus gehabt, das mich in den Rollstuhl verbannt hat. Und wo ich dann einfach, obwohl die Ärzte sagten, sie können mir nicht wirklich sagen, ob das wieder gut wird. Ich habe dann gesagt, ich werde wieder Ski fahren und das habe ich dann auch getan. Das war damals eine Sache, die mir wichtig war. Und ich war sehr viel im Spital.
[13:43] Ich habe damals, also sehr lange Zeit mit dieser Geschichte im Spital, habe selber dort sehr viel gezeichnet und auch gedichtet, muss ich sagen, auch über die Ärzte. Also ich habe mir alle meine Sorgen sozusagen von der Leber gemalt. Und bin dann durch Zufall zu dieser Gruppe oder vielleicht auch gar nicht durch Zufall, denn diese Künstlergruppe, die hat sich ursprünglich Dot-Ed-Nerfs genannt. Und mit den Nerven war das auch meine Geschichte. Ja, also die nicht so guten Nerven, das war auch meine Sache und auch eine Auswirkung dieser Krankheit, die ich da hatte. Und ich habe das, also sage ich jetzt mal, recht gut im Griff. Aber dadurch bin ich dann durch Zufall an einen sehr lieben Menschen und zwar den Gerhard Zimmermann gekommen. Und zwar folgendermaßen, ich habe von meiner Mama am Semmering ein Haus geerbt und hatte dort plötzlich wahnsinnig viel zu tun.
[14:52] Nicht nur das Haus auf Vordermann zu bringen, sondern auch sehr viel Gartenarbeit. Und ich war dann irgendwann verzweifelt und habe ihm Facebook geschrieben, wo sind die Enkel, die mir helfen. Und da hat sich nur ein Mann gemeldet und das war der Gerhard Zimmermann. Und dann hat er mir gesagt, dass er da, also eigentlich selber MS hat, aber dass ihm das gut tut. Also er hat da selber einen Wald und Föhren und wenn er in den Wald geht, dann geht es ihm einfach gut. Und er wollte mir damals helfen und hat mich dann eben gefragt, ob ich nicht dieser Facebook-Gruppe beitreten will. Und da bin ich auch beigetreten und zwar war das ein Projekt für zwei Jahre. Und das ist im April passiert, 2022 und ist jetzt beendet sozusagen, indem der Name gewechselt wurde und sich die Mitglieder auch verändert haben.
[15:56] Und ich bin jetzt nicht mehr dabei, weil der Name jetzt wirklich eindeutig MS ist. Also nicht mehr mit Nerven, sondern es heißt jetzt MS Art oder eine, ja so ähnlich, MS Art Kollektive. MS Art Kollektive. Vielleicht zur Info für unsere Zuhörer, Zuhörerinnen. Was hat denn MS für ein Krankheitsbild? Das werden nicht alle wissen. Also MS ist die Abkürzung für Multiple Sklerose. Es hat das Krankheitsbild, dass es all along nicht besser wird. Es gibt sicher Fälle, die ein Wunder sind oder die vielleicht falsch diagnostiziert waren. Aber im Grunde geht das von den Gehirnsträngen aus. Und soweit ich das jetzt sagen kann. Was hat man dann? Schmerzen, Verkrümmungen? Man hat meistens eher spastische Lähmungen, aber es ist so unterschiedlich. Manche Leute sehen sehr schlecht. Bei manchen wird das Sprechen schlechter. Bei manchen wird das Gehen schlechter. Also man kann dann sozusagen, da gab es diese Geschichte von einer MS-Frau, die erzählt hat, dass ihre Tochter jemanden erklärt hat, meine Mama kann nicht am Strich gehen.
[17:30] Also damit ist gemeint, man kann nicht auf einer geraden Linie gehen, weil man ist möglicherweise da so ein bisschen wackelig. Und was ich jetzt erfahren habe von den Leuten, da wir ja da im Sommer gemalt haben oder im Frühsommer, dass mit Hitze, das verschlechtert sich das Krankheitsbild. Also wenn es wieder kühler ist, dann geht es ihnen wieder besser. Okay, und dieses Malen und das kreative Auseinandersetzen, das setzt dann eigentlich an den Gehirnströmen, wo diese Krankheit mehr oder weniger Ursprünge hat, wahrscheinlich an, oder? Und sage ich mal, meine Theorie, die ich jetzt entwickelt habe. Oder macht es einfach Spaß? Nein, es ist einfach eine Ablenkung. Ja, es gibt ja da diese schönen Texte von den Leuten, wenn ich da vielleicht zitieren darf, von Heike Otto. Sie schreibt, ich bin bunt, auch manchmal schwarz. Farben beruhigen mich. Ich brauche die Kunst wie die Luft zum Atmen.
[18:37] Für meine Ängste, meine Schmerzen, meine Träume, meine Wünsche. Alles ist Farbe oder alles in Farbe. Ich arbeite mit Farben, so wie ich an mir arbeite. Wunderschön. Ich finde das auch sehr schön, diesen Text. Und das sagt er sehr, sehr viel. Ich bekomme gleich die Gänsehaut. Es sagt ja, was ihnen das bringt. Diese drei Mädchen, die zwei aus Norddeutschland und das eine Mädchen aus Österreich und der Gerhard Zimmermann aus Österreich, die sind alle Autodidakt. Und sind ganz tolle Künstler, muss ich sagen. Weil bei der Kunst ist es schon so, dass man eine Begabung braucht und man muss auch dranbleiben. Und nachdem das den Leuten so sehr hilft, bleiben die auch dran. Und es entstehen ganz tolle Arbeiten, weil sie posten auch immer wieder was in Facebook oder in Instagram. Und ich verfolge das jetzt auch im Nachhinein und habe die eigentlich erst im Mai dieses Jahres kennengelernt.
[19:54] Ich führe jetzt meine Theorien noch ein Stück weiter. Kunst in der Arbeitswelt. Du hast vorher gesagt, IBM hat Bilder von dir zum Beispiel gekauft. Was bedeutet jetzt Kunst im Raum, wo Menschen an Arbeit nachgehen? Ist das für dich eine Inspiration? Ist es befriedigter Chef eine gewisse soziale Aufgabe? Wenn es meinem Betrieb gut geht, muss ich die Kunst fördern. Hat es Wirkung auf die Menschen, wenn im Betrieb Kunst hängt? Jedenfalls. Oder wenn der Betrieb sogar versuchen würde, was wahrscheinlich einer von 10.000 macht, seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen künstlerisch anzuregen, vielleicht in Workshops? Also ich würde ja beides empfehlen. Ich weiß zum Beispiel von meinem Zahnarzt vor vielen, vielen Jahren, hat er zum Beispiel bei einer Ausstellung von mir drei Bilder gekauft, wirklich drei große Bilder und hat die im Wartesaal aufgehängt oder im Warteraum aufgehängt und mit der Begründung, damit sich meine Patienten nicht zu sehr fürchten, damit sie da abgelenkt sind.
[21:14] Also das ist ja schon, das sagt ja auch schon sehr viel. Und so auch im AKH, da wurde ja angekauft. Also da hat man auch von mir angekauft, aber man hat von wahnsinnig vielen Künstlern angekauft. Und das soll ja auch die Leute erfreuen. Und dass man dann Seminare in verschiedenen Firmen macht, zu malen und zeichnen, das finde ich eine großartige Idee. Ich würde das sofort machen, weil das sind genau diese Dinge, die spannend sind. Und wo sich die Leute näher kommen. Also ich habe Seminare auch gemacht am Weißensee mit einem Fünf-Stern-Hotel, wo ich durfte arbeiten von den Lehrlingen bis zur obersten Chefetage und den Köchen und allen. Und das war die Idee, um die Crew eigentlich zusammenzubringen. War das der Weißenseerhof? Ja. Ja, aber das ist, glaube ich, ein ganz, ganz cleverer, beduchter, kunstorientierter Mann. Ich glaube, der war dabei beim ersten Bettenwind-Verkauf und hat da ein ziemliches Vermögen gemacht
[22:26] und investiert in schöne Dinge, unter anderem in dieses wunderbare Hotel da, an dem wunderbar eiskalten Weißensee. Wahrscheinlich der letzte, wo man noch ordentlich Eis laufen kann in Wund, in Österreich. Ja, also ich habe dort schon auch Kommunikationsseminare gemacht. Und da diese Direktorin, die mir ja ermöglicht hat, in der Berufsschule nur drei Tage zu arbeiten in der Woche, also Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, bin ich wirklich, das war, die hat da mein Leben gemacht, wirklich. Also ich bin ihr bis heute dankbar und wir sehen uns auch regelmäßig. Naja, ich kompletiere es vielleicht einmal. Du bist sehr dankbar, sie hat dir eigentlich einen gesicherten Background geschaffen. Ja. Also mit, was braucht der Österreicher? Genau. Ein gesichertes Background, eine Pension usw. Genau. Das wünschen wir uns alle. Ja. Und dabei konntest du auch immer wieder so vier Tage die Woche frei fliegen. Natürlich. Ein wirklich wunderbares Leben.
[23:25] Ja, wunderbar, ja. Ja, ja, ja. Ich bin dann wirklich nur diese drei Tage in Wien gewesen und dann war ich meistens Atelier im Burgenland oder Atelier in Oberösterreich. Also, ja, das kann man verfolgen, wenn man sich da mit meiner Homepage sozusagen auseinandersetzt. Aber, ja, es war eigentlich trotzdem ein wunderschönes und trotzdem auf eine Art geregeltes Leben, so dass ich jetzt keine riesige Pension habe, aber ich habe eine Pension und kann gut damit leben. Wir haben mit dem Bild begonnen, Margit, und wir werden auch 23 Minuten, herrliche Zeit, versuchen, mit dem Bild zu enden, das jetzt dann bei uns da hängen wird und das ihr auf unserer Homepage auch als Fotos sehen werdet. Wie war denn die Arbeit bei dem? Es sind vier Autodidaktinnen, die da mitgearbeitet haben an diesem Bild. Das heißt, die sind vielleicht noch eigenwilliger und weniger zusammenspannbar als Künstler,
[24:26] die ab und zu gemeinsame Projekte machen. Musstest du da schlichten oder haben die brav auf dich gehört? Also, das ist wirklich eine sehr gute Frage, weil ich wurde von dem Gerhard Zimmermann, der zwar super Ideen hat und ein ganz ein lieber Mensch ist, aber es wurde für ihn schwierig, als plötzlich ein Problem war. Zwei Mädchen kommen aus Deutschland und plötzlich sind die Dinge nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben. Und dann habe ich zu ihm gesagt, weißt du was, ich komme und treffe uns alle am Badeschiff, weil die haben dann danach, am Tag danach, nach unserer Malaktion, haben die dann noch eine Ausstellung am Badeschiff in Wien gehabt und treffen wir uns dort und ich werde das schlichten und ich konnte das wirklich gut schlichten. Ich habe denen gesagt, schaut, es ist jetzt so und so und so, es ist perfekt, wie es ist.
[25:24] Ihr werdet auch dort eure kleinen Bildchen ausstellen können und wir werden das wunderbar organisieren. Und was dann auch sehr hilfreich war, ich bin mit denen zwei oder drei Tage davor durch Wien marschiert, wir haben uns viel angeschaut, wir haben eine schöne Zeit verbracht und dadurch waren wir dann beim Malen so harmonisch, dass es überhaupt, also das war, als würden wir uns ewig kennen und lieben, wirklich. Also es war wirklich schön. Ja, wunderbar. Und das Ganze gibt es quasi als Bild zu sehen. Erstmal auf forrunners.network auf der Homepage. Zweitens hier bei uns im Studio in der Missendorfstraße. Außer, fällt mir gerade ein, dass es gleich von der Homepage weg verkauft wird, weil ich glaube, ihr habt euch darauf geeinigt, wenn dieses Bild, das ist 5×2,15 Meter, eben einen Käufer findet, dann kommt diese Summe wieder der Multiple Sclerose Charity des Herrn Zimmermann zugute, oder?
[26:31] Genau, so ist es, ja. Also so soll das sein. Und wir freuen uns jedenfalls, dass es jetzt mal hier hängen darf. Und vielleicht gibt es auch eine kleine Vernissage, ich weiß nicht, das müssen wir uns erst ausmachen. Also wir machen keine kleinen Vernissagen, wir machen, wenn, ganz riesige Feste. Super. Ich bin geborener Veranstalter, kleine Vernissagen, das schläfert ein bisschen ein. Aber es wird ein großes Fest zur Studioeröffnung der Forerunner Studios geben. Wunderbar. In diesem Sinne, Margit, es war mein Riesenvergnügen, dass du heute hier warst. Das war ein sehr ergiebiges Gespräch, super, ohne irgendwelche Vorbereitungen. So soll es sein, einfach plaudern. Ja. Und ja, freue mich, dass es dir so gut geht, dass du so schöne Kunst machst und dass du den Weg zu uns ins Studio gefunden hast. Ich danke dir auch sehr. Danke. Danke. Danke.
